Video-Besprechung:

Rekaschs Werden und Vergehen

 

 Gestaltung, Sprecher, Bild- und Tontechnik: Adam Albecker

 

„Es bleibt der Erlebnisgeneration eine besondere Pflicht: unsere Vergangenheit aufzuzeichnen und die Aufzeichnungen den kommenden Generationen zu überliefern. Was unsere Nachkommen damit anfangen, ist ihre Sache und liegt in ihrer Verantwortung." Unter diesem Motto setzte der Autor mit seiner vierstündigen Videokassette dem einstigen Rekasch, das schon heute für viele seiner gewesenen Bewohner unerkennbar geworden ist, ein wahres Denkmal.

 

Im ersten Teil der Kassette (eine Stunde lang) macht der Autor einen kurzen Streifzug durch die allgemeine Geschichte des Banats. Der gesprochene Inhalt ist auch um einige Abbildungen bereichert worden. Dazu gehören Landschaftsbilder, Zeichnungen, Zeitdokumente und einige Fotos. Gezeigt werden aber auch einige Werke unseres Heimatmalers Stefan Jäger. Dieser einleitende Teil endet vor dem Auswanderungsdenkmal am Donauschwaben-Ufer der Donau in Ulm. Leider wird in diesem Teil nicht auch auf die NS-Zeit und ihre Folgen für unser Volksstamm (also die Rückwanderung ins Mutterland) hingewiesen.

 

Der zweite Teil dieser Videodokumentation „Streifzug durch Rekasch", der im März 1999 vor Ort aufgenommen wurde, „ist für jene gedacht, die einst in Rekasch gelebt haben und denen das Dorf Heimat war". Der Autor will aber mit seiner Dokumentation auch bezeugen, dass „deutsches Kulturgut auch in Südosteuropa geschaffen und gepflegt wurde".

 

Nach der Präsentation des Rekascher Ortsplans beginnt der Streifzug durch Rekasch bei der Einfahrt in die Ortschaft vor der Ortstafel, die man von Temeschburg kommend begegnet. Schon die ersten Aufnahmen erwecken ein Gefühl von Wehmut: der trostlose Zustand der einstigen Stark'schen Mühle, wo man in den Jahren des Kommunismus Schuhe herstellte und das wegen dem Verfall nicht wiedererkennbare „Schokazen-Dorf", in dem einst verstreut auch Deutsche wohnten. Die meist ungepflegten Häuser sind nun mit für unseren Augen viel zu schrillen Farben bemalt. Nach 30 Minuten erscheinen im Bild die Zeugen der „Systematisierungspolitik" Ceausescus: die Wohnblocks, die sich ein einem unvorstellbaren Zustand befinden.

 

Gleich danach bekommt man Einsicht auf den gewesenen Hauptplatz der Ortschaft, der heute ein Park sein sollte. Im Mittelpunkt des Platzes befindet sich noch immer die katholische Kirche, deren Außenfassaden überholungsbedürftig sind. Leider war sie bei der Videoaufnahme wahrscheinlich geschlossen, da der Autor uns keinen Blick ins Innere gewähren kann. Im verwahrlosten Park stehen auch weiterhin das Heldendenkmal und die Dreifaltigkeitssäule, die anscheinend dem Verfall preisgegeben ist. Als Schandfleck des „Parks" steht noch immer das kopflos und auf falscher Stelle errichtete Ambulatorium. Auch dieser Bau hätte schon längst eine Sanierung benötigt, aber er hat hier eine besondere Rolle: er versteckt das dahinter stehende Gebäude der gewesenen deutschen Schule, das verfallen, mit nassen Wänden und fehlender rechter Außenecke ein Sinnbild für die untergehende deutsche Kultur darstellt.

 

Nach etwa 100 Minuten erscheint auf dem Bildschirm das „deutsche Dorf", wo sich die Häuser in einem besseren Zustand befinden, bei den meisten reicht aber die Bodenfeuchtigkeit bis an die Fenster. Darüber kann man auch nicht staunen, wenn man die mit Schlamm und Wasserpfützen belegten Dorfstraßen sieht. Die Wassergräben sind wahrscheinlich schon lange nicht gereinigt worden, dafür liegt aber vor den meisten Häusern je ein Schutthaufen. Besonders auffallend sind die zahlreichen Zigeunerpaläste, mit denen die Straßen bespickt sind. Davor ist sogar die Fahrbahn der Straßen mit Betonguss belegt worden. Der Streifzug durch Rekaschs Straßen endet nach zwei Stunden beim total verwahrlosten Feuerwehrturm und in der „rumänischen Kolonie". Für etwa 10 Minuten lang bekommt man dann schließlich den Friedhof auf dem Bildschirm zu sehen. Die Kamera bringt dem Zuschauer einen weiten Überblick über die Gräber unserer Toten.

 

Etwa 100 Minuten lang wird dann das Rekascher Gesellschaftsleben dem Zuschauer vorgeführt. Dieser Abschnitt ist mit vielen Fotos illustriert, die den Rekascher Betrachter an viel Freud und Leid erinnern. Es wird die Hochzeit und die „Leicht" geschildert, wie auch die Brauchtumspflege im Kindergarten und in der Schule. An die „Banatia", wo viele Rekascher ihre schulische Ausbildung genossen haben, wird ebenso erinnert wie an die Wallfahrten nach Maria-Radna. Reichlich dokumentiert sind auch die Rekascher Kirchweih und die Musikkapellen. Nicht unerwähnt bleiben die Landwirtschaft und das Handwerk, so wie auch das Vereinsleben. Der Autor beendet seinen Rekascher Streifzug mit dem Anfang der Nachkriegszeit. Die Russland-Deportation ist das traurigste Kapitel dieser Zeit. An das Leid der Rekascher Zwangsarbeiter erinnern sehr bedrückend die Fotos, die während der Deportation angefertigt wurden. Die letzten 15 Minuten werden einer Totenehrung gewidmet, die hier im Mutterland stattfindet.

 

Die Videokassette ist für 65,- DM zuzüglich Porto beim Produzenten erhältlich:
Adam Albecker - Weidenweg 23 - D-84032 Landshut - Telefon: 0871/33639.

 

Mai 2000                                                                                                                   Anton Zollner