Sind die Prachtbauten noch zu retten?

Einige der wichtigsten Prachtbauten Temeschburgs, die durch den nicht immer geraden Verlauf der Geschichte Rumänien überlassen wurden, sind nun vom Verfall bedroht. Eine Rettung kann für das Präsidentschaftspalais und für das Hunyadi-Kastell anscheinend nur noch aus dem Ausland kommen. Trotzdem nimmt Florin Drasovean, der Generaldirektor des Banater Museums, in seinem Interview mit der rumänischen Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) vom 26. Juni 1996 diese Möglichkeit gar nicht wahr. Dafür sind seine kategorischen Vorschläge, die er zur Rettung dieser Bauten machte, in der heutigen Lage des Landes praktisch gar nicht realisierbar. In der ersten von ihm vorgeschlagenen Variante sind Renovierungsarbeiten vorgesehen, deren Kosten auf jährlich 500 Millionen Lei (Stand Juni 1996) geschätzt werden und die 60 Jahre lang dauern würden. Diese Variante nimmt selbst der Generaldirektor nicht ernst, und darum nennt er auch eine zweite Variante, für die er auch persönlich eintritt. Demnach sollte die Renovierung in einem Zug in Angriff genommen und in einigen Jahren beendet werden. Die Kosten für diese Variante werden von Florin Drasovean auf 30 Milliarden Lei (das sind etwa 10 Millionen DM) geschätzt. Woher diese Gelder kommen könnten, kann der Generaldirektor nicht sagen. Er hofft aber, daß der neugewählte Bürgermeister Temeschburgs sich schon von seiner großzügigen Seite zeigen würde. Wir möchten aber dem sorgentragenden Museographen darauf aufmerksam machen, daß das Bürgermeisteramt zur Zeit nicht einmal für eine entsprechende Stadtreinigung das nötige Geld auftreiben kann.

Für die laufenden Renovierungsarbeiten, die seit etwa 1977 durchgeführt werden, hatte der Kreisrat Temesch im Jahre 1995 100 Millionen Lei (das waren etwa 50.000 DM) zur Verfügung gestellt. Dies ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Bekanntlich wurden die Holzbalken, die die Stockwerke des im Jahre 1754 fertiggestellten Barockbaus trennten, von der „Merulius"-Bakterie befallen. Dies beschleunigte das Faulen des Holzes, ohne daß dies rechtzeitig bemerkt worden wäre. Demzufolge stürzten Anfang der '80er Jahre die Decken ein. Durch Zufall geschah dies bei Nacht, so daß zum Glück niemand Opfer dieses Unfalls wurde. Inzwischen hatte man die eingefallenen Decken durch Betondecken ersetzt, was auch zur Konsolidierung des Baus beiträgt. Zur Zeit bemüht man sich, Gelder anzuschaffen, mit denen der Dachstuhl allgemein überholt werden soll.

Viel Geld benötigt man aber auch für die Sanierung des Hunyadi-Kastells, weil ohne finanzielle Zuschüssen das Wahrzeichen Temeschburgs dem Verfall preisgegeben würde. Ohne die für die Sanierung nötigen Gelder, würde es laut Florin Drasovean in zwanzig Jahren das älteste historische Bauwerk Temeschburg nicht mehr geben. Hier wird der Verfall der alten Mauern von einer zunehmenden Feuchtigkeit verursacht. Da diese Feuchtigkeit erst in den letzten Jahren in Erscheinung getreten ist, suchte man gleich nach dem Verursacher. Bald stellte sich heraus, daß Schuld am Verfall dieses Zeugnisses der ältesten Geschichte der Banat-Metropole die „Schönheitsreparaturen" sind, bei denen der Ziegelboden des Kastells durch Marmorplatten ersetzt wurden. Während die Spalten zwischen den Ziegeln die Verdunstung der Feuchtigkeit beschleunigten, wurde diese von den Marmorplatten hermetisch in den Boden geschlossen und zieht deshalb jetzt in die Wände ein. Für die Sanierung des Hunyadi-Kastells würde man jetzt laut dem Generaldirektor, der seinen Sitz in diesem Bau hat, dringend 67 Millionen Lei (etwa 23.000 DM) benötigen. Es gibt aber nicht einmal die leiseste Hoffnung, einen Geldgeber zu finden, der diese Summe bereitstellen würde. Sollte man diesen Sponsor vielleicht nicht doch lieber im Ausland suchen? Diese Zeugen deutscher Baukunst im Südosten Europas, wie auch der europäischen Geschichte müßten doch soviel wert sein, von einer europäischen Fachinstitution renoviert zu werden. Der Erhalt europäischer Denkmäler von solcher Bedeutung müßten wenigstens teilweise doch auch von ganz Europa getragen werden! Oder dient der Begriff „europäische Ideale" nur für das Schmücken der Sonntagsreden der „Europolitiker"?

April 1997                                                                                                                  Anton Zollner