Temeschburg im Schatten von Mohatsch (9)

Nach der Zerschlagung des Bauernaufstandes war der Bauernstand völlig der Willkür und Tyrannei des Adels preisgegeben. Den Bauern wurde das freie Zugrecht entzogen, , und die Leibeigenen gerieten in eine schwere Knechtschaft. Ihnen wurde sogar die Zugehörigkeit zur ungarischen Nation abgesprochen. So wurden für die Bauern Begriffe wie Heimat, Vaterland und Nation mit der Zeit Fremdwörter. In dieser Lage näherten sich die Türken immer mehr dem Abendland, an dessen Rand das stark geschwächte Ungarn stand.

Am 13. März 1516 verstarb der schwache König Wladislaw II. und an seine Stelle kam Ludwig II., der aber noch ein Knabe war. Zur gleichen Zeit bestieg den Thron der Osmanen Suleiman „der Prächtige und Große, der Erste, der Gesetzgeber, der Herr seines Jahrhunderts, der Vollender der Vollkommenen Zehnzahl". Er forderte von Ungarn den rückständigen Tribut und die Vereinbarung eines Waffenstillstandes. Da die Antwort des ungarischen Königs verzögert wurde, fiel der Sultan im Frühjahr 1521 in Ungarn ein. Während mehrere Heerhaufen in verschiedene Richtungen vordrangen, brach Mehmed Hyde mit 40.000 Mann in das Temescher Gebiet ein. Er traf hier statt auf Widerstand nur auf ein von Schrecken und Furcht ergriffenes Volk. Mehmed Hyde kam aber nur bis zur Petscher Burg (im Temescher Komitat), die er nicht einnehmen konnte und so wieder abzog. Scheinbar war das Ziel der Türken nur Belgrad zu erobern, was ihnen am 29. August 1521 nach 56-tägiger Belagerung auch gelang.

Die Schlacht von Mohács

Am 29. August 1526 fand die Mohatscher (Mohács-er) Schlacht statt, in der der 20-jährige König Ludwig II., sieben Bischöfe, 500 Magnaten und 22.000 Mann gefallen sind. An der Schlacht nahm auch der damalige Temescher Comes Peter Perényi teil. Das Land diente von da an, wie Karl Kraushaar schrieb, nur dazu, „um von den beute- und mordgierigen Türkenscharen ausgeplündert und ausgeraubt zu werden". So erreichten die Türken laut Francesco Griselini bald den Plattensee und Györ. Schuld an dieser schrecklichen Niederlage trug auch der Fürst Siebenbürgens Zápolya, der sein eingreifen in das Geschehen verzögerte. Noch vor dem 20. August stand er mit 40.000 Mann bei Temeschburg. Am 29., als die Schlacht stattfand, war er erst bei Szegedin. Nach der Mohatscher Niederlage kehrte er nach Temeschburg zurück und stellte sich in den Dienst der Türken mit der Absicht, auf den ungarischen Thron zu steigen.

Johann Zápolya ließ sich von seinen Anhängern und mit türkischer Unterstützung am 11. November 1526 in Karlsburg (heute: Alba Iulia) zum König Ungarns krönen. Einer seiner Anhänger, Peter Perényi, der einmal schon 1518 (nach Nikolaus Ujlaky) das Amt des Temescher Comes inne hatte, war nun erneut nach Laurentius Ujlaky (1519), Kaspar Raskay (1520), Nikolaus von Mazedonien (1523) und Johann Drágffy (1525) in diesem Amt. Als Gegenleistung für die Unterstützung Zápolyas sollte Perényi zum Fürsten Siebenbürgens gewählt werden. Zur gleichen Zeit rief die Witwe Ludwigs II. den Reichstag nach Komárom ein, und ließ ihren Bruder Ferdinand I. von Österreich auch zum ungarischen König wählen. Zugleich wurde die Wahl Zápolyas als nichtig erklärt. Der Temescher Comes Perényi schwankte zwischen den beiden. 1527 ist Ferdinand I. zum König Ungarns gekrönt worden, und zwar vom selben Erzbischof von Gran (Esztergom), Paul Várday, der schon zuvor Zápolya gekrönt hatte. Perényi trat nun endgültig in den Dienste Ferdinands und wurde bald zum Kanzler ernannt. Sein Nachfolger im Amt des Temescher Comes wurde für kurze Zeit Valentin Török. Um ihn auf seine Seite zu gewinnen, ernannte Zápolya noch 1527 Emmerich Czibak zum Temescher Comes. In dessen Amtszeit besuchte Zápolya im November 1533 Temeschburg. Laut Griselini ist Czibak 1534 in Siebenbürgen getötet worden. Sein Nachfolger soll Zápolyas Verwandter Peter Petrovits (eigentlich Vic) gewesen sein. Dr. Iliesiu gibt (nach J. N. Preyer) als Jahr des Amtsantritts Petrovits's 1538 an.

Der Streit zwischen Ferdinand I. und Zápolya dauerte elf Jahre lang und endete 1538 mit dem Großwardeiner Vertrag. Demnach sollte jeder der beiden seine königliche Macht in jenem Gebiet ausüben, das ihm 1538 unterstellt war. So war nun Zápolya König über Siebenbürgen und das Banat und Ferdinand I. über Restungarn. Es wurde aber festgelegt, dass diese Gebiete nach Zápolyas Tod Ferdinand I. (der seit 1531 „römischer König" war) zukommen sollten. 1540 starb Johann Zápolya in Mühlbach (heute: Sebes Alba), nachdem er von der Geburt seines Sohnes Johann Sigismund erfuhr. Seine Witwe Isabella, die sich auf der Schoimoscher (Solymos)Burg aufhielt, missachtete aber den Großwardeiner Vertrag und ließ ihren Sohn in Absprache mit ihren Verbündeten, dem Kardinal Martinuzzi, dem Verweser Siebenbürgens und Petrovits, dem Temescher Comes (die beide Vormunde des Waisenkinds waren), bei seiner Taufe zum König Ungarns krönen. Der Tod Zápolyas ist noch lange Zeit verschwiegen worden. Erst nach mehreren Monaten wurde die Leiche vor der Bestattung in Ofen in der Kapelle des Temeschburger Hunyadi-Kastells aufgebahrt.

Als Ferdinand I. sein Recht mit Waffengewalt durchsetzen wollte, brach Sultan Suleiman unter dem Vorwand, den Waisen zu schützen, in Ungarn ein. Am 4. September 1541 erließ er eine Verordnung, wonach Siebenbürgen und das Banat als eine türkische Provinz (Sandschak) dem Sohn Zápolyas geschenkt wurden. Mit diesem Akt beginnt der Untergang des Banats, die Türken hatten von nun an die Einverleibung des Banats ins Osmanenreich vor Augen. Bald sollte ihnen der Anlass dazu geliefert werden.

Kardinal Martinuzzi, der nun zwischen Ferdinand I. und den Türken wankte, drängte bald Isabella zur Erfüllung des Vertrags von 1538, nämlich zur Abgabe Siebenbürgens und des Banats an Ferdinand I. Dafür sollten Johann Sigismund, Isabella und sogar Petrovits einen Ausgleich erhalten. Kaum hatte der Sultan dies erfahren, ließ er sein Heer unter Mohammed Sokolli von Ungarn aus in das Banat einfallen. Dieser eroberte mehrere Burgen und Festungen (darunter waren Tschanad, Lippa, Schoimosch u.a.), und im Oktober 1551 begann er die Belagerung Temeschburgs. Die Festung, die nun durch Ferdinand I. den Kaiserlichen gehörte, ist damals vom letzten Temescher Comes und Festungskommandanten Stefan Losonczy verteidigt worden. Dafür hatte er laut Dr. Iliesiu 2.020 Reiter und 1.550 Fußvolk zur Verfügung. Als die Türken ankamen, wurden die Bewohner der Großen Palanka in die Festung gebracht und die Siedlung niedergebrannt. Zwischen den Trümmern versteckten sich Alfonso Perez mit 400 spanischen Reitern und Rodriguez Villandrando mit 300 Mann Fußvolk. Am 16. Oktober 1551 stürmten die Osmanen die Temeschburger Festung. Am nächsten Tag begann der Angriff vor dem Tor der Nordseite, von wo die Türken die Festung mit Kanonen beschossen. Losonczy folgte der Aufforderung der Türken zur Kapitulation nicht, trotz des starken Angriffs, der von allen Seiten vorgetragen wurde.. Als die „Insel" (die Kleine Palanka) als verloren galt, wurde auch von hier die Bevölkerung in die Festung gebracht, und General Aldaña zündete die Häuser der Siedlung an, nachdem er mit seinen 100 Spanier die Waffen und die Lebensmittel in die Festung brachte. Schließlich vernichteten sie die Brücke, die die „Insel" mit der Festung verbunden hatte. Laut Berichten mehrerer Autoren sollen während der ganzen Zeit der Belagerung zwischen Losonczy und den anderen Offizieren, aber auch mit Ferdinand I. Zwistigkeiten gegeben haben, wobei der Comes sich weigerte, anderen Meinungen und übergeordneten Befehlen zu folgen.

Da die Lage bald kritisch wurde, rief man auch General Castaldo mit seinen spanischen und deutschen Söldnern zur Hilfe. Laut Dr. Iliesiu sollen nach Károly Czimer am 24. Oktober 1551 die Türken auf Flugblättern, die in walachischer Sprache verfasst und auf Speeren befestigt waren, die Belagerten aufgefordert haben, sich zu ergeben. Dr. Iliesiu zieht daraus die Schussfolgerung, dass es unter den Verteidigern auch viele Walachen gegeben haben muss. Schließlich gaben die Türken am 27. Oktober 1551 ganz überraschend die Belagerung auf und zogen sich zum Überwintern nach Belgrad zurück.

Fortsetzung                                                                                                                  Anton Zollner