Deutsche Schulen im Banat

Mit dem Ende des banater Deutschtums gehen auch die Schulen mit deutschem Muttersprachenunterricht allmählich ihrem Ende entgegen. Dieser ist im Banat nur noch in 24 Ortschaften, mal besser und mal schlechter, meist aber nur teilweise gesichert. Zu diesen Orten zählen auch jene Ortschaften, die außerhalb des geographischen Banats, nördlich der Marosch liegen und zum banater Siedlungsraum zählen. In all diesen Schulen gibt es seit Jahren einen chronischen Mangel an gut ausgebildeten deutschen Lehrkräften. Besonders in den ländlichen Ortschaften unterrichten in den Grundschulklassen sogenannte Hilfslehrkräfte, die niemals eine pädagogische Ausbildung erhalten haben. Aber auch in den Lyzeen gibt es meist nur Notlösungen mit rumänischen Lehrern, die auf irgend eine Weise deutsch sprechen lernten, die deutsche Sprache aber nicht beherrschen.

Im gesamten Banat gibt es zur Zeit nur noch drei deutsche Lyzeen, in denen alle Unterrichtsstufen bis zum Abitur (Grundschul- Gymnasial- und Lyzealstufen bzw. 1-4. Klasse, 5.-8. Klasse und 9.-12. Klasse) vorhanden sind. Diese befinden sich in den Hauptstädten der drei banater Kreise: Temeschburg, Reschitz und Arad. Auch in Lugosch, das wahrscheinlich die Hauptstadt des zukünftigen Kreises Karasch sein wird, befindet sich in der „Brediceanu"-Schule eine deutsche Lyzealstufe im Aufbau.

Im Schuljahr 1996-97 sah die Struktur des deutschen Muttersprachenunterrichts im Banat wie folgt aus:

a). Kreis Temesch

 In Temeschburg gab es im „Nikolaus Lenau"-Lyzeum wie oben schon erwähnt alle Stufen von der 1. Klasse bis zum Abitur. Die 12 Klassen waren von 1.450 Schülern besucht. Damit ist die Lenau-Schule noch immer die größte deutsche Schule des Banats. In der Banat-Metropole gab es auch noch zwei weitere Schulen, in denen der deutsche Muttersprachenunterricht von der 1. bis zur 8. Klasse gesichert war, und zwar im „Shakespeare"-Lyzeum (mit 143 Schülern) in der Fabrikstadt und im Banater Kollegium (gewesenes Lyzeum für Philologie und Geschichte) in der Josefstadt. Diese Unterrichtsstruktur war in nur noch zwei Städten des Kreises Temesch vorhanden. In Lugosch, wo sich die Lyzealstufe im Aufbau befindet, besuchten 195 Schüler die Grundschul- und die Gymnasialklassen. Auf den Bänken der zwei Lyzealklassen (9. und 10. Klasse) lernten insgesamt nur 28 Schüler. In den 8 Klassen der Grundschul- und Gymnasialstufe aus Groß-Sankt-Nikolaus lernten im vorigen Schuljahr 78 Schüler.

In allen anderen Ortschaften des Kreises Temesch gab es nur noch die vier Grundschulklassen. In Hatzfeld, einer anderen Stadt des Kreises Temesch, besuchten 26 Schüler die 1. bis 4. Klasse, während sich sechs Schüler bemühten, die 8. Klasse der sich in Auflösung befindliche Gymnasialstufe zu beenden. Dieselben Klassen waren in der Stadt Detta von nur noch 11 Schülern besucht. Weitere Grundschulklassen, die meisten mit Simultanunterricht, gab es in sechs ländlichen Ortschaften des genannten Kreises: in Bakowa, Billed, Lowrin, Perjamosch, Schag und Triebswetter.

b). Kreis Karasch-Severin

 Die 12 Klassen aller Unterrichtsstufen gab es im Schuljahr 1996-97 nur in der Kreishauptstadt Reschitz im Lyzeum Nr. 4. Vor einiger Zeit „erkämpften" die Eltern rumänischer Schüler dieser Schule durch Protestaktionen ihren „heißen" Wunsch, diese Schule nicht nach dem Märchen- und Sagensammler aller Nationalitäten aus dem Banater Bergland, Alexander Tietz, umzubenennen. Die Zahl der Schüler, die hier am Unterricht in deutscher Muttersprache teilnahmen, ist mit 279 als gering zu betrachten, wenn man davon ausgeht, daß Reschitz zur Zeit die banater Ortschaft ist, in der nach Temeschburg die meisten Deutschen leben. Außer dieser Schule gab es in dieser Stadt des Banater Berglands auch in der Allgemeinschule Nr. 8 eine Grundschulstufe, die von 31 Schülern besucht war. 150 Schüler nahmen auch in Karansebesch am deutschen Muttersprachenunterricht in der Grundschul- und Gymnasialstufe teil. Außer diesen zwei Städten gab es im Banater Bergland für deutschsprachige Kinder nur noch die vier Grundschulklassen, in denen meist nur simultan unterrichtet wird. Diese befanden sich in den Städten Anina (10 Schüler), Bokschan (13 Schüler), Ferdinandsberg (24 Schüler) und Orawitz (11 Schüler), wie auch in einer einzigen ländlichen Ortschaft, und zwar in Wolfsberg (10 Schüler).

c). Kreis Arad

 Im Kreis Arad gibt es nur noch eine Schule, die über den Muttersprachenunterricht in allen Unterrichtsstufen verfügt; die ist das Deutsche Lyzeum in der Kreishauptstadt Arad. In den Grundschulklassen lernten hier im vorigen Schuljahr 151 Schüler, in den Gymnasialklassen 241 und in den Lyzealklassen nur 93 Schüler. Dies bedeutet, daß das Arader Deutsche Lyzeum von 485 Schülern besucht war. In Arad gab es auch weitere drei Schulen, in denen nur Grundschulklassen eingerichtet waren: in der Allgemeinschule Nr. 1 (112 Schüler), in der Allgemeinschule Nr. 21 (87 Schüler) und im zu Arad gehörende Klein-Sankt-Nikolaus. Auf dem Lande gab es im Kreis Arad nur vier Schulen, in denen es auch deutsche Grundschulklassen vorhanden waren. Eine davon liegt im geographischen Banat und zwar in Engelsbrunn und drei nördlich der Marosch in Glogowatz, Semlak und Sankt-Anna.

d). Kreis Mehedinti

 Nachdem ein Teil des südöstlichen Banat dem oltenischen Kreis Mehedinti angeschlossen wurde, gelangen einige banater Ortschaften, in denen einst Deutsche lebten, unter altrumänischer Verwaltung. Im gesamten Kreis gab es aber im Schuljahr 1996-97 nur eine einzige Schule in der Deutsch als Muttersprache unterrichtet wurde. Diese Schule befand sich in der banater Donau-Hafenstadt Orschowa. Hier unterrichteten zwei Lehrerinnen im Simultanunterricht 29 Schüler.

Aus den oben angeführten Daten ist es leicht zu erkennen, daß im Banat nun auch die jahrhundertealte deutsche Schultradition sich dem Ende nähert. Ein akzeptabler Deutschunterricht wird in einigen Jahren einigermaßen nur noch in den vier größeren Städten gewährleistet, und zwar in Temeschburg, Lugosch, Arad und Reschitz. Diese Schulen werden aber jetzt schon hauptsächlich von Schülern besucht, deren Muttersprache eine andere als Deutsch ist. Aber auch die Mehrheit der „deutschen" Lehrkräften spricht in der eigenen Familie eine andere Sprache. Für Nachwuchs wird auch kaum gesorgt, da es kaum noch Bewerber gibt, deren Muttersprache deutsch ist. Da müßte man schon darüber überlegen, wie lange noch ein solcher deutscher Muttersprachenunterricht für deutsche Kinder zumutbar ist. Sollte man diese Schulen nicht eher als „Schulen mit Deutsch als Fremdsprache" einstufen, wie es heute in Temeschburg mit der englischen („Shakespeare"-Lyzeum) und der französischen Schule („Calderon"-Lyzeum) - mit allen Unterrichtsstufen - der Fall ist? In diesem Fall wäre wenigstens die Realität beim Namen genannt.

Oktober 1997                                                                                                            Anton Zollner