2.- Landes- Komitats- und Landkreiswappen

Das Landeswappen des Temescher Banats (Abb.1) war das heraldische Symbol für das gesamte geographische Banat seit der Gründung des neuen Kronlands nach der Befreiung vom Türkenjoch und bis zu seiner Auflösung im Jahre 1778. Für den Schild des

Abb.1 – Das Wappen den Kronlands Temescher Banat

Landeswappens hatte man Elemente aus dem Wappen der Landeshauptstadt Temeschburg mit entsprechenden Anpassungen übernommen. In der Mitte des Wappenschildes befindet sich ein Zinnenturm mit einem Tor. Beide Seiten des Turms sind von Palisaden umgeben, und davor kann man eine Sumpflandschaft erkennen. Dieses Wappenschild (Abb.2) schmückt auch die

Abb.2 – Das Wappenschild auf der Kopfzeile der „Banater Post“

Titelseite der Zeitung der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Deutschland, der „Banater Post“. Auf dem Wappenschild liegt eine Fürstenkrone, die darauf hinweisen soll, dass das Banat ein Erbland des österreichischen Kaisers war. Das so gekrönte Schild ist beiderseits von je einem Adler flankiert, der seine Flügel schützend über das Schild ausbreitet. Vor dem Wappenschild kreuzen sich ein Zepter und ein Schwert, die an der Spitze mit je einem gleichseitigen Dreieck versehen sind, in denen das „Auge Gottes“ abgebildet ist. Auf dem nach rechts und links ausgebreiteten Spruchband steht in lateinischer Sprache „Providentia Augustorum“ geschrieben.

1778 hatte Maria Theresia die Herrschaft über das Erbland der Ruhe im Kaiserreich geopfert und ließ es im ungarischen Staatsverband aufgehen. Infolge der Eingliederung des Banats in Ungarn ist diese Landschaft, wie vor der Türkenherrschaft, in drei Komitate (vármegye) aufgeteilt worden (Abb.3). Der westliche Streifen von der Marosch bis zur Donau und entlang der Theiß

Abb.3 – Die drei Komitate des Banats

bildete das Komitat Torontal mit dem Sitz in Groß-Betschkerek. Der größte Teil dieses Komitats, mit Ausnahme der Gegend um Groß-Sankt-Nikolaus, befindet sich heute auf serbischem Staatsgebiet. In der Mitte verlief in Form eines schmalen Streifens mit derselben Länge das Komitat Temesch (Temes), dessen Sitz sich in Temeschburg befand. Es umfasste unter anderen die Ortschaften Neu-Arad, Lippa, Busiasch, Detta und Tschakowa, wie auch Werschetz, Weißkirchen und Pantschowa, die heute zu Serbien gehören. Zum ersten Gespan (comite) des Temescher Komitats ist der Graf Christophor Niczky ernannt worden. Der östliche Streifen des Banats bildete das Komitat Karasch-Severin (Krassó-Szörény), das ebenfalls von der Marosch (etwa zwischen Batta und Soborschin / S?vâr?in) bis zur Donau (zwischen Basiasch und Orschowa) und deren Nebenfluss, der Tscherna (ung.: Cserna) reichte. Der Komitatssitz befand sich in Lugosch.

Wie alle Komitate Ungarns erhielten auch die des Banats ihre heraldischen Symbole. Das halbrunde Schild des Temescher Komitatswappens (Abb.4a) ist in der Mitte durch einen goldenen Streifen geteilt. Auf dem Streifen sind die Initialen des Kaisers Josef II. und seiner Mutter Maria Theresia „II. J.  M.T.“ geschrieben. Die obere Hälfte ist in zwei Feldern aufgespalten. Auf dem rechten Feld sind drei grüne Hügel auf rotem Hintergrund zu sehen. Auf dem mittleren Hügel befindet sich eine mit Edelsteinen

                                         

Abb.4a und 4b – Das Wappen des Komitats Temesch / Temes

bestückte goldene Krone, über die sich ein großes silbernes Lothringer Kreuz erhebt. Auf dem linken Feld sind auf einem blauen Hintergrund drei silberne Wellenleisten zu sehen, die die Flüsse Marosch, Temesch und Donau darstellen sollen. Über den Silberleisten erhebt sich ein goldener Löwe mit einem silbernen krummen Schwert in der rechten Tatze. Das Wappentier mit dem Schwert ist bis heute das Sinnbild für das Temescher Banat geblieben. Auf der unteren Hälfte des Wappenschilds ist die Temeschburger Festung auf einem grünen Ackerland abgebildet, das von der „silbernen“ (Großen) Temesch (heute die Bega) durchquert wird. Über der Festung sieht man den blauen Himmel. Dieses untere Feld des Temescher Wappens ist mit nur geringen Änderungen heute auf dem Wappen der Donauschwaben wiederzufinden.

Das Wappenschild des Torontaler Komitats (Abb.5a) ist genau so wie das des Temescher Wappens in der Mitte durch den schon erwähnten goldenen Streifen mit der Inschrift „II. J.  M.T.“ in zwei Hälften geteilt. Auch hier ist die obere Hälfte noch einmal in zwei Feldern untergeteilt. Auf dem rechten Feld ist auf einem roten Hintergrund ein auf schwarz-rotem Sockel stehender silberner

                                      

Abb.5a und 5b – Das Wappen des Komitats Torontal

Zinnenturm mit Tor zu sehen. Auf der Turmspitze weht eine silberne Fahne, die mit einem roten Kreuz versehen ist. Auf dem blauen Hintergrund des linken Feldes ist die  flammende goldene Sonne mit menschlichem Gesicht abgebildet. Die untere Hälfte des Wappenschilds besteht aus drei Feldern. Die zwei seitlichen Bilder sind identisch gestaltet; auf einem blauen (rechts) und einem roten (links) Hintergrund ist je eine fünfblättrige silberne Rose dargestellt. In der mittleren eingetropften Spitze ist auf dem silbernen Hintergrund ein mit roten Früchten oder Blumen gefülltes goldenes Füllhorn zu sehen.

Das Wappen des Karasch-Severiner Komitats (Abb.6a) erscheint dem Betrachter ganz unterschiedlich zu den beiden vorherigen. Das fast überwiegend blaue Wappenschild ist oben gespalten und darunter mit einem Schildfuß versehen. Das rechte Feld ist in der

                               

Abb.6a und 6b – Das Wappen des Komitats Karasch-Severin / Krassó-Szörény

Mitte von einem silbernen Wellenbalken, der einen Fluss (möglicherweise die Marosch als Nordgrenze) darstellen soll, durchzogen. Oberhalb dieser Welle befinden sich auf dem blauen Himmel die goldene flammende Sonne und die silberne Mondsichel, beide mit menschlichem Gesicht. Unterhalb des Wellenbalkens ist auf rotem Hintergrund ein goldener Bienenkorb abgebildet, der von sieben Bienen umgeben ist. Dieses Bild soll die damalige Hauptbeschäftigung der Bevölkerung des Severiner Teils des Komitats symbolisieren. Das gesamte linke Feld repräsentiert die Montanindustrie des Karascher Teils. Auf dem blauen Hintergrund ist oberhalb eines mit zwei Zinnentürmen versehenen silbernen Wehrbaus das traditionelle Symbol des Bergbaus abgebildet: zwei gekreuzte goldene Pickhämmer. Auf dem blauen Schildfuß soll ein silberner Wellenbalken ein fließendes Gewässer darstellen, das die Donau (als Südgrenze des Komitats) darstellen könnte.

Bekanntlich ist nach der ungarischen Revolution von 1848-49 im Banat wieder die österreichische Verwaltung eingeführt worden. Es ist dem Verfasser dieser Zeilen leider nicht bekannt, ob von 1849 bis 1860 in der Zeit des Kronlands „Wojwodschaft Serbien und das Temescher Banat“ die oben beschriebenen Wappen außer Kraft gesetzt und durch andere ersetzt wurden oder nicht.

Da heute ein nördlicher Teil des geographischen Banats zum Landkreis Arad gehört, soll hier auch das Wappen des Arader Komitats (Abb.7a) beschrieben werden. Dieses Komitat erstreckte sich niemals südlich der Marosch hinaus. Auch dessen

                            

Abb.7a und 7b – Das Wappen des Komitats Arad

Wappenschild ist waagerecht in der Mitte halbiert. Die obere Hälfte zeigt schwarz auf silbernem Hintergrund einen Obstbaum, der auf beiden Seiten von je einem Löwen gestützt wird. Die untere Hälfte des Schildes ist in zwei Feldern aufgespalten. Auf dem rechten grünen Feld sind durch zwei silberne Wellenbalken die zwei großen Flüsse des Komitats, die Marosch und die Weiße Kreisch symbolisiert. Auf dem linken Feld ist unter dem blauen Himmel auf einem roten Sockel die mit drei Türmen versehene Arader Festung in goldener Farbe dargestellt.

Im Laufe der Zeit gab es nach I. Csáky auch abweichende Varianten dieser Wappen, die in diesem Beitrag mit „b“ gekennzeichnet sind. Die Wappenschilder tragen je eine Rangkrone und sind von je einem Paar Schildhalter flankiert.

Nachdem 1919 die Siegermächte das Banat zwischen Rumänien und Serbien aufgeteilt hatten (Ungarn erhielt nur einen winzigen Teil davon), wurde das „rumänische“ Banat in drei Landkreise gegliedert. Aus dem größten Teil des Temescher Komitats, an dem ein kleiner Teil des Torontaler Komitats angeschlossen wurde, ist der Landkreis (judet) Temesch-Torontal (Timis-Torontal) mit dem Sitz in Temeschburg entstanden. Den nördlichsten Teil des Temescher Komitats hatte man als Stuhlbezirk (plasa) Neu-Arad (Aradu Nou) dem Landkreis Arad angeschlossen. Zum Sitz dieser neuen Verwaltungseinheit wurde die auf dem rechten Ufer der Marosch liegende Stadt Arad. So kam es dazu, dass ein Teil des Banats zum erstenmal von außerhalb seiner geographischen Grenzen verwaltet wurde. Aus dem gewesenen Komitat Karasch-Severin entstanden durch Teilung die Landkreise Karasch (Caras) mit dem Sitz in Orawitz und Severin mit dem Sitz in Lugosch.

Das rumänische Temesch-Torontaler Kreiswappen (Abb.8) hatte nur einige Unterschiede zum Temescher Komitatswappen vorzuweisen. Vor allem musste das Band mit den kaiserlichen Initialen weichen. Auch auf der oberen Hälfte des Wappens wurden einige Änderungen vorgenommen. Im rechten Feld ist das Lothringer Kreuz auf den Hügeln durch das Spiegelbild

Abb.8 – Das rumänische Wappen des Landkreises Temesch-Torontal / Timis-Torontal

des einstigen Komitatswappens Hunyad, das zugleich auch das Familienwappen der Hunyadis (Corvins) ist, ersetzt worden. Auf silbernem Hintergrund steht ein schwarzer Rabe auf einem grünen Eichenzweig und hält den legendären Corvin-Ring im Schnabel. Das linke Feld ist nur geringfügig abgeändert worden: der goldene Löwe mit dem silbernen Schwert befindet sich hier auf einem schwarzen Hintergrund. Die darunter abgebildeten drei goldenen waagerechten Leisten auf rotem Hintergrund symbolisieren die drei großen Flüsse des Kreises, die Marosch, die Temesch, und die Bega. Die untere Hälfte des Schildes ist unverändert vom Temescher Komitatswappen übernommen worden.

Beim rumänischen Wappen des Landkreises Severin (Abb.9) ist vom Karasch-Severiner Komitatswappen  nur der Bienenkorb mit sechs der sieben Bienen übernommen worden. Der silberne Bienenkorb und die goldenen Bienen sind auf einem blauen Hintergrund

Abb.9 – Das rumänische Wappen des Landkreises Severin

in der oberen Schildhälfte zu sehen. Dieses Bild symbolisiert die Bienenzucht, die einst den Reichtum des Kreises darstellte. Die untere Hälfte zeigt in goldener Farbe die vom römischen Kaiser Trajan aus Ziegeln errichtete Bogenbrücke über die silberne Donau. Darüber sind auf einem roten Hintergrund drei weitere übliche Wappenelemente zu sehen: in der Mitte ein goldener geharnischter Schwertarm mit einem silbernen Schwert, links davon die silberne Mondsichel und rechts die goldene strahlende Sonne.

Die Abb.10, 11 und 12 zeigen die Wappen der Städte des Kreises: Lugosch (Lugoj), Karansebesch (Caransebes) und Orschowa (Orsova).

Abb.10, 11 und 12 – Die Wappen der Städte Lugosch, Karansebesch und Orschowa

Das Schild des Wappens des Landkreises Karasch / Caras (Abb.13) ist durch eine Senkrechte in zwei Hälften gespalten. Auf der rechten roten Hälfte ist ein silberner römischer Legionär abgebildet, der in der rechten Hand einen Schutzschild mit den Initialen

Abb.13 – Das rumänische Wappen des Landkreises Karasch

„V.R.R.“ (=VIRTUS ROMANA REDIVIVA) hält und in der linken eine nach oben gerichtete Lanze. Die Inschrift könnte frei mit „Wiederentstandene römische Tapferkeit“ übersetzt werden. Dieser römische Krieger soll die Tapferkeit des 1. Rumänisch-Banater Grenzregiments (aus der Zeit der österreichischen Militärgrenze) symbolisieren. Auf der linken Hälfte ist auf blauem Hintergrund  in Silber ein mit dem Pickhammer arbeitender Bergmann vor einer Felswand abgebildet.

Die Abb.14 zeigt das Wappen der Kreisstadt Orawitz (Oravita).

Abb.14 – Das Wappen der Stadt Orawitz / Oravita

Das Schild des Wappens des Landkreises Arad (Abb.15) ist durch Teilung und Spaltung des Schildes in der Mitte in vier Felder aufgeteilt. Rechts oben ist eine goldene Weizengarbe auf einem blauen Feld dargestellt, die den Wirtschaftszweig des Ackerbaus

Abb.15 – Das rumänische Wappen des Landkreises Arad

dieser Landschaft symbolisiert. Links oben und rechts unten sind zwei identische Abbildungen der silbernen dreitürmigen Arader Festung auf rotem Hintergrund zu sehen. Auf den traditionellen Weinbau des Kreises weist links unten auf einem blauen Hintergrund die goldene Weintraube mit grünem Rebenzweig hin.

Die Abb. 16 zeigt das Wappen der Kreisstadt Arad.

Abb.16 – Das Wappen der Stadt Arad

Nachdem die Kommunisten in Rumänien die Macht ergriffen hatten, sind alle Wappen außer dem Staatswappen abgeschafft worden. Erst Nicolae Ceau?escu, der die Heraldik als Propagandamittel im Dienste seiner national-kommunistischen Politik einsetzte, ließ die Landkreiswappen wieder zu. Die Städte und Gemeinden erhielten aber nicht das Recht, Wappen zu führen. Die neuen kommunistischen Wappen, die nach der Abschaffung der sowjetischen Aufteilung der Landesverwaltung (in Regionen und Rayons) und nach der Wiederherstellung der Landkreise (jude?e) als Verwaltungseinheiten wieder eingeführt wurden, konnten einige Elemente aus den historischen Wappen beibehalten, bekamen aber auch neue „zeitgenössische“ hinzu. Vor allem mussten alle Kreiswappen auch mit einem einheitlichen Herzschild versehen sein, das auf den neuen politischen Kurs Ceau?escus hinweisen sollte. Das gespaltene Herzschild zeigt auf dem rechten Feld die rote Flagge der alleinherrschenden politischen Kraft des Landes, der Rumänischen Kommunistischen Partei, versehen mit deren Parteiemblem. Die rumänische Trikolore mit dem Landeswappen auf dem linken Feld hebt den nationalen Charakter der einheitlichen Landespolitik hervor. Im Vordergrund des Herzwappens befindet sich das Staatswappen der Sozialistischen Republik Rumänien (Abb.17).

Abb.17 – Das Staatswappen der Sozialistischen Republik Rumänien

Im kommunistischen Wappen des Landkreises Temesch (Abb.18) sind die drei historischen Goldstreifen auf rotem Hintergrund auf das Schildhaupt verlegt worden. Darunter ist das Schild durch eine Senkrechte in zwei Feldern aufgespalten. Auf dem rechten Feld

Abb.18 – Das kommunistische Wappen des Landkreises Temesch / Timis

bekam das Symbol des Temescher Banats seinen Platz: über einer silbernen Zinnenmauer erhebt sich auf einem blauen Himmel der goldene Löwe mit dem krummen Schwert in der Tatze. Auf dem linken roten Feld ist ein goldenes Zahnrad und dahinter eine brennende silberne Fackel mit goldener Flamme abgebildet. Diese Elemente sollen  die sozialistische Industrie und die sozialistische Kultur darstellen. Oberhalb der Schildmitte ist das oben beschriebene Herzschild eingebracht.

Auch das kommunistische Wappen des Landkreises Karasch-Severin (Abb.19) enthält sowohl alte Elemente aus den historischen Wappen, als auch neue aus der sozialistischen Epoche. Das Wappenschild ist in der Mitte geteilt, und die obere Hälfte ist durch eine

Abb.19 – Das kommunistische Wappen des Landkreises Karasch-Severin / Caras-Severin

Senkrechte in zwei Ferlder gespalten. Das obere rechte Feld zeigt den Eingang in ein Bergwerk. Im Eingang sind zwei gekreuzte silberne Pickhämmer als Symbol des traditionellen Bergbaus der Karascher Landschaft angebracht. Im Hintergrund ist eine grüne bewaldete Bergspitze des Banater Berglands und darüber der blaue Himmel zu sehen. Im oberen linken Feld soll auf einem roten Hintergrund die sozialistische Metallindustrie des Kreises dargestellt werden, symbolisiert durch ein großes goldenes Zahnrad, in dessen Mitte aus einem silbernen Schmelztiegel geschmolzener Stahl in das Rad fließt. Auf der unteren blauen Hälfte sind seitlich zwei heraldische Zeichen aus historischen Wappen des gewesenen Kreises Severin eingebracht: rechts der silberne geharnischte Schwertarm und links eine goldene Biene über einen Bienenkorb in der gleichen Farbe. Zwischen diesen beiden Elementen wurde ein neues heraldisches Element eingebracht, das laut persönlicher Meinung des Autors ein Vexillum (altrömische Fahne) darstellen könnte. In der Mitte des Wappenschildes hat das schon beschriebene einheitliche Herzschild seinen Platz gefunden.

Da ein Teil des geographischen Banats auch weiterhin dem Landkreis Arad angehört, soll hier auch das kommunistische Wappen des Arader Kreises (Abb.20) beschrieben werden. Ein waagerechter Wellenbalken und eine Senkrechte teilen das Wappenschild in

Abb.20 – Das kommunistische Wappen des Landkreises Arad

vier Feldern auf. Der silberne Wellenbalken soll den größten Fluss des Kreises, die Marosch, symbolisieren. Im oberen rechten roten Feld befindet sich ein silberner offener Zinnentorturm, der aber mit der Arader Festung aus den bisherigen Wappen nicht mehr verglichen werden kann. Im oberen linken blauen Feld kam neben den drei goldenen Weizenähren, die als Sinnbild für die Arader Landwirtschaft gelten, auch ein halbes goldenes Zahnrad als Symbol für die Industrialisierung des Kreises, hinzu. Die Weizenähren im halben Zahnrad sollen auch auf die aus der Arbeiterklasse und der Bauernschaft bestehende sozialistische Gesellschaft hinweisen. Im unteren rechten blauen Feld ist aus dem vorkommunistischen Wappen der goldene Rebenzweig mit zwei Rebenblättern und einer Weintraube übernommen worden. Im unteren linken roten Feld ist ein Element eingebracht worden, das in der Heraldik nicht üblich ist. Es besteht aus einem silbernen Werk mit zwei Schornsteinen und einem Kühlturm. Es ist anzunehmen, dass dieses Bild das Chemiekombinat aus Glogowatz (heute: Vladimirescu) darstellen soll, als Huldigung der „berühmtesten Chemikerin aller Zeiten“, also Elena Ceausescus. In die Mitte des Wappenschildes ist das schon beschriebene Herzschild gesetzt worden.

Da 1968 ein Teil des südöstlichen Banater Berglands dem oltenischen Landkreis Mehedinti angegliedert wurde (Abb.21), soll hier

Abb.21 – Das „oltenische“ Banat

auch das kommunistische Wappen dieses Kreises (Abb.22) beschrieben werden. Das komplett blaue Wappenschild ist in der Mitte von einem  waagerechten breiten roten Balken durchzogen. In dessen Mitte befindet sich das übliche Herzschild mit dem Hoheitszeichen des Staates. Auf beiden Seiten des Herzschildes haben je eine goldene Biene, die aus einem älteren  Kreiswappen übernommen wurden,

Abb.22 – Das kommunistische Wappen des Landkreises Mehedinti

ihren Platz gefunden. Auf dem Schildhaupt ist ein Ende der Goldenen Brücke mit Pfeilern abgebildet, die über die silbernen Donauwellen führt. Bekanntlich  ließ der römische Kaiser Trajan diese Brücke von Apolodor aus Damaskus  im Jahre 105 n.Chr. errichten. Auf dieser Brücke überschritten die Römer die Donau, um Dazien zu erobern. Der Schildfuß, der die Abbildung des Wasserkraftwerks „Eisernes Tor“ und eines Hochspannungsmastes in goldener Farbe enthält, dient hier zur Huldigung der sozialistischen Industrialisierung.

Nach dem Umsturz vom Dezember 1989 erhielten das Land, die Landkreise und die Kreisstädte neue Wappen, aus denen man alle kommunistischen Symbole entfernt hatte. Sie behielten einige traditionelle Elemente aus den historischen Wappen, aber es wurden auch einige neue Symbole aus der postkommunistischen Zeit hinzugefügt. Am 20. Januar 1994 genehmigte der Temescher Kreisrat das von Octavian Dogaru entworfene und von der Nationalen Kommission für Heraldik geprüfte Wappen des Landkreises Temesch / Timis (Abb.23). Damit ist der Kreis Temesch nach dem Kreis Alba der zweite, der nach dem Sturz Ceausescus ein amtlich anerkanntes Wappen tragen durfte.

Abb.23 – Das erste postkommunistische Wappen des Landkreises Temesch

Das Wappenschild ist in der Mitte in zwei Hälften geteilt. Die obere Hälfte zeigt auf einem roten Hintergrund eine goldene Zinnenmauer, die an die Kämpfe gegen fremde Eindringlinge erinnern soll. Auf der Mauer steht mit roter Farbe die Jahresziffer 1989 geschrieben, die den Sieg der „Temescher Revolution“ vom 18. bis zum 20. Dezember jenes Jahres verewigt. Über der Festungsmauer erhebt sich der schon aus den historischen Wappen bekannte goldene Löwe mit dem silbernen krummen Schwert in der rechten Tatze, das Sinnbild des Temescher Banats. Rechts oben befindet sich die goldene Sonne, die aber hier nicht mehr den Sieg über das Türkenjoch verkündet, sondern den Sieg der „Dezember-Revolution“. Links vom Löwen ist ein Labarum (spätrömisches Feldzeichen) abgebildet. Es besteht aus einer senkrechten Lanze mit Querbalken, an dem ein quadratisches weißes Tuch mit dem Christusmonogramm, einem X =Chi und einem P =Rho, befestigt ist. Das Labarum soll hier als ein Symbol für den Sieg des Christentums stehen, und in Worten ausgedrückt soll es „Durch dieses Zeichen wirst du siegen!“ bedeuten. Der silberne Wellenbalken auf dem unteren blauen Feld weist auf den Namensgeber des Landkreises hin: den Fluss Temesch.

Von einer Genehmigung dieses Wappens seitens der rumänischen Regierung konnte man aus der banater Presse acht Jahre lang nichts erfahren. Erst im Juni 2002 berichteten die rumänischen Zeitungen, dass durch den Beschluss mit der Nummer 541/2002 die Regierung Rumäniens das amtliche Wappen des Landkreises Temesch (Abb.23-bis) genehmigt hat. Die Gründe der achtjährigen

Abb.23-bis - Das derzeitige amtliche Wappen des Landkreises Temesch / Timis

Verspätung sind nicht bekannt, aber wie es aus der Abbildungen Abb.23 und Abb.23-bis zu erkennen ist, war die Regierung mit der vom Kreisrat beschlossenen und von der Nationalen Kommission für Heraldik akzeptierten Variante nicht einverstanden. Vor allem fällt die Radierung des Jahres der „Temeschburger Revolution“ 1989 von der Zinnenmauer auf. Gleichzeitig hatte man das Labarum mit dem Christusmonogramm durch eine zunehmende Mondsichel in der linken oberen Ecke ersetzt. Aber auch der Sinn einiger Wappenelemente ist geändert worden. Der Löwe mit dem Schwert in der Tatze, als Symbol des Temescher Banats, soll nun auf die Verteidiger dieser Landschaft und den Kampf der Christen gegen die Türken hinweisen. Es wird auch betont, dass das krumme Schwert die Waffe des siegreichen rumänischstämmigen Verteidigers des Banats, Paul Kinizsi’s (Pavel Chinezu) ist, und dass die Zinnenmauer die Temeschburger Festung symbolisiert. Auch die goldene Sonne hat eine andere Bedeutung erhalten, und zwar gilt sie als Symbol für die „hohen Ziele, für die die Helden dieses Landstrichs kämpften“. Die silberne Mondsichel soll im amtlichen Wappen aber keine symbolische Bedeutung haben, sondern sie soll nur als das „Paarstück zur Sonne“ eingebracht werden. Es wurde also ein heraldisches Element in das Wappen eingefügt, das keine symbolische Bedeutung hat (?!?).

Das neue Wappen des Landkreises Karasch-Severin (Abb.24) ist mit dem Beschluss Nr. 684/1998 der Regierung Rumäniens erlassen worden. Das Wappenschild hat einen blauen Hintergrund und ist einheitlich gestaltet. In der Mitte des Schildes ist der aus historischenWappen bekannte römische Legionär abgebildet. Der römische Krieger trägt auf seiner rechten Seite den schon

Abb.24 – Das derzeitige amtliche Wappen des Landkreises Karasch-Severin / Caras-Severin

bekannten Schutzschild mit den Initialen „VRR“, und in der linken Hand hält er eine Lanze. Diese silberne Abbildung soll auf die hier im Altertum stattgefundene Romanisierung der dakischen Bevölkerung hinweisen. Die Initialen VRR (eigentlich VIRTUS ROMANA REDIVIVA) sollen auch noch auf die Tapferkeit des einstigen Rumänisch-Banater Grenzregiments deuten. Zu beiden Seiten des Legionärs wurden je ein Kleinschild mit rotem Hintergrund eingebracht, auf denen rechts eine goldene Biene und links zwei gekreuzte goldene Pickhammer vor einem Zahnrad ihren Platz haben. Die Biene, die schon im ungarischen Komitatswappen und in allen darauffolgenden Kreiswappen in verschiedenen Formen zu sehen war, erinnert an die traditionelle Imkerei des östlichen (Severiner) Teils des heutigen Karasch-Severiner Kreises. Die beiden Pickhammer symbolisieren den einst traditionellen Bergbau im westlichen (Karascher) Teil des Kreises, und das Zahnrad deutet auf die Metallindustrie, die heute im gesamten Kreis vorzufinden ist. Im Bereich des Schildfußes befindet sich eine schwarze steinerne Bogenbrücke mit zwei Pfeilern, die die Wellen eines fließenden Gewässers überquert. Was die Brücke symbolisieren soll, ist im genannten Beschluss nicht erläutert, man kann aber vermuten, dass es die Trajans-Brücke über die Donau sein könnte, die sich aber auf oltenischem Boden befindet.

Das neue Wappen des Landkreises Arad (Abb.25) hat nur wenige neue Elemente vorzuweisen. Das Wappenschild ist, wie die historischen in der Mitte geteilt und gespalten, wodurch vier Felder entstehen. Im oberen rechten Feld ist auf blauem Hintergrund die

Abb.25 – Das derzeitige amtliche Wappen des Landkreises Arad

silberfarbene dreitürmige Arader Festung zu sehen, die bereits auf fast allen beschriebenen Arader Wappen außer der kommunistischen zu finden war. Das obere linke Feld mit rotem Hintergrund ist das einzige, in dem neue heraldische Elemente eingebracht wurden. In der Mitte befindet sich ein großes silbernes Kreuz auf einem Siegerkranz aus grünen Blättern. Rechts und links davor ist ein silberner Säbel und eine silberne Schreibfeder zu sehen. Auf dem roten Feld rechts unten ist die in allen rumänischen Arader Kreiswappen vorhandene goldene Weintraube auf einem silbernen Rebenzweig übernommen worden. Das untere linke Feld war früher sinngemäß Teil des ungarischen Komitatswappens. Die zwei waagerechten blauen Balken auf gelbem Hintergrund sollen die zwei großen Flüsse des Kreises darstellen: die Marosch und die Weiße Kreisch.

Das neue Wappen des Landkreises Mehedinti (Abb.25), das durch den Beschluss Nr. 791/1999 der rumänischen Regierung erlassen wurde, besteht aus einem einheitlichen blauen Wappenschild, das ausschließlich mit den Elementen des einstigen kommunistischen

Abb. 25 – Das derzeitige amtliche Wappen des Landkreises Mehedinti

Wappens bestückt wurde. In der Mitte des Schildes hat die gleiche goldene Konstruktion der Trajans-Brücke auf zwei Pfeilern ihren Platz gefunden. Im Hintergrund ist in silberner Farbe das Wasserkraftwerk „Eisernes Tor“ zu sehen. Darunter ist die Donau durch zwei silberne Wellenleisten dargestellt. Oberhalb der Trajans-Brücke hat eine große goldene Biene ihren Platz gefunden. (Anmerk. des Verfassers: Da die zur Verfügung stehenden Darstellungen der Wappen der Landkreise Karasch-Severin und Mehedinti farblos und unklar sind, können diese nicht ausführlicher beschrieben werden.)

Da ein Teil des geographischen Banats heute der Autonomen Provinz Wojwodina aus Serbien angehört, soll hier auch das Wappen dieser Verwaltungseinheit vorgestellt werden (Abb.27). Das neue amtliche Wappen der Wojwodina ist am 27. Juni 2002 vom Parlament der Provinz erlassen worden. Das halbrunde Wappenschild besteht aus drei Feldern, zwei oben und einem mit einer

Abb.27 - Das derzeitige amtliche Wappen der Autonomen Provinz Wojwodina

eingetropften Spitze unten. In den drei Feldern finden die jeweiligen Wappen der einstigen historischen Landschaften bzw. Komitaten, die heute in der Wojwodina zusammengeschlossen sind, ihren Platz. Bekanntlich besteht die heutige Autonome Provinz Wojwodina aus Teilen der einstigen Komitate Bács-Bodrog (also der Batschka), Szerem (also Syrmiens), Temes und Torontál (also des Banats). Im oberen rechten Feld hat das einstige Wappen der Batschka seinen Platz erhalten. Auf einem blauen Hintergrund schreitet der Apostel Paulus in rotem Gewand über eine grüne Wiese. In seiner Rechten hält er ein gerades Schwert, dessen Griff die Form eines Kreuzes hat und in der Linken das Evangelium. In das linke obere Feld ist nur ein Element des oben beschriebenen  Wappens des Kreises Temes übertragen worden, und zwar der Löwe mit dem krummen Schwert als Symbol für das Temescher Banat. Im unteren Feld ist das Wappen Syrmiens eingebracht worden. Auf einem einheitlichen blauen Hintergrund werden durch drei silberne Wellenbalken die Flüsse Bossut, Sawe und die Donau dargestellt. Zwischen dem zweiten und dritten Balken ruht ein Hirsch, der um den Hals einen goldenen Ring trägt. Der Ring soll den Reichtum dieses Landstrichs ausdrücken. Die daneben stehende Zypresse symbolisiert die reiche Natur, die die syrmische Heimat ihren Bewohnern bietet.

Aus den geschilderten Daten ist zu erkennen, dass sich auch die Heraldik dem Zeitgeist der jeweiligen politischen Epoche anzupassen hat. Es ist aber besonders lobenswert, dass die Gestalter der neuen Landkreis- und Kreisstadtwappen im Allgemeinen viele Elemente der historischen Wappen des Banats beibehalten haben. Man kann nur hoffen, dass auch die Wappen der Gemeinden diesen Weg gehen werden. Politische Regime kommen und gehen, aber die Tradition einer Landschaft bleibt Jahrhunderte erhalten. Dies muss auch in den Wappen zum Ausdruck kommen.

Juni 2002                                                                                                                            Anton Zollner