Der Fernschreiber im Wandel der Zeit
 (bis November 1983)

Nachdem der amerikanische Maler Samuel Bresse Finley Morse 1835 seine Erfindung einer Gruppe von New Yorker Universitätsangehörigen vorstellte, wurde sie am 3. Oktober 1837 patentiert. Der nach seinem Erfinder benannte Telegrafenapparat wurde im Laufe der Jahre von vielen Wissenschaftlern ständig perfektioniert, und bald eroberte das Morse-Gerät fast die gesamte damalige „moderne" Welt. Bald suchten die Wissenschaftler auch nach anderen elektrischen Übertragungsmöglichkeiten. Der Amerikaner David Edward Hughes entwickelte 1854 den Typendrucktelegrafen, der die Telegramme nicht mehr mit Hilfe des Morse-Alphabets (eine Kombination von Punkten und Linien), sondern im Klartext übertrug. Trotzdem erklärte im Mai 1865 die Internationale Union für Telegrafie auf ihrer Gründungskonferenz das Morse-Gerät zum „internationalen Telegrafenapparat". Zugleich wurde der 17. Mai zum internationalen Tag der Telegrafie ausgerufen. Später wurde er zum internationalen Tag des Fernmeldewesens erklärt.

Schon 1874 patentierte der Franzose Emile Jean Baudot den nach ihm benannten Mehrfach-Typendrucktelegrafen. Diese Geräte waren schon drei Jahre später im internationalen Telegrafennetz verbreitet und befanden sich sogar bis 1950 in Betrieb. Der von Siemens & Halske erzeugte Börsendrucker ist zum Ferndrucker weiterentwickelt worden, der schließlich 1912 vom Schnelldrucker abgelöst wurde. Dasselbe Unternehmen führte 1927 die „harmonische Telegrafie" ein; die Übertragung geschah hier mit Hilfe von Audiofrequenzen. 1926 fanden die ersten Versuche mit dem Streifenschreiber zwischen Berlin und Chemnitz statt. 1928 waren diese Geräte, die den heutigen ähnlich sind im gesamten Telegrafennetz verbreitet. Die Tastatur gleicht der einer Schreibmaschine und der Text wurde auf ein Papierstreifen im Klartext gedruckt. 1933 wurde in Deutschland, als Weltpremiere, der „Öffentliche Fernschreibdienst" (eher als Telex bekannt) eingeführt. In den '60-er Jahren ist der Streifenschreiber durch den Blattschreiber ersetzt worden, der das Telegramm auf einen Papierbogen abdruckte.

Auf dem heutigen Gebiet Rumäniens ist die erste Telegrafenlinie am 2. Februar 1853 zwischen Jassy (Iasi) und der Bukowina in Betrieb gegangen. Sie wurde später bis nach Wien verlängert. Die zweite Telegrafenverbindung war hier schon im Frühjahr desselben Jahres Zwischen Temeschburg und Hatzfeld in Betrieb. Noch im selben Jahr begann man mit dem Bau einer neuen Strecke von Temeschburg nach Orschowa über Lugosch und Karansebesch. Gleichzeitig ist eine ähnliche Strecke auch zwischen Kronstadt und Hermannstadt errichtet worden. Beim Bau dieser Telegrafenstrecken verwendete man Kupferdrähte mit einem Durchmesser von 2,5 mm. Die Freileitungen wurden von 7,5 Meter hohen Holzmasten getragen. Die Entfernung zwischen den Masten betrug 47 Meter.

Trotz dieser zeitlichen Reihenfolge des Baus der Telegrafenstrecken verzeichnet Dr. I. Ilea als erstes Telegrafenamt auf dem Gebiet des heutigen Rumänien jenes von Hermannstadt (Sibiu), das am 20 April 1853 seiner Bestimmung übergeben wurde. Soll das bedeuten, daß die ersten Telegrafeneinrichtungen anfangs nur den Behörden zur Verfügung standen? Diese Wahrscheinlichkeit wird auch von Dr. István Berkeszi verstärkt, da er über das am 24. April 1854 eröffnete Temeschburger Telegrafenamt berichtet. Es soll nach dem Autor schon damals über Leitungen mit Wien, Hermannstadt, Orschowa, Peterwardein und Semlin verfügt haben.

In der Walachei ist die erste Telegrafenstrecke erst 1854 zwischen Bukarest und Giurgiu erbaut worden, später hatte man sie bis Russe (Bulgarien) verlängert. In der Moldau wurde im selben Jahr die Telegrafenstrecke zwischen Jassy und Predeal erbaut, die man später bis Bukarest verlängerte. Ebenfalls 1854 kamen die Strecken Temeschburg - Kronstadt und Bukarest - Ploiesti - Kronstadt hinzu.

Im Sommer 1855 gab es laut Luzian Geier im neugegründeten „k. k. serbisch-banatisch-siebenbürgischen Telegraphen-Inspectorat" schon vier „k. k. Telegraphen-Bureaux". 1863 hieß diese Institution „k. k. Telegraphen-Inspectorat für Banat, Batschka, banater Militärgrenze und Siebenbürgen". Laut demselben Autor fungierte in jenem Jahr Dr. Franz Steiner als „Inspector" und Wenzel Ulrich von Adlerstein als „Commisär". L. Geier verzeichnet für das Ende des Jahres 1859 im genannten Inspektorat die Existenz von 13 staatlichen und 20 „Privat-Telegraph-Stationen". „K. k. Telegraph-Stationen" befanden sich in Temeschburg, Lugosch, Orschowa, Basiasch, Orawitz (seit dem 6. Januar 1859), Weißkirchen, Werschetz, Semlin, Kikinda, Groß-Betschkerek, Neusatz, Neu-Betsche und sommersüber in Herkulesbad. „Privat-Telegraph-Stationen" besaßen die Donau-Dampfschiffahrts- und die Eisenbahn-Gesellschaften  u. a. in folgenden Ortschaften: Temeschburg, Orschowa, Turnu Severin, Basiasch, Orawitz, Weißkirchen, Werschetz, Kikinda, Hatzfeld, Gertjanosch, Sackelhausen, Schag, Schebel, Detta, Morawitz und Scham. Von diesen dienten dem öffentlichen Gebrauch nur die aus Orschowa und Turnu Severin. L. Geier ermittelte aus dem „Temesvarer gemeinnützigen, erheiternden, belehrenden Volks- und Hauskalender für Banat auf das Schaltjahr 1864", daß zehn Jahre nach dem Erbau der ersten Telegrafenlinie des Banats, im Banat, in der Batschka und in der Banater Miltärgrenze 24 „Staats-Telegraphen-Stationen" in Betrieb waren. Die „Haupt-Station", deren „Amtsverwalter" Julius Laubender war, befand sich in Temeschburg. Als „Ober-Telegraphisten" fungierten hier damals Johann Metzger, Philipp Jung, Rafael Millin und Ernst Wernlein, wie auch weitere 27 „Telegraphisten". Zum technischen Personal zählten vier Leitungsaufseher. Im heutigen rumänischen Banat gab es einfache „Staats-Telegraphen-Stationen" in den Ortschaften: Hatzfeld, Lugosch, Karansebesch, Mehadia, Orschowa, Basiasch, Orawitz und Detta. Als Kuriosität gibt L. Geier für das Jahr 1864 (aus dem Kalender für 1865) einige Namen der damaligen 31 „Telegraphisten" an: Maximilian Freiherr von Metzger, Wilhelm von Pinkas, Hugo Edler von Sckeyde, Joseph Ritter von Perrelli, Stefan von Stand, und Dionys von Csesselvay. Aus dieser Aufzählung erkennt man, daß in jener Zeit die Funktion eines Telegrafisten viel höher bewertet wurde als in unseren Tagen, da damals eine ganze Reihe von Adligen in diesem Bereich tätig waren.

Aus dem „Temesvarer Lloyd-Kalender" für 1868 zitiert L. Geier, daß 1867 das „Telegraphen-Inspectorat" nicht mehr als „k. k." sondern als „k. ungarisch" bezeichnet wurde. Zugleich fehlt die Zuständigkeit für die Banater Militärgrenze, da sie inzwischen aufgelöst war. Aus dem Kalender ist ein weiterer Ausbau des Telegrafennetzes zu erkennen. In Tschakowa entstand eine Nebenstation Dettas mit dem Stationsaufseher Johann Fonland. Busiasch mit Aufseher Ladislaus Körtzel, Reschitz mit Franz Pelikan, und Fatschet mit Johann Reyer als Aufseher waren die neugegründeten Nebenstationen der Lugoscher „Telegraphen-Station". Für diese Station sind „Ober-Telegraphist" Josef Prohaska als Amtsleiter, Anton Klucker als „Telegraphist", zwei Leitungsaufseher und ein Amtsdiener verzeichnet. In Hatzfeld fungierte der „Telegraphist" Wilhelm Weckher als Amtsleiter.

1870 trennte man Siebenbürgen (außer dem Kreisch-Gebiet) von Temeschburger Inspektorat, und es wurde in Klausenburg ein eigenständiges „Telegraphen-Inspectorat" für diese Region gegründet. Zehn Jahre später erlaubte man die Errichtung von privaten Telegrafenlinien, wodurch der Staat zusätzliche Gebühren kassierte, ohne dafür Investitionen zu benötigen.

Die ersten banater Telegrafenämter übermittelten nicht nur Telegramme, sondern auch „telegrafische" (Eil-) Briefe und Pakete, die durch eine Reiterstafette dem Empfänger zugestellt wurden. Die Gebühren für diese sogenannten „telegrafischen" Sendungen waren sehr hoch, und sie wurden zu gleichen Anteilen von Absender und vom Empfänger bezahlt. Die ins Ausland gesandte „telegrafische" Pakete durften das Gewicht von 9 kg nicht überschreiten.

1888 ist das „Post und Telegrafen-Bezirks Temesvar", durch die Vereinigung der Post-Direktion mit dem Telegrafen-Inspektorat, gegründet worden. Laut L. Geier war Johann Petheö der erste Direktor dieser Institution und sein Stellvertreter der „Post- und Telegraphen-Rath" Ignaz Feilhauer. Als Folge dieser Vereinigung wurde auch das Temeschburger Postamt mit dem Telegrafenamt zusammengeschlossen. Zum ersten Vorstand dieses Amtes ist der „Oberofficial" J. Lipps ernannt worden. Ihm stand für den Telegrafen-Bereich „Oberofficial" C. Szenfert zur Seite. Zum Personal des neuen Amtes gehörten laut Geier auch 17 (Post-)-"Officiale", 26 (Telegrafen-)-"Officiale" und 11 „Manipulanten". Dem neugegründeten „Directions-Bezirk" unterstanden 30 „Telegraphen-Stationen". Dazu gehörten unter anderen die Stationen aus Hatzfeld, Groß-Sankt-Nikolaus, Neu-Arad, Lippa, Lugosch, Karansebesch, Herkulesbad, Orschowa, Pantschowa, Orawitz, Reschitz und Tschakowa. Die Grundgebühren für Telegramme waren 1888 (laut o. g. Quellen) auf 24 Kronen angewachsen, und für jedes Wort zahlte man zwei Kreuzer. Für „eilige" Privat-Telegramme mußte eine dreifache Gebühr bezahlt werden.

Aus einem Geschäfts- und Firmenadressenbuch des Jahres 1900 ermittelte L. Geier, daß in jener Zeit folgende Ortschaften des rumänischen Banats Postämter mit Telegrafenstationen hatten: Alt-Beschenowa, Alt-Moldowa, Anina-Steierdorf, Balint(z), Banlok, Belint(z)-Chizatau, Bosowitsch, Cârpa, Cornea, Detta, Deutsch-Bokschan, Deutsch-Stamora, Fatschet, Foeni, Franzdorf, Freidorf, Gataja, Gawoschdia, Gertjanosch, Gertenisch, Gier, Gilad, Groß-Beregsau, Groß-Remetea, Groß-Sankt-Nikolaus, Groß-Sankt-Peter, Groß-Scham Groß-Toplowetz, Hatzfeld, Herkulesbad, Jablanitza, Jam, Karansebesch, Kraschowa, Lippa, Lowrin, Lugosch, Neu-Arad, Neu-Beschenowa, Neuburg a.d. Bega, Neu-Moldowa, Mehadia, Mercydorf, Moritzfeld, Orawitz, Orschowa, Orzydorf, Otelek, Paulisch, Perjamosch, Rekasch, Reschitz, Rudna, Rumänisch-Bokschan, Ruskberg, Sackelhausen, Sacu, Sankt-Andres, Saska, Schag, Schebel, Temeschburg, Teplitz, Teregowa, Tschakowa, Tschene, Ulmbach, Valcani, Warjasch und Wojtek. Nur Telegrafenstationen (ohne Postamt) gab es damals in Josefsdorf, Sosdea und Tolwad. Es ist nun selbstverständlich, daß nach der Verbreitung des Telefons in den meisten dieser Ortschaften der Telegrafenverkehr durch den Telefonverkehr ersetzt wurde, oder die größeren Postämter blieben mit beiden Einrichtungen.

In Temeschburg funktionierten von 1853 bis zur Jahrhundertwende ausschließlich „schreibende" Morse-Geräte. Das heißt, daß die Geräte, die etwa 400 Wörter in der Stunde übertragen konnten, auf ein Papierband mit Tusche Punkte und Linien (dem Morse-Alphabet entsprechend) zeichneten. Anfang unseres Jahrhunderts begann man im Banat und in Siebenbürgen die 1855 patentierten Hughes-Geräte einzuführen. Ihr Vorteil war, daß diese die Telegramme im Klartext übertrugen, und ihre Übertragungsgeschwindigkeit etwa 3.600 Wörter pro Stunde betrug. 1925 hatte man in Temeschburg und in Hermannstadt die 1874 erfundenen, aber inzwischen perfektionierten Baudot-Geräte eingeführt. Diese waren in den Großstädten Rumäniens bis 1945-46 gleichzeitig mit den Hughes-Geräten in Betrieb. Ländliche Postämter mit Telegrafenstationen blieben auch weiterhin nur mit Morse-Geräten ausgestattet. Nach 1931 sind in Rumänien die 1928 erfundenen „Siemens-Schnellfernschreiber" eingeführt worden. Weil diese Geräte nicht die erwarteten Leistungen erbringen konnten, funktionierten sie in Temeschburg nur eine kurze Zeit, zwischen den Jahren 1940 bis 1945. In den ersten Nachkriegsjahren hatte man das Temeschburger Telegrafenamt zunächst mit „elektrischen" und später mit „mechanischen" Siemens-Fernschreibern ausgestattet. Diese beiden Typen befanden sich hier gleichzeitig bis 1960 in Betrieb.

Gleichzeitig mit den ersten „elektrischen" Siemens-Fernschreibern hat man in Temeschburg die erste manuelle Telegrafenvermittlungsanlage montiert, die anfangs über eine Kapazität von 15 Leitungen verfügte. Nach etwa sieben bis acht Jahren ist diese Kapazität verdoppelt worden. Heute und von Deutschland aus gesehen scheint diese Tatsache für Spezialisten kaum faßbar, Rumänien gehörte aber im Ostblock zu den Ländern, mit dem niedrigsten Niveau im Bereich des Fernmeldewesens. Man muß eben in Betracht ziehen, daß bis zum Montieren dieser Vermittlungsanlage nur die Großstädte Rumäniens telegrafisch untereinander verbunden waren, und zwar nur über fixe und direkte Verbindungen. Jede Telegrafenleitung war an beiden Enden mit je einem Fernschreiber ausgerüstet. Da die Zahl der Geräte, über die die Post verfügte, sehr gering war, verlief der regionale Telegrafenverkehr auch weiterhin nur über Morse-Geräte. Heute klingt es anekdotisch wenn man den Telegrafennahverkehr der '60-er Jahre beschreibt. Wegen Mangels an Ersatzteilen und wegen den hohen Instandhaltungskosten mußte der Morse-Schreiber aus dem Betrieb gezogen werden. Man empfing danach die Telegramme nur noch akustisch mit Hilfe des „Klopfers"; auf das Empfangsrelais fixierte man eine ... Schuhcreme-Schachtel. Daß dieser „Telegrafenverkehr" nur noch alte und erfahrungsreiche Postamtsvorsteher bewältigen konnten, ist offensichtlich. So konnte man auch die Übertragungsgeschwindigkeit erhöhen, aber das Telegramm blieb ohne das wichtige „-gramm"-Teilchen, also ohne jeden schriftlichen Nachweis. In dieser Lage ist es nur selbstverständlich, daß diese Morse-Geräte bald stillgelegt wurden und die Telegramme für alle ländlichen banater Ortschaften von Temeschburg, Arad, Lugosch und Karansebesch aus nur noch telefonisch übermittelt wurden.

Ab 1950 begann man mit der Ausstattung der banater Telegrafenämter mit einem perfektionierten, in der DDR erzeugten „Siemens"-Fernschreibertyp, der nach dem erzeugenden Betrieb „RFT" benannt war. Im Kreis Temesch verlief der Telegrafenverkehr mit Hilfe dieser Geräte bis 1975. Dies war der letzte Fernschreiber, der, wie alle bisher erwähnten Typen, den Text der Telegramme auf einen Papierstreifen abdruckte. Bekanntlich wurde dieser Streifen in Segmente gerissen und als fließender Text auf ein Telegramm-Formblatt geklebt.

Trotz all dieser Anschaffungen von neuen „RFT"-Geräten bestanden im Temeschburger Telegrafenamt Anfang der '60-er Jahre noch Morse-Verbindungen mit folgenden Ortschaften: Orschowa, Orawitz, Groß-Sankt-Nikolaus, Hatzfeld, Detta, Busiasch, Fatschet, Bokschan, Gataja, Rekasch, Lowrin, Perjamosch, Billed, Triebswetter, Gertjanosch und Rudna. In einigen dieser Ortschaften, wie in den Städten und einigen Großgemeinden wurden ab 1965 die Morse-Geräte durch die neuen aus der DDR importierten „RFT-Blattschreibern" ersetzt, mit denen vorher vorrangig die Großstädte ausgestattet wurden. In den Postämtern Billed, Triebswetter, Warjasch und für eine kurze Zeit sogar in Rekasch, Gertjanosch, Perjamosch, Lowrin und Rudna wurden die Morse-Geräte einfach außer Betrieb gesetzt; man hatte statt dessen den „telefonischen Telegrafenverkehr" eingeführt. Aber auch in den letzteren Postämtern sind bald wieder Telegrafenstationen gegründet worden, die auch mit „Blatt-Fernschreibern" ausgerüstet wurden. Bedauerlich ist nur, daß man alle diese alten Geräte laut Verschrottungsvorschriften der sozialistischen Planwirtschaft mit dem Hammer zerschlagen hat, ohne einzelne Exemplare dem Banater Museum zur Aufbewahrung zu überlassen.

Die ersten „Telex-Abonnenten" verzeichnete man im Banat 1958, doch waren diese keine Telex-Teilnehmer im richtigen Sinn, da die Vermittlung noch manuell durchgeführt wurde. Zu denen gehörten damals die Behörden, die Temeschburger Nationalbank, das Reschitzer Hüttenkombinat und die Reschitzer Maschinenbauwerke. Nach kurzer Zeit kam auch das Banater Elektrizitätswerk (IRET) und das Nationale Touristenamt (ONT) hinzu. Bei ihnen wurden im Banat die ersten „RFT-Blatt-Fernschreiber" in Betrieb gesetzt. In jener Zeit wurden auch die Temeschburger Zeitungsredaktionen der Rumänischen Kommunistischen Partei, die nur in direkter Verbindung mit der offiziellen Nachrichtenagentur „Agerpres" standen, mit „RFT-Blatt-Fernschreibern" ausgestattet.

Die wichtigste Wende im Telegrafenverkehr trat im Banat 1965 ein, als in Temeschburg die erste automatische Telegrafenvermittlungsanlage in Betrieb gesetzt wurde. Sie diente mit einer Ausgangskapazität von 40 Leitungen nur zur Vermittlung der Telex-Teilnehmer durch Fernwahl. Die Zahl der Teilnehmer betrug zu Beginn 6. Angeschlossen waren auch die manuellen Vermittlungsanlagen aus Arad, Reschitz und Karansebesch. Die automatische Vermittlungsanlage war an die Bukarester Telegrafenzentrale angeschlossen, über die alle Telex-Teilnehmer des Landes erreicht werden konnten.

Eine wesentliche Verbesserung im banater Telegrafenverkehr erfolgte 1971, als dank einer auf eigene Faust vom Personal des Temeschburger Telegrafenamtes, unter der Leitung des Eletromechanikers Ewald Metzger, durchgeführten Neuerung in diesem Teil des Landes das erste (inoffizielle) „Gentex-Netz" Rumäniens anlief. Die Telegrafenämter und -stationen des Kreises Temesch konnten sich zum ersten Mal, so wie im Telex-Netz einander fernwählen. Die langen Wartezeiten für die Aufnahme einer Telegrafenverbindung waren für die Temescher Telegrafenämter und -stationen für immer vorbei.

1974 wurden alle rumänischen Telex-Teilnehmer an das internationale Telex-Netz angeschlossen. Im selben Jahr erhielt auch das Lugoscher Telegrafenamt eine automatische Telegrafenvermittlungsanlage mit einer Kapazität von 20 Leitungen. Ein Jahr später, 1975, ist man beim Ministerium für Post und Fernmeldewesen den banater Realitäten näher gekommen; die Temeschburger automatische Vermittlungsanlage wurde mit 40 Gentex-Leitungen erweitert. Das seit drei Jahren „schwarz" funktionierende Gentex-Netz konnte nun technisch geregelt werden. Das Temescher Gentex-Netz konnte aber trotzdem bis März 1976 weiter nur „schwarz" betrieben werden, amtlich konnte es nur ab diesem Monat, mit der gleichzeitigen Errichtung des gesamten nationalen Gentex-Netzes, zugelassen werden. Anstatt der Telegrafenämter wurden landesweit Gentex-Ämter eingerichtet, die sich untereinander fernwählen konnten. Dies führte zu einer bis dahin in Rumänien unvorstellbaren kurzer Übertragungszeit der Telegramme.

Bei dieser Gelegenheit gewannen auch die Fernleitungen dieses Bereichs des Fernmeldewesens eine höhere Qualität, da sie ausschließlich über Trägerfrequenz-Geräten hergestellt waren, für deren Betrieb aber nicht mehr Freileitungen, sondern nur noch unterirdische Fernkabeln oder Funkrelais-Linien dienen. Im Kreis Temesch funktionierten 1983 folgende Gentex-Ämter: Temeschburg (über die Postämter 1, 9 und 10), Lugosch, Groß-Sankt-Nikolaus, Detta, Hatzfeld, Busiasch, Fatschet, Rekasch und Perjamosch. Einige Ortschaften, wie Gataja, Tschakowa, Gertjanosch, Orzydorf und Sackelhausen waren über einen Fernschreiber mit einem der oben genannten Gentex-Ämter direkt verbunden, ohne aber einen Zugang zum Gentex-Netz zu haben. Bei der Inbetriebsetzung des Gentex-Netzes funktionierten im Kreis Temesch nur noch RFT-Blatt-Fernschreiber, die mit Empfangslochern und Lochstreifensendern ausgestattet waren. 1982-83 erhielt das Temeschburger Telegrafenamt auch einige von den aus der Tschechoslowakei importierten geräuscharmen „Tesla"-Blatt-Fernschreibern.

Damit man weitere Ansprüche des Telegrafenverkehrs befriedigt, war es nötig, in Temeschburg eine Zonen-Telegrafenvermittlunganlage einzurichten, das im ersten Halbjahr 1980 anlief. Diese siebte Zonenzentrale des Landes (nach Bukarest, Kronstadt, Klausenburg, Craiova, Bacau und Galatz) verfügte über eine erweiterte Kapazität und sicherte für einige Jahre einen reibungslosen Telegrafenverkehr, sowohl im Inland als auch mit dem Ausland.

München - 1992                                                                                                                Anton Zollner