Die Temeschburger Festung unter den Árpáden (2)

Dr. Iliesiu beschreibt die Temeschburger Festung aus dem 10. Jahrhundert als einen Wehrbau, der dem awarischen Bausystem glich. Der Bau soll aus Erde und Stein bestanden haben, und war von mehreren Erdwällen umgeben. Außerhalb der Wälle verlief ein Wassergraben, und darüber hinaus waren die Moräste der Temesch. Aus diesem Grund wird diese Festung als Wasserburg bezeichnet. Von drei Seiten war die Festung von den Armen der Temesch umgeben, und die vierte Seite soll laut Mihai Opris vom schon erwähnten Wassergraben gesäumt gewesen sein. Nach demselben Autor soll der Wehrbau viereckig gewesen sein und die Maße 170 x 110 Meter gehabt haben.

Über den Ort, an dem die alte Festung gestanden haben soll, sind sich die Autoren nicht einig. Dr. Iliesiu vermutet, dass sie an der Stelle stand, wo sich heute die Staatsoper und der Freiheitsplatz (Piata Libertatii) befinden. Opris bezieht sich auf die Forschungen Niedermaiers und behauptet, dass diese etwas östlicher zwischen der Alba-Iulia-, Pietosu- und Bocsei-Straße stand. Auf dem südlichen Teil dieses Areals, in der Nähe des heutigen Hunyadi-Kastells (in dem das Banater Museum untergebracht ist), soll laut Dr. Iliesiu das Schloss der Festung gestanden haben. Ungefähr hundert Meter östlich vom Kastell, dort, wo vor einigen Jahrzehnten noch der Wachturm der Siebenbürger Kaserne stand, befand sich laut demselben Autor ein von Morästen umgebener Fleck trockenen Bodens, der „Insel" genannt war. Meines Erachtens sprechen die beiden Autoren eigentlich von zwei verschiedenen Burgen (Wehrbauten). Dr. Iliesiu meint die ältere Burg aus der Zeit der Árpáden, die sich vermutlich auf dem Platz befand, wo heute die Staatsoper steht. Mihai Opris bezieht sich aber wahrscheinlich auf die von Karl Robert später errichtete Burg, die nicht mehr aus Ton, sondern aus Stein errichtet wurde.

An dieser Stelle soll in der Árpádenzeit die Burg an der Temesch gestanden haben

Außerhalb der Festungsmauern befand sich im Norden die Siedlung, die von leibeigenen Bauern bewohnt war. Die Siedlung, die aus unregelmäßigen Gassen bestand, war von Opris als „Dorf" bezeichnet, das sich im Laufe der Zeit zur Stadt Temeschburg entwickelt hat..

Aus der obigen Beschreibung ist zu erkennen, dass die Temeschburger Festung nur sehr ärmlich ausgestattet war, und aus diesem Grund wurde die Tschanader Festung für Königsbesuche bevorzugt. Trotzdem soll laut Dr. Berkeszi auch die Temeschburger Festung von den ungarischen Königen Ladislaus der Heilige, Stefan II., Géza II. und Stefan III. als Ausgangsort für ihre Kriegszügen benützt worden sein. Im 11. Jahrhundert gelangte die Festung für kurze Zeit unter die Herrschaft der Kumanenhorden, die aber von Ladislaus dem Heiligen für längere Zeit aus dem Lande gejagt wurden. 1212, im Jahre der dokumentarischen Belegung der Temeschburger Festung, wurde von König Andreas II. ein Reichsgesetz erlassen, wodurch die Würde eines Temescher Comes der eines siebenbürgischen Fürsten gleichgestellt wurde. 1241 brachen die Tataren (Mongolen) aus dem Norden kommend in das Banat ein und verwüsteten es. Nach ihrer Vertreibung befestigte König Béla IV. unter anderem auch die Temeschburger Festung. Die Mauern, die aus Erde und Stein bestanden, wurden diesmal aus mit Kalk gebundenen Steinen und Ziegeln errichtet. Die Wassergräben wurden auch vertieft und erweitert.

Ebenfalls aus Bélas Zeiten - 1235-1270 - (und nicht von Stefan, wie Dr. Iliesiu behauptet) stammt die 1266 erlassene Urkunde, aufgrund derer 1966 die 700. Jahresfeier der „Gründung" Temeschburgs gefeiert wurde. Mit dieser schenkte der König dem Comes Parabuch das Gut Rety, das bis dann der Temeschburger Festung gehörte. Gleichzeitig erhielt der Kumane Keyran das Gut Popth, das dem Temescher Komitat gehörte.

1278 wurde die Festung von König Ladislaus IV. in Begleitung des Tschanader Bischofs Gregor besucht. Er versammelte hier sein Heer, das er unter der Heerführung des Magisters Georgius gegen den walachischen Wojwoden Litowoj ins Feld schickte. Dr. Iliesiu notiert (nach J. N. Preyer) für diese Zeitspanne auch die Namen einiger Temescher Grafen (Comes), wie Hetze oder Helze (1214), Gylet (1233), Mathäus (1235), Dionisius (1240) und Stefan Csáky (1270).

1301 starb der letzte König vom Árpád-Stamm, ihm folgten die Könige des Hauses Anjou, deren erster Vertreter Temeschburg eine Blütezeit bescheren wird.

Fortsetzung                                                                                                                           Anton Zollner