Handel und Industrie in Rekasch
 
In der Regierungszeit des ungarischen Königs Matthias, 1470, ist „Rewkas" zum Marktflecken (oppidum) erhoben worden. Dies beweist, dass sich die Ortschaft schon damals zu einem Handelszentrum entwickelte. In der Zeit Maria Theresias erhielt Rekasch nochmals diesen Rang.
 
Aus der Ansiedlungszeit der Deutschen in Rekasch weiß man, dass den Ankömmlingen aus Deutschland alle Tätigkeiten außer Feldbau untersagt waren. Ihre wichtigste Aufgabe war, die Stadt Temeschburg mit Lebensmitteln zu versorgen. Als Handel könnte man in dieser Zeit nur den Absatz der eigenen Erzeugnisse der Rekascher Bevölkerung bezeichnen. Aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts weiß man noch zu berichten, dass die Rumänen aus Basosch mit Viehhäuten handelten und jene aus Janowa vom Holzhandel lebten. Dr. Josef Stitzl berichtet in seiner Ortsmonographie, dass Rekasch am Anfang des 19. Jahrhunderts aus Lippa Salz zugeliefert bekam. 1822 hatte man dem Marktflecken das Recht auf Abhalten von Wochenmärkte bekräftigt. 1871 ist Rekasch vom Marktflecken zur Großgemeinde geworden. 1894 erhielt Rekasch auch die Erlaubnis, einen vierten Jahrmarkt abzuhalten.
 
Dr. Josef Stitzl hat ist in seiner Ortsmonographie auf das Thema Handel und Industrie nicht näher eingegangen. Die ersten ausführlichen Daten über den Handelsstand um die Jahrhundertwende stammen vom Temeschburger Journalisten Luzian Geier. Laut seiner Recherchen soll der Handelsstand 1899 folgende Struktur gehabt haben:
 
Holzhandlungen: Baiersdorf & Biach, Franz Dostal und Adolf Holzner; Getreidehändler: Neuerer Keppich Brankovics, Janos Vinkov, Johann Weber und Alexander Wolfner & Sohn (Großhändler); Schnittwarenhandlungen: Gebrüder Deutsch & Co. und Sandor Salczberger (beide Großhändler); Gemischtwarenhandlungen: Mano Maitinszky & Co., Jakob Stitzl, Karl Bonomi d. J., M. Pavelek & Sohn, Ernö Szakolczay, Alexander Wolfner & Sohn (alle Großhändler), Julius Putics und Franz Tasch; Greislereien: Ignaz Kos, Johann Paul, Paul Petrovich, Edmund Reinfried, Georg Russu und Matthias Weber: Wirtshäuser: Aloisia Hammerschmidt, A. Liebmann, Johann Paul, Karl Ramholz, Georg Russu, und Sandor Wolfner & Sohn László; Gastwirtschaften: Temeswarer Fabrikstädter Bierbrauerei AG und Szidolin Kuncz (mit Kaffeeschankrecht); Unternehmer: Andreas Fischer und Georg Heyer.

Die Gemischtwarenhandlung von Ferdinand Neiszt,
der das Geschäft von Manó Maitinsszky übernommen hat.
Im Bild von links nach rechts: 2.- Wilhelmine Neiszt (die Tochter des Eigentümers - verh. Stark-Prexl),
3.- ? Schörnig mit Kind, 5.- Ferdinand Neiszt, 6.- Elisabeth Neiszt (geb. Zdiarszky - Gattin)
und 7.- Anna Hengelmann (geb. Zdiarszky - Schwester von Elisabeth)

Drei Jahrzehnte später, 1928, war laut Geier im Bukarester Jahrbuch für Rumänien folgender Handelsstand verzeichnet: Holzhandlungen: Josef Prexl (eine große) und „Timisana"-Bank (eine kleine); Stoff- und Kurzwarenhandlung: Georg Tasch; Galanteriewarenhandlung: Cotta und Aschenbach (=Achenbach?); Gemischtwarenhandlungen: Adam Brand, Arpad Hetzler, Karl Merescu, Stefan Pavelek & Söhne, Georg Stricker, Peter Tullius, Sandor Vincze und Coloman Zdiarszky; Huthandlung: Friedrich Schöring (=Schörnig?); En-gros-Handlung: Adolf Philipp; Weinhandlungen: Adam Albert und Stefan Sperk; Wirtshäuser: Adam Albert, Ciprian Piroska, Peter Tullius und Isidor Wolffner; Gastwirtschaften: Johann Kolling (mit Tanzsaal), Franz Lukasz (mit Tanzlokal), Elisabeth Poth (mit Geschäft), Emil Schmidt (mit Tanzsaal und Kino), Stefan Sperk (mit Tanzsaal), Ferdinand Tasch (mit Tanzsaal und Kino) und Josef Tasch (mit rumänischem Casino); Restaurants: Emil Schmidt und Josef Tasch; Hotel mit Kaffeehaus: Tasch und Schmidt; Lichtspielhaus: Erste Temesch-Rekascher Sparkassa AG.

Franz Lukasz's Gastwirtschaft mit Tanzlokal im Jahre 1920

Heute umfasst der Handel in Rekasch und den sechs eingemeindeten Ortschaften 23 Geschäfte, 6 Gaststätten und Wirtshäuser, 2 Konditoreien und 3 Kioske, die alle in einem lamentablen Zustand sind. Alle gehören der Rekascher Konsumgenossenschaft, und so dem „sozialistischen Sektor" an.
 
Die Anfänge der Rekascher Industrie sind wahrscheinlich schon 17. Jahrhundert zu suchen. Dies ist nur eine Schlussfolgerung, die aus der Tatsache gezogen wird, dass 1727 verordnet wurde, alle Wassermühlen an der Bega zwischen Rekasch und Toplowetz abzutragen, um die Entwässerung der Umgebung zu beschleunigen, also dem Wasser einen schnelleren Lauf zu sichern. Daraus folgt, dass in Rekasch schon damals Betreiber von Wassermühlen ansässig waren.
 
Dr. Stitzl behauptet, dass in der Zeit der Einwanderung der Deutschen, in Rekasch keine Mühle existiert haben soll, da „unsere Ahnen ihr Getreide in den sogenannten Löffelmühlen, deren Piloten noch vor etlichen Jahrzehnten sichtbar waren", mahlten. Eine Mühle sollte erst in späteren Jahren auf dem Terrain des heutigen Friedhofs errichtet worden sein, die aber schon 1861 abbrannte. 1877 und 1879 wurde je eine Windmühle auf der Basoscher Straße bzw. am Ortsrand, neben der Temeschburger Landstraße erbaut. 1899 sind diese aber schon als Dampfmühlen erfasst, deren Eigentümer Simon Scheer bzw. Andreas Stark & Co. waren. Scheer erwarb die Mühle von Kuzserics, dessen Vorgänger aber Weigel war. Scheer war der letzte Besitzer dieser Mühle, die er dann selbst aufgab. 1899 gründete eine Aktiengesellschaft auf der Lugoscher Landstraße die „Erste Rekascher Walzdampfmühle". 1924 gibt Dr. Stitzl Franz Tasch und Michael Spier als Inhaber dieser Mühle an. Von ihnen wurde 1948 die Mühle enteignet und später wurde sie abgetragen. Heute steht nur noch der Bau der Stark'schen Mühle, die eine Zeit lang auch elektrischen Strom für die Gemeinde lieferte. Ihre letzten Eigentümer waren Andreas Stark & Nikolaus Tasch. 1948 wurde auch diese Mühle enteignet und gleich danach außer Betrieb gesetzt.
 
1894 wurde die „Erste Rekascher Ziegelfabrik" auf der Basoscher Straße errichtet. Dreißig Jahre später arbeitete diese Fabrik laut Dr. Stitzl mit zwei 100-PH-Dieselmotoren und beschäftigte in der Hauptsaison 150 bis 200 Arbeiter. Anfangs war sie eine Aktiengesellschaft, danach wurde sie Eigentum der Rekascher Bezirks-Volksbank AG, und schließlich ging sie in Privatbesitz über. Eigentümer dieser Fabrik war 1928 Ferdinand Großmann. Danach wurde sie wieder Eigentum einer Aktiengesellschaft, von der man sie 1948 enteignete. Seitdem ist die Ziegelfabrik als eine Abteilung des Temeschburger Betriebs für Lokalindustrie in Betrieb.
 
1901 ist in Rekasch auch eine Milchgenossenschaft gegründet worden, die sich aber nach kurzer Zeit wieder auflöste. In den zwanziger Jahren wurde die Milch von Wilhelm Bolczek verarbeitet. Ab 1923 erzeugte eine Zeit lang auch eine italienische Genossenschaft Käse. Diese Tätigkeit wurde mit mehreren Unterbrechungen und den gegebenen Zeiten angepasst bis in unsere Tage weitergeführt.
 
Die Errichtung eines weiteren industriellen Betriebs scheiterte 1902, als Dr. Lendl in Rekasch eine Konservenfabrik errichten wollte. Laut Geier funktionierte 1899 hier auch eine Dampfsäge, deren Eigentümer die Holzhandlung Baiersdorf & Biach war. So wie in den meisten Ortschaften des Banats waren auch in Rekasch „Sodafabriken" vorhanden, die die Bewohner der Großgemeinde mit dem geschätzten „Sodawasser" versorgten. 1899 gab es hier zwei Sodawasserhersteller: Josef Politzer und Johann Schönberger. Im Jahrbuch 1928 fand Luzian Geier nur mehr die „Sodawasserfabrik" Schönberger & Söhne verzeichnet. Heute wird hier das nötige Sodawasser von der Außenstelle einer Temeschburger Produktionsgenossenschaft erzeugt.
 
Außer den genannten industriellen Einheiten sind heute in Rekasch auch noch zwei Außenstellen von Temeschburger Betrieben vorzufinden: die der Schuhfabrik „Modern" (die in der gewesenen Stark'schen Mühle eingerichtet wurde) und die des Betriebs für Weinverarbeitung und für alkoholische Getränke (gewes. „Vinalcool") in den verstaatlichten Weingärten.
 
Zum Schluss sollen hier auch die 1928 verzeichneten Dreschmaschinen-Besitzer erwähnt werden. Diese sind: Anton Henschel, Heinrich Richter, Franz Schrauder, Andreas Stark, Matthias Szeles und Koloman Wawrinsky. Heute befinden sich alle landwirtschaftliche Maschinen im Besitz des Staates und werden von einer Station für Mechanisierung der Landwirtschaft (SMA) verwaltet und betreut.

Juni 1990                                                                                                                Anton Zollner