Aus der Geschichte der Rekascher Pfarrei - 2 (6)

- Die weltlichen Priester -

Wie schon erwähnt, sind die Rekascher Gläubigen seit der Gründung der Rekascher Pfarrei 1392 bis 1769 von den Franziskanern betreut worden. Pfarrer Georg Palczer war der erste weltliche Priester in Rekasch. Er hatte die Pfarrei am 1. November 1769 übernommen, aber die bischöfliche Ernennung erfolgte erst am 3. Januar 1770. Unter seiner Führung begann man noch 1769 mit dem Bau der alten, nach dem 1. Weltkrieg abgetragenen Kirche. Da die Kirche damals dem Hl. Johannes von Nepomuk geweiht wurde, war seit jener Zeit viele Jahrzehnte lang der Stempel der Pfarrei mit seinem Bilde versehen. Heute besteht der Stempel nur aus einem Kreuz und dem rumänischen Text „Parohia Romano-Catolica Recas".
 
Laut Dr. Stitzl verpflichteten sich am 24. Mai 1772 die Rekascher Deutschen, jährlich am 25. April, am Tage des Hl. Urban, eine Prozession in die Weingärten zu veranstalten, und den 2 Juli als Tag des Schutzpatrons der Pfarrgemeinde zu feiern. Er zitiert auch die Namen von acht deutschen Kolonisten, die im Dezember 1774 zum römisch-katholischen Glauben konvertiert sind. Es waren Johann Friedrich Fux aus Frankfurt a. d. Oder., Konrad Schilt aus Oberlinz, Peter Herczprüllt aus Solling (Chur Sallschen), Johann Carl Friedrich aus Schneeberg (Chur Sachsen), Paur aus Bitel Brunn (Württemberg), Johann Rhorpach aus Biza bei Darmstadt, Nikolaus Vogel und Gottfried Königsberg aus Preußen. In der Amtszeit des Pfarrers Palczer wurde die Pfarrei am 11. April 1777 und im Jahre 1783 vom Tschanader Bischof Emmerich Christovich in Begleitung des Domherrn Köszeghy besucht.
 
Am 27. November 1783 verstarb Pfarrer Palczer im 43. Lebensjahr. Er wurde vom Jahrmarkter Pfarrer Josef Wolfert in Rekasch beerdigt. Palczers Nachfolger war der aus Saderlach (heute: Zadareni) kommende Pfarrer Georg Forstner. Er verstarb hier am 14. Februar 1792. Ihm folgte im selben Jahr Pfarrer Johann Pek (nach Dr. Stitzl: Peck), der hier 1798 im 48. Lebensjahr verstarb. Noch im Laufe desselben Jahres kam Pfarrer Franz Xaver Simonsits (nach Dr. Stitzl: Simonovits) aus Kraschowa (heute: Carasova) nach Rekasch. Er wurde 1806 zum Dechant ernannt, aber starb gleich danach am 26. Januar desselben Jahres. Er war der erste Dechant des 1806 gegründeten Unterdechanats. Bis dahin gehörte die Pfarrei dem Neu-Beschenowaer Dechanat an.
 
1806 ist der aus Alt-Tschanad kommende Emmerich Gottmann zum Rekascher Pfarrer ernannt worden, der zugleich auch das Amt des Dechants inne hatte. Aber auch er starb schon nach nur vier Jahren, am 19. Juni 1810. Der darauffolgende Seelsorger war der aus Kraschowa kommende Pfarrer Franz de Speletich, der ebenfalls auch als Dechant hier am 12. Januar 1815 verstarb.
 
1815 übernahm die Rekascher Pfarrei der aus Gottlob kommende Pfarrer Anton Császkay (nach Dr. Stitzl: Csákjay), der 1817 auch zum Dechant ernannt wurde. Als solcher weihte er 1825 die Bakowaer Kirche ein. Er blieb bis zu seinem Tode, der am 1. Mai 1828 eintrat, im Amt. In jenem Jahr betreute er im ganzen Rekascher Dechanat 8.113 Seelen.
 
Aus jener Zeit weiß Dr. Stitzl zu berichten, dass die Pflege des Glaubens auf Befehl durchgeführt wurde. Sonntags musste jeder die Kirche besuchen, Gläubige, die sich weigerten, wurden mit Gewalt vorgeführt. Zugleich befand sich die Madjarisierung in vollem Gange, und die katholischen Priester trugen entscheidend dazu bei. Sie lasen das Evangelium und predigten nur noch ungarisch. Die Matrikelbücher wurden auch in ungarischer Sprache geführt.
 
1828 trat seine Stelle als Rekascher Pfarrer Johann Nepomuk Steltzik an, der im nächsten Jahr auch zum Dechant ernannt wurde. Eine schwere und langandauernde Krankheit behinderte ihn in der Ausübung seines Amtes.
 
In jener Zeit gehörten zur Pfarrei folgende Filialen und Mitgliederzahlen: Aranyág (heute: Herneacova) - 30, Babsa - 6, Bazos - 40, Hiszias - 69, Jezvin (heute: Izvin) - 12, Iktar - 4, Kralovez (heute: Cralovat) - 1, Lukarez (heute: Lucaret) - 30, Petrovaselo - 40, Susanoveg (heute: Susani) - 40, Sustra - 4, Stancsova - 15, Tes - 4, Nagytopoly - 20 und Kistopoly - 4 (heute: Topolovatu Mare und Topolovatu Mic). Zugleich gehörten folgende Pfarreien zum Rekascher Dechanat: Rekasch, Lugosch, Ebendorf (heute: Stiuca), Wetschehausen (heute: Pietroasa Mare), Darowa, Nitzkydorf und Bakowa.
 
Es ist anzunehmen, dass in Dr. Stitzls Ortschronik für diese Zeit eine Lücke vorhanden ist. Er vermerkte nicht die Beendung der Dienstzeit, und auch nicht das Sterbejahr des Pfarrers Steltzik. Aus der Inschrift eines Kreuzsteins, der im Rekascher Friedhof steht, ist zu entnehmen, dass hier zwischen 1836 und 1842 wahrscheinlich wegen der Erkrankung Steltziks, Pfarrer Johann Polatsek wirkte. Zugleich ist auf dem Kreuzstein vermerkt, dass so wie alle bisher erwähnten Pfarrer, auch J. Polatsek 1842 und J. N. Steltzik 1845 in Rekasch verstarben und im hiesigen Friedhof beerdigt wurden. Seit der Beerdigung des Pfarrers Steltzik mussten volle 110 Jahre vergehen, bis ein Pfarrer wieder in der Rekascher Erde seine letzte Ruhe gefunden hat.
 
1842 übernahm der Temeschburger (Fabrikstädter) Pfarrer Franz Xaver Hoffstättner das Rekascher Dechanat und leitete es bis 1861. Zwischen 1843 und 1845, also bis zum Tode Steltziks ist die Pfarrei von den Kaplänen Paul Novak und Georg Jonas verwaltet worden. 1845 ist Dr. Adam Adams zum Rekascher Pfarrer ernannt worden. Er wurde bald in der ganzen Umgebung durch seine revolutionären Ideen bekannt. Wegen seiner politischen Tätigkeit verlor er auch bald sein Amt. Laut Dr. Stitzl zelebrierte er am 22 März 1848, nach dem Ausbruch der Revolution in Temeschburg, am Prinz-Eugen-Platz (heute: Piata Libertatii) den Gottesdienst. Am 19. Oktober desselben Jahres musste Dr. Adams vor den Österreichern fliehen, aber später wurde er doch gefangen genommen und in Temeschburg eingekerkert. 1849 hatte man ihn im Hatzfelder Bezirk zum Abgeordneten gewählt.
 
Sein Nachfolger, Johann Szittya (vor und nach der Revolution hieß er Stverteczky, ist von den Ereignissen jener Zeit auch nicht verschont geblieben. Er führte die Pfarrei 1849 nur 9 Monate. Laut Dr. Stitzl wurde der Pfarrer zu Weihnachten 1849 „trotz seiner guten Seele durch die Böswilligkeit seiner Kirchenkinder vor das Kriegsgericht gestellt". Er wurde seines Einkommens beraubt und in Olmütz für dreieinhalb Jahre interniert. Er starb 1872 als Pfarrer in Neu-Beschenowa.
 
Die so freigewordenen Stelle übernahm sofort Pater Daniel Krajachich, gefolgt von Johann Luntzy, der das Amt nur einige Tage innehatte. Die Pfarrei ist dann 1850 von Johann Knezevich übernommen worden, aber schon am 25. März 1851 wurde Karl Ruzsinszky zum nächsten Pfarrer ernannt. In seiner 24-jährigen Amtszeit konnte er eine sehr umfangreiche Tätigkeit nachweisen. Besonders bei der Ausstattung der alten Kirche machte er sich verdient. Es wurden in seiner Amtszeit mehr Instandhaltungsarbeiten durchgeführt und Anschaffungen gemacht als in allen Jahren zuvor. Am 7. August 1872 ist Pfarrer Ruzsinszky zum Dechant ernannt worden, und im Dezember desselben Jahres wurde er Beisitzer des Heiligen Stuhles. Er starb im Jahre 1875.
 
Auch in der Amtszeit Ruzsinszkys wurde die Pfarrei von prominenten Persönlichkeiten besucht. Am 16. März 1855, am Palmsonntag, besuchte Bischof Alexander Csajaghy Rekasch. Im September desselben Jahres hielt sich hier der Wiener päpstliche Nuntius und Prälat Viale einige Minuten auf. Am 25. September 1861 firmte der Bischof Alexander Bonnaz 1.145 Rekascher und Brestowatzer Firmlinge.
 
Von 1875 bis 1879 stand an der Spitze der Pfarrei und später auch an der des Dechanats Pfarrer Georg Tarsoczky. Zum damaligen Dechanat gehörten neben Rekasch auch die Pfarreien aus der Fabrikstadt (Temeschburg), aus Lugosch, Busiasch, Nadrag, Ebendorf, Wetschehausen, Darowa, Nitzkydorf, Brestowatz und Jerszegh (heute: Iersig). 1879 dankte Pfarrer Tarsoczky ab, sein Nachfolger wurde Franz Kutányi. Aber auch Kutányi blieb nicht lange hier, weil noch 1879 Dr. Alexander Berkovits zum Pfarrer von Rekasch ernannt wurde.. Er übte sein Amt bis 1896 aus. Sein Plan, die Schokazen zu kroatisieren, scheiterte. Nach ihm versah das Amt des Pfarrers ein Jahr lang Dr. Fridolin Chichy.
 
Im März 1897 übernahm Johann Koleszar das Amt des Rekascher Pfarrers. Er war schon früher, zwischen 1886 und 1888, in Rekasch als Kaplan tätig. Laut Dr. Stitzl soll er die Pfarrei in einem unbeschreiblichen Zustand übernommen haben. Durch Vermittlung des Rekascher Reichsabgeordneten Alexander Janitsary ist es ihm gelungen, die Kirche und die Pfarrei instandzusetzen. Das schönste Werk des Dechantpfarrers Koleszar war die Erbauung der heutigen Rekascher Kirche in den Jahren 1914-18.
 
Trotz all dessen wurde der Pfarrer, laut Dr. Stitzl, vom „Volke", aber besonders von den ungarischen Frauen, gehasst. Um mit ihm „abzurechnen", suchten ihn in der Nacht des 30. Oktober 1918 bewaffnete Heimkehrer von der Front. Koleszar ist aber noch rechtzeitig von der drohenden Gefahr benachrichtigt worden und konnte so fliehen. Gleich danach hatte man in Rekasch für eine kurze Zeit Johann Bugoniczky als Pfarrer-Stellvertreter eingesetzt. Bis 1923 verwaltete die Pfarrei Pfarrer Rudolf Denk, der später nach Kanada ausgewandert ist. Auch in seiner Amtszeit wurden weitere Anschaffungen für die neue (heutige) Kirche gemacht. 1923 übernahm der junge Priester Matthias Lányi die Rekascher Pfarrei. Da aber auch er bald nach Amerika auswanderte, folgte ihm im Amt Pfarrer Julius Wünsche.
 
Trotz seines hohen Alters betreute Pfarrer Wünsche (geb. 1869) die Rekascher Gläubigen auch während des 2. Weltkriegs und in den ersten Jahren danach. Er war der erste Rekascher Pfarrer, der dem atheistischen Druck ausgesetzt war. Eben in dieser Lage half er seinen Pfarrkindern, Leid, Not und viel Trauer ehrwürdig zu ertragen. Ende 1946, als er wegen seines hohen Alters (77 Jahre) auf Hilfe angewiesen war, ist der Pfarrei der junge Kaplan Josef Schulz zugeteilt worden. Dieser hatte aber sprachliche Schwierigkeiten, weil der das Schokazische gar nicht und das Ungarische nur schwach beherrschte. Darum wurde er nach einigen Monaten vom Kaplan Eugen Gebhardt abgelöst.
 
Für die römisch-katholische Kirche aus Rumänien waren dies die schwersten Jahre der Verfolgung, was auch in Rekasch zum Ausdruck kam. Der Religionsunterricht wurde ab Herbst 1948 aus den Schulen verdrängt, und den Schülern wurde der Kirchenbesuch verboten. Kaplan Gebhardt musste sehr spitzfindig werden, damit er die religiöse Erziehung der Kinder von den Behörden unbeobachtet durchführen konnte. Leider schlossen sich der antikirchlichen Hetzkampagne auch einige deutsche Lehrer an und verfolgten persönlich (sogar strenger als viele Parteiaktivisten) Schüler, die trotz Verbotes die Kirche besuchten.
 
1955 verstarb Pfarrer Wünsche im hohen Alter von 86 Jahren, und er war der erste Priester, der nach einer Unterbrechung von 110 Jahren wieder im Rekascher Friedhof beerdigt wurde. Ihm folgte nun Pfarrer Eugen Gebhardt im Amt, der es bis zu seinem Tode 1978 mit einer kleinen Unterbrechung ausübte. Auch er fand im Rekascher Friedhof seine ewige Ruhe.
 
Eugen Gebhardts Nachfolger wurde der gegenwärtige Pfarrer Josef Schulz, der nun zum dritten Male im Dienste der Rekascher Pfarrgemeinde steht. Sein Einsatz für die Instandsetzung der seit langem vernachlässigten Heimatkirche ist hoch zu schätzen. Inzwischen predigt er nicht nur in deutscher Sprache, sondern auch ungarisch, schokazisch und rumänisch.

Januar 1990                                                                                                                 Anton Zollner
 

Anm. d. Verf. im Dezember 1999: Pfarrer Josef Schulz ist Mitte der '90-er Jahren nach Deutschland ausgewandert, wo er sich in Offenburg niederließ. Seinen Platz nahm dann Pfarrer Ioan Ciuraru ein, der zur Zeit dieses Amt bekleidet.

Fortsetzung