Rekasch - eine mittelalterliche Stadt (3)

Dokumentarisch belegt ist die Tatsache, dass Rekasch und seine Umgebung 1459 im Besitz der Familien Csornay und Bizerei war. 1463 soll dort auch der Gutsherr Nikolaus Radocz seinen Anteil gehabt haben. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gehörte laut Dr. Stitzl ein Teil Rekaschs der Familie Doczy. 1470 begann der Prozess, in dem die Familie Dan de Dobos die ehemaligen Besitzerrechte ihrer Ahnen Dan und Nago von den Csornays zurückforderten. Für die nachfolgenden Jahre wird verzeichnet, dass die Familie Csornay in weiteren Prozessen „die Stadt Rekasch und die dazugehörige Domäne" zurückbekommen hat.

Im Jahre 1470, in der Regierungszeit des ungarischen Königs Matthias ist Rekasch zu einem „oppidum", also zu einem Marktflecken erhoben worden. Es ist zu vermuten, dass Rekasch, bald nach der Erhebung zum Marktflecken den Status einer „Stadt" erhalten hat, gemeint war aber wahrscheinlich eine Festung. Laut Dr. Stitzl soll es dort in jener Zeit auch eine Zollstelle gegeben haben. Der Autor der Monographie „Aus der Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde Rekasch" behauptet, dass damals dort auch ein Kastell stand, dessen Standort nicht mehr ermittelt werden kann. Es sollen in der damaligen Zeit im Ort viele ungarische Adlige gelebt haben, die aber nicht in guten Beziehungen zueinander standen.

1483 verkaufte die Familie Doczy den von Nikolaus Bizerei erworbenen Besitz an Franz von Haraszty. Dieser eignete sich mit der Zeit alle Güter um Rekasch an. Aus einem Kinderraub im Jahre 1504 ist zu entnehmen, dass damals das Rekascher Kastell im Besitz der Familie Csornay war. Zwischen 1510 und 1518 übergab Haraszty einen Teil seiner Güter seinen drei Schwiegersöhnen, und da keine männlichen Erben vorhanden waren, fielen diesen später alle Güter Harasztys zu. Neben diesen gab es aber auch einige kleinere Gutsbesitzer in Rekasch.

1514, als die aufständischen Bauern unter Georg Dózsa auch an den Mauern der Stadt Rekasch vorbeizogen, flüchteten alle Gutsherren in die Temeschburger Festung. Rekasch selbst erlitt damals keinen Schaden. Dr. Stitzl behauptet in seiner Ortsmonographie, dass Rekasch aufgrund einer Landkarte von 1528, damals noch Rikass genannt, eine befestigte Stadt gewesen sei. Außer einem Wachtturm und starken Basteien besaß die Stadt auch drei Kastelle, deren Erbauer und Errichtungsjahre bis heute unbekannt blieben. Dr. Stitzl fand im Budapester Landesarchiv eine Urkunde, deren Inhalt beweist, dass die Rekascher Festung noch vor Temeschburg (1552) von den Türken erobert wurde. Der Autor meint, dass dies 1551 geschehen sein könnte.

Aus der Zeit der Türkenherrschaft wurde nur sehr wenig über den Ort überliefert, wie es auch der Rekascher Monographie Dr. Stitzls zu entnehmen ist. Man weiß nur, dass die Menschen im östlichen Teil des Banats unter dem Halbmond weniger zu leiden hatten als die von Temeschburg westlich gelegenen Gebiete Ungarns. Die walachische Bevölkerung flüchtete in die nahen Wälder und Berge; die Bulgaren und die vor den Türken geflohenen Schokazen verkrochen sich in den Sümpfen der Temesch. Es ist auch bekannt, dass sie dort von den bosnischen Franziskanern aus Temeschburg regelmäßig besucht wurden.

Die Stadt Rekasch, samt Festungsmauern, Basteien und Kastelle ist laut Dr. Stitzl während der 165-jährigen Türkenherrschaft, für immer verschwunden. Die Zerstörungen waren so groß, dass Rekasch als Ortschaft auch aus den Landkarten jener Zeit verschwunden ist. Zu einer Wiederbesiedlung der heutigen Großgemeinde kam es erst nach 1716, nachdem die Türken von den Truppen des Prinzen Eugen von Savoyen endgültig vertrieben wurden.

September 1989                                                                                                         Anton Zollner

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