Hat das Deutschtum im Banat noch eine Zukunft?

Diese Frage bezieht sich selbstverständlich auf das Banat, oder präziser ausgedrückt, auf das „rumänische Banat". Im „jugoslawischen Banat" ist dies kein Thema mehr, da es dort seit dem 6. Jahrzehnt dieses Jahrhunderts praktisch keine Deutschen mehr gibt. Ihre Vernichtung, Verschleppung und Vertreibung wurde bis heute von keinem Land der Welt bedauert, nicht einmal vom Mutterland.

Aus Angst vor möglichen neuen Zuwanderungen von Volksdeutschen aus Rumänien, die es aber als solche dort kaum noch gibt, unternimmt die Bundesregierung ihr Möglichstes, um die „Rumäniendeutschen", wie man sie in Rumänien nennt, in ihrer angestammten Heimat zu „stabilisieren" (?!). Dafür ist ihr kein Preis zu hoch, nicht einmal die 150 Millionen DM der eigenen Steuerzahler, die seit 1990 zu diesem Zweck ausgegeben wurden. Um eine Zukunft des Deutschtums in Rumänien vorzutäuschen, stellte man „deutsche" Prachtbauten auf, und man ließ sogar „rumäniendeutsche" Greise im Rentenalter mit diesen Geldern Unternehmen gründen, wo man doch im voraus wußte, daß dies allein schon aus biologischen Gründen Fehlinvestitionen waren.

Warum will man aber hierzulande nicht endlich zur Kenntnis nehmen, daß es in Rumänien keine Deutschen im Sinne der Abstammung mehr gibt, die Deutschland stürmen würden? Die Aussiedlung der Deutschen aus Rumänien ist praktisch vollzogen, und in der alten Heimat leben nur noch Alte und Kranke, die fürs Überleben auf die direkte Hilfe aus Deutschland angewiesen sind. Der letzte Wunsch dieser Menschen ist, in der Heimaterde ihre letzte Ruhe zu finden . Neben diesen Alten lebt dort auch noch eine mittlere Generation meist in Mischehen und deren Nachkommen. Die letzteren bilden auch das Gros der DFDR-Mitglieder, nicht so sehr aus Überzeugung (wie weiter ersichtlich sein wird), sondern als Garantie, vielleicht einmal in Deutschland als „Spätaussiedler" aufgenommen zu werden. Nach der Änderung des Fremdrentengesetzes, wonach der nichtdeutsche Ehegatte kein Recht mehr auf eine Rente hat, scheint es aber, als sei das Interesse dieser Menschen an eine „Spätaussiedlung" gesunken.

Wie es zur Zeit in Rumänien mit dem Deutschtum steht, hätte man spätestens aus den Ergebnissen der letzten zwei Wahlen, die 1996 stattgefunden haben, klar erkennen müssen. Das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) hat diesmal im Vergleich zu den Wahlen von 1992 an politischen Einfluß kräftig verloren. Diejenigen, die das DFDR in Landes-, Kreis- oder Kommunalverwaltung vertreten sollten, haben nun unter fremden Dächern ihr politisches Zuhause gefunden. Diese Tatsache hat das Forum schon vor dem ersten Urnengang erkannt, und stellte darum im Kreis Temesch, wo noch die meisten Deutschen leben, keinen eigenen Kandidaten für das Amt eines Bürgermeisters. Der einzige deutsche Bürgermeister, der bei den Kommunalwahlen eigentlich wiedergewählt wurde, ist Edgar Klein aus Perjamosch. Er wurde mit 1.915 Stimmen auf der Liste der Rumänischen Demokratischen Konvention (CDR) in dieses Amt gewählt. Im Kreis Temesch wurden auch zwei weitere Personen mit deutschen Namen zum Bürgermeister gewählt, aber dies geschah in nicht typisch deutschen Gemeinden, und die Volkszugehörigkeit ist in der Presse nicht bekannt gegeben worden. Es ist die Rede von Ioan (oder Johann?) Gilinger in Giulweß (amtlich: Giulvaz) als Kandidat der Rumänischen Ökologischen Bewegung (MER) und von Marian Mayer in Rumänisch-Sankt-Michael (amtlich: Sânmihaiu Român) auf der Liste der Rumänischen Demokratischen Konvention (CDR). Auf fremden Listen wurden im Kreis Temesch auch einige deutsche Vize-Bürgermeister gewählt, und zwar Hermann Wudl (CDR) in Lugosch, Matthias Wolf (MER) in Detta und Josef Hassil (MER) in Sankt-Andres. Einen Vize-Bürgermeister konnte auch das deutsche Forum mit Zeno Pinter in Ferdinandsberg stellen.

Aber nicht einmal mit den Stadt- und Gemeinderäten hat das DFDR großes Glück gehabt. Im Kreis Temesch konnte das Forum in nur sechs Ortschaften je einen Stadt- oder Gemeinderat stellen: in Temeschburg (Dr. Walter Schmidt), in Lugosch (Horst Wallner), in Busiasch, in Hatzfeld und in Lowrin. Aus den Kreisen Arad und Karasch-Severin hatte die Presse berichtet, daß hier seitens des DFDR in Arad Prof. Michael Szellner und in Anina Peter Belanscky als Stadträte gewählt wurden. Wie sehr sich die 1.300 DFDR-Mitglieder aus Steierdorf vom deutschen Forum vertreten lassen wollen, zeigt die Tatsache, daß bei den Kommunalwahlen das DFDR nur 100 (!!) Stimmen erhalten hat. Jedwelcher Kommentar wird hier überflüssig!

Aber auch in den drei Kreisräten des Banats scheint es, als hätte das deutsche Forum nur je einen „Gnaden"-Mandat erhalten. In diesen Kreisverwaltungen soll das DFDR durch Walter Jass (der bedauerlicherweise vor einigen Tagen verstorben ist) im Kreis Temesch, Pompilia Szellner im Kreis Arad und Josef Barna im Kreis Karasch-Severin vertreten werden. Im Kreis Temesch wurde auch ein zweiter Deutscher, Paul Biedermann, als Vertreter der neokommunistischen Rumänischen Partei der Sozialen Demokratie (PDSR) in den Kreisrat gewählt.

Wenn aber die Kommunalwahlen für das DFDR zu einer Wahlschlappe wurden, so waren die Parlamentswahlen eine wahre Katastrophe. Wie deutsch sich die noch etwa 80.000 „Bekenner zum Deutschtum" fühlen, ist aus den lediglich 15.837 Stimmen, die im ganzen Lande für das DFDR abgegeben wurden, ersichtlich. Den Höchststand erreichte das Deutsche Forum im Kreis Temesch, wo für Horst Werner, als einziger DFDR-Kandidat, 4.620 Stimmen abgegeben wurden. Da er von den sechs Kandidaten, die in den Kreisen mit (noch) deutscher Bevölkerung vom DFDR aufgestellt wurden, die meisten Stimmen erhielt, ist er als Forumsvertreter in das rumänische Parlament eingezogen. Im Kreis Arad erhielt das Forum 2.182 Stimmen und im Banater Bergland das schlechteste Ergebnis auf Landesebene mit ... 1.383 Stimmen. Das „Gnadenmandat" im Parlament hätte das DFDR durch das rumänische Wahlgesetz auch mit einer einzigen Stimme erhalten, da allen nationalen Minderheiten das Recht gewährt ist, einen Abgeordneten ins Parlament zu schicken. Kann man aber in unserem gegebenen Fall noch von einem Deutschtum in Rumänien sprechen? Wenn eine nationale Minderheit nicht mehr gewillt ist, ihrem Wahlrecht entsprechend, ihren eigenen Abgeordneten ins Parlament zu schicken, dann hat sie sich doch schon längst selbst aufgegeben!

Einen Anlaß zu dieser Überlegung gibt auch die Tatsache, daß deutsche Volkszugehörige bereit sind, politische Karriere auch in den Parteien zu machen, die sich nicht immer von ihrer deutschfreundlichen Seite zeigten. So zum Beispiel stellte sich Hildegard Carola Puwak im Dienste der Rumänischen Partei der Sozialen Demokratie (PDSR), deren Vorsitzender Ion Iliescu ist. In der linksorientierten und von rumänischen Nationalisten unterstützten Regierung, die im Herbst 1996 von der Mehrheit der Rumänen abgewählt wurde, war Hildegard Puwak die Leiterin des Departements für Wirtschaftsreform. Während der Zeit, in der sie dieses Amt inne hatte, kam es bekanntlich niemals zu einer ernsthaften Wirtschaftsreform. Da ihre Partei nun auf Oppositionsbänke geschoben wurde, hat man ihr eine neue hohe Funktion zukommen lassen; sie ist jetzt eine der vier Vizepräsidenten der PDSR, und so ist sie nach dem Ersten Vizepräsidenten eine der vier Stellvertreter Iliescus. Bei den Parlamentswahlen erhielt sie ein Mandat im Parlament, wo sie die Iliescu-Partei als Abgeordnete des Kreises Temesch repräsentiert. Ebenfalls fremdgegangen ist der Deutsche Otto Weber, der als Vorsitzender der Rumänischen Ökologischen Partei (ein Teilnehmer des Parteienbündnisses Rumänische Demokratische Konvention) auch in das neue Parlament gewählt wurde.

Zum einzigen Präfekten (ein von der Regierung ernannter Kreis-Gouverneur) aus den Reihen der deutschen Minderheit wurde im Kreis Karasch-Severin Josef Hilovski ernannt. Aber auch er ist ein Fremdgänger, da er seitens der National- Liberalen Partei in dieses Amt eingeführt wurde. Als Vertreter des Demokratischen Verbands der Ungarn aus Rumänien (UDMR) erscheinen auch einige deutsche Namen auf der Liste der neuernannten Präfekten. Ob diese Deutsche oder deutschstämmige Ungarn sind, ist aus der Presse nicht zu erkennen. So wurden in den Kreisen Sathmar (Satu Mare), Klausenburg (Cluj) und Marosch (Mures) in dieses Amt Rudolf Rieder, Peter Buchwald und Arpad Burkhard ernannt.

Auch aus den obigen Schilderungen ist zu erkennen, daß die im Banat, aber ganz allgemein in Rumänien verbliebenen Deutschen keine lebensfähige Volksgemeinschaft mehr darstellen. Wegen ihres hohen Alters, aber auch wegen der schlimmen Erfahrungen aus der Vergangenheit sind sie nicht mehr bereit, sich politisch zu engagieren. Nur einige Karrieristen oder Opportunisten suchen ihre politische Heimat in anderen Parteien, mit der Hoffnung, hier sich zu profilieren. Aus den oben angeführten Gründen, aber auch weil die Rumäniendeutschen über keine eigene Intellektualität mehr verfügen, hat das Deutschtum in Rumänien keine Zukunft mehr. In dieser Lage sollte das Mutterland mit den (noch) verfügbaren Geldern sich auf zwei Aufgaben orientieren: 1. Die Aufnahme des donauschwäbischen Kulturerbes in die gesamtdeutsche Kultur. 2. Die Gewährleistung einer kontinuierlichen Versorgung der alten und kranken Deutschen mit dem Nötigsten (Lebens- und Arzneimittel). Die zur Zeit in Rumänien verpulverten DM-Beträge müßten von weitem ausreichend sein um diese zwei wichtigen Ziele zu verwirklichen.

Mai 1997                                                                                                           Anton Zollner