Heimattreffen der Banater Schwaben aus Bayern in Augsburg
 - 20. - 21. Juni 1997 -

Die Ansprache des Leiters des Hilfswerks der Banater Schwaben, Helmut Schneider
am Gedenkstein im Augsburger Univiertel:

„Unser sich in großen Schritten seinem Ende zuneigende Jahrhundert wird von Historikern als das Jahrhundert der Flüchtlinge, als das Jahrhundert der Vertreibung bezeichnet. Noch niemals in der Menschheitsgeschichte ist eine so große Anzahl von Menschen aus ihrer angestammten Heimat vertrieben und verjagt worden, mußten so viele Menschen ihre Heimat verlassen, um ihre Identität bewahren zu können, um Elend und Not und Hunger hinter sich zu lassen, um unmenschlichen Diktaturen zu entfliehen, um das nackte Leben zu retten. Sie waren und sind auf eine bessere Zukunft, auf eine menschenwürdige Existenz und auf die Möglichkeit fixiert, ihr Leben frei zu gestalten und unter ihresgleichen leben zu können. Wir Banater Schwaben und viele hunderttausend deutsche Volkszugehörige aus dem Osten wollten und wollen als Deutsche unter Deutschen leben.

Das Motto des Gedenksteins, bei dem wir uns versammelt haben, „Heimat gesucht - Heimat gefunden", ist einerseits Ausdruck unserer langjährigen Sehnsüchte und Hoffnungen, unseres Strebens und Hoffens sowie andererseits unsere vorweggenommene, vorbehaltlose Akzeptanz und Integration als Banater Schwaben im deutschen Muttervolk.

Unter dem Diktat von bitterem Elend und von herrschaftlicher Willkür sind unsere Vorfahren vor zwei, zweieinhalb Jahrhunderte überwiegend aus des Reiches westlichen Gebieten in die vom türkischen Joch befreiten östlichen Regionen gezogen, in denen übrigens der rheinische Taler, ebenso wie im Westen, als offizielles Zahlungsmittel galt. Wir sind nicht die Nachkommen von Abenteurern, von Aussteigern zweifelhafter Herkunft. Nein, wir sind Deutsche, die durch von ihnen nicht zu beeinflussende Entwicklung unter fremde Herrschaft geraten, die sich aber immer fest als Deutsche bekannt und verstanden haben, die alles deutsche Leid in gleichem Maße, und häufig in vermehrtem Maße, mit den im Mutterland lebenden Deutschen mitgetragen, mitzutragen gezwungen worden sind.

Unter diesen Voraussetzungen sind wir nach Vernichtung unserer Banater Heimat hierher zurückgekehrt. Wir sind davon überzeugt, genau wie ein Preuße oder Hesse oder Sachse, der nach Bayern kommt, in diesem Land, in jedem deutschen Bundesland, als deutsche Volkszugehörige Heimatrecht zu haben. Die völlig unangemessene Benachteiligung eines Teils unserer Spätaussiedler - unserer Zuspätaussiedler - durch verschiedene Regierungsverfügungen und Gesetzeswerke, unter denen die letzten rückwirkenden Abänderungen des Fremdrentengesetzes, die für uns unrühmlichste Krönung darstellen, und für viele gleichzeitig die schmerzvollste, haben unsere Menschen deklassiert, haben sie verunsichert, beleidigt, zutiefst verbittert.

Viele fragen sich, mit welchem Recht, mit welchem Verantwortungsgefühl derartige Zurücksetzungen und Ausgrenzungen von Volkseigenen vorgenommen werden können, vorgenommen werden dürfen, während gleichzeitig an Ausländer und ins Ausland steigende Zahlungen geleistet werden.

Nach langem völkischen Verfolgungs- und Leidensweg sind wir Banater Schwaben in den Schoß unseres Muttervolkes zurückgekehrt. Als Deutsche voll anerkannt und behandelt zu werden erwarten wir. Zur Durchsetzung unserer berechtigten Forderung werden wir auch den Rechtsweg bestreiten.

Wir haben uns vorwiegend als deutsches Bauernvolk von hoher Kultur im Banat, im Laufe von über zwei Jahrhunderten, mit zähem Fleiß inmitten einer fremdvölkischen Umwelt, Heimat geschaffen, die unser Wesen widerspiegelt, die dem Landstrich Gepräge gab, die unseren unverkennbaren Beitrag zur Kultur der Länder, denen wir nach unserer Ansiedlung der Reihe nach zugehörig wurden, widerspiegelt.

Unter widrigen Bedingungen haben wir bäuerliche Beweisstücke geschaffen und hinterlassen, die vom trotzigen Willen unserer Bauern Zeugenschaft ablegen, von Elend und Leid, von Gottesfurcht und Opfern, von Selbstbehauptungswillen und stolzem Geschichtsbewußtsein.

In demselben Sinn werden wir zur Verteidigung der schwächsten, der Spät- und Zuspätaussiedlern zusammenstehen, für ihr Recht und für Gerechtigkeit eintreten.

Wir wollen und werden auch in Deutschland Gemeinschaftssinn und -geist an den Tag legen, werden in Ingolstadt für unsere alten Menschen eine Heimat schaffen, in der schwäbische Sitten und Brauchtum und allen voran schwäbische Erinnerungen zu Hause sein werden. Wir wollen durch Spenden und Beiträge den Beweis erbringen, daß wir in der schwäbischen Gemeinschaft naturhaft verwurzelt sind. Unsere Spendengemeinschaft, Opferbereitschaft und Gemeinsamkeit steht gegen Ausgrenzung und Unrecht.

Wir bekennen uns seit eh und je zur großen völkischen Gemeinschaft und zur abendländischen Völkergemeinschaft. In deren Schoß haben wir Heimat gesucht und werden uns Heimat schaffen und finden."

(aus dem „Donauschwaben" Nr. 31 vom 3. August 1997)