Der Rekascher Friedhof

Wegen der vielen Überschwemmungen der alten Temesch verließ 1740 die deutsche und die schokazische Bevölkerung ihre Häuser, um die sogenannte „Insel", die genügend Schutz vor den Fluten bot, zu besiedeln. Aus jener Zeit berichtet uns Dr. Stitzl, dass man die römisch-katholischen Toten bis 1744 auf dem heutigen Kirchplatz (der Hauptplatz genannt wurde und heute Piata Unirii heißt), rund um das Bethaus, das damals auf den Ruinen einer alten Kirche errichtet war, beerdigt hatte. Einen rumänisch-orthodoxen soll es mal um die heutige „Schlangengasse" gegeben haben. Hier sind die ersten Häuser der heutigen Gemeinde erbaut worden.

1774 existierte in Rekasch eine „Begräbnis-Bruderschaft", in derer Buchführung Dr. Stitzl 1924 noch Einblick hatte. 1785 starben in Rekasch 266 Personen, davon 121 wegen einer unbekannten Seuche. Am 9. März 1777 weihte Pfarrer Palczer einen Teil des heutigen Friedhofs ein. Der erste Tote, der hier begraben wurde, war der 12 Tage alte Peter Lutz. Ab 1815 ist in Rekasch die Totenuntersuchung eingeführt worden. Eine Totenkammer wurde im Friedhof erst 1853 errichtet, aber die Mehrheit der Verstorbenen wurden schon immer in ihrer Wohnung aufgebahrt.

Große Verdienste um die Kirchen- und Friedhofsangelegenheiten erwarb sich der 1855-56 als Marktrichter fungierende Johann von Berczik, der Onkel des berühmten ungarischen Schriftstellers Árpád Berczik. 1856 wurde der Friedhof von einer aus Brennziegeln errichteten Mauer eingezäumt, und zugleich ist eine kleine Friedhofsglocke aufgestellt worden. Neun Jahre später, 1865, hatte man den inzwischen zu klein gewordenen Friedhof erweitert. Die 1.200 Quadratklafter Boden, auf denen die abgebrannte älteste Mühle Rekasch's stand, wurden von Jakob Pelic um 200 Gulden erstanden. Dieser Teil des erweiterten Friedhofs wurde am 2. April 1865 vom Pfarrer Ruzsinszky eingeweiht. 1869 hatte man das Holzkreuz des Friedhofs erneuert, das 1896 durch ein steinernes Kreuz ersetzt wurde.

Aus den Matrikelbücher ermittelte Dr. Stitzl, dass 1870 in Rekasch wieder eine große Zahl von Sterbefällen zu verzeichnen war. In jenem Jahr starben 85 Personen, zumeist junge Männer, als Folge einer Malaria-Epidemie.

Die letzte Einrichtung des Friedhofs, die Friedhofskapelle, ist der Initiative des Pfarrers Koleszar zu verdanken. Der Bau der Kapelle wurde 1912 beendet, die Errichtungskosten beliefen sich auf etwa 5.000 Kronen. In den Nachkriegsjahren wurde vor der Kapelle (heute zwischen den Ruhestätten der Pfarrer Julius Wünsche und Eugen Gebhard) ein Grabstein errichtet, auf dem alle Pfarrer dieser Pfarrei verewigt sind, die in der Rekascher Erde ihre letzte Ruhe fanden. Der Rekascher Friedhof befindet sich auch heute noch im Besitz der römisch-katholischen Kirche.

Das Aussehen des Rekascher Gottesackers ändert sich zur Zeit ständig. Da die meisten Deutschen schon nach Deutschland ausgewandert sind oder es eben tun, finden immer weniger Gläubige deutscher Volkszugehörigkeit ihre ewige Ruhe in der Heimaterde. Deswegen vermehren sich die mit Beton bedeckten Gräber, was darauf hinweist, dass die betroffenen Verstorbenen keine Angehörige mehr im Heimatort haben. Blühende Blumen werden immer häufiger durch leblosen Stein und Beton ersetzt. Eine über 250 Jahre alte deutsche Volksgemeinschaft hinterlässt auch in Rekasch nur noch leblose Zeitzeugen eines einst blühenden Siedlungsgebiets in Südosteuropa.

August 1990                                                                                                          Anton Zollner