Mehrsprachige Ortsnamensschilder ?

Gemäß dem Regierungserlaß Nr. 22/1997 sollen in Rumänien in Ortschaften, in denen bei der Volkszählung von 1992 eine oder mehrere nationale Minderheiten einen Bevölkerungsanteil von wenigstens 20 Prozent hatten, die Ortsnamens- und Behördenschilder mehrsprachig beschriftet werden. In diesem Zusammenhang äußerte sich Prof. Dr. Paul Philippi, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR) im August 1997, daß „das Anbringen der Schilder in deutscher Sprache nicht zu den Hauptbemühungen und wichtigsten Anliegen des Forums (gehöre)". Er präzisiert sogar, daß „die Umsetzung dieser Bestimmung ( ... ) jedoch mit dem Einverständnis der Mehrheitsbevölkerung und Taktgefühl erfolgen (solle)". Das DFDR hat also keine klaren Ansprüche auf die Einhaltung der von der Regierung gebotenen Rechte gestellt, dafür verlangt sie von jenen, die sie eigentlich zu vertreten hat, Taktgefühl, so als hätten dies die Deutschen seit Ende des Krieges nicht ständig praktiziert. Aus der Sicht des Vorsitzenden der DFDR sollte die Anwendung dieses Gesetzes „eher einen Werbeeffekt für den Tourismus haben und einen guten Ruf für Rumänien erwirken". Es scheint nun, als hätte Prof. Dr. Philippi, der ein Vertreter der im Lande verbliebenen Rumäniendeutschen sein müßte, gar kein Interesse mehr an dem Erhalt dessen, was in Rumänien noch an ein gewesenes Deutschtum erinnern könnte: die deutschen Ortsnamen.

Ansonsten sollen die vom Gesetz gestellten Bedingungen für die Beschriftung der Ortsschilder in deutscher Sprache sowieso nur noch von 39 Ortschaften erfüllt werden. Bei dem heutigen Stand sollte man wahrscheinlich nur mit der Hälfte dieser Zahl rechnen. Von den 39 in Frage kommenden Ortschaften sollen sich laut Aussage des Prof. Dr. Philippi nur 9 auf dem Gebiet des Banats befinden. Im Kreis Temesch könnte laut der gegebenen Vorschriften nur das Dorf Wetschehausen (amtlich: Petroasa Mare - Gemeinde Victor Vlad Delamarina) mit dem deutschen Ortsamen beschriftet werden. Die im Jahre 1992 als „Bekenner zum Deutschtum" registrierten Personen stellten bei einer Gesamtbevölkerung von 652 Seelen einen Bevölkerungsanteil von 28,83 Prozent. Im gesamten Kreis Arad und im jenem Teil des Banats, das heute zum Kreis Mehedinti gehört, kann laut Gesetz kein einziges Ortsnamensschild in deutscher Sprache beschriftet werden.

Wie die rumänische Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) vom 9. August 1997 schrieb, soll Prof. Dr. Philippi behauptet haben, daß es im Kreis Karasch-Severin (also im Banater Bergland) sogar 8 Ortschaften geben soll, bei denen das Gesetz die deutsche Beschriftung erlauben würde. Vom Verfasser dieser Zeilen konnten leider nur 5 dieser Ortschaften identifiziert werden: Königsgnad (amtlich: Tirol - Gemeinde Doclin) mit 222 Deutschen mit einem Bevölkerungsanteil von 30,41 Prozent, Alt-Sadowa (amtlich: Sadova Veche - Gemeinde Slatina Timis) mit 170 Deutschen mit 52,79 Prozent, Wolfsberg (amtlich: Garâna - Gemeinde Brebu Nou) mit 109 Deutschen mit 86,5 Prozent, Bresondorf (amtlich: Brezoni - Gemeinde Forotic) mit 29 Deutschen mit 26,36 Prozent und Weidenthal (amtlich: Brebu Nou = Gemeindesitz) mit 10 Deutschen mit 86,5 Prozent (!). Das Dorf Lindenfeld kann nicht dazugezählt werden, wenn es auch bei der Volkszählung 100-prozentig deutsch war (der einzige Einwohner war ein Deutscher), da der amtliche Ortsname der gleiche ist. Aus demselben Grund und weil es ein Ortsteil der Stadt Anina ist, kann auch Steierdorf nicht mitgezählt werden (die 853 Deutschen aus Steierdorf stellten 1992 einen Bevölkerungsanteil von 25,53 Prozent).

Interessanter wäre es zu wissen, was mit jenen Ortschaften geschehen soll, die zur Zeit noch amtlich deutsche Ortsbenennungen tragen, wie Bethausen, Lenauheim, Got(t)lob, Liebling, Charlottenburg u. a. Könnte der Regierungserlaß nicht auch zur gleichen Zeit auch zur Rumänisierung dieser Ortsnamen dienen? In diesen Ortschaften leben nur noch wenig oder sogar nur vereinzelt deutsche Volkszugehörige. Aus diesem Grunde könnte man die Umbenennung dieser Ortschaften nach dem Wortlaut des Gesetzes als gerechtfertigt finden. Warum sollen dann, nicht wenigsten jene deutsche Ortsbenennungen neben den amtlichen erhalten bleiben, solange dies noch möglich ist?

In Temeschburg, also in der ersten vom Kommunismus befreiten Stadt Rumäniens, wollte man an allen Zufahrtsstraßen Ortsschilder anbringen, die in vier Sprachen (rumänisch, ungarisch, deutsch und serbisch) beschriftet gewesen wären. Man wollte damit ein Zeichen der Weltoffenheit, der Toleranz zwischen den verschiedenen im Banat lebenden Nationalitäten und des friedlichen Nebeneinanderseins in diesem Teil des Landes setzen. Aber leider macht der „Kampf" um die vollständige Rumänisierung des Landes auch vor den Toren Temeschburgs keinen Halt. Die Stadträte wiesen diesen Vorschlag, der Rumänien einen Schritt näher zu Europa bringen sollte, mit ihren Stimmen ab. Man beschloß, den Weg in Richtung Europa anders zu kennzeichnen. In Kürze will man alle Ortsschilder Temeschburgs mit Reflexfarben beschriften, und neben dem rumänischen „Timisoara" sollen nun die Namen der Partnerstädte ihren Platz finden: Faenza (I), Mulhouse (F), Karlsruhe (D), Rueil Malmaison (F) und Szeged (H).

 Die Überlegung dafür könnte ganz einfach gewesen sein: Warum soll man den eigenen nationalen Minderheiten etwas geben, wenn man für dasselbe Geld aus dem Ausland etwas bekommen könnte? Das einstige Banat, wo fast immer sozialer und ethnischer Friede herrschte, scheint immer mehr seinen Ruf als „Mini-Europa" nun langsam, aber sicher zu verlieren. Auch hier werden die nationalistischen Töne immer lauter, und dies ist sehr zu bedauern.

April 1998                                                                                                           Anton Zollner