Die Ansiedlung Rekaschs (2)

Die ersten Ansiedlungen fanden in Rekasch unter den Anjous statt. Zu den Ansiedlern gehörten hauptsächlich Walachen. Sie flohen aus der Moldau aus Furcht vor den dortigen Wojwoden, weil die den ungarischen König bei seinen Kriegszügen unterstützten. Laut der von Dr. Stitzl angegebenen Urkunde gehörten zu den ersten Walachen: „Stanislaus Karapeh-Negwe-Wlajnich, Nikolaus' und Wladislaus' Sohn, Ladislaus' Sohn Zarna". Nach der von Frigyes Pesty und Tivadar Ortvay zitierten Urkunde Nr. 55 vom 29.August 1359 sind diese Namen wie folgt geschrieben: „ Krapch, Stanislai, Newe, Wlaijik, Nicolai et Ladislai, filiorum Ladislai, fily Zarna, Olacorum nostorum fidelium“. Da auch während des Aufstands der slawischen Wojwoden (gemeint sind hier die Dorfvorsteher)  aus den entlang der Kleinen Temesch gelegenen Siedlungen die Bojarenfamilie Karapeh dem ungarischen König treu geblieben ist,  beschenkte sie Ludwig der Große 1359 mit Gütern der rebellierenden Slawen, und zwar mit Rykas mit 5 und Kyzigteu (heute: Chizatau) mit 6 Dörfern.

Laut Dr. Stitzl konnte man später über die Familie Karapeh (eigentlich: Karapch) noch  einiges hören. Nachdem sie Rykas und Kyzigteu mit den dazugehörenden Dörfern erhielten, bekamen sie auch Güter aus Krassó (Karascher Komitat), wie Ikus 1361 und Marzsina 1365. Damit sollen sie sich aber nicht begnügt haben, und deshalb besetzten sie eigenmächtig die Güter ihrer Nachbarn. Dadurch entstanden Streitigkeiten und Prozesse, die nicht einmal der vom ungarischen König gesandte Canonicus schlichten konnte. Die walachischen Ansiedler hatten viele Streitigkeiten mit all ihren Nachbarn, weil sie deren Gesetze und Sitten nicht kannten und weil sie auch nicht bereit waren, sich denen anzupassen.

Außer Walachen siedelten sich in und um Rykas auch feldhungrige Ungarn an. Zu diesen gehörte auch die Familie Szeri Posa, die sich 1346 in Öszeny (heute: Izvin) niederließ.  Sowohl diese Familie, als auch die später zugewanderten Hymfis- und Bekesi-Familie lebten in keinem guten Verhältnis mit ihren Nachbarn.

Was die Ansiedlung der Bulgaren in Rekasch betrifft, da gehen die Meinungen der Autoren, die sich mit diesem Thema befassten, auseinander. Nach Bárány und Böhm sollen die Bulgaren die Ureinwohner Rekaschs gewesen sein. Dr. Czirbusz und Szentkláray sind sich in ihren Werken „Délmagyarországi bolgárok" (Die Bulgaren Südungarns) bzw. „Száz év Délmagyarország újabb történetéböl" (Hundert Jahre aus der jüngsten Geschichte Südungarns) in den historischen Gründen der Ansiedlung der Bulgaren in Rekasch einig. Bekanntlich schlug Ludwig der Große im Jahre 1365 den bulgarischen Zaren Stratimir und gründete diesseits des Flusses Alt (heute amtlich: Olt) eine Siedlung mit den dort wohnenden Bulgaren. Später eroberte der Zar diesen Landstrich wieder zurück und verfolgte die zum Katholizismus bekehrte Bulgaren so sehr, dass diese fliehen mussten. Sie ließen sich dann im Banat nieder, und zwar in Orschowa, Mehadia, Slatina, Karansebesch, Rykas und Lippa. Diese Ansiedlung wird aber von den beiden Autoren unterschiedlich datiert: der erste gibt das Jahr 1366, und der zweite 1369 an. Dr. Josef Stitzl ging der Sache tiefer nach und stellte fest, dass der von Czirbusz als Quelle zitierte VI. Band in der „Historia Domus" gar nicht existiert. Dafür zitierte er folgendes aus einer nicht genannten Urkunde: „Circa annum Chr. 1366 sub Urbano V. Pontifice Ludovicus rex Bulgariam sibi subiecisset ... Anno 1393 Bulgari neoconversi ... potias Patriam quamfidem relinquette volentes ... ad regnum Hungaricae se contriberunt Rex Hungariae ... ad limites regni custodiendos Lipovam, Rekaschinum, Lugoschinum ... collocavit". Aus diesem Text zieht Dr. Stitzl die Schlussfolgerung, dass 1393 als das Jahr der Ansiedlung der Bulgaren in Rekasch zu betrachten ist. Der Autor ermittelte auch, dass in der Zeit des oben genannten Krieges gegen den Zaren Stratimir, 1371 die Orschowaer Burg unter anderen auch von Arbeitern aus Rekasch und aus seiner Umgebung erbaut wurde.

1387, als König Sigismund den ungarischen Thron bestieg, verbreitete sich die Aufruhr gegen die ungarische Krone auch im Banat. Die Rekascher Gegend blieb auch nicht von den Unruhen verschont; der größte Teil der Walachen schloss sich den Königsgegnern an. Laut Dr. Stitzl sollen Urkunden bestätigen, dass in der Gegend nur die Familie Koroghy dem König treu geblieben ist. Dafür bekam sie 1387 das Dorf Chery und weitere dazu gehörende Grundstücke geschenkt, wie auch das Recht Mühlen an den Gewässern Arsos (später: Jarcus) und Temesch aufzustellen.

Um diese Zeit soll nach Dr. Stitzl auch der erste Deutsche ortsansässig geworden sein, und zwar der „deutsche Edelmann Ladislaus Crapch“, der besonders bei Güterzwistigkeiten als Schiedsrichter eine bedeutende Rolle gespielt haben soll. Dr. Stitzl hatte diese falsche Theorie wahrscheinlich von Felix Milleker übernommen, der sie als erster in Fachbüchern veröffentlichte. Dass aber Ladislaus Crapch kein Deutscher gewesen sei, behauptete Dr. Johann Wolf schon 1942. Diese Falschaussage entstand wahrscheinlich durch eine nicht fachgerechte Übersetzung des lateinischen Textes aus der Urkunde Nr. 129 vom 21. Februar 1392 (aus Pesty und Ortvay). In dem heißt es: „Ladislaus germanus dictus Crapch de dicta Rekas“, was auf Deutsch übersetzt folgend lautet: „Ladislaus (dessen slawische und rumänische Form Vladislav ist), der Bruder (gemeint: des Nicolaus) genannt Crapch (ließ: Kraptsch) aus dem genannten Rekas“. Hier ist festzustellen, dass aus Dr. Stitzls „Karapeh“ und aus Pestys und Ortvays „Karapch“ der „Crapch“ entstanden ist (an anderen Stellen laut Dr. Gerhardt Hochstrasser sogar „Craph“, was aber nicht bedeutet, dass darunter ein „Graph“ gemeint war). Mit dem Wort „germanus“ war in der Urkunde auch kein Deutscher gemeint, sondern ein Bruder (siehe das lateinisch-deutsche Wörterbuch). Außerdem hatte man Karapch noch 21 Jahre zuvor in der Urkunde Nr.78 vom 20. Juni 1371 als „olachus“ (Walache) bezeichnet.

Die Einwanderung der Schokazen soll nach Dr. Stitzl während der türkischen Zeit, um etwa 1650 stattgefunden haben. Der bosnische König hatte zu Ehren der Hl. Maria in der Stadt Argentina einen Franziskaner-Orden gegründet. Durch die Spaltung der bosnischen Klöster entstanden zwei Provinzen: Bosnisch-Argentina und Bosnisch-Kroatica. Die Christen der ersteren flüchteten unter der Führung ihrer Priester vor den Türken in die Batschka, von wo sie später weiter in Richtung Norden zogen, wobei sich ein Teil von ihnen in Rekasch niederließ. Die Schokazen (das sind katholische Raizen) lebten anfangs in Stämmen. Die Jankulov-Familien wohnten in der Jankulasza am rechten Bega-Ufer (heute: Flur und Wohnsiedlung bestehend aus 3-4 Häusern „Ianculeasa“), die Stanic-Familien in der Osztanica (am linken Bega-Ufer) und andere in der Pavlovistye. In der Zeit des Gouverneurs Mercy kamen nochmals Schokazen aus der Batschka und aus Syrmien, die er in Sztancsova (heute: Stanciova) ansiedeln wollte.

Graf Mercy siedelte in Rekasch auch Walachen, Illyrer und Deutsche an. Laut Dr. Stitzl sollen hier die ersten deutschen Kolonisten im Jahre 1724 in Rekasch angesiedelt worden sein. Nach demselben Autor sollen sie  vom Oberrhein, aus Regensburg, Schwaben, der Pfalz, Trier, Mainz, Darmstadt, Würzburg, Hessen und sogar aus Köln gekommen sein. 1736 traf ein neuer Schub deutscher Ansiedler in Rekasch ein, deren Urheimat laut Dr. Stitzl unbekannt geblieben ist. 1740 kamen weitere deutsche Familien an, zumeist Witwen oder arme alte Leute. Sie kamen mehrheitlich aus dem Schwarzwald nach einem kurzen Aufenthalt in Munar (Monerad), wo sie angesiedelt werden sollten. Weitere Einwanderer von der deutschen Küste ließen sich 1764 in Rekasch nieder. 1766 kamen einige Familien aus Mainfranken Die größte Einwanderung der Deutschen in Rekasch fand in der Zeit Kaiser Josefs II. statt. Etwa 100 Familien kamen damals laut Dr. Stitzl aus Luxemburg, der Pfalz, Hessen, Frankfurt am Main, Trier, Westfalen, Elsass, Lothringen und sogar aus der Gegend von München.

Mit Jakob Löbl wanderte 1816 die erste jüdische Familie in Rekasch ein. 1835 fand man hier eine weitere jüdische Familie, und zwar die des Krämers Izsák (Isaak) Fuchs. 1845 kam auch der Greisler Moritz Glück hinzu; in den nächsten Jahren folgten Benjamin Deutsch, Leopold Politzer, Adolf Boszkovits und Leopold Löwy.

Die letzte Ansiedlung des 19. Jahrhunderts fand 1899 statt, als 100 römisch- katholische ungarische Familien angesiedelt wurden. Die meisten Ungarn stammten aus der Temescher, Torontaler, Tschanader und einige sogar aus der Csongrád-er Gespanschaft (Komitat). Sie gründeten das Ortsviertel „Ungarndorf“, das später rumänisch „Satul Nou“ genannt wurde. Da die katholische Pfarrkirche zu weit von der neuen Siedlung stand, errichteten die Ungarn in der Mitte ihres Ortsteils einen Glockenturm, der 1902 eingeweiht wurde.

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts begann die Auswanderungswelle nach Amerika. Allein 1906 verließen 76 Rekascher ihre Heimat, um in das Land „der unbegrenzten Möglichkeiten" zu ziehen. Dadurch verminderte sich die Einwohnerzahl Rekaschs beträchtlich. 1910 zählte man hier laut Dr. Stitzl 4.321 Einwohner, davon 1.838 Deutsche, 1.245 Ungarn, 956 Schokazen, 210 Rumänen, 29 Kroaten, 20 Serben, 17 Slowaken, 3 Tschechen und 3 Bulgaren - dabei ist zu beachten, dass sich in jenem Jahr kein einziger Einwohner mehr zum Judentum bekannte.

Trotz vieler Menschenverluste in den beiden Weltkriegen stieg die Zahl der Rekascher Bevölkerung auch weiterhin, aber nur dank der Zuwanderungen von Rumänen aus der Umgebung und aus dem Altreich. Gleichzeitig nahm die Zahl der Deutschen, besonders als Folge des Zweiten Weltkriegs ständig ab. Bei der Volkszählung von 1972 wurden 5.080 Rekascher gezählt. 1977 lebten unter den 5.764 Einwohnern der Ortschaft nur noch 902 Deutsche. In besonderem Maße steigt zur Zeit die Zahl der Zigeuner, was sich aber nicht auch in den Statistiken widerspiegelt. Wegen den massiven Zuwanderungen von Fremdlingen fühlen sich die „Ur-Rekascher", Angehörige verschiedener Volksgruppen, die meist friedlich zusammen lebten, zunehmend verdrängt, wobei ihr Heimatort immer mehr zur Fremde wird. Besonders betroffen sind dabei die in der "alten Heimat" verbliebenen Deutschen.

August 1989                                                                                                                   Anton Zollner

Fortsetzung