110 Jahre - Rekascher Freiwillige Feuerwehr
 
Von einer organisierten Feuerwehr konnte man in Rekasch zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch nicht sprechen. Die Stuhlrichter erließen zwar ständig Feuerschutzverordnungen, die von der Bevölkerung gewöhnlich auch eingehalten wurden, aber wenn im Ort ein Feuer ausbrach, da musste man hilflos zuschauen, wie die Strohhäuser gassenweise abbrannten.

Die damaligen Verordnungen waren sehr streng. Unter anderem war das Pfeifenrauchen, das Rauchen auf den Gassen und im Hof, wie auch brennende Kerzen auf dem Hausboden strengstens verboten. Die Gemeinde war verpflichtet Hakenleitern anzuschaffen und Wasserfässer aufzustellen. Zwischen 21 und 3 Uhr patrouillierten auf der Hauptstraße zwei und in den Nebengassen je ein Feuerwächter. All dies konnte aber trotzdem Feuersbrünste nicht verhindern.

Nach der Zerschlagung der ungarischen Revolution von 1848-49 wurden im Feuerlöschwesen bedeutende Neuerungen eingeführt. Alle Handwerker wurden verpflichtet, bei einem Brand Löscharbeiten zu leisten. Die Wagenbauer mussten das Wasser besorgen, die Schlosser mussten auf die Leiter steigen, die Maurer und Zimmerleute hatten brennende Hölzer zu entfernen, die Schneider und Schuster den Retterdienst zu versehen, die Bäcker, Lebzelter, Seiler, Kürschner und Lederer sollten die Pumpen mit Wasser füllen. Trotz all dieser Maßnahmen brannten - laut Dr. Stitzl - am 17. April 1863, als im Ebenschweller'schen Haus ein Feuer ausbrach, 13 Häuser und mehrere Stallungen ab.

1879 haben die Rekascher Handwerker beschlossen die Freiwillige Feuerwehr ins Leben zu rufen. Die erste Generalversammlung zur Gründung des Vereins wurde im Herbst desselben Jahres abgehalten. Mit der Leitung des Vereins wurde nach Dr. Stitzl der damalige Gemeinderichter Matthias Ambrus beauftragt. Als offizieller Gründungstag wird aber der 14. September 1880 betrachtet, weil an jenem Tag die Satzung des Vereins in Kraft getreten ist.

Dr. Stitzl zitiert als Gründungsmitglieder der Rekascher Feuerwehr folgende Personen: Georg Birnstill, Karl Bonomi, Nikolaus Buschinger, Johann Csermák, Franz Fuhrmann, Paul Götz, Johann Heuer, Franz Hollosy, Mata Jankulov, Anton Marschätzky, Urban Marschätzky, Jakob Philipp, Josef Raidl, Edmund Reinfried, Johann Sachetti, Anton Schütz d.Ä., Albert Schwerepa, Michael Stitz, Josef Stricker, Jakob Szablár, Alexander Szénássy, Josef Szodoma, Paul Sztaniszavlyevics, Johann Tasch, Urban Wichtmann, Alexander Wolfner, Ferdinand Wollinger und Michael Zdiarszky. Derselbe Autor vermerkt Heinrich Klucserics (1880), Alexander Ballon (1882) und Franz Dostal als die ersten Feuerwehrkommandanten.

Dieser Behauptung wurde in einem Beitrag zu diesem Thema in der gewesenen Temeschburger ungarischen Tageszeitung „Szabad Szó" (Freies Wort) vom 11. November 1983 widersprochen, wo der Autor des Beitrags (vermutlich der Rekascher Miklós Gyurcsik) Augustin Dostald als ersten „gewählten" Feuerwehrkommandanten angibt. Soll dies vielleicht dieselbe Person sein, die bei Dr. Stitzl als Franz Dostal verzeichnet ist? Der Redakteur der ungarischen Zeitung behauptet sogar, dass Dostald sich schriftlich an das Temescher Komitat wandte, um finanzielle Unterstützung für den Bau eines Schuppens zu erhalten. Als sein Antrag abgelehnt wurde, wandte er sich an den Wiener Hof, von wo er 1.200 Gulden erhalten haben soll. Dr. Stitzl schreibt in seiner Ortsmonographie von einer 100-Gulden-Spende des Kaisers Franz Josef zur Anschaffung von Requisiten.

Im ersten Jahr nach der Gründung des Vereins haben sich nach Dr. Stitzl die Mitglieder aus ihrem eigenen 50-Kreuzer-Monatsbeitrag nur Kappen anschafft. Da der Verein in der Anfangszeit keine unterstützende Mitglieder hatte, konnten Sommeruniformen erst später erworben werden. Das wichtigste Vorhaben des neugegründeten Vereins muss die Errichtung eines Schuppens gewesen sein, in dem man Requisiten unterbringen konnte. Auch diesbezüglich sind sich die beiden Autoren nicht einig. In der Anfangszeit (nach Gyurcsik 1885) wurde der Bretterschuppen laut Dr. Stitzl im gewesenen Stark-Haus am Hauptplatz, laut Gyurcsik aber soll der Sitz der Rekascher Feuerwehr damals an einem höheren Ort der Basoscher Landstraße gewesen sein. Dagegen behauptet Dr. Stitzl, dass später „ein stockhohes Gebäude am Hauptplatze, in der Nähe der Kirche aufgestellt, dem auch ein Feuerwehrturm angebaut wurde". Der Widerspruch der beiden Autoren geht sogar soweit, dass Dr. Stitzl als Baujahr des heutigen Vereinsgebäudes 1908 angibt, während Gyurcsik von einem „1913 erlassenen Beschluss" über den Bau des heutigen Feuerwehrgebäudes schreibt, das aber wegen des Ausbruchs des 1. Weltkrieges erst nach dem Krieg errichtet gewesen sei. Von wo stammen nun die so sehr unterschiedlichen Daten, und wer hat recht? Laut Gyurcsik soll aus dieser Zeit auch die erste in Wien um 400 Gulden gekaufte Handwasserpumpe, die auch heute noch bei der Freiwilligen Feuerwehr ausgestellt ist, stammen.

Dr. Stitzl verschweigt aber auch die von Gyurcsik angegebenen Unterbrechungen, die in den nun schon über 110 Jahre alten Tätigkeit der Feuerwehr stattgefunden haben. Gyurcsik behauptet in seinem Beitrag „Die Schule der Mutigen", dass „nach dem Kommandanten Dostald eine Unterbrechung in der Tätigkeit der lokalen Feuerwehr erfolgte". Während dieser Unterbrechung erwachten Hunderte von Rekascher Bauern am Morgen des 29. Juli 1895 als arme Leute. Die Ernte der Deutschen brannte am Sammelplatz bis auf die letzte Ähre nieder. Diese Katastrophe ernüchterte wieder die Bevölkerung, und der Gemeinderichter Anton Henschel organisierte die Feuerwehr aufs neue. Zugleich kaufte die Gemeinde vier Wasserpumpen und einen rollenden 1000-Liter-Wasserbehälter.

Weitere Kommandanten der Rekascher Feuerwehr waren laut Dr. Stitzl noch Árpád Biro, Sigismund Kardos, Julius Putics. Seit 1905 (nach Gyurcsik 1912) übernahm die Leitung des Vereins Johann Marschätzky, „der tüchtigste Feuerwehrkommandant, den Rekasch je hatte". Seine Ausbildung erhielt er in Debrecen. Nach seiner Rückkehr startete er eine sehr ernste Ausbildung seiner Mannschaft, die bald im ganzen Banat berühmt wurde.

Auch über die Fahnenweihe liefern uns die zwei Autoren verschiedene Daten, beide bestätigen aber als Fahnenmutter Julianne Pavelek, die Witwe von Stefan Pavelek. Dr. Stitzl berichtet, dass die Fahne des Vereins am 25. September 1910 feierlich geweiht wurde. Miklós Gyurcsik behauptet aber, dass die Stiftung einer Fahne auf der Vereinsversammlung von 15. Oktober 1912 (!?) beschlossen wurde. Welche von den „dokumentarisch" belegten Angaben sind nun die richtigen? Gyurcsik behauptet noch, dass zur Anschaffung der Fahne eine Spendenaktion gestartet wurde, und alle Spender durften einen Nagel mit ihren Initialen in die Fahnenstange schlagen. Die Fahne selbst besteht aus roter Seide, auf der der Hl. Florian, der Schutzpatron der Feuerwehrleute, und das Abzeichen des Vereins abgebildet sind. Der Spruch des Vereins war: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Währ". In den Jahren der kommunistischen Diktatur hat man die Fahne des deutschen Feuerwehrvereins aus der katholischen Kirche entfernt und sie in das Bukarester Feuerwehrmuseum ausgestellt. Ob die noch einmal in den Besitz jener kommt, die sie gestiftet haben, ist unwahrscheinlich.

Schon am 29. Juni 1913 nahm die Rekascher Feuerwehr an einer Übung in Lippa teil und kehrte von dort zur allgemeinen Überraschung mit dem ersten Preis, einem Lorbeerkranz und einem Feuerwehroffiziersbeil heim. Unerwähnt bleibt von Dr. Stitzl auch eine zweite Unterbrechung in der Tätigkeit des Vereins während des 1. Weltkriegs. 1919 nahm sie ihre Tätigkeit wieder unter der Leitung ihres Kommandanten Johann Marschätzky auf. Beim ersten Wettbewerb der Zwischenkriegszeit, der in Lugosch stattgefunden hat, erkämpften sich die Rekascher wieder den ersten Platz. Auf den ersten Platz kamen sie auch 1921 beim Wettbewerb, der in Groß-Sankt-Nikolaus stattgefunden hat. Im selben Jahr hat Deutsch das Ungarische als Kommandosprache abgelöst. 1929 breitete der Verein seine Tätigkeit auf das gesamte Gebiet des Rekascher Stuhlbezirks, also auf 32 Ortschaften aus und erhielt zugleich seine jetzige Benennung „Freiwillige Feuerwehrformation Rekasch".

Laut Dr. Stitzl bestand der Verein 1924 aus 44 tätigen und 154 unterstützenden Mitgliedern. In jenem Jahr hatte der Verein folgende Funktionäre: Dr. Josef Stitzl - Präses, Johann Marschätzky - Oberkommandant, Balint Hengelmann und Johann Mereszko - Vizekommandanten, Viktor Mereszko - Sekretär, Johann Zdiarszky - Kassier und Kommandant des 2. Zuges, Josef Birnstill - Kommandant des 1. Zuges, Anton Schütz - Fahnenführer, Josef Bonomi - Spritzenmeister und Gustav Mereszko - Requisitenmeister. Einzahlungen der Rekascher Bürger und besonders eine Spende von Dr. Stitzl in Höhe von 75.000 Lei machten es möglich, dass 1927 das erste „Ford"-Feuerwehrauto gekauft werden konnte. Der hochgeschätzte Rekascher Arzt spendete der Feuerwehrformation nachher auch noch eine Motorwasserpumpe.

Das 1933 angefertigte Jubiläumstableau

Am 18. August 1930, bei der 50. Jubiläumsfeier, an der 760 Feuerwehrleute aus den drei Kreisen des Banats teilnahmen, wurde Johann Marschätzky als bester Feuerwehrkommandant mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Ein Jubiläumstableau mit der Abbildung der Fahne, des Feuerwehrautos, des heutigen Feuerwehrturms, der Leitung und der Mannschaft ist erst 1933 angefertigt worden. Die Leitung war vertreten durch Ernst von Weisz - Ehrenpräses, Julianne Pavelek - Patin, Dr. Gheorghe Oprea - Anwalt, Dr. Josef Stitzl - Präses, Johann Zdiarszky - Kommandant, Gustav Mereszko - Vizekommandant, Johann Rotgerber - Sekretär, Josef Bonomi - Oberspritzenmeister, Franz Lukasz - Kassier, Stefan Hengelmann - Spritzenmeister, Josef Hengelmann d.Ä. - Fahnenträger und Julius Schütz - Zugskommandant. Die Mannschaft bestand aus: Filip Amschlinger, Michael Bach, Anton Birnstill, Josef Birnstill, Nickolausz Bischoff, Iacob Buda, Johann Fischer, Johann Gärtner, Mathias Grundhauser, Mathias Helmann, Josef Hengelmann d.J., Stefan Hengelmann, Johann Krischay, József Kriván, Josef Kuhr, Mihai Mereszko, János Mihály, Filip Pelko, Josef Plehn, Franz Schrauder, János Stakarecz, Franz Steinhardt, Johann Stricker, Josef Stricker(1), Josef Stricker(2), Josef Stricker(3), Johann Teiszter, Filip Tuliusz, Peter Tuliusz, Johann Vigh, Mathias Wagner und Johann Witznik. Bis zur Errichtung dieses Tableaus waren laut Dr. Stitzl folgende Vereinspräsese zu verzeichnen: Andreas Heptner, Alexander Joanovich, Dr. Andreas Zimányi, Franz Schön und Dr. Josef Stitzl. Vom Tableau ist zu ersehen, dass 1933 als Kommandant Johann Zdiarszky an Stelle des im Banat berühmtgewordenen Johann Marschätzky fungierte. Ihm folgte dann bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs Julius Schütz.

Die Rekascher Freiwillige Feuerwehr vor dem 2. Weltkrieg mit Kommandant Julius Schütz

Während des 2. Weltkriegs trat wieder eine Pause in der Tätigkeit des einst deutschen Vereins ein. Nach Kriegsende herrschten in Rekasch, wie auch im ganzen Banat neue gesellschaftliche Verhältnisse, unter anderem waren die Deutschen für eine Zeit aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Unter diesen Bedingungen wurde die Rekascher Freiwillige Feuerwehrformation neuorganisiert. Als Kommandanten wurden selbstverständlich keine Deutschen mehr eingesetzt, sondern Gusztáv Mereszko (der Sohn des einstigen Vizekommandanten), Matei Cheveresan, Dezsö Kohajda und Viorel Suman. 1983 bestand die Mannschaft unter der Leitung des letzteren aus den folgenden 30 Männern: János Bács, Márton Bács, Péter Bács, József Bálint, Constantin Babuta, Victor Brocea, András Czifra, András Dukai, Iulian Giogiovici, Emil Golubov, András Grek, Andrei Horja, János Jenes, József Kovács, Johann Marschätzky, József Máthé, Vasile Mihet, Béla Miklós, János Miklós, Ioan Neidoni, István Németh, Dezsö Ördog, Nicolae Pogan, Miklós Slimmer, Gheorghe Smaida, Georg Stricker, József Szabó, József Varga, Ioan Vincov und Anton Wagner. Wie man nach dem Namen der Feuerwehrleute erkennen kann, gab es 1983 im einstigen deutschen Verein nur noch 3 deutsche Männer. Selbstverständlich ist auch die Kommandosprache seit Kriegsende Rumänisch. Dazu kommt auch noch der durch Bodenfeuchtigkeit verursachte Verfall des Feuerwehrturms, dem einstigen Stolz braver Feuerwehrleute eines deutschen Vereins, die etwa 60 Jahre lang eine aufopfernde Arbeit im Dienste ihrer Nächsten leisteten.

Oktober 1990                                                                                                           Anton Zollner