Die Temeschburger Festung bis zum Ende der Anjou-Dynastie (4)

Nachdem König Karl Robert aus Temeschburg auszog, verlor die Festung viel von ihrer Bedeutung, und man ließ die Mauern verfallen. Nach der Entdeckung des Schießpulvers konnten die Wälle, die aus mit Erde gefüllten Rutenflechtungen bestanden, keinen Widerstand mehr leisten. Das Verteidigungssystem mußte schnellstens dem neuen Stand der Kriegstechnik angepaßt werden. Beim Bau der Mauern setzte man statt des Holzgeflechts starke Eichenstämme ein, man errichtete Palisaden, die von zwei bis drei Wassergräben umgeben wurden. Die Mauern wurden mit Schießöffnungen versehen und die Wehrtürme mit Kanonen ausgerüstet, Bis die Temeschburger Festung nach diesem System befestigt werden sollte, mußte es zur Türkengefahr kommen.

Nach seinem Umzug besuchte Karl Robert Temeschburg nur noch zweimal: 1330 und 1332. Das erste Mal zog er über Temeschburg gegen den walachischen Wojewoden Basarab, „damit er den Bären beim Bart packt und ihn aus seiner Hölle holt". Doch, wie bekannt, schlug ihn Basarab so stark, daß er nur mit einigen Begleitern wieder in Temeschburg ankam. Zum zweiten und zugleich zum letzten Mal besuchte Karl Robert Temeschburg am 27. Dezember 1332.

Die Skizze der von Karl Robert errichteten Temeschburger Festung
A = die Festung, B = der Donjon, C = Karl Roberts Burgkastell (an deren Stelle das spätere Hunyadi-Kastell stand),
D = der Kastellhof, E= die Burgmauern, F = Zugbrücken, G die spätere Große Palanka und
H = die spätere Kleine Palanka (die Himmelsrichtungen sind hier falsch  ausgerichtet worden)

Inzwischen verfielen laut Mihai Opris die Festungsmauern so sehr, daß die Verteidigungsaufgabe vom Burgkastell übernommen werden mußte. Für das Banat, also auch für Temeschburg folgte eine Zeit der Not. 1338 zogen Heuschrecken in dichten Massen übers Land und vernichteten alle Pflanzen, so daß im nächsten Jahr eine Hungersnot ausbrach. Danach folgte ein Erdbeben und 1340 die asiatische Pest, der sehr viele Menschen zum Opfer fielen. 1342 verstarb Karl Robert, und sein königliches Kastell ging in den Besitz der ungarischen Krone über. Seit dieser ist Temeschburg in den Urkunden schon als „Oppidum Themesvar" bezeichnet. Der Marktflecken entfaltete sich allmählich nördlich von der Festung.

Der nächste König, Ludwig I. der Große, besuchte Temeschburg auch nur zweimal. Das erste Mal zog er am 14. Oktober 1358 gegen den serbischen Herrscher Urosch, und das zweite Mal führte er im Oktober und November des Jahres 1368 sein Heer über der Festung gegen den walachischen Wojewoden Vlaicu. Urkunden berichten, daß in jenem Jahr als Temescher Comes Benedikt Heem verzeichnet war. Heem war aber laut Dr. Iliesiu (nach J. N. Preyer) auch schon zwei Jahre vorher, nämlich 1366 Temescher Comes gewesen. Für die Zeit zuvor verzeichnet derselbe Autor für das Jahr 1333 Nikolaus Pap und Sigismund Andrásy als Temescher Comes. Dazwischen sollten Dionisie Bebec (1366) und Ladislaus Korogh (1367) in dieser Funktion gewesen sein. 1370 hatte dann Wladislaw das Amt des Grafen (Comes) inne, gefolgt 1371 zum dritten Mal von Benedikt Heem.

Dr. Iliesiu berichtet aber auch über eine am 14. Oktober 1358 in Temeschburg von König Ludwig I. erlassene Urkunde, in der dieser verordnet, daß alle Leibeigenen und Fremden aus „Chuturtukhel" der Familie Heym gehorchen sollen. Unter seiner Herrschaft soll nach Kraushaar 1371 zum ersten Mal eine Komitatsverfassung eingeführt worden sein.

Nach dem Tode Ludwigs des Großen, der am 11. September 1382 eintrat, besuchte 1385 seine Witwe, die Königin Elisabeth mit ihrer Tochter Maria Temeschburg, sie wohnten eine längere Zeit im Kastell der Festung.

Francesco Griselini bezeichnet im Gegensatz zu den anderen Autoren Maria, die Tochter Ludwigs des Großen, als Nachfolgerin auf dem ungarischen Thron. In der Zeit ihrer Herrschaft sollen in Ungarn wieder große Unruhen ausgebrochen sein. Die ungarischen Adligen unter der Anführung Johann Horváths entzogen Maria den Thron und beriefen auf diesen Karl II. von Sizilien. Die Königin wurde gefangengenommen und in das Kastell Novigrad in Dalmatien gesperrt. Von hier befreite sie laut Griselini ihr Gatte Sigismund von Luxemburg, König von Böhmen, der dann selbst 1387 auch den ungarischen Thron bestieg. Nach dieser Niederlage weilte Johann Horváth mit seinen Anhängern noch eine Zeit lang im Temescher Komitat, bis sie dann endlich vertrieben wurden.

Fortsetzung                                                                                                                              Anton Zollner