Das Rekascher Vereinswesen

Wie fast in allen banat-schwäbischen Ortschaften waren auch in Rekasch  gemeinnützige Anstalten, wie Spar- und Vorschussgenossenschaften, Feuerwehr-, Leichen- und Kulturvereine vorhanden. Selbstverständlich hatten neben den Deutschen auch die Schokazen, Ungarn und später die Rumänen ihre eigenen Kulturvereine, aber in vielen Vereinen waren alle Nationalitäten dieser Gemeinde mit gemischter Bevölkerung vertreten. Die meisten Informationen über das Rekascher Vereinswesen liefert uns der geschätzte Dorfchronist Dr. Josef Stitzl, die auch in diesem Beitrag übernommen wurden.

Als der älteste Verein Rekaschs kann der Schützenverein betrachtet werden. Er ist dreimal neugegründet worden. Zum erstenmal gründete man diesen in den Jahren der ungarischen Revolution von 1848-49. Er bestand als ein Schützenkorps, der an der Seite der Kaiserlichen gegen die Aufständischen kämpfte. Die Leitung des Korps hatte Franz Geller inne. 1865 gründete die deutsche Bevölkerung Rekaschs den Verein zum zweitenmal. Er bestand diesmal aus 65 bis 68 Mitgliedern, und ihr Hauptmann war Johann Wichtmann. Offiziere des Korps waren damals Josef Geller, Josef Achenbach, Andreas Bischof, Andreas Marschätzky, Johann Stricker und Nikolaus Tasch. Der Fahnenträger war Josef Hentschl. Der Schützenverein nahm auch in Temeschburg an zwei Feierlichkeiten teil, und zwar 1870 bei der Beerdigung des Obergespans Franz Murányi und 1872 bei der Parade, die anlässlich des Besuchs von Kaisers Franz Josef veranstaltet wurde. 1878, als Matthias Treuer Hauptmann war, löste sich der Verein auf, um 1904 vom Hilfsnotär Heinrich Wirth zum drittenmal wieder ins Leben gerufen zu werden. Fahnenmutter wurde die Ehefrau von Peter Ottlyk aus dem Nachbardorf Izvin (ung.: Jezvin). Der Verein bestand diesmal zehn Jahre lang, eine Zeitspanne, in der Heinrich Wirth, Georg Stricker, Nikolaus Tasch und Josef Birnstill als Kommandanten fungierten. 1914, als der Weltkrieg ausbrach, löste sich der Verein wieder auf, da die Waffen abgegeben werden mussten. Laut Dr. Stitzl war die Fahne des Schützenvereins 1924 noch in der katholischen Pfarrkirche aufbewahrt.

Der zweitälteste Verein war jener der "Muttergottesmädchen". Dieser wurde 1857 von den Frauen Katharina Paul, Anna Heier, Margaretha Thürbach und Anna Tasch gegründet, und ihm gehörten etwa 40 bis 50 junge Mädchen an. Leiterinnen des Vereins waren die Frauen Paul und Heier. In den Jahren 1870-71 löste sich der Verein auf. Einige Jahre später, 1875, ist der Verein von den Frauen Katharina Bischof, Katharina Schmidt und Else Tasch neugegründet worden. Leiterinnen des Vereins waren diesmal die Frauen Bischof und Tasch, in den Jahren 1912-14 hatte laut Dr. Stitzl Anna Müller diese Funktion inne. Am Anfang des Weltkriegs, 1914, löste sich der Verein wieder auf, um 1924 wieder ins Leben gerufen zu werden. Die weiter Geschichte dieses Vereins bis zum 2. Weltkrieg ist mir nicht bekannt, sie müsste deswegen ermittelt werden.

Nach der Gründung des Feuerwehrvereins wurde in den '80-er Jahren des 19. Jahrhunderts der Leichenverein ins Leben gerufen, dessen erster Präses Josef Achenbach war. Der Verein sorgte dafür, dass die Toten von Uniformierten auf den Friedhofbegleitet wurden. 1886 besaß der Leichenverein schon einen Leichenwagen und zwei komplette Pferdezüge, wie auch  Mantel und Hut für den Kutscher. Präses war im jenem Jahr Andreas Bach, sein Nachfolger im nächsten Jahr war Josef Zipp. Auch bezüglich dieses Vereins müssten weitere Angaben ermittelt werden. Es ist aber bekannt, dass in den Jahren des Kommunismus die Toten von ihren Kirchengemeinden beerdigt wurden, da auch die Friedhöfe in ihrem Besitz geblieben sind.

Nachdem 1884 der erste Spar- und Vorschussverein gegründet wurde, folgte ihm ein Gesellschaftsverein, der von den Intellektuellen aller Nationalitäten getragen wurde. Der Verein trug den offiziellen Namen "Temesrékási Társaskör" (Rekascher Gesellschaftskreis). Der erste Präses des Rekascher Casinos war der Oberstuhlrichter Alexander Joanovich. Ihm folgten Koleszár, Grecsek, Ernst von Weiß und Ionascu. 1922 wurde aus dem gemischtnationalen Verein der rumänische "Casino Român".

Mitte der '90-er Jahre des 19. Jahrhunderts entstand auch in Rekasch eine Ortsgruppe des Temeschburger Landwirtschaftsvereins. Viele Jahre hindurch leistete dieser Verein den Bauern wertvolle Dienste, besonders durch die Sonntagsvorträge. Trotzdem musste er später wegen des geringen Interesses der Rekascher aufgelöst werden. 1919 gründete Ferdinand Tasch und Jakob Weber den Verein wieder. Der erstere wurde zum Präses und letzterer zu seinem Stellvertreter gewählt. Zugleich hatte man Georg Bischof zum Schriftführer, Franz Stricker zum Kassier und Michael Bach zum Warenbesorger gewählt. Aber auch diesmal blieben bis 1924 von den 200 Gründungsmitgliedern nur noch 70 übrig. Weitere Angaben sind mir nicht bekannt.

Am 9. April 1901 gründeten 22 Rekascher Männer den Bürgerlichen Leseverein. In die Vereinsleitung wurden folgende Personen gewählt: Konstantin Lazar - Präses, Jakob Stitzl - Vizepräses, Lorenz Marko - Sekretär, Alexander Salzberger – Kassier und Viktor Bonomi - Bücherwart. Drei Jahre später, 1904 dankte die gesamte Leitung ab, und zum neuen Präses ist Stefan Pavelek gewählt worden. Ihm folgte 1906 Manó Majtinszky, der diese Funktion bis Ende 1924 innehatte. Auch hier fehlen weitere Daten.

Im Winter 1904/05 wurde in Rekasch ein Turnverein gegründet, der insbesondere von Studenten getragen wurde. Zwischen 1910 und 1912 gründeten Mittelschüler des Ortes den Rekascher Athletenclub, der viele Erfolge verzeichnen konnte. Laut Dr. Stitzl  soll der heutige "A.C. Recas" (Athletenclub Rekasch) 1920 unter dem damaligen Namen "Clubul Sportiv si Atletic din Recas" gegründet worden sein. Nach einer Jahresangabe auf den Mauern der heutigen Sporthalle soll aber dies schon 1919 stattgefunden haben, was aber m. E. wegen den politischen Ereignissen jenes Jahres (der Einmarsch der rumänischen Truppen ins Banat) fragwürdig ist. 1924 zählte der Verein laut Dr. Stitzl über 200 Mitglieder. Ehrenpräses waren in jenem Jahr Graf Ambrozy jun. und Oberstuhlrichter Ernst von Weiß. Zum Präses wurde damals für eine noch lange Zeit der Förderer und Unterstützer des Vereins, Dr. Josef Stitzl gewählt. Weitere Leitungsmitglieder waren: Friedrich Schörnig - Vizepräses, Ladislaus Jordan - Sekretär, Johann Schörnig - Kassier, Jakob Schörnig - Requisitenmeister und Dr. Emmerich Jakobovics - Anwalt. Schon seit dem Gründungsjahr widmete sich der Sportverein auch dem Fußball. Die Fußballmannschaft nahm in den '70-er Jahren an der Temescher Kreismeisterschaft mit guten Ergebnissen teil. Ein Beweis der besonderen Unterstützung, den der Sportverein seit über 70 Jahren seitens der gesamten Gemeinde genießt, ist die 1984 erbaute Sporthalle. Die Ermittlung der Tätigkeit dieses Vereins in den letzten 65 Jahren wäre sehr wünschenswert.

Zur Rekascher Vereinslandschaft gehörte auch der "Invaliden- und Pensionsfond für Arbeiter", dem als erster 1905 der Bahnvorarbeiter Georg Müller beitrat. Bis 1911 war es nur eine kleine Gruppe, die vom Wegmeister Ferdinand Lévay geleitet wurde. In einer nur kurzen Zeit stieg die Zahl der Mitglieder danach bedeutend. 1911, als die Zahl der Mitglieder auf 64, also über die Mindestzahl von 50 stieg, konnte am 27. August eine Rekascher Ortsgruppe gegründet werden. Zum Präses ist Johann Marschätzky gewählt worden, Präsesstellvertreter wurde Andreas Groß, Schriftwart Johann Divo und Kassier Adam Pall. Bald stieg die Zahl der Vereinsmitglieder auf 130 an, und so konnte der Verein bis zum Ausbruch des Weltkriegs eine fruchtbare Wohltätigkeitsarbeit leisten. 1914 ist die Leitung des Vereins von Barabas Matos und Karl Nanay übernommen worden. Nach dem Krieg wählten die Heimkehrer Barabas Matos zum Präses. In Führungspositionen wurden noch folgende Personen gewählt: Johann Marschätzky - Vizepräses, Johann Divo - Sekretär, Adam Pall und Johann Mereszko - Kassiere. 1923 kassierte man 16.000 Lei als Mitgliedsbeiträge, von denen jährlich sechs Invaliden mit je 5.000 Lei unterstützt werden konnten. In seiner Ortsmonographie erwähnt Dr. Stitzl für das Jahr 1924 neben dem genannten Präses und seinem Stellvertreter auch den Wegmeister Desiderius Bán als Sekretär und den Lehrer Zoltán Schanen als Kassier.

Mit dem Zweck der Förderung der Weiterbildung der Jugend gründete der Dechantpfarrer Johann Koleszár am 2. Juni 1912 den Selbstbildungsverein. Die etwa 40 Mitglieder wählten eine Leitung bestehend aus Johann Koleszár - Präses, Andreas Boros - Vizepräses, Gustav Jankovetz - Sekretär, Josef Trifon (später Georg Tasch) - Kassier und Georg Tasch (später Ludwig Ballek) - Bücherwart. Der Verein stellte aber wegen inneren Zwistigkeiten seine Tätigkeit im Herbst 1913  ein.

1920 gründeten die Rekascher den Unterstützungsverein. Zum Präses wurde Ferdinand Tasch, zum Vizepräses Johann Müller, zum Schriftführer Jakob Kräftenrath und zum Kassier Franz Schrauder gewählt. Der Verein hatte 1924  30 Mitglieder. Weitere Daten müssten noch ermittelt werden.

Am 18. November 1923 gründeten der Pfarradministrator Matthias Lányi und der Bahnhofschef Johann Müller den Deutschen Jünglingsverein, dessen Leiter sie selbst waren. Zum Jünglingspräses sind Nikolaus Geller und zu seinem Stellvertreter Ferdinand Lehretter gewählt worden. Weitere Leitungsmitglieder waren Jakob Birnstill - Sekretär, Matthias Ramholtz – Kassier und Michael Bach - Spielwart. Nach einem Jahr hatte der Verein 28 Gründungs- und 52 unterstützende Mitglieder. Laut Zeitzeugen soll dieser Verein später auch den Namen "Römisch-katholischer Deutscher Jugendverein" getragen haben. Die grüne mit Gold bestickte Vereinsfahne ist 1925 geweiht worden; Fahnenmutter war Anna Lehretter. Dieser Verein fand sein Ende mit der Gründung der national-sozialistischen Deutschen Volksgruppe aus Rumänien. Der letzte Leiter des Vereins soll Anton Michl gewesen sein und seine letzten Vorsitzenden waren Nikolaus Hentschl und Martin Buschinger.  Weitere Daten sind mir nicht bekannt.

Aufgrund der durch den Karlsburger Beschlüssen versprochenen nationalen Rechten für die ethnischen Minderheiten in Großrumänien und der darauf folgenden banat-schwäbischen Neubelebungsaktion, gründete man 1923 auch in Rekasch die Deutsch-schwäbische Ortsgemeinschaft. Nach nur einem Jahr  war dies der größte Verein Rekaschs mit etwa 300 Mitgliedern. Die Leitung der Ortsgemeinschaft bestand aus Dr. Josef Stitzl als Obmann, Ferdinand Tasch - Stellvertreter, Georg Stricker - Kassier, Zoltán Schanen - Schriftführer und Franz Wagner - Überprüfer. In den Ortsrat wurden folgende Mitglieder gewählt: Johann Marschätzky, Josef Hengelmann d.Ä., Johann Divo, Stefan Pavelek, Franz Tasch, Friedrich Schörnig, Josef Prexl und Ignatz Draxler. Der Verein wurde auf 11 Nachbarschaften aufgeteilt, zwei davon waren 1924 noch nicht aufgebaut. Als Nachbarschaftsobmänner erwähnte Dr. Stitzl für 1924 folgende: Franz Birnstill, Josef Birnstill, Jakob Kräftenrath, Michael Bach, Georg Bischof und Ferdinand Tasch. Zugleich entsandte man in den in Temeschburg residierenden Volksrat den Kaufmann Franz Tasch.

Die Einladung des "Röm.-Kath. Deutschen Männergesangsvereins" zur Fahnenweihe

Über das Vereinswesen Rekaschs sind für die Zeiten  nach 1924  keine Nachschlagewerke geschrieben worden, und es scheint als würden diese auch in Zukunft nicht mehr entstehen. Nur von Zeitzeugen ist zu erfahren, dass 1931 der Römisch-katholische  Männergesangsverein aus dem 1923 von Friedrich Schörnig gegründeten Gewerbegesangsverein entstanden ist. Chorleiter war der Lehrer Zoltán Schanen und Fahnenmutter Maria Schneider.

1932 ist der Frauenverein unter der Leitung von Eva Schörnig gegründet worden. Der gleichzeitige "Mädchenkranz" war ein Verein der weiblichen Jugend. Im selben Jahr gründete Ferdinand Lehretter unter seinem Vorsitz den Bauernleseverein.

Der Rekascher Frauenverein im Jare 1942

Nach der Errichtung der königlichen Diktatur im Jahr 1938 wurde die Tätigkeit der Vereine eingeschränkt und während der nachfolgenden Diktaturen waren sie praktisch nicht mehr vorhanden. Die zugelassenen gleichgeschalteten Organisationen durften nur noch den Interessen der jeweiligen Diktatur dienen.

August 1991                                                                                                                Anton Zollner