Das Kreuz auf dem Kreuzberg –
heute ein Wahrzeichen der Stadt Reschitz

Das Denkmal auf dem Reschitzer „Kreuzberg“ war schon bei seiner Errichtung politisch umstritten gewesen, und das ist leider auch bis heute so geblieben. Trotz all dem ist das Kreuz auf dem Kreuzberg für alle Reschitzer Bürger, die ihre Stadt und ihre Geschichte lieben, heute zu einem Wahrzeichen ihrer Heimatstadt geworden.

Während des ungarischen Freiheitskampfes von 1848-49 fanden Ende 1848 auch in und um Reschitz Kämpfe zwischen „ungarischen Revolutionären“ und den „Kaiserlichen“ statt. Interessant werden diese Auseinandersetzungen erst, wenn man die zwei Lager unter die Lupe nimmt. Laut Dr. Rudolf Gräf hatte Deutsch-Reschitz um 1856, als es zu einer Gemeinde erhoben wurde, 4.650 Einwohner, von denen nur 46 Ungarn waren. Der Bevölkerungsanteil der Deutschen betrug zugleich fast 80 Prozent. Dies bedeutet, dass die Reschitzer Bürger, die damals für die Befreiung Ungarns von der Kaiserkrone kämpften, erstaunlicherweise in ihrer großen Mehrheit Deutsche waren. Das Lager der Kaiserlichen bestand nicht, wie zu erwarten ist, aus Österreichern, sondern hauptsächlich aus den Rumänen des Karansebescher rumänisch-banater Grenzregiments, denen sich auch die Serben und Kroaten des Banater Berglands angeschlossen hatten. Diese Konstellation stellt die Historiker vor einige Fragen, die noch nicht vollständig beantwortet wurden. Eine davon wäre: Warum verbündeten sich die Berglanddeutschen gegen Österreich, dem Träger der deutschen Kultur im Banater Bergland? Dabei hatten sie doch Österreich zu verdanken, dass sie in ihrer neuen Heimat zu Arbeit und Brot gekommen sind. Dass die Rumänen treue Soldaten Österreichs waren, ist leichter zu begreifen, da sie neben ihr sicheres Brot auch die Chance hatten, den Weg zu einem sozialen Aufstieg zu beschreiten. Dazu kommt aber auch die Tatsache, dass „den Walachen-Regimentern ( ... ) die gleichen Rechte wie allen Grenzern des Kaisers zuerkannt (wurden). (... ) Zunächst aber danken es die Walachen-Grenzregimenter dem Kaiser mit Loyalität und einer betont anti-ungarischen Haltung“ (Michael W. Weithmann).

Laut Karl Lupsiasca begannen die Kämpfe um Reschitz am 16. Dezember 1848. Die Bürgergarde, die die Stadt verteidigte, soll mit einer auf dem Hügel oberhalb des Hüttenwerks aufgestellten Kanone die Kaiserlichen in die Flucht geschlagen haben. Von da an ist der Hügel „Kanonenberg“ genannt worden. Die legendäre Kanone hatte bis 1900 auf diesem historischen Ort ihren Platz gehabt, danach ist sie als Alteisen in den Reschitzer Schmelzöfen gelandet.

Einige Tage nach diesem Sieg der Reschitzer Bürgergarde, am 24. Dezember 1848, folgte die totale Niederlage der Aufständischen und die Zerstörung eines großen Teils der Ortschaft: „143 Häuser, das Werkarchiv, Lagerhallen, zwei Walzstraßen, die Schule, das Pfarrhaus, die römisch-katholische Kirche brannten ab“ (Dr. Rudolf Gräf). Zur Erinnerung an diese Niederlage hatte die Familie Herglotz, der das Areal des Hügels gehörte, auf dem „Kanonenberg“ ein Holzkreuz errichten lassen. Von da an nannten die Reschitzer Bürger den „Kanonenberg“ nur noch „Kreuzberg“.   Auf dieser Anhöhe, der Witterung und der vom Hüttenwerk verunreinigten Luft ausgesetzt, ist das Holzkreuz nach einigen Jahren verfallen und zusammengebrochen.

1874 beschloss die Belegschaft der Reschitzer Maschinenfabrik, auf dem „Kreuzberg“ mit der Zusage des Arealeigentümers (der Familie Herglotz) ein neues Kreuz aufzustellen. Diesmal wollte man hier eine ganze Anlage entstehen lassen. Auf einem höheren Sockelbau das aus Gusseisen angefertigte Kreuz seinen Platz haben. Der Corpus Christi sollte nach dem Muster dessen vom alten Holzkreuz gegossen werden. Dazu hatte man eine Einfriedung aus Schmiedeeisen vorgesehen, und an den vier Eckpfeilern der Anlage sollte je ein Kandelaber seinen Platz haben. Das für dieses Vorhaben nötige Geld wurde durch freiwillige Beiträge aufgrund von Subskriptionslisten in den Abteilungen der Maschinenfabrik gesammelt.

Das eiserne Kreuz ist am 29. Juni 1874 eingeweiht worden. Die angebrachte Gedenktafel war mit folgendem Text versehen: „Eingeweiht am Fest der heil. Apostelfürsten PETER und PAUL im Jahre 1874“. Anfangs sorgte das Denkmal zwar für Diskussionen innerhalb der deutschen Gemeinschaft, weil es doch in Erinnerung an eine Niederlage der Reschitzer Deutschen, die unter fremder Flagge für fremde Interessen kämpften, errichtet wurde. Später vergaß man die politischen Unstimmigkeiten, die wegen des Kreuzes entstanden sind. Bis zur Errichtung der kommunistischen Diktatur ist das Kreuz am „Kreuzberg“ in das religiöse Leben der Reschitzer Katholiken einbezogen worden. Während der österlichen Fastenzeit veranstaltete man regelmäßig mittwochs Prozessionen hierher. In den Jahren des Kommunismus, als solche Aktionen sogar vor den Türen der Kirchen verboten waren, stiegen nur noch Ausflügler auf den „Kreuzberg“, um sich die Arbeiterstadt aus der Höhe anzusehen. Ende der ´50-er Jahre hatten auch Schafherden mit ihren Hirten auf diesem Hügel ihren Daueraufenthalt. Es muss aber festgehalten werden, dass kein Ausflügler, kein Hirte und nicht einmal ein Kommunist etwas unternommen hatte, um dieses zum Wahrzeichen Reschitz´s gewordene Eisenkreuz zu beschädigen, abgesehen von den Initialen einiger Touristen, die sie in die Mauer gekratzt hatten.

Das Kreuz auf dem Reschitzer Kreuzberg - Foto: Rudolf Gräf

Aber bald nach den Dezember-Ereignissen von 1989 sorgte das Kreuz auf dem Kreuzberg wieder für politische Auseinandersetzungen. Auslöser dafür war die am 15. März 1997 von den Ungarn aus dem Banater Bergland auf dem Kreuzberg veranstaltete Festversammlung. Im März 1998, also um den 150. Jahrestag des Ausbruchs der ungarischen Revolution, ist die gesamte Anlage  mutwillig beschädigt worden. Vor allem ist eine der beiden Gedenktafeln, aber auch andere Metallteile des Kreuzes, inklusive einige Kandelaber brutal heruntergeschlagen worden. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Polizei anfangs auf die Anzeige der katholischen Kirche gar nicht reagierte, und dass sofort das Gerücht in die Welt gesetzt wurde, wonach die Täter Zigeuner gewesen wären, die Alteisen gesammelt hätten.

Nach dem Bekanntwerden der Schändung des Kreuzes gründeten Reschitzer Bürger den Verein „Alianta resitana“ (Reschitzer Allianz) mit dem Zweck, die historische Denkmäler der Stadt zu erhalten und zu restaurieren. Als erstes sollte das Kreuz auf dem Kreuzberg wieder instandgesetzt werden. Die Leitung des Maschinenbauwerks (UCMR) erklärte sich bereit, die fehlenden Teile nach den noch vorhandenen Originalmodelle kostenlos herzustellen. Nach einem Jahr musste man aber mit Bedauern feststellen, dass bis dahin nichts getan wurde.

Laut „Banater Zeitung“ (BZ - eine Beilage der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“) ergriff der Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ im Juli 1999 die Initiative, das 125. Jubiläum des Denkmals in einem festlichen Rahmen zu begehen. Aus diesem Anlass hatte man das gesamte Denkmal gestrichen, was aber die vorhandenen Schäden nicht decken konnte. Bei dieser Gelegenheit musste wieder festgestellt werden, dass die Schändung des Kreuzes nicht aufgehört hat. Dagegen konnte auch eine Feierstunde nichts ausrichten, in der man aber beschworen hatte, dass „dieses Denkmal längst seine ursprüngliche politische Bedeutung und Sinngebung verloren hat und zum Denkmal Reschitzas und aller seiner Bewohner schlechthin wurde“. Die Vorsitzende des Heimatverbands der Banater Berglanddeutschen Herta Drozdik-Drexler weiß aber (was auch wir alle wissen), dass „den meisten der heutigen  Bewohner (Reschitz´s) ( ... ) der Sinn für eine Stadtgeschichte, die nicht die ihre ist (fehlt)“. Diese Realität müsste den heutigen Verantwortlichen der Stadt auch nicht mehr fremd sein. Während der 125-Jahr-Feier musste aber auch festgestellt werden, dass der Verein zur Rettung des Kreuzes am Kreuzberg sich „doch irgendwie“ festgefahren hatte. Man hoffte nur noch darauf, dass die Restaurierungspläne des Architekten Dragos Zipfl doch noch verwirklicht werden können.

Im März 2000 berichtete die BZ über eine neue Bürgerinitiative zur Renovierung des Denkmals vom Kreuzberg. Da es einem zunehmendem Vandalismus  ausgesetzt war, erkannten einige politischen Parteien die Dringlichkeit der Renovierung des Kreuzes. Die Vertreter der National-Liberalen Partei (PNL), der Demokratischen Partei (PD), des Demokratischen Verbands der Ungarn aus Rumänien (UDMR), des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen (DFBB), des Rathauses und der Baubehörde trafen sich, um die notwendigen Schritte zwecks Verrichtung der Renovierungsarbeiten zu beschließen. Der Vertreter der PNL stellte noch einmal fest, dass die mutwilligen Zerstörungen des Denkmals seit 1997 jährlich vor dem 15. März stattfinden. Er stellte auch fest, dass all dies nichts mit dem Alteisensammeln der Zigeuner zu tun habe. Dies bekräftigte die Vermutung, dass die Denkmalschändung einen nationalistischen Hintergrund hat, und der vor allem die Ungarn Rumäniens treffen soll. Zugleich startete man Sammelaktionen, die einige Millionen Lei in den Renovierungsfond einbrachten. Die PNL und das DFBB spendeten je fünf Millionen Lei und der im Bergland mitgliederschwache Ungarnverband eine Million Lei, dazu kamen auch noch weitere kleinere Spenden. Von der Zeitung unerwähnt blieben aber die Spender aus Deutschland und Österreich. Die PNL sorgte aber auch dafür, dass Baufirmen und das Maschinenbauwerk viel Arbeitskraft und Materialien zur Verfügung stellen. Das schwächste Mitglied der Initiativgruppe war das Rathaus, das sich schon von Anfang an über seine leeren Kassen beklagte. Es sorgte aber für „faire“ Kostenvoranschläge zweier Firmen, und dazu wollte es auch für die Instandsetzung des Zufahrtwegs zum Kreuz sorgen. Der Termin für die Beendung der Renovierung ist auf den 29 Juni 2000 , den Peter und Paul-Tag festgelegt worden. In Rumänien sind Termine aber nicht so wichtige Sachen wie hierzulande.

Schließlich gab der Kultur- und Erwachsenenbildungsverein aus Reschitz am Anfang des Jahres bekannt, dass die Renovierungsarbeiten am Denkmal seit dem 1. Januar 2001 vollständig abgeschlossen sind. In diesem Frühjahr soll auch der Weg zum Kreuz instandgesetzt werden. Diesmal erwähnte der Verein auch die Spenden aus Deutschland und Österreich, die für das Projekt „Kreuz am Kreuzberg in Reschitza“ eingegangen sind. Zum Schluss muss man sich doch eine Frage stellen: Lohnt es sich, noch soviel Gelder und Mühe in den Erhalt unserer Denkmäler zu stecken, die sich in einer Umgebung befinden, die zwar einst unsere Heimat war, aber in der heute Leute leben, die mit unserer Kultur nichts mehr zu tun haben wollen, weil sie sie gar nicht einschätzen können ?

Februar 2001                                                                                                   Anton Zollner