„Heimattage der Banater Deutschen“

Am Wochenende 23.-25. Mai 2003 fand in Temeschburg die 6. Auflage der „Heimattage der Deutschen im Banat“ statt. Veranstalter dieses Kulturereignisses waren das Demokratische Forum der Deutschen im Banat (DFDB) und das Deutsche Forum der Banater Jugend. Das Motto der Veranstaltung lautete: „Unser Bekenntnis zur Heimat Banat“.

Die Heimattage wurden am Freitag, dem 23. Mai von Karl Singer, dem Vorsitzenden des DFDB im Festsaal des „Adam Müller-Guttenbrunn“-Hauses um 17 Uhr eröffnet. Zu den Ehrengästen zählten: Vasile Dânca – Informationsminister, Ovidiu Gan? – Unterstaatssekretär, Horia Ciocârlie – Präfekt des Landkreises Temesch, Gheorghe Ciuhandu – Temeschburger Bürgermeister, Dr. Paul Philippi – Ehrenvorsitzender und Klaus Johannis – Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), Wolfgang Wittstock – Parlamentsabgeordneter seitens der deutschen Minderheit, Msgr. Martin Roos – Diözesanbischof von Temeschburg, Erik Kurzweil – Kulturreferent der Deutschen Botschaft in Bukarest und Klaus Peter Marte – Konsul der BRD in Temeschburg, wie auch Vertreter verschiedener Ortsforen in Rumänien und der Banater Schwaben aus Österreich.

Nach der Eröffnung der Heimattage durch Karl Singer, dem Vorsitzenden des DFDB, ist der „Stefan Jäger“-Preis für 2002 an Ingrid Schiffer, der Redaktionsleiterin der deutschen Sendung von „Radio Temeswar“ für die Umgestaltung der deutschen Sendung und für die Gründung des Funkforums verliehen worden.

Das darauffolgende Symposium zum Thema „Hier geblieben oder hier lebend“ sollte zur Klärung der Definition des derzeitigen Deutschtums in Rumänien beitragen. Aber die Frage „Wer ist heute noch Rumäniendeutscher?“ erwies sich so komplex, dass sie nicht eindeutig beantwortet werden konnte. Bekanntlich leben die meisten der 60.088 Personen, die sich 2002 in Rumänien zum Deutschtum bekannten (davon etwa 25.000 Personen im Banat) in Mischehen, oder sie sind deren Abkömmlinge. Laut Karl Singers Aussage kann er sich vorstellen, dass „die Kontinuität der (deutschen – A.Z.) Identität nicht mehr in erster Linie und keinesfalls ausschließlich durch ‚reine Deutschstämmigkeit’ zustande kommt“. Bekanntlich ist demzufolge im Banat der Begriff „Banater Schwaben“ durch „Banater Deutschen“ ersetzt worden.

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                                         Der Anfang des Trachtenzugs                                                                              Die Orawitzer Trachtenträger

Am Samstagvormittag zogen mehrere Trachtengruppen, einige sogar mit Blaskapellen, vom AMG-Haus durch das Stadtzentrum (Fußgängerzone) bis zur orthodoxen Kathedrale. Hier konnte man den Eindruck gewinnen, dass die große Mehrheit der Trachtenträger aus dem Banater Bergland gekommen sind. Sehr erstaunlich war aber die Feststellung, dass man unter den Hunderten von Teilnehmern kein einziges deutsches Wort hören konnte. Ausnahmslos alle sprachen nur rumänisch. Auf die Frage eines Passanten, ob es unter den „deutschen“ Trachtenträgern keine Deutsche mehr gäbe, antwortete eine junge Blondine: „Oh, doch! Ich bin die einzige in meiner Gruppe“ (!!!). Am Trachtenzug nahm auch der österreichische Trachtenverein „Rossecker Bruck“ aus der Steiermark teil.

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                             "Banat-schwäbische Trachtenträger"                                                         Der Trachtenverein "Rossecker Bruck" aus der Steiermark

Nach dem Trachtenzug boten die „deutschen“ Volkstanzgruppen den Gästen in der Temeschburger „Rumänischen Oper“ (das gewesene „Franz Josef“-Theater) ein reichhaltiges Kulturprogramm. Der Samstag endete mit einem „Ball für Jung und Alt“, der im Festsaal des AMG-Hauses stattfand. Hier präsentierten die Temeschburger Tanzgruppe „Banater Rosmarein“ und die „Rossecker“ einige Volkstänze, wobei das besondere Können  der Letzteren mit einem lang anhaltenden Applaus belohnt wurde. Die siebenbürgische „Burzenländer Blaskapelle“ spielte eine gute Musik zum Tanz, aber leider nur am Anfang des Ballabends. Danach folgte die Rekascher Mathias-Henschl-Blaskapelle, die versuchte, ihr Bestes zu geben, auch wenn einige Töne falsch am Platz waren. Auch hier wurde auf der Tanzfläche und im Saal sowohl von den Tänzern als auch vom Dienstpersonal (mit Ausnahme der „Rosseckern“) nur rumänisch gesprochen. Nur einige Senioren, Bewohner des AMG-Altenheims, ließen ahnen, dass man sich in einem „Deutschen Haus“ befindet. Was aber die Organisation des Balls betrifft, erfüllte sie nicht einmal die einfachsten Erwartungen: für die Ballgäste gab es keine Tische, der Imbiss wurde in die Hand serviert, die Servietten waren halbiert und rationiert, und wer mit einem Bier den Durst löschen wollte musste erst 90 Minuten lang darauf warten, bis es angeliefert wurde. Danach musste der Besucher sein Bier oder die Erfrischungsgetränke aus der Flache trinken, da es hier keine Gläser gab, und die Flaschen mussten während des Tanzes unter dem eigenen Stuhl abgestellt werden. Jedwelcher Kommentar zu diesem Thema scheint hier überflüssig zu sein!

Zum Abschluss der „Heimattage der Banater Deutschen“ fand am Sonntag, den 25. Mai, in der Domkirche ein Festgottesdienst statt.

Mai 2003                                                                                                                Anton Zollner