Das Rekascher Gesundheitswesen

Die Jahren der großen Seuchen

Rekasch lag vor der Übersiedlung seiner auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde in einer weiten Sumpflandschaft. Die unübersehbaren Moräste sind zu Erregerherden verschiedener Krankheiten geworden. Unzählige Insekten verbreiteten das schreckliche Sumpffieber (Malaria). Jedoch auch später, nach 1740, war der Ort von Sümpfen umgeben. Die Entwässerung der Umgebung war nicht einmal nach der Ausgrabung des Bega-Kanals zuverlässig gewährleistet, von den viele Überschwemmungen gar nicht mehr zu sprechen. Die Trockenlegung der Rekascher Fluren war nach der Errichtung des Bega-Kanals noch einige Jahrzehnte lang nicht beendet.

In dieser Lage ist es nur selbstverständlich, dass es mit der Gesundheit der Rekascher Bevölkerung nicht zum besten stand. Die vielen Stechmücken waren der beste Nährboden für Seuchen. Bis zum 18. Jahrhundert, also bis zur Einwanderung der Deutschen, gab es in Rekasch keine Aufzeichnungen über das Ortsgeschehen. Aus diesem Grund ist laut Dr. Stitzl die erste bekannte Malaria-Epidemie erst 1768 verzeichnet. Kaum ein Jahr später, im Juli brach im Ort eine Variola- (Pocken-) Epidemie aus. Die Seuche, die erst im November abnahm, forderte 33 Opfer, meist Kinder im Alter von 6 Monaten bis 7 Jahren.

Der oben genannte Ortschronist führt in seiner Monographie alle weiteren Epidemien an, die seinen Heimatort heimgesucht haben. Für das Jahr 1785 verzeichnet er den Ausbruch einer unbekannten Epidemie in den Reihen der deutschen Bevölkerung. Diese hatte den Tod von 121 Personen verursacht. Die Seuche, die von Dr. Stitzl als eine wahrscheinliche Darmkatarrh-Epidemie diagnostiziert wird, forderte die meisten Opfer in den Reihen der Kleinkinder. Es soll damals Tage gegeben haben, an denen man sieben Tote beerdigen musste. 1823 breitete sich in der Gegend, aber fast nur unter der rumänischen Bevölkerung, eine neue „ansteckende Krankheit“ aus. Dr. Stitzl vermutet, dass es der Skorbut gewesen sein könnte, der von der Vitamin-C-armen Nahrung dieser Bevölkerungsgruppe (Maisbrei als Hauptnahrung) verursacht sein könnte.

Rekasch blieb auch von der Cholera nicht verschont. Aus der Kirchengeschichte kann man erfahren, dass der Ort von drei Cholera-Epidemien heimgesucht wurde. Aus den vorhandenen Daten ermittelte Dr. Stitzl, dass Seuche im August 1831 ausgebrochen war, ihr erstes Opfer war Georg Blaj. Einen Tag später verstarb die vierköpfige Familie des Peter Paul. Die Krankheit brach im schokazischen Viertel aus, später erreichte sie auch die deutschen Häuser. Die Epidemie ließ zwar schon im Oktober nach, aber es vielen ihr immerhin 32 Menschenleben (davon 22 Schokazen) zum Opfer. Die zweite Cholera-Epidemie brach fünf Jahre später, im Sommer 1836 und forderte in einem Monat weniger Menschenopfer als die erste. 1849 brauch die dritte Seuche aus, dieses Mal waren aber nur einige Menschenleben zu beklagen.

Im Juni 1854 ist Rekasch von den Kriebel- (Kribbel-) Mücken (simulium columbaczensis) befallen worden. Daten über die verursachten Schäden sind nicht bekannt. Bekämpft wurde der Krankheitserreger durch das Ausräuchern der Ställe. Im November desselben Jahres brach eine Masern-Epidemie aus, die aber kein Opfer forderte. Viel gravierender war die Schwarze-Pocken-Epidemie, die 1856 im Ort ausbrach und viele Opfer forderte.

1868 brach eine Seuche mit schweren Folgen unter dem Hornvieh aus. Ihren Ursprung hatte die von einem Rekascher Fleischhauer eingeschleppte Seuche im deutschen Viertel. Von dort aus verbreitete sie sich dann in der ganzen Gemeinde. Die Krankheit wurde niemals identifiziert, man begnügte sich mit der Vermutung, dass es die „orientalische Pest“ gewesen sei. Der Viehbestand wurde durch die Seuche stark dezimiert, allein im Jahre 1868 verendeten etwa 300 Stück Tiere. Diese Heimsuchung dauerte bis im März 1869, als sie endlich aufhörte.

In den Jahren 1870-72 berichtete man in Rekasch zum letzten Mal über seuchenähnliche Erkrankungen. 1870 sollen hier viele Menschen, zumeist Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren, an Fieber (?!) gestorben sein (war es die Malaria?). Im April 1871 brachen wieder die Masern aus, und schon im August folgte eine neue Malaria-Epidemie, die bis Ende November dauerte. In den vier Monaten sollen etwa 1.000 Personen erkrankt gewesen sein, von denen 171 starben. 1872 forderte die Malaria wieder einige Menschenopfer, hauptsächlich aus den Reihen der Kleinkinder.

Nach diesen Fällen berichtet Dr. Stitzl über keine Epidemien mehr, woraus man schließen kann, dass sich von dieser Zeit an die Lebensqualität in Rekasch und zugleich im gesamten Banat sprunghaft verbessert hat.
 


Die Heilberufler aus Rekasch

Über das Rekascher Gesundheitswesen berichtet Dr. Josef Stitzl in seiner 1924 veröffentlichten Ortsmonographie. Mit einer weiteren  Vervollständigung dieses Themas beschäftigte sich niemand. Wenn Dr. Stitzl auch sehr wichtige Daten belegt, so bemerkt man doch, dass auch ihm Fakten fehlten, die aber heute wahrscheinlich kaum noch vervollständigt werden können.

Die erste gesundheitliche Einrichtung von Rekasch war die Hebamme. Die erste Hebamme, Luzia Gasparovich, wirkte hier in den 40-er Jahren des 18. Jahrhunderts, sie starb 1752. Man weiß noch, dass hier 1768 Katharina Klein als Hebamme tätig war. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fehlen jedwelche Angaben. Seit den 90-er Jahren des vorigen Jahrhunderts und bis in den 20-er Jahren wirkte Katharina Götz als Geburtshelferin. Dr. Stitzl schreibt, dass 1924 außer ihr noch zwei Hebammen im Ort tätig waren. Katharina Götz und die seit 1921-22 eingestellte Panna Horti waren Angestellte der Gemeinde. Letztere übte ihren Beruf bis in die 50-er Jahre aus, als sie von Anna Pázmány und Stela Tintaru abgelöst wurde, die bis in die 70-er Jahre tätig waren. Ende der 50-er Jahre wurde im Ort das erste Entbindungszimmer eingerichtet.

Erst 1791 nahm in Rekasch neben der Hebamme auch der erste Chirurg seine Tätigkeit auf. Die Chirurgen wirkten bis 1853, als der erste Arzt hier ansässig wurde. Dr. Stitzl gibt als ersten Chirurgen eine Frau an: Anna Vlachovic. 1806 soll hier ein Chirurg gegen Blattern geimpft haben. Nach demselben Autor sollen 1843 die Wundärzte Mark Töffler und Johann Kaulo tätig gewesen sein. Der erstere übersiedelte von Rekasch nach Detta, wo er 1858 starb. Dass neben den Hebammen und Chirurgen recht fleißig auch die Kurpfuscherei betrieben wurde, ist für jene Zeit selbstverständlich. 1815 hat man den Barbieren diese Tätigkeit gesetzlich verboten.

Als erster Arzt kam 1853 der 46-jährige Dr. Heinrich Escher nach Rekasch. Seine von der Gemeinde ausgezahlte Besoldung betrug jährlich „133 Gulden und 27 Kreuzer, 10½ Pressburger Metzen Weizen und 2 8/18  Klafter Holz“. Dr. Eschers Nachfolger war Dr. Szmolay. 1876 begann in Rekasch seine langjährige Tätigkeit Dr. Georg Lendl. Er erfreute sich einer großen Beliebtheit in der Gemeinde und besaß eine bemerkenswerte Praxis. Wegen seiner kranken linken Hand konnte er aber die Geburtshilfe nicht ausüben. Ende der 90-er Jahre des vorigen Jahrhunderts war in der Gemeinde Dr. Klein als Arzt tätig, der aber bald nach Weißkirchen zog. Seine Stelle wurde von Dr. Desiderius Groß übernommen, der bald auch als Kreisarzt von Herneacova und zugleich als Arzt der k. und k. Eisenbahngesellschaft tätig war. Er verließ Rekasch während des 1. Weltkriegs. Nach der Jahrhundertwende übernahm die Stelle des Rekascher Kreisarztes Dr. Adolf Friedmann, und er war als solcher auch 1924 noch tätig. 1921 nahm in Rekasch auch Dr. Josef Stitzl seine Tätigkeit als Radiologe auf. Später wurde er bis 1940 Rekascher Kreisarzt. Er leistete zugleich auch Geburtshilfe. Nachdem er nach Lugosch übersiedelte, wurde diese Stelle von Dr. Brückner übernommen. Von 1946 bis 1950 fungierte in Rekasch wieder Dr. Stitzl als Kreisarzt. Als diese 1950 nach der Verstaatlichung des Gesundheitswesens beim Staatlichen Landwirtschaftsbetrieb (GOSTAT) Betriebsarzt wurde, verzeichnete man im Ort mehrere Gemeindeärzte, die aber nur kurzfristig hier weilten, wie Dr. Mezin und Dr. Elena Sorian. Denen folgte dann Dr. George Platon, der etwa zehn Jahre bis 1967 diese Funktion inne hatte. Diesem folgte für kurze Zeit Dr. István László, der aber während der Ceausescu-Diktatur nach einer Auslandsreise nicht mehr heimkehrte.

Das in den 80-er Jahren auf dem gewesenen Hauptplatz (also im heutigen vernachlässigten Park)
errichtete Gemeindeambulatorium

Obwohl Rekasch als Großgemeinde auch Stuhlbezirkssitz war, verfügte es niemals über ein Spital. Laut Dr. Stitzl soll es hier einmal ein Epidemiespital gegeben haben. Für Notfälle hatte Dr. Stitzl ein Zimmer neben seiner Praxis eingerichtet und in Bereitschaft gehalten. Um die Jahre 1954-55 wurde am Rekascher Hauptplatz das erste ärztliche Gemeindeambulatorium eingerichtet. In den 80-er Jahren errichtete man am selben platz ein neues Gebäude, in dem man das Gemeindeambulatorium entsprechend einrichtete. Seit Ende der 50-er Jahre funktioniert im Ort auch ein Sanatorium für lungenkranke Kinder, das aber nicht der Gemeindeverwaltung unterstellt ist. Vor kurzem konnten die 120 Jungen, die hier untergebracht waren, in ein neues Heim ziehen. Diese Bau ist der erste dieser Art in diesem Landesteil, der nach europäischem Format eingerichtet wurde. Diese Einrichtung kam mit der Hilfe des deutsch-rumänischen Vereins „Hilfe für Rumänien“, der „Caritas“ des Bistums Essen und des Kinderschutzbundes Herdecke zustande. Am Einweihungsfest nahm unter anderen auch Wolfgang Clement, Staatskanzleichef und Minister für Sonderfragen der Regierung Nordrhein-Westfalens teil.

Seit den 40-er Jahren ist in der Großgemeinde auch ein Zahnarzt tätig, der Rekascher Georg Nikolics. Im Gemeindeambulatorium wurde auch eine Zahnarztpraxis eingerichtet, in der Dr. Gabriel Geiger von etwa 1954-55 bis in den 60-er Jahren ordinierte. Nach ihm folgte eine Zeit, in der Temeschburger Zahnärzte 1-2 Tage in der Woche im Ort Zahnbehandlungen durchführten.

Die erste Apotheke Rekaschs ist 1835 unter dem Namen „Zum Löwen“ eröffnet worden. 1843 führte sie laut Dr. Stitzl Philipp Riedl, der sie 1846 an Karl Bonomi verkaufte. Dieser führte die Apotheke bis ins späte Alter, wonach er sie seinem Sohn übergab.1913 übernahm die Apotheke Josef Schönborn, der sie Mitte der 20-er Jahre Julius Schneider, der bis dann hier Apotheker war, verkaufte. Um 1948-50 wurde dieser enteignet, da alle Apotheken verstaatlicht wurden. Als Apotheker der nun verstaatlichten Apotheke fungierte bis zu seinem Tod (etwa 1965) Adalbert Vásárhelyi.
 


Die Tierheilkunde

In Rekasch wurde seit den ältesten Zeiten auch die Tierheilkunde praktiziert. Dies taten die Kurschmiede, unter denen der berühmteste laut Dr. Stitzl ein gewisser Götz war. Dokumentarisch belegt ist der erste Rekascher Tierarzt im Jahre 1894, als dieser nach Busiasch übersiedelte. Als weitere Tierärzte gibt Dr. Stitzl den ersten staatlich angestellten Tierarzt Sigismund Versenyi (1903-12) und Ödön Németh (1905-22) an. Diesen folgte 1923 Dr. Ionel Vlasceanu, der als letzter vom oben genannten Autor erwähnt wird.

April 1990                                                                                                               Anton Zollner