Die Kirche nach dem Exodus

Die Massenauswanderung der Deutschen aus dem Banat hat nicht nur das Aussehen der einstigen deutschen Dörfern radikal verändert, sondern sie erwirkte auch sonst zahlreiche negative Aspekte in der Wirtschaft, Landwirtschaft, im sozialen Leben der Bewohner, aber auch in der katholischen Kirche. Vor dem Exodus bildeten die Deutschen im Banat die Mehrheit der römisch-katholischen Gläubigen. Zur Zeit gibt es in den banater Ortschaften kaum noch Deutsche und damit auch viel weniger Katholiken. Die zugewanderten Rumänen römisch-katholischen Glaubens können bei weitem die große Lücke nicht füllen, und deswegen mussten viele Pfarreien aufgelöst werden. Die meisten davon sind zu Filialen größerer Pfarreien geworden. Dazu kommt auch noch die Tatsache, dass die neue Priestergeneration nur selten alle Sprachen der von ihnen betreuten Gläubigen beherrschen. Die Zeiten, in denen jeder Pfarrer deutsch, ungarisch, rumänisch und vielleicht auch noch schokazisch, bulgarisch oder slowakisch sprach, sind längst vorbei. Die heutigen Priester sind zumeist Rumänen, die nur die rumänische Sprache beherrschen.

Auch das Aussehen der katholischen Kirchenhäuser hat sich verändert. Wegen der vielen Einbrüchen, die man in Kirchen aller Glaubensgemeinschaften des Landes verübt, mussten die wertvollsten Kultgegenstände ins Museum des Bischöflichen Ordinariats aus Temeschburg zur Aufbewahrung gebracht werden. Die Gottesdienste finden nicht mehr an allen Sonn- und Feiertagen statt, und in den Bänken sitzen immer weniger Gläubige: die ältere Generation stirbt aus, und die Jungen, unabhängig von ihrer Volkszugehörigkeit, haben die Dörfer oder die Heimat verlassen. Aus diesem Grund, wie auch wegen der ständigen Verarmung der Bevölkerung, können die Pfarrgemeinden die Kirchen aus eigener Kraft nicht mehr instandhalten. Darum ist die Spendenbereitschaft der Heimatortsgemeinschaften aus Deutschland immer mehr gefragt, aber nur in wenigen Fällen ausreichend. Diese Not spiegelt sich auch am Äußeren der Sakralbauten wieder. In dieser Lage überlegt man in einigen Fällen sogar die Übergabe einiger römisch-katholischen Kirchen an andere Glaubensgemeinschaften.

In dieser Zeit der Regression des spirituellen Lebens der katholischen Kirche im Banat müsste nun alles getan werden, um zu retten, was noch zu retten da ist. Eine besonders lobenswerte Initiative in diese Richtung hatte der deutsche Kulturmanager aus Reschitz Josef Erwin Tigla. Er schuf ein dreisprachiges Fotoalbum, in dem alle römisch-katholischen Kirchen des Banater Berglands auf Farbbilder aufgenommen wurden. Das einmalige Werk ist auch mit statistischen Daten ergänzt worden, die anderswo schwer zu finden sind. Es ist nur schade, dass die Herausgabe nicht von Geldgebern aus Deutschland unterstützt wurde, damit das Album noch umfangreicher hätte gestaltet werden können. Es wäre besonders erwünschenswert, dass ein ähnliches Sammelwerk mit allen römisch-katholischen Kirchen aus dem Banat und dem Arader Land (inklusive den evangelischen), unabhängig von der Nationalität der Gläubigen, entstehen würde. Dieses müsste auch die derzeitige Struktur der katholischen Kirche beinhalten - wie dies nun mit dem Banater Bergland der Fall ist.

In dieser Landschaft gab es am Ende des Jahres  2000 nur mehr 16 Pfarreien mit 35 Filialen, in denen 23.705 Katholiken erfasst sind, davon 5.188 Deutsche. Der Rest bestand aus 6.820 Kroaten (Kraschowenen), 5.283 Rumänen, 3.043 Tschechen (Böhmen), 2.912 Ungarn, 165 Slowaken, 122 Zigeunern, 25 Bulgaren und 147 Personen, deren Volkszugehörigkeit nicht angegeben ist.

Die meisten Katholiken – 4.603, davon 1.589 Deutsche - leben zur Zeit in Reschitz, wo vor kurzem eine zweite Pfarrei im Stadtviertel „Lunca Bârzavei“ eingerichtet wurde. Zur Pfarrei „Montan-Reschitz“ gehören 3.770 Gläubige (davon 1.310 Deutsche) aus Reschitz, 110 (davon 40 Deutsche) aus Sekul /Secu und 100 (47 Deutsche) aus Franzdorf /Valiug. Pfarrer ist hier der Domherr József Csaba Pál. Zu dieser Pfarrei gehören neben den zwei erwähnten, auch die Filialen der Deutsch-Böhmen aus Wolfsberg /Garâna und Weidenthal /Brebu Nou, die seelsorgerisch vom Priester Eduard Kandler betreut werden. In Wolfsberg gibt es noch 30 und in Weidenthal noch einen Katholiken, die alle Deutsche sind. Pfarrer der zweiten Reschitzer Pfarrei, Reschitz-„Lunca Bârzavei“, ist Simon Ciubotaru. Neben der Pfarrei mit 833 Katholiken, davon 279 Deutschen, betreut er auch die Filiale Doman mit 54 Mitgliedern, von denen 50 Deutsche sind.

Die zweitgrößte Pfarrei des Banater Berglands nach den zwei aus der Kreisstadt Reschitz, ist die aus Kraschowa /Carasova, die 3.500 Pfarrkinder hat, fast alle Kroaten. In Kraschowa selbst gibt es 2.500 Katholiken, die mit der Ausnahme eines Deutschen alle Kroaten sind.  Amtierender Pfarrer ist hier Gheorghe Catici, der auch die rein kroatischen Filialen aus Iabalcea und Nermed mit 300 bzw. 700 Mitgliedern verwaltet. Die drittgrößte Pfarrei ist jene von Karansebesch (mit dem heutigen Stadtteil Neu-Karansebesch), in der Pfarrer Martin Neagu 1.912 Katholiken (davon 1.912 Deutsche, alle in Karansebesch) betreut. 120 Pfarrgemeindemitglieder bilden die Filiale Jupa. Lindenfeld muss nicht mehr seelsorgerisch betreut werden, da es hier keine Einwohner mehr gibt, und die Kirche ist dem Verfall preisgegeben.

Zu den „größeren“ Pfarreien gehört auch die der Kroaten aus Lupak /Lupac mit der Filiale aus Rafnik /Rafnic, wo Pfarrer Marijan Tyinkul im Amt ist. Unter den 1.000 Pfarrkindern  aus Lupak gibt es 3 Deutsche, unter den 718 aus Rafnik hingegen keinen einzigen. Da die Katholiken der drei Dörfer der Klokotitscher Pfarrei aus verschiedenen Volksgruppen besteht, sind hier zwei Priester eingesetzt worden. Pfarrer Petar Dobra betreut die kroatischen Ortschaften Klokotisch /Clocotici und Vodnik /Vodnic und Ferenc Ebenspanger das einstige Deutsche Dorf Dognatschka /Dognecea. Unter den 1.052 Gemeindemitgliedern aus Klokotitsch gibt es neben der kroatischen Mehrheit auch 4 Deutsche, 91 Zigeuner und einen Tschechen. Die 488 Katholiken aus Vodnik sind alle Kroaten. Der Dognatschkaer Priester betreut die Filiale mit 128 Katholiken, von denen 118 Deutsche sind. Seelsorger der Ferdinandsberger Pfarrei mit 1.665 Gemeindemitgliedern, die sowohl in Ferdinandsberg /Otelu Rosu als auch in den Filialen Russberg /Rusca Montana und Wolfswiese /Ruschita, Deutsche, Rumänen und Ungarn sind, ist Pfarrer Iosif Budau. In diesen Ortschaften der Pfarrei gibt es unter den römisch-katholischen Gläubigen noch 500, 48 bzw. 30 Deutsche. Eine „höhere“ Zahl von Katholiken (insgesamt 1.617 Seelen) gibt es auch in der vom Dechantpfarrer Adalbert Jäger geleiteten Pfarrei der Stadt Bokschan /Bocsa. Unter den 922 Katholiken, die in den einstigen zur Stadt zusammengeschlossenen drei Ortschaften leben, befinden sich auch 199 Deutsche. Die Gläubigen aus Rumänisch-Bokschan bilden aber eine eigene Filiale. Auch unter den 310 Katholiken der Filialen aus Königsgnad /Tirol, den 203 aus Bersowia /Berzovia und den 80 aus Fisesch /Fizes gibt es 84, 40 bzw. 11 Deutsche. Die 32 Katholiken der Filiale aus Ersig sind alle Ungarn. Die Pfarrei von Weizenried /Gârnic, zu der auch die Filialen von Bersaska /Berzasca, Liubkowa /Liubcova, Ravenska /Ravensca und Schnellersruhe /Bigar gehören, besteht fast ausschließlich aus Tschechen. Unter den 620, 164, 70, 150 bzw. 254 katholischen Gläubigen gibt es nur in zwei Filialen andere Volkszugehörige: 40 Rumänen in Bersaska und 5 Deutsche mit 20 Rumänen in Liubkowa. Das Amt des Pfarrers ist hier von Josef Altmann besetzt. Fast nur aus Rumänen und aus wenigen Deutsche besteht die Pfarrei von Slatina Timis, wo Pfarrer Ioan Pacurici im Amt ist. Die 1.177 Katholiken sind wie folgt verteilt: Slatina Timis – 1.092 (davon 4 Deutsche) und in den Filialen Alt-Sadowa /Sadova Veche – 81 (davon 71 Deutsche) und Teregova – 4 (davon ein Deutscher).

Anteilsmäßig sind die Deutschen am besten in der Aninaer Pfarrei vertreten. 74,4 Prozent der Pfarrgemeindemitglieder sind Deutsche: in Anina – 424, in der Filialen Steierdorf – 419 und Bosowitsch /Bozovici – 13. Der Rest besteht aus Rumänen, Tschechen, Ungarn, Kroaten und Bulgaren. Sie alle werden vom Pfarrer Laurentius Plavustyak betreut.

Knapp über tausend Mitglieder (1.020) hat auch die vom Pfarrer Josef Preloucek geleitete Pfarrei aus Neu-Moldowa /Moldova Noua. Dazu gehören auch die Filialen von Sankt Helena /Sfânta Elena und Zlatita, die fast ausschließlich aus tschechischen Katholiken besteht: von 456 – 450 bzw. von 130 – 114 (den Rest bilden Rumänen). 8 Deutsche gibt es nur unter den 434 Katholiken aus Neu-Moldowa, wo die Mehrheit von den Rumänen gestellt wird: 250 Seelen.

Die kleinsten Pfarreien des Banater Berglands sind die aus Orschowa, Eibenthal, Orawitz und Herkulesbad. In Orschowa betreut  Pfarrer Mihai Sima 891 Katholiken verschiedenster Nationalitäten, davon 150 Deutsche. In Eibenthal betreut Pfarrer Venceslaus Mašek seelsorgerisch 481 Tschechen. Zur Pfarrei von Orawitz, in der Virgil Fecheta das Amt des Pfarrers bekleidet, gehören neben der Stadt auch die Filialen von Bresondorf /Brezoni, Deutsch-Saska /Sasca Montana und Deutsch-Tschiklowa /Ciclova Montana. In Brezondorf gibt es nur mehr 5 Katholiken, die alle Deutsche sind. Die 373 Pfarrgemeindemitglieder  aus Orawitz und die 23 aus der Filiale von Deutsch-Saska haben unterschiedliche Volkszugehörigkeiten, davon sind 173 bzw. 13 Deutsche. Über die Zahl der Katholiken aus Deutsch-Tschiklowa gibt es keine Angaben. Die Pfarrei mit den wenigsten Pfarrkindern, und zwar 327, ist jene aus Herkulesbad. Der Seelsorger der Pfarrei, zu der neben dem Luftkurort auch die Filialen von Mehadia, Schumitza /Sumita und Toplitz /Toplet gehören, ist der Pfarrer Iosif Demeterc. In Herkulesbad, Mehadia und Toplitz sind die 124, 27 bzw. 28 Katholiken zumeist Rumänen, Deutsche und Ungarn, die Zahl der zweiten beläuft sich auf  28, 12 bzw. 10. Die 148 katholischen Gläubigen aus Schumitza sind alle Tschechen.

Das gewesene banat-schwäbische Dorf Moritzfeld /Maureni, das heute zum Landkreis Karasch-Severin gehört, ist als Filiale an die Gatajaer Pfarrei angegliedert worden. Die 93 Katholiken, von denen 45 Deutsche sind, werden seelsorgerisch vom Gatajaer Pfarrer Csaba Miklós betreut.

Es ist anzunehmen, dass sich in den nächsten Jahren in der Struktur der katholischen Kirche des Banats nicht nur wegen der fast totalen Auflösung des Deutschtums einiges stark verändern wird. Auch der Priestermangel wird bald seine Folgen zeigen, aber insbesondere die Sprachschwierigkeiten der neuen Priestergeneration, die wahrscheinlich in ihrer Mehrheit aus den Reihen der rumänischen Bevölkerung stammen wird.

Juli 2002                                                                                                             Anton Zollner