Das Temeschburger Bierfest

 - Träger banat-schwäbischer Trachten wurden verjagt -

Es scheint, als würde das Münchner Oktoberfest nun nach über 150 Jahren Konkurrenz aus dem Banat bekommen. Dies wurde von den Veranstaltern des Temeschburger Bierfestes im Oktober 1995 wenigstens beabsichtigt, wie sie sich damals klar ausdrückten. Vom 12. bis zum 14. Oktober jenes Jahres fand in Temeschburg auf dem Opernplatz zum erstenmal ein Bierfest statt. Organisiert wurde die erste Auflage dieses Festes von der 1718 gegründeten Bierbrauerei, die heute S.C.Bere „Timisoreana" AS heißt. Wie die Tageszeitung „Realitatea banateana" (Banater Realität) seinerzeit berichtete, wurden damals alle Erwartungen und Schätzungen der Veranstalter übertroffen. In den drei Tagen des Bierfestes wurden 40 Bierfässer (?!) und 100.000 Bierflaschen geleert, und 30.000 „Mititei" (hierzulande als „Cevapcici" bekannt) verspeist. Diese Mengen reichten aber nicht aus, den Durst der Besucher zu löschen. Da die hiesige Brauerei kein Bier mehr auf Lager hatte, mußten die Brauereien aus Hermannstadt und aus Neumarkt mit dem nötigen Bier aushelfen. Als dann am letzten Abend des Bierfestes König „Gambrinus" entmachtet wurde, gaben die Veranstalter zu, daß es zahlreiche Organisationsmängel gegeben hat, aber man erklärte sich im Allgemeinen mit dem Ablauf des Festes zufrieden. Man versprach den Temeschburgern, dieses Fest von da an jährlich in der Mitte des Monats Oktober zu veranstalten.

Um diesem Versprechen nachzukommen, veranstaltete man in der Banat-Metropole vom 12. bis zum 15. Oktober 1996 die zweite Auflage dieses Bierfestes. Diesmal fand die Veranstaltung aber nicht mehr auf dem Opernplatz, sondern auf dem Domplatz statt, und die örtliche Bierbrauerei war nicht mehr der einzige Vertreter dieser Branche; diesmal wirkten auch die Brauereien aus Arad, Hermannstadt, Kronstadt, Klausenburg, Bistritz, Sathmar, Miercurea-Ciuc und Craiova mit. Aus den damaligen Pressemeldungen ist anzunehmen, daß das Temeschburger Bierfest einigermaßen an seiner Attraktivität verloren hat. Man setzte diesmal mehr auf folkloristische Veranstaltungen, die bei den Rumänen sehr beliebt sind. Mit den vielen rumänischen Volkstanzgruppen (oder korrekter gesagt, nach ihnen?) sollten auch die „Banater Rosmareiner", also die Volkstanzgruppe des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, auftreten. Doch kaum hatten sie die Bühne erreicht, begann das mehrheitliche Staatsvolk, sie ihm Chor auszupfeifen. Als die Trachtenträger dann anfingen, banat-schwäbische Tänze vorzuführen, bewarf man sie mit leeren Bierflaschen, danach sogar mit Steinen. Man könnte meinen, daß diese häßliche Tat von betrunkenen Rowdys verübt wurde. Besonders aufgefallen ist aber, daß sich während dieses Vorfalls kein Polizist und keiner der Ordnungsleute Präsenz gezeigt hatte. Wo waren diese Ordnungshüter in der Zeit, in der man sie brauchte, gewesen? Man könnte in keinem Fall behaupten, daß dies alles plötzlich aus dem heiteren Himmel kam. Nach einem bedauerlichen Vorfall, der bei einem ähnlichen Fest in Kronstadt stattfand, mußte die Polizei die Ordnung wieder herstellen, 56 Personen wurden dabei verhaftet. Laut einer Meldung der Temeschburger Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) vom 11. Oktober 1996, also einen Tag vor der Eröffnung des Bierfestes, nahmen die Veranstalter eine ähnliche Möglichkeit auch in Temeschburg wahr und ließen eben deswegen die Temeschburger Polizei in Alarmbereitschaft versetzen. Und eben aus diesem Grunde stellen wir nun auch die Frage: Haben die Polizei und die Ordnungsleute in der Zeit des Auftritts der „Rosmareiner" absichtlich das Feld geräumt, oder fielen sie in die Arme des Herrschers jener Tage, des Königs „Gambrinus"?

Februar 1997                                                                                                 Anton Zollner