Wunsch und Wirklichkeit

Wie viele Deutsche heute noch im Banat leben, kann von keiner Stelle mehr so richtig geschätzt werden. Schon die durch die Volkszählung vom 7. Januar 1992 gesammelten Daten sind diesbezüglich auch nicht so glaubwürdig, weil die Volkszugehörigkeit nicht nach der Abstammung, sondern nach dem „Bekenntnis" der Bürger ermittelt wurde. Es ist bekannt, daß sich damals viele Zigeuner, wie auch schon bei den vorherigen Volkszählungen, als Rumänen oder als Ungarn registrieren ließen, und daß sich Zugehörige der verschiedensten Volksgruppen als Deutsche ausgaben. Wie bekannt, herrschte doch damals nach dem Zusammenbruch des Ceausescu-Regimes im Banat das „Auswanderungs-Fieber". Damals sagten viele nicht nur von ihrer Volkszugehörigkeit, sondern auch von ihren Glauben ab, sie ließen sich katholisch taufen, nur um nach Deutschland auswandern zu können. So kam es dann auch dazu, daß die Zahl der Aussiedler, die seit den '50-er Jahren aus Rumänien nach Deutschland gekommen sind, höher ist, als die damalige Zahl aller Rumäniendeutschen.

Da nun aber den „Spätaussiedlern" ein ganz anderer Wind als noch vor einigen Jahren ins Gesicht weht, ist man im Banat auch nicht mehr so scharf auf die Eigenschaft, Deutscher zu sein, wenn man eben keiner ist. Diese neue Lage ist aber nirgends besser zu bemerken als beim Demokratischen Forum der Deutschen im Banat (DFDB). Nach einem massiven Zulauf gleich nach der Gründung des Forums im Jahre 1990, als besonders andere Volkszugehörige viel Interesse an einer DFDB-Mitgliedschaft zeigten, schrumpft nun die Mitgliederzahl ständig. Dabei suchen auch viele im Banat verbliebenen Deutsche ihre politische Heimat in den Reihen der verschiedensten rumänischen Parteien. Dies war besonders bei den Kommunalwahlen, die 1996 stattgefunden haben, festzustellen. Für die Kandidaten des DFDB gab damals nur ein kleiner Teil der Forumsmitglieder ihre Stimmen ab.

Nach den neuesten Meldungen soll das DFDB im Juni 1997 etwa 12.000 Mitglieder gehabt haben, die in 40 Ortsforen erfaßt waren. Von dieser Gesamtmitgliederzahl entfallen über 8.000 auf den Kreis Temesch, die Hälfte von diesen gehören dem Temeschburger Ortsforum an. Da es im Kreis Arad nur noch etwa 1.500 beitragszahlende Mitglieder gibt, müßte der Rest von etwa über 2.000 Mitgliedern dem Kreis Karasch-Severin (dem Banater Bergland) zugeordnet werden. Im Kreis Temesch gibt es neben Temeschburg nur noch 16 Ortschaften, in denen es ein Ortsforum gibt: Bakowa, Billed, Bogarosch, Busiasch, Detta, Gottlob, Groß-Sankt-Nikolaus, Hatzfeld, Lowrin, Lugosch, Nadrag, Perjamosch, Schag, Triebswetter, Tschakowa und Wojtek. Man will aber bald auch in Lenauheim ein Ortsforum gründen, da es dort noch etwa 85 Deutsche gibt. Nach den Angaben des DFDB soll die deutsche Lenauheimer Bevölkerung sogar aus 120 Personen bestehen, eine Zahl die aber nicht glaubwürdig ist, weil 1992 sich hier nur 104 Personen zum Deutschtum bekannten, von denen ein Teil in den vergangenen sechs Jahren nach Deutschland ausgewandert ist.

Wie es scheint, haben nicht nur rumänische Amtsstellen, sondern auch das DFDB Interesse daran, die Zahl der Banater Deutschen aus den verschiedensten Gründen hoch zu halten (auch künstlich, wenn es sein muß).

April 1998                                                                                                                  Anton Zollner