Aus der Vorgeschichte Rekaschs (1)

Rekasch liegt am südöstlichen Rand der Theiß-Ebene, dort wo die Banater Heide in die Hecke übergeht. Geographisch liegt der Ort auf 45,65° nördlicher Breite und auf 21,5° östlicher Länge; seine Höhe über den Meeresspiegel beträgt 107 Meter. Die Ortschaft wird von der Europastraße E-94 durchquert, und die Entfernung bis Temeschburg, der Hauptstadt des Banats, beträgt 23,3 km. Sie liegt auch an der Eisenbahnstrecke Temeschburg – Bukarest, aber im Bahnhof hält nur der „Personal" (= Personenzug, der in allen Bahnhöfen hält). Zur Gemeinde Rekasch gehören auch folgende sechs Dörfer: Izvin, Stanciova, Nadas, Petrovaselo, Herneacova und Bazosu Vechi, in denen fast ausschließlich Rumänen und Serben beheimatet sind. Das zur Ortschaft gehörende Areal ist als Bodengestaltung vielfältig: im Norden ist es hügelig, und sonst eben. Der hügelige Teil, der meist mit Reben und mit Obstbäumen bepflanzt ist, umfasst auch den 221 Meter hohen Pfaffenberg. Dies ist der höchste Punkt des zu Rekasch gehörenden Areals. Niedriger als dieser sind der Zigeuner- und der Kreuzberg.

Rekasch ist laut Dr. Josef Stitzl schon 1318 dokumentarisch belegt worden. In seiner Ortsmonographie vermerkt der Autor, dass am 9. Juli 1318 der ungarische König Karl Robert Anjou eine Urkunde unterzeichnete, durch die er seine Schenkung aus dem Jahre 1311, vom „herrenlosen Gut Rigachteluke", an Dominik von Saar, dem früheren Vizegespan (Vizecomes) des Temescher Komitats und späteren Kastellan von Jokö, bekräftigt. Nach Dr. Nicolae Iliesiu soll Rygachteluke erst 1323 dokumentarisch belegt worden sein, als König Karl Robert die Schenkung an von Saar durch eine am 21. September 1323 in Temeschburg unterschriebene Urkunde erneuerte. Dr. Stitzl hatte auch von dieser Urkunde Kenntnis, aber er betrachtete sie als ein späteres Dokument. Unverständlich ist aber, warum Gheorghe Drinovan in seiner „Mikromonographie des Kreises Temesch", die er fast 50 Jahre nach der ausführlichen Dokumentation Dr. Stitzls veröffentlichte, das Jahr 1443 als das Jahr der ersten dokumentarischen Belegung Rekaschs angibt.

Wie man merkt, besteht der älteste Name Rekaschs „Rigachteluke" aus zwei Teilen. Der erste Teil klingt slawisch und der zweite („teluke“ = telek) bedeutet auf ungarisch „Gut“. Aus diesem  Grund wurde angenommen, dass die Ureinwohner von Rekasch Slawen waren. Ihr Stamm blieb uns aber laut Dr. Stitzl bis heute unbekannt.

Über die nach der dokumentarischen Attestierung folgende Zeit schrieb Dr. Josef Stitzl in seiner Ortsmonographie „Aus der Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde Rekasch“ folgendes: „Im Jahre 1359 rebellierten die Einwohner Nikolas, Phillipp und Johann eines neben der Kystemes (Bega) liegenden Dorfes. Ludwig der Große enteignete diesen Untreuen die Güter und beschenkte damit seine treuen 'Wlachen', die aus der Moldau bei Zurücklassung ihres gesamten Gutes geflohen waren. Diese Walachen kämpften an seiner Seite gegen den transalpinischen Wojwoden Alexander Bazarada. Sie blieben dem Könige treu und kämpften für ihn sogar bei Jadra (Zara - 1357), wo sie sich auch besonders auszeichneten.

Laut Urkunde sind folgende Namen zu registrieren: Stanislaus Karaph-Negwe-Wlajnich, Nikolaus' und Wladislaus' Sohn, Ladislaus' Sohn Zarna. Ludwig der Erste beschenkte sie nicht nur mit Rykas, sondern sie erhielten auch Kyzigte (Kißetö) mit den dazu gehörenden Gütern und Rechten, den Mauteinnahmen und dem Recht, Mühlen aufzustellen".

Demnach gibt es also eine Urkunde, in der der Ortsname „Rykas" erstmals 1359 dokumentarisch attestiert wurde. Einige Historiker waren der Meinung, dass Rykas schon vor 1359 von Bulgaren gegründet worden ist, aber urkundlich ist diese Behauptung nicht belegt.

Anmerkung des Verfassers im November 1999: Die im Zitat erwähnte Urkunde war für die neuen Machthabern Rumäniens der Anlass, im Juni 1999 das ... „640. Jubiläumsfest Rekaschs" zu feiern. Eigentlich sollte ein Jahr zuvor das 680. Jubiläumsfest gefeiert werden. Warum man das Attestierungsjahr 1318 nicht akzeptieren wollte, ist mir unbekannt. Entweder hat den Veranstaltern der Name Rygachteluke wegen seiner ungarischen Komponente nicht gefallen, oder man wollte die Geschichte der Gemeinde nicht mit dem Gutsherrn Dominik von Saar beginnen, sondern man bevorzugte einen aus der Moldau stammenden Walachen für die erste Stunde der Ortschronik (!?).

Auf dem Gebiet des heutigen Rekasch und seiner Umgebung lebten Menschen schon in den ältesten Zeiten. Anders als in anderen Ortschaften des Banats, wurde in Rekasch erst 1877 beim Bau einer Windmühle Reste eines römischen Erdgefäßes gefunden. Erst durch einen Fund vom 15. Juni 1878 konnte angenommen werden, dass sich auf dem Rekascher Boden einst eine römische Siedlung befand. Laut Dr. Stitzl wurde damals von Nikolaus Pupi eine 80 cm lange silberne Kette mit etwa 90 Stück silbernen römischen Münzen aus der Zeit der Kaiser Eleogabalus (218 n. Ch.) und Decius (251 n. Ch.) gefunden. Im selben Jahr wurden auf der sogenannten Pliszka-Wiese bei einer Brunnengrabung mehrere birnenförmige Lehmkugeln gefunden. 1898 hatte Josef Katocz auf dem Boden der Rebschule altertümliche Steingegenstände ausgegraben, die er aber an Freunde verschenkte. 1902 ist in einem Weingarten eine 165 g schwere aus siebenbürgischem Gold angefertigte Armspange gefunden worden, die auch in Privatbesitz ging. Ein besonderer Fund wurde am 12. Juni 1876 in der Nähe des zur Gemeinde gehörenden Dorfes Izvin beim Bau der Eisenbahnstrecke gemacht. Hier wurde in einer Tiefe von zwei Metern ein menschliches Skelett gefunden, aber bedauerlicherweise hatte man die nebenliegenden Bronzegegenstände zertrümmert. Bemerkenswert ist dabei, dass die hier gefundenen mit kugelförmigen Granitsteinen geschmückten Ohrgehänge, den in West- und Nordeuropa ausgegrabenen germanischen Schmuckstücken sehr ähnlich sind. Ein Teil dieser Altertumsfunde befinden sich im Budapester Nationalmuseum, im Temeschburger Regionalmuseum und nun auch in der Rekascher ständigen Geschichtsausstellung, die im ehemaligen Privatsanatorium Dr. Stitzls eingerichtet wurde.

Um sich aber ein Bild über das 1318 beurkundete Rygachteluke zu machen, muss erwähnt werden, dass es damals noch keine Dörfer im späteren Sinne gab. Die damaligen Siedlungen bestanden meistens aus 3 bis 5 Hütten und sogar aus einzelnen Weilern. Um diese ließen sich die späteren Ansiedler nieder, die dann kleinere oder größere Höfe gründeten. So wie es damals bei den meisten Siedlungen geschah, wurde auch die Benennung von Rekasch ständig geändert. Schon 1359 wurde der Ort Rykas genannt. Sowohl der Name Rygach... als auch Rykas beweisen, dass die Ortschaft von Slawen gegründet wurde (reka, „rika"= Fluss, Bach). Dies führt auch zur Vermutung, dass die Häuser dieser Siedlung einst neben der Kystemes (= Klein-Temesch; heute: Bega-Kanal) standen. 1392 schrieb man den Ortsnamen als Reukas, und in der Zeit des Königs Matthias hieß der Marktflecken Rewkas. Im 16. Jahrhundert trug die befestigte Stadt den Namen Rikass oder auch Rika. Im 18. Jahrhundert zeigten die Landkarten schon einen Ort Namens Rikasch, Rikas oder Riecas.

Den heutigen Namen Rekasch entdeckte Dr. Stitzl zum ersten Mal im geheimen Archiv des Wiener Hofes. Dort hatte er erfahren, dass die Bezeichnung Rekasch zum ersten Mal in einem Faszikel aus dem Jahre 1717 verwendet wurde, also in der Zeit nach der Befreiung des Banats von den Türken durch Prinz Eugen von Savoyen. Seitdem ist dieser Ortsname bis heute unverändert erhalten geblieben, nur die Schreibweise wurde den Zeiten und den jeweiligen Machthabern angepasst: Rékás (auch Temesrékás) - ungarisch und Recas - rumänisch.

Juli 1989                                                                                                               Anton Zollner

Fortsetzung