Das Rekascher Heldendenkmal

Das Jahr 1918 brachte für das ganze Banat unruhige Zeiten. Die Bevölkerung der Großgemeinde Rekasch verdient für diese Zeiten ein besondere Lob. Als in anderen Gemeinden geraubt und gemordet wurde, spielten sich in Rekasch, wo vier Nationalitäten (Deutsche, Ungarn, Rumänen und Schokazen) beisammen lebten, keine nennenswerten Ereignisse ab. In diesen Zeiten des Hasses, des Raubes und der Kämpfe um die "Kornkammer Europas", wie das Banat betrachtet wurde, entstand der Gedanke der Errichtung eines Heldendenkmals, womit man alle Rekascher Gefallenen des 1. Weltkriegs ehren wollte.

Am 26. Dezember 1918 versammelten sich deutsche Männer in der Schule und besprachen die allgemeine Lage. Johann Müller, dessen Aufzeichnungen als Quelle für diesen Beitrag dienten, schlug in dieser Versammlung vor, dass man den Ablauf der politischen Entwicklung ruhig abwarten solle. Anstatt sich zu beunruhigen, solle man sich lieber mit einem Andenken an die gefallenen und vermissten Rekascher Helden des eben beendeten Krieges befassen. Der Vorschlag wurde mit großer Begeisterung angenommen, und man wählte auf der Stelle einen 22-köpfigen Ausschuss, dessen Präses Ferdinand Tasch und dessen Sekretär Johann Müller wurde. Zugleich hatte man die Errichtung einer Marmorsäule auf dem Hauptplatz (heute: Piata Unirii = Platz der Vereinigung) beschlossen. Auf deren vier Seiten sollten alle gefallenen und vermissten Soldaten, gleich welcher Nationalität sie angehörten, verewigt werden. Der gewählte Ausschuss war der Meinung, dass man das nötige  Geld durch eine gut organisierte Unterhaltungsveranstaltung anschaffen könnte. Die Unterhaltung fand am 15. Januar 1919 statt, und sie wurde ein großer moralischer und materieller Erfolg. Die Bevölkerung spendete alle Gegenstände für die vorgesehene Tombola, und die Teilnehmerzahl war so groß, dass viele wegen Raummangels nicht eingelassen werden konnten. Der Nettogewinn der Veranstaltung betrug 7.000 Kronen.

Es mussten aber auch noch weitere Unterhaltungen veranstaltet werden, bis im September 1920 eine Summe von 24.000 Kronen zusammenkam. Dann mussten aber die Kronen gegen rumänische Währung eingetauscht werden; so wurden aus 24.000 Kronen nur 12.000 Lei. Dieses Geld reichte nicht mehr für das Denkmal, das die Rekascher Helden verdient hätten, und so musste die Errichtung des Denkmals verschoben werden. Zu Ostern 1921 leiteten der Oberstuhlrichter Ernst von Weiß und der Bezirksrichter Nicolae Ionascu aus eigener Initiative eine Spendeaktion ein. Es wurden bei dieser Gelegenheit 12.300 Lei gesammelt, wobei die Deutschen 8.600 Lei, die Schokazen 3.400 Lei und die Ungarn 300 Lei spendeten. Nach dieser Aktion standen dem Ausschuss 26.300 Lei zur Verfügung, mit denen die Arbeiten begonnen werden konnten. Das Denkmal wurde bei der Karansebescher Firma Biebel bestellt und kostete mit den Inschriften 21.000 Lei. Es wurde im September 1921 aufgestellt und am 3. Oktober vom Dechantpfarrer Rudolf Denk feierlich eingeweiht. Bei dieser Gelegenheit hielten Pfarrer Rech in deutscher, Dechantpfarrer Zablyár in schokazischer, der Izvin-er Pfarrer Sora in rumänischer und Dr. Josef Stitzl in ungarischer Sprache die Festreden. Die Blaskapelle unter der Leitung von Josef Buschinger und Georg Zipp sorgte für den musikalischen Teil des Festes.

Das Heldendenkmal besteht aus einer 3 Meter hohen viereckigen Marmorsäule mit einem Kreuz an der Spitze. Auf dem Sockel ist die Inschrift: "Errichtet in  tiefer Ehrfurcht zum ewigen Gedenken, durch die Opferwilligkeit der Gesamtbevölkerung 1921 im Monate Mai" eingemeißelt, im Gedenken  an die 110 Söhne Rekaschs, die aus dem Krieg nicht mehr heimkehren konnten. Ihre Namen wurden auf dem oberen Teil der Säule, getrennt auf die vier Volkszugehörigkeiten , eingeschrieben. Unter den 110 Gefallenen und Vermissten befanden sich auch 59 Deutsche: Hans Altmayer, Josef Amschlinger, Josef Bach, Jakob Beck, Johann Beck, Josef Beck, Kaspar Beck, Michael Beck, Hans Birnstill, Hans Birnstill, Matthias Bischof, Nikolaus Bischof, Georg Blazs, Michael Buschinger, Hans Draxler, Michel Gabriel, Hans Gebhardt, Michel Grosz, Andreas Gruber, Nikolaus Gruber, Franz Hengelmann, Jakob Hengelmann, Anton Henschl, Hans Heyer, Lorenz Heyer, Michel Heyer, Anton Hieger, Georg Kräftenrath, Josef Krepil, Hans Kres, Michel Lichtl, Andreas Lutz, Nikolaus Lutz, Anton Marschätzky, Matthias Marschätzky, Stefan Mittler, Georg Orawetz, Jakob Orawetz, Hans Paul, Michel Poth, Nikolaus Rajtar, Karl Ramholz, Andreas Schlimmer, Josef Steinhardt, Andreas Stricker, Ferdinand Stricker, Franz Stricker, Franz Stricker, Michel Stricker, Franz Tasch, Franz Tasch, Michel Teister, Josef Temes, Kaspar Temes, Peter Tomatz, Anton Wagner, Georg Zipp, Michel Zipp und Wenzel Zipp.

Nach der Enthüllung des Denkmals begann man mit der Verschönerung der Umgebung. Der öde Platz, auf dem das Denkmal stand wurde mit Bäumen, Sträuchern und Blumen bepflanzt, und dabei hatte man auch den Kirchhof miteinbezogen. Das Denkmal wurde mit einem Eisenzaun eingesäumt. Hier wollte man in Zukunft am Heldentag mit Ehrfurcht Andachten veranstalten.

Bald verlangte auch der 2. Weltkrieg seine Opfer auf dem Schlachtfeld und in den Bergwerken der Sowjetunion. Sehr bedauerlich ist es, dass deren Namen noch nirgends festgehalten werden konnten. Anfangs erlaubte das kommunistische Regime nicht die Verewigung deutscher Namen, die bei den neuen Machthabern als "Kriegsverbrecher" galten. Ihre Namen durften nicht auf das Denkmal, das Überwiegend von Deutschen gestiftet wurde. Auch später als sich die Lage lockerte und andere Gemeinden ihren Kriegsopfern wenigsten auf in den Kirchen angebrachten Marmortafeln die Ehre erwiesen hatten, konnte das in Rekasch wegen  der Zwistigkeiten und des Hasses zwischen den Deutschen und den anderen Volkszugehörigen nicht geschehen. Nun, in der neuen Lage, die im postrevolutionären Rumänien entstand, müsste man versuchen, dass sich alle Rekascher, unabhängig von ihrer Muttersprache, versöhnen und allen Toten, egal auf welcher Frontseite sie gefallen sind, die Ehre  erweisen. Leider gibt das heutige Rekascher tägliche Leben nur sehr wenig Hoffnung dazu.

Juli 1990                                                                                                                                   Anton Zollner