. . . was wir uns schuldig sind!

Heil dir, mein Heimatland!
Heil dir, du schönes Land!
Heil Ort um Ort!
Ewig zu Gottes Ehr'
Zeuge, was groß und hehr,
Rage von Fels zu Meer
Der Freiheit Hort!

Mich reißt Begeist'rung hin,
Daß ich ein Deutscher bin,
An Seel' und Leib
Daß, wenn auch schmerzensmatt,
Auf armer Lagerstatt,
Mich doch geboren hat
Ein deutsches Weib.

Ja, einen heil'gen Eid
Schwört, die ihr Deutsche seid,
Deutsch liebt und glaubt!
Handschlag darauf und Kuß,
Ewiger Bundesschluß,
Ein Volk aus einem Guß,
Ein Herz! Ein Haupt!

Nein, dieses Lied stammt nicht aus verdammten Zeiten und auch nicht aus heute vermiedenen Kreisen. Es wurde auch nicht hier in Deutschland zur Hymne der Banater Heimat. Die Heimathymne der Banater Schwaben ist ein verschollenes Lied von Max Moltke, das nur unbedeutende Änderungen erfahren hat. Das Gedicht, das 1843 entstanden ist, wurde unter alten Papieren von Wilhelm Kopony, dem Gründer der Moritzfelder Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei, entdeckt. Aus den Reimen und Rhythmen bemerkte Kopony, daß dieses Lied nach der Melodie der englischen Hymne, die eigentlich ein allgemein bekanntes volkstümliches deutsches Weihelied war, gesungen werden konnte.

Als Folge der vom rumänischen Staat versprochenen völkischen Freiheiten, auch als Gegenleistung für die Zustimmung der Banater Schwaben zum Anschluß des gesamten, ungeteilten Banats an Rumänien, entstand in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg die banat-schwäbische Neubelebungsaktion. Im rumänischen Teil des Banats entwickelte sie sich schnell zu einer Massenbewegung, die die Banater Schwaben zu einem neuen nationalen Selbstbewußtsein führte. In dieser Atmosphäre verbreitete Kopony anfangs in Moritzfeld und später im ganzen rumänischen Banat dieses Lied. Der Kulturverband vervielfältigte das Lied und verbreitete es auf Flugzetteln, so daß es bald zu allen deutschen Versammlungen gesungen wurde. In kurzer Zeit wurde aus dem fast verschollenen deutschen Gedicht das „Bundeslied" der Banater Schwaben.

Das „Bundeslied" bestand aus fünf Strophen, von denen aber meistens nur die 1., die 3. und die 5. gesungen wurden. Die drei Strophen bilden heute die Banater Heimathymne. Die erste Strophe begrüßt und huldigt das schöne Heimatland „von Ort zu Ort ewig in Gottes Ehr'". Die zweite Strophe begrüßt das Volk der Heimat in allen seinen Gliedern „von Heim zu Heim", und jedes Glied vereint die Tugend der deutschen Treue. Die dritte Strophe beschreibt die Glückseligkeit ein Deutscher zu sein und von einer deutschen Mutter geboren zu werden. Die vierte Strophe vereinigt das Deutschtum als ... gleichberechtigte Brüder ohne Unterschied, die verpflichtet sind zur Pflege des Schönen, Guten und Wahren. Die fünfte Strophe ruft zur Bekräftigung des Entschlusses aus den vorhergehenden Strophen auf, zum „heil'gen Eid" als deutsche auch „deutsch lieben und glauben" zu wollen. Dies soll zum Schluß mit einem „Handschlag darauf" bekräftigt werden von einem „Volk aus einem Guß".

Aus gegenwärtiger Sicht könnte beim Zuhören dieses Liedes so mancher junge Bundesbürger im besten Fall nur den Kopf schütteln. Jedwelches andere Volk Europas und die Volks- oder Auslandsdeutschen betrachten es aber nur als „normal", weil es nur den nationalen Stolz, der von Gott jedem einzelnen Volk zugestanden wird, ausdrückt. Wenn diese edlen Gefühle, die jede Nation besonders in schwierigen Zeiten zusammenhält, von einigen Politikern der Zwischenkriegszeit und besonders während des Zweiten Weltkriegs auf übelster Weise mißbraucht wurden, bedeutet es noch nicht, daß sie aus der Welt geschafft werden müssen. Ab 1919, nach einer jahrzehntelangen nationalen Unterdrückung der Nichtmadjaren seitens des ungarischen Staates, schwoll die nationale (und nicht nationalistische!!!) Begeisterung der Deutschen Großrumäniens mächtig an. Man träumte noch von den Verheißungen eines selbstständigen nationalen Lebens auf allen Gebieten der Öffentlichkeit. Doch bald darauf, aber besonders nach dem letzten Krieg erwachte man endgültig aus den Träumen der utopischen Hoffnungen. Nur der nationale Stolz, der in der Heimathymne so klar zum Ausdruck kommt, gab den Rumäniendeutschen die Kraft, auf dem letzten, vierjahrzehntelangen Leidensweg, der bis zuletzt zurück ins Mutterland führte, auszuharren.

Welch eine Enttäuschung aber für den mit Stolz erfüllten Volksdeutschen, der sich am Ende dieses langen und bitterschweren Leidensweges von Politikern des Mutterlandes Worte anhören mußte, die wörtlich folgend lauten: „Es ist nicht das Ziel der Bundesregierung, daß möglichst viele Deutsche in die Bundesrepublik Deutschland kommen". Ja, wo sollen den die Deutschen Schutz suchen, wenn nicht in Deutschland? Was wissen da schon bundesdeutsche Politiker über unseren „heil'gen Eid", geschworen von denen „die ihr Deutsche seid", vom „ewigen Bundesschluß" oder von „ein(em) Volk aus einem Guß" mit „ein(em) Herz, ein(em) Haupt"? Dafür plädiert man in allen Bereichen des öffentlichen Lebens mit den verschiedensten Begründungen für die Aufnahme von Hunderttausenden von Fremdlingen, die die Sozialkasse bis zur äußersten Grenze belasten. Ja, Lafontaines Geist geistert schon etwa zehn Jahre lang durchs Land! Staatsangehörigkeiten können einem verliehen oder entzogen werden, aber das Zugehörigkeitsgefühl zu einem Volk, das jede Mutter ihrem Kind noch im Leibe gibt, bleibt ewig erhalten.

Man sollte hierzulande nicht glauben, daß wir etwa heimatlose Nomaden wären, und daß wir keine Heimatgefühle in unseren Herzen tragen. Schon 1924 schrieb Dr. Michael Kausch: „Was auch immer aus diesen (im Lied ausgedrückten) Hoffnungen wird, und werden sie wie immer getäuscht, wir wollen trotz Sturm und Welle die Herrlichkeit der Heimat, den deutschen Stolz, die Sehnsucht nach Freiheit und Treue verherrlichen und unseren Busen mit diesen Gefühlen veredeln". Und trotz dieses „heil'gen Eids" mußten wir, nur weil wir einst dem Mutterland folgten, einige Jahre danach die Koffer packen und die „Herrlichkeit der Heimat" verlassen, um ins Mutterland zu ziehen, für das so viele unserer Väter auf dem Schlachtfeld geopfert wurden. Was konnte uns dazu bringen, unseren „heil'gen Eid" zu brechen? Vielleicht die Bananen und Datteln oder die Milch und der Honig? Nein!!! Es vertrieb uns unser „heil'ger Eid", für ewig Deutsche zu sein und zu bleiben. Könnten wir auf der Banater Heide, im Banater Bergland, im Donautal, im Karpaten-Bogen oder an der Wolga für ewig Deutsche bleiben, wären bundesdeutsche Politiker um ein permanentes Wahlkampfthema ärmer geblieben.

Leider sind die Volksdeutschen auf fremden Boden schon immer Stiefkinder der Geschichte gewesen. Wir waren einmal österreichische Untertanen, weil man die Kraft unserer Sehnen brauchte, wir waren ungarische Staatsbürger, die nur im Staatssinne denken und fühlen durften, und schließlich waren wir „Rumänen deutscher Nationalität", und bevor wir gegen Devisen verkauft wurden, mußten wir in den Bergwerken der Sowjetunion, in der Baragan-Steppe oder am Donau-Schwarzmeer-Kanal den „Sozialismus aufbauen". Heute sind wir hierzulande „deuschstämmige Rumänen" mit deutschem Paß, die meist wegen „mangelnder" Ausbildung (eigentlich: Akzeptanz) die Dreckarbeit verrichten und dafür auch Bananen (und noch viel mehr) essen dürfen, jedoch fast jährliche Kürzungen (bis zu über 50 Prozent) unserer Renten erwarten. Wir fügen uns aber gehorsam, wie dies bei uns schon immer der Fall war, um unseren Nachkommen das Gefühl der „Fremde in der eigenen Banater Heimat" zu ersparen.

Wir mußten schon immer bei neuen Herren neu anfangen, ständig mußten wir uns an die neue Staatssprache anpassen, unzählige Mal verloren wir unser ganzes mit Fleiß und Schweiß erworbenes Hab und Gut. Was man uns aber niemals nehmen konnte (nicht einmal in den sowjetischen Bergwerken) und niemals nehmen wird, ist die „Begeist'rung, Deutscher zu sein, an Seel' und Leib".

                                                                                                                                      Anton Zollner