Unsere Post im Wandel der Zeit
(bis November 1983)

Bereits in den ältesten Zeiten wollten die Menschen verschiedene Nachrichten auch über größere Entfernungen übertragen. So wurden schon in der Urgemeinschaft Boten ausgesandt, um verschiedene Mitteilungen den einzelnen Sippen zu bringen. Um die Informationen schneller weiterleiten zu können, verwendete man im Altertum das Feuer. Auf Erdwällen hatte man nach dem Einbruch der Dunkelheit mit Hilfe des Feuers verschiedene Signale stafettenweise bis zum Zielpunkt weitergeleitet. Laut der Legende konnte die Nachricht vom Sieg von Troja in einer Nacht das 500 km entfernte Griechenland erreichen. Im Jahre 450 v. Chr. verwendeten die Griechen Kleoxanes und Demoklitos für die Übertragung von nächtlichen Nachrichten brennende Fackeln, mit deren Hilfe sie vereinbarte Zeichen weiterleiten konnten. Demselben Zweck dienten seit ältesten Zeiten auch die Brieftauben.

Mit der Entwicklung des Handels im Altertum stieg auch die Bedeutung des Briefwechsels. So entstand aus dem Bedürfnis Briefe auszutauschen mit der Zeit die Post. Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich eine immer besser organisierte „Post", die aber nur vom Staatsapparat in Anspruch genommen werden konnte.

Das Wort „Post" stammt aus dem lateinischen „posita", das vom Verb „ponere" (= aufgeben) abgeleitet ist. Unter diesem Wort verstand man im antiken Rom die Poststellen, die in gleichen Entfernungen auf den Verkehrswegen eingerichtet waren und die regelmäßig von Eilboten besucht wurden. Bei den Römern trug der „Postdienst" die Benennung „cursus publicus". Berühmt wegen ihres gut organisierten „Postdienst" waren die Perser. Ihre königliche „Post" beförderte am schnellsten die Briefe und die Verordnungen mit Hilfe von berittenen Eilboten. Die „Post" entwickelte sich immer mehr, vor allem aber nach der Gründung der Nationalstaaten und besonders mit der Erweiterung und dem Ausbau des Straßennetzes.

In den rumänischen Fürstentümern sollen die ersten fürstlichen Boten (curieri domnesti) am 11. Mai 1399 während der Herrschaft Mirceas des Alten dokumentarisch belegt sein. Diese verkehrten auf Einsitzern, die „olac" genannt wurden. In derselben Zeit verzeichnete man auch Boten zu Pferde, die man „calarasi" nannte.

Der erste öffentliche Postdienst ist 1464 in Frankreich entstanden. Postkutschen beförderten damals zwischen verschiedenen Ortschaften nur Briefe und Pakete. Das Stafettensystem ist zum ersten Mal 1490 zwischen Innsbruck (heute: Österreich) und Mechelen (heute: Holland) von König Maximilian I. eingerichtet worden. Jenes Jahr gilt als das offizielle Gründungsjahr der öffentlichen Post. Franz von Taxis gründete 1501 das internationale Postwesen. In derselben Zeit ergänzte man diese Dienstleistung auch mit der Personenbeförderung.

Auf dem Gebiet des heutigen Rumänien ist der öffentliche Postdienst am 20. April 1641 vom Fürsten Georg Rákoczi I. in Siebenbürgen eingeführt worden. Dieser Dienst beförderte außer Postsendungen auch Amts- und Privatpersonen. Seit ungefähr derselben Zeit verkehrten auch in den rumänischen Fürstentümern Poststafetten, die „maziluri" genannt wurden. Das erste schriftliche Zeugnis für die Moldau stammt aus den Jahren 1675-78 unter der Herrschaft des Fürsten Antonie Ruset-Rosetti. In der Walachei ist der erste Postdienst vom Fürsten Alexandru Ipsilanti 1775 organisiert worden. Ins Ausland verkehrte die Post der rumänischen Fürstentümer nur „nach Südosteuropa", also ins Osmanische Reich. Ein moderner Postdienst wurde erst in den '30-er Jahren des 19. Jahrhunderts als Folge der Einführung der „Organischen Reglements" vom russischen General Paul Kisseleff organisiert (Rußland war damals Schutzmacht der rumänischen Fürstentümer). In jener Zeit wurde auch das Bukarester Postamt mit der Benennung „cutore de poste" errichtet. Die Postkutschen fuhren von hier in zwei Richtungen: nach Galati und nach Craiova. Die Pferdewechselstationen lagen gewöhnlich in einer Entfernung von 20 km voneinander, daher auch der Ausdruck „cale de o posta" (eine Poststrecke weit), der im Volksmund noch sehr gebräuchlich ist. Die Postkutschen wurden von vier Pferden gezogen und von einem Kutscher (surugiu) geführt. Ab dem 12. November 1857 waren die „Postkapitäne" (Leiter der Pferdewechselstationen) verpflichtet Uniformen zu tragen, „damit sie von der Bevölkerung erkannt und respektiert werden".

Abb. 1.- Der "Auerochskopf" mit dem Wert von 27 Parale

1858 ist die erste „rumänische" Briefmarke in der Moldau in Umlauf gebracht worden; es war die sogenannte „cap de bour" oder „cap de zimbru" (Auerochskopf) - Abb. 1. Diese Briefmarken hatten die Werte von 27, 54, 81 und 108 „parale" und trugen die Beschriftung mit kyrillischen Buchstaben „PORTO SCRISORI". Die fast vier Jahre lang in Umlauf gewesenen Briefmarken sind heute von jedem Philatelisten sehr begehrt. Einige Jahre nach der Vereinigung der Moldau und der Walachei 1862 kam die erste Briefmarke der „Vereinigten Fürstentümer" in Umlauf - Abb. 2. In der Mitte befand sich das neue Wappen: den moldauischen Auerochsenkopf neben dem walachischen Adler. Darunter befand sich das Posthorn. Zur Beschriftung wurden diesmal lateinische

Abb. 2.- Die erste Briefmarke der "Vereinigten Fürstentümern"

Buchstaben verwendet. In jenem Jahr funktionierten in der Moldau 18 und in der Walachei 26 Postämter. Am 1. Januar 1865 wurden Briefmarken mit neuen Werten in Umlauf gebracht, und zum ersten Mal trugen sie die Inschrift „POSTA ROMÂNA" - Abb. 3. Die in den Nationalfarben (rot, gelb, blau, aber in verkehrter Reihenfolge!) gedruckten Postwertzeichen trugen das Bildnis des Fürsten Alexandru Ioan Cuza. Zwei Druckereien wurden beauftragt, diese Briefmarken zu drucken: Wannenberg und Socec. Als diese geliefert wurden, konnte man sich nicht entscheiden, welche Ausgabe in Umlauf gesetzt werden soll. Der damalige Premierminister entschied sich für die Postwertzeichen, die aus der Druckerei Socec kamen. Die von der Wannenberg-Druckerei angefertigten Briefmarken wurden anfangs gelagert, und später hatte man sie zur Freude der Briefmarkensammler versteigert. 1890 wurde auch die Postgutförderung eingeführt. Bei dieser Gelegenheit sind in Rumänien auch die ersten Postanweisungsformulare (mandat postal) angewendet worden.

Abb. 3.- Die erste rumänische Briefmarke  mit der Inschrift "POSTA ROMÂNA"

Über die Geschichte des banater Postwesens verfügt man heute nur über sehr spärliche Daten. Dr. N. Iliesiu hatte die Absicht dieses Thema im 2. Band seiner Temeschburg-Monographie zu bearbeiten, aber zur Ausgabe dieses Buches kam es nicht mehr. Es ist anzunehmen, daß er für sein Vorhaben das nötige Dokumentationsmaterial gesammelt hatte, aber heute könnte dieses als verschollen betrachtet werden. Bekanntlich verfügt heute auch die Temescher Kreisdirektion für Post und Fernmeldewesen über keinerlei historische Dokumente mehr, da nach einigen Aussagen das gesamte Postarchiv 1919 von den serbischen Besatzungstruppen verschleppt wurde. Man vermutet, daß sich die Archivbestände noch immer in Groß-Betschkerek befinden könnten, aber eine Bestätigung gibt es dafür nicht. Demnach könnte man annehmen, daß es keine Quelle mehr gebe, aus der man etwas aus der Geschichte des banater Postwesens erfahren würde. Trotzdem ist es dem Temeschburger Journalisten Luzian Geier gelungen, auf Umwegen zwar sporadische, aber sehr wichtige Daten zu diesem Thema ausfindig zu machen. Er durchsuchte dafür in den Archiven Listen öffentlicher Ämter, verschiedene Kalender und Tageszeitungen.

Aus offiziellen rumänischen Quellen ist nur zu entnehmen, daß das Postwesen im Banat schon vor 1850 nachweisbar sei. Geier hingegen behauptet, daß im Banat gleich nach der Vertreibung der Türken „die Einrichtung eines neuen, modernen Postwesens (erfolgte), das sich wesentlich auf die 'neue Postordnung' vom 26. Juni 1722 stützte". Nach ihm galt schon 1728 „der Postverkehr in Temeswar aus bereits als 'normalisiert'". 1839 sollen es im Banat schon 66 Postämter und Cambiaturen mit privaten Postpächtern gegeben haben. Sie waren anfangs dem Wiener Oberpostamtsdirektorium unterstellt, aber danach sind sie laut Pompiliu Bârlan (ein langjähriger Postbeamter) bis zum 1. Juni 1850 in Privateigentum übergegangen, als sie wieder verstaatlicht wurden. 1859 war das banater Postwesen dem Wiener Handelsministerium unterstellt, 1859-63 dem Finanzministerium, wonach es wieder zum Handelsministerium kam. Unter staatlicher Verwaltung stieg die Zahl der Postämter ständig an. So wurde 1851 in Reschitz eine „Post-Expedition" eingerichtet und knapp fünf Jahre später, am 1. Januar 1856, eine auch in Busiasch.

Anton Schulz vertretet aber wie S. Mihalik (in „Resicza jelene és multja" - 1892) die Meinung, daß in Reschitz am 25. September 1851 nur eine „Poststelle" eingerichtet wurde. Als „Postbeförderer" soll hier der Kaufmann Franz Klemens tätig gewesen sein. Eine „Post-Expedition" soll in Reschitz, Deutsch-Bogschan und Furlug (heute: Fârliug) erst am 21. April 1852 eingerichtet worden sein. Laut dem genannten Autor sollen zum „Bestellungsbezirk de k. k. Post-Expedition Reschitza" neben „Deutsch- und Wallachisch-Reschitza" auch die Ortschaften „Cserna, Domany, Franzdorf (heute: Valiug), Garuja, Jabalcsa, Tirnova, Kelnik, Klokodics, Krassova, Kuptore, Nermed und Szocsan" gehört haben. 1856 soll der Betreiber der „Post-Expedition" der Haus- und Grundbesitzer Franz Stadelmann gewesen sein.

In welchen Gebäuden die Temeschburger Posteinrichtungen bis 1860-61 untergebracht waren, konnte von Geier nicht ermittelt werden. Nach der Fertigstellung des Dicasterial-Palais in den oben genannten Jahren zog hier unter anderen Ämtern auch die „k. k. Post-Direction" unter Direktor Karl Waniczek - Ritter des St.-Gregor-Ordens und Ehrenbürger der Stadt Neusatz - mit dem Postrechnungsdepartement, der Postdirektions-Kasse und einem Postamt (Verwalter: Virgil Marinovich), ein, wie Luzian Geier behauptet. Zugleich hatte hier auch das „k. k. Telegraphen-Inspectorat für Banat, Bácska, Banater Militär-Grenze und Siebenbürgen" seinen Sitz.

Über das erste Reschitzer Postgebäude weiß A. Schulz zu berichten, daß dies 1912 im damaligen Stadtzentrum errichtet und 1930 erweitert wurde - Abb. 4. Bis dahin ist die „Post-Expedition" bzw. das Postamt im Hause Orthmayer und ab etwa 1889 unterhalb der evangelischen Kirche untergebracht gewesen. 1965, als die neue automatische Telefonzentrale installiert wurde, mußte wegen Raummangel ein neues Postgebäude im heutigen Stadtzentrum erbaut werden. In diesem wurde neben der Post und das Fernmeldewesen auch die neugegründete Karasch-Severiner Kreisdirektion für Post und Fernmeldewesen untergebracht.

Abb. 4.- Das erste Reschitzer Postgebäude nach einer Ansichtskarte
(aus dem "Banater Berglanddeutscher" - Folge 72 / 1997)

Die Postsendungen wurden auch im Banat mit Postkutschen befördert, in denen auch Personen mitfahren konnten. Zwischen Temeschburg und Ofen (Buda) verkehrten die Postkutschen bis 1857, als man die Eisenbahnstrecke Temeschburg - Szegedin ihrer Bestimmung übergab. Die Postkutschenfahrt dauerte auf dieser Strecke zwei Tage einschließlich Rastpausen. Bei regnerischem Wetter dauerte die Fahrt unter Umständen sogar einige Wochen. Aus Arad fuhr in jener Zeit jeden Donnerstag die von vier Pferden gezogene Kutsche mit sechs Reisenden nach Ofen ab. Die Konzession der Postkutsche hatte der Kolonialwarenhändler Josef Schweffer inne. Laut Anton Schulz befuhr schon 1811 eine Postkutsche die Strecke: Temeschburg - Lugosch - Bogschan - Dognatschka - Reschitz, wobei Dognatschka die „letzte Post" für Reschitz war. Eine zweite Strecke von Temeschburg nach Reschitz führte über Werschetz - Kudritz - Kakowa (heute: Gradinari) - Orawitz - Sekasch - Dognatschka. Ab 1863 fuhr eine Postkutsche täglich von Reschitz nach Detta. Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke „Vojtek - Bogschan" kamen die Postsendungen bis Bokschan mit der Bahn.

Das banater Postwesen und insbesondere die Postbeförderung von 1860 bis Ende des 1. Weltkriegs wurde nach meinen Kenntnissen nur von Geier erforscht. Nach seiner Recherchen gab es ab August 1863 zwischen Temeschburg und Wien (über Basiasch) wöchentlich je zwei „Post-Course" mit der Eisenbahn. Weitere „Post-Course" mit der Postkutsche verbanden Temeschburg mit Semlin (heute: Zemun) - über Werschetz, Orschowa, Alt-Arad, Hermannstadt, Lippa, Groß-Sankt-Nikolaus, Groß-Betschkerek, Dognatschka - über Lugosch - und Busiasch.

Anfangs gab es in Temeschburg elf öffentliche „Briefsammlungskästen", aber laut Geier stieg ihre Zahl schon 1864 auf 18 an, 12 davon in der Festung und je drei in den Vororten Fabrik und Josefstadt. Sie wurden abends um 18 oder 19 Uhr geleert, und die Briefe hatte man zum Stadtpostamt ins Dicasterial-Palais gebracht.

Aus dem „Temesvárer gemeinnützigen, erheiternden, belehrenden Volks- und Hauskalender für Banat auf das Schaltjahr 1864" konnte Geier ermitteln, daß 1863 noch immer Karl Waniczek Postdirektor und Virgil Marinovich „Postamts-Verwalter" waren. Zugleich wurden im Kalender Karl Hradeczky als „Post-Directions-Adjunct", Alois Gubatta als „Postcomissär", Eduard Edler von Gamsberg als „Postdirections-Secretär" und Anton Kräuter als Postdirections-Amtsdiener zitiert. Für Temeschburg wurden darin auch zwei Postämter vermerkt, das Stadtpostamt und das Amt am Bahnhof, das aber vom Personal des ersteren „besorgt" wurde. Das Stadtpostamt (in der Festung) beschäftigte auch sechs Briefträger, u. zw. Georg Mayer, Anton Hild, Johann Geistlinger, Franz Zimmer, Ignaz Buller und Muchim Freiberg, wie auch 12 „Packer".

Laut demselben Kalender gehörten 1863 zur Banater „Post-Direction" drei „große Postämter" (Post-Expedition Belgrad, Bahnhof Groß-Kikinda und Semlin) und drei „k. k. Poststationen" (Temesvár mit Postmeister Johann Anheuer und Semlin mit Postmeister Georg Trautheimer - beide als Poststationen mit Stallämtern - und Székás als „Postrelais-Station"). Als zur „Post-Direction" gehörend wurden im Kalender auch noch 92 ländliche Postämter und 54 „Post-Expeditionen" vermerkt. Aus dem heutigen „rumänischen" Banat sind folgende Postämter (mit den Namen der Postmeister) zitiert worden: Alliosch (Adolph Kafga), Alt-Orschowa (Paul Krziwon), Banat-Komlosch (Franz Vogl), Bruckenau (unbesetzt), Csatád = Lenauheim (Johann Kafga), Detta (Karl Arizy), Deutsch-Sankt-Peter (Josef Jánossy), Dognatschka (unbesetzt), Fatschet (Alexander Szokoly), Groß-Sankt-Nikolaus (Georg Jánossy), Karansebesch (Franz Salbek), Kiszetó =Chizatau (Johann Brendusch), Kleinbetschkerek (Maria Kafga), Lippa (Josef von Nagy), Lowrin (Nikolaus von Nagy), Lugosch (Georg Schmidt), Mehadia (Casimir Pinker), Morawitza (Johann Lukits), Neupetsch (Johann Anheuer), Neudorf (Johann Ioanovics), Orawitza (Emmerich Trinopel), Perjamosch (Johann Petko), Saska (Josef Ziegler), Slatina (Carl Schulz), Teregova (Iconie Beseriu) und Jebel (unbesetzt). Von den banater „Post-Expeditionen" (mit „Postexpedianten") befanden sich folgende auf dem Gebiet des heutigen Rumänien: Alt-Beschenowa (Johann Marsch), Basiasch (unbesetzt), Bersaska (Franz Havel), Billed (Jakob Gilde), Busiasch (Basil Brendusch), Tschakowa (Demeter Zamphir), Tschanad (Johann Adelshauser), Tschene (Sigmund von Cäsar), Deutsch-Bogschan (Nikolaus Panajoth), Großscham (Josef Platt), Gertjanosch (Nikolaus Krizanits), Hatzfeld (Johann Telbisch), Knes (Peter Bingert), Liebling (unbesetzt), Moritzfeld (Josef Fritsch), Neu-Arad (Karl Foicek), Nitzkydorf (Eugen Tereba), Reschitza (Franz Stadlmann), Remetea (Josef Löb), Rittberg =Tormak (Blasius Molitorits), Schag (Georg Hirsch), Steierdorf (Demeter Milletics), Temesvár-Fabrik (Max Krayer), Ujvar =Neuburg (August Reichelt) und Vinga (Nikolaus Klemann).

Diese von Luzian Geier ermittelten Daten sind von besonderer Bedeutung, da sie die erste Auflistung aller Posteinrichtungen aus dem Banat darstellen, die auch bei der Erstellung oder Ergänzung der Heimatbücher als wichtige Quellen dienen können. Unerklärlich ist es, daß diese Aufzählung nicht auch die Rekascher „Poststation, wo der Pferdewechsel geschah", enthält. Dr. Stitzl verzeichnete ihre Existenz am Anfang des 19. Jahrhunderts und gab auch Gebühren an: ein Gulden und 30 Kreuzer pro Pferd für 24 Stunden. Soll es sich hier vielleicht um das unten angeführte Unternehmen für „Privat-Eilwagen" handeln?

Mitte September 1864 erfolgten einige Änderungen, wie es derselbe Kalender (für das Jahr 1865) berichtet. Das Personal der „Post-Direction" wurde um drei „Postdirections-Concipisten" und einem „Concepts-Practikanten" erweitert. Die Zahl der Postämter stieg um fünf auf 97 (u. a. wahrscheinlich Busiasch, Deutsch-Bogschan, die bislang Post-Expeditionen waren, und Königsgnad = Tirol) und die der „Post-Expeditionen" um zwei auf 56. Zugleich gab es nach Geier in jenem Jahr 21 Postämter mit „Post-Administratoren", meist wurden aber Postmeister in diese Stellung ernannt. In 50 Postämtern waren dem Postmeister auch „Post-Expeditore" unterstellt, darunter im „rumänischen" Banat: Stefan Lükö in Bruckenau, Wilhelm Rusz in Busiasch, Ladislaus Seeler in Detta, Michael Panajot in Deutsch-Bogschan, Moise Buda in Fatschet, Josef Blum in Groß-Sankt-Nikolaus, Georg Wagner in Kleinbetschkerek, Andreas Mahler in Königsgnad, Johann Herzog in Lippa, Gaspar Vegh in Lowrin, Johann Hussarek und Josef Hundt in Lugosch, Karl Knoblauch in Orawitza und Johann Barbulovits in Jebel. Laut dem oben genannten Autor gehörten dem „Bestellungsbereich des Postamtes Temeswar" die Dörfer Cerneteaz, Freidorf, Giroda, Girok, Kischoda, Kowatschi, Medves, Moschnitza, Sankt-Andres, Deutsch-Sankt-Michael und Utvin an.

Aus demselben Kalender der Jahre 1864 bis 1871 ist zu entnehmen, daß das oben genannte Personal des Lugoscher „k. k. Postamts" in dieser Zeitspanne unverändert blieb. Erst im „Beobachter"-Kalender des Jahres 1890 wird als Postmeister des Lugoscher Post- und Telegrafenamts F. Rajkovits und als „Offiziale" K. Gregor und J. Jäger angegeben. In jenem Jahr sind auch keine „Post-Course" mehr verzeichnet, da inzwischen die Postkutschen durch die Eisenbahn ersetzt wurden.

Geier fand im „Temesvarer gemeinnützigen, erheiternden, belehrenden Volks- und Haus-Kalender für das Jahr 1868" auch interessante Daten über den Postbetrieb. Als Amtsstunden für „Brief- Auf- und Abgabe" gibt er für das Haupt- und Bahnhofspostamt 8 bis 12 und 15 bis 18 Uhr an. „Estafetten" wurden zu jener Zeit, auch nachts, angenommen. Die „Post-Expedition" der Vorstadt Fabrik hatte zwischen 8 bis 12 und 14 bis 18,30 Uhr Dienststunden. „Briefsammlungskästen und Briefmarkenverschleiß" gab es in Temeschburg an folgenden Stellen: 1.- in der Festung - beim Handelsmann Friedrich Rosengold (Piaristengasse, heute: E.Ungureanu-Str.), beim Kleinverschleißer Georg Gerstl (Theatergasse, heute: Teil der Gh.Lazar-Str.), beim Handelsmann P. C. Ioanovits (Ballgasse, heute: Teil der E.Ungureanu-Str), beim Handelsmann Johann Nikolits (Domplatz, heute: Unirii-Platz), beim Detailhändler S. Naschits (Peterwardeiner Gasse, heute: Alba-Iulia-Str.), beim Tabak-Großtrafikanten Hermann Weiß (Präsidentengasse, heute. F.Engels-Str.), beim Buch- und Kunsthändler Ignatz Palotsek (Rösselgasse, heute: Caruso-Str.), beim Handelsmann H. Glück (Theatergasse), bei Franziska Rosenthal (Bischofsgasse, heute: Rodnei-Str.), und beim Papier- und Schreibmaterialienhändler Jos. D. Magyar (Hauptwachgasse, heute: 9.Mai-Str.); 2.- in der Josefstadt - beim Tabaktrafikanten Valentin Barth (Dreikönigsgasse), beim Handelsmann Michael Dravits (Wildenmanngasse) und beim Bahnhof; 3.- in der Fabrik - beim Handelsmann G. D. Maßner (Drei-Hasengasse), beim Handelsmann Johann Tedesky (Hauptgasse) und beim Handelsmann Georg Stojanovich (Dreikönigsgasse).

Der Temeschburger Journalist ermittelte aus alten Kalendern auch die Gebühren, die die Post 1864 für ihre Dienste kassierte. Das Porto wurde je nach Gewicht (in Loth) und der Entfernung des Bestimmungsortes (in Meilen) gezahlt, und betrug zwischen 10 Neu-Kreuzern und eineinhalb Gulden. Die Passagiertaxen erstreckten sich je nach Art der Fahrten und Routen von 20 bis 74 Neu-Kreuzer. Weitere Gebühren, die die Post noch kassierte waren: „Zutrittgeld" (35 Nkr pro Pferd und Meile), Postillionstrinkgeld pro Pferd und Post bei gewöhnlichen Extraposten" (35 Nkr), „Laufzettel (Aviso)" (42 Nkr), „Erfrischung der Postpferde bei dem Ueberfahren einer Station" (35 Nkr), u. a. Zugleich erfuhr er, daß in Temeschburg neben der staatlichen Post auch ein Unternehmen für „Privat-Eilwagen" Eilfahrten durchführte, und dabei auch Postsendungen beförderte. Die Eilwagen befuhren folgende Strecken: Temeschburg - Alt-Arad - Hermannstadt - Kronstadt - Bukarest und Temeschburg - Lugosch, in der Badesaison auch Temeschburg - Busiasch und Lugosch - Busiasch. In Temeschburg befand sich die Abfahrtsstelle beim Gasthaus „Zum Tropeterer" (an der Ecke Bischofsgasse/Trompetergasse, heute: Rodnei-Str./Ceahlau-Str.).

1868 unterstanden der Banater Postdirektion laut Geier 150 Postämter und -stationen. Zu den Ortschaften, die in jener Zeit kein eigenes Postamt hatten zählten: Albrechtsflor (= Kleintermin), Alexanderhausen, Bakowa, Beba, Bentschek, Blumenthal, Bogarosch, Butin, Ciclova, Darowa, Dolatz, Dugoszello (= Nero), Ebendorf, Eibenthal, Engelsbrunn, Fakert (=Baumgarten), Franzdorf, Freidorf, Glogowatz, Gottlob, Grabatz, Großjetscha, Giorok, Haulik (heute ein Teil von Perjamosch), Johannisfeld, Kleinjetscha, Klein-Sankt-Peter, Königshof, Kreuzstätten, Lupac, Marienfeld, Mercydorf, Moneasa, Neudorf, Neuhof (=Bogda), Neupanat, Deutsch-Sankt-Martin, Deutsch-Sankt-Michael, Offsenitza, Omor, Orczydorf, Ostern, Odvos, Perkossova, Ravnik, Serbisch-Sankt-Peter, Schöndorf, Savârsin (=Soborschin), Segenthau, Sankt-Andres, Schiria (=Hellburg), Traunau, Triebswetter, Tschawosch, Wetschehausen, Weidenthal, Weizenried und Wiesenhaid. Einige von diesen Ortschaften hatten aber Post-Expeditionen. Aber bis 1890 wurde das Postnetz so erweitert, daß in jenem Jahr in alle Gemeinden Postämter eingerichtet waren. Laut Thomas Breier erzielten die Postämter damals ein geringes jährliches Einkommen: Temeschburg und Arad je 196.000 fl. (Gulden), Werschetz 82.000, Groß-Betschkerek 72.000, Lugosch 44.000 und Kikinda nur 38.000 fl. (Gulden).

Über die Herausgabe von Briefmarken im Banat gibt es kaum etwas nachzuweisen. Laut Pompiliu Bârlan (dem gewesenen stellvertretenden Direktor der jetzigen Temescher Kreisdirektion für Post und Fernmeldewesen) sollen hier die ersten Briefmarken am 1. Oktober 1850 in begrenzter Auflage herausgegeben worden sein. Es soll dokumentarisch belegt sein, daß im Banat vor dem 31. Mai 1853 einige Ausgaben in Umgang gebracht wurden. Nach 1858 sollen sogar mehrere banater Briefmarken-Serien herausgegeben worden sind.

Schon 1888 wurde durch dden Zusammenschluß der Post mit dem Telegraf der „Post- und Telegraphen-Directions-Bezirk Temesvar" gegründet. Sein erster Direktor war Johann von Petheö. Die neue Direktion hatte bis 1912 ihren Sitz im Dicasterial-Gebäude. In jenem Jahr zog sie in das neuerbaute Postpalais ein. Die Struktur de banater Post änderte sich schnell nach dem Ausbau des Eisenbahnnetzes. Zur 1857 erbauten Eisenbahnstrecke Temeschburg - Szegedin kamen bald auch weitere hinzu: 1868 Arad - Karlsburg (Heute: Alba Iulia), 1870 Arad -Temeschburg - Werschetz - Weißkirchen - Valcani - Perjamosch und 1875 bis 1878 Temeschburg - Lugosch - Karansebesch - Herkulesbad - Orschowa. Dadurch wurden die Postkutschen allmählich von den Hauptstrecken der banater Post verdrängt.

Laut Geier hatte der Post- und Telegraphen-Directions-Bezirk" 1910 113 Angestellte. Über die ihn unterstellten Postämter und -expeditionen wurden in jenem Jahr „7 236 500 Briefe abgeschickt und 8 612 188 ausgefolgt, Pakete waren es 420 363 bzw. 972 389, Geldanweisungen 26 676 bzw.
17 836".

1912 wurde der Verein der Temeschburger „Post-Unterbeamten" gegründet, dessen Fahne im Juni 1914 geweiht wurde. Was mit dieser Fahne bis heute geschehen ist, weiß man wahrscheinlich nicht. Im März 1914 wurde Eugen Demko de Belanszky zum neuen Direktor des „Temesvarer Post- und Telegrafen-Direktions-Distrikts" ernannt. Sein Stellvertreter wurde Dr. Géza von Kováts und „Post- und Telegrafen-Sekretär" war Dr. Heinrich Heller.

Nach einer fast einjährigen Okkupation Temeschburgs durch serbische Truppen wurden im Herbst 1919 alle Staatsämter und Behörden der rumänischen Verwaltung unterstellt. Zum ersten rumänischen Direktor der Temeschburger „PTT Regionaldirektion" wurde Vasile Cornea ernannt. Er wurde am 1. Dezember 1925 von Constantin Buznea abgelöst. Charakteristisch für die rumänische Zwischenkriegszeit ist der häufige Wechsel der Postdirektoren. In den letzten 15 Jahren dieser Periode hatten elf Direktoren diese Stelle inne: Constantin Buznea (01.12.1925 - 31.12.1926), Lazar Antonescu (01.06.1926 - 21.09.1926), Gheorghe Vasilescu (09.01.1927 - 27.06.1928 und 26.10.1928 - 24.02.1930), Vasile Ionescu (27.06.1928 - 26.10.1928), Dumitru Ilies (25.02.1930 - 31.12.1930), Alexandru Galfiun (01.01.11931 - 30.06.1931), Zaharia Antoniu (01.07.1931 - 02.03.1933), Ioan Bolchis (03.03.1933 - 26.11.1933), Victor Golumbovici (27.11.1933 - 20.05.1938), Nicolae Cojocaru (23.08.1938 - 22.09.1939). Gh. Gr. Ionescu, der heute etwa 90 Jahre alt ist, hatte als letzter Direktor der Zwischenkriegszeit am 28.09.1939 sein Amt übernommen und etwa ein bis eineinhalb Jahre lang ausgeübt. Er war bei der Temeschburger Postdirektion der erste rumänische Direktor, der den Bildungsgrad eines Dipl.-Ingenieurs hatte. Ihm folgten bis 1949 Sedan und Daniel Rosca. Nach der Verstaatlichung des Telefonwesens und seiner Zusammenschließung mit der Post und dem Telegraf, wurde Octav Radulescu zum Direktor der PTT-Direktion ernannt. Diesem folgte dann Emilian Milos (1950-51) und Atanase (1951-52). Nach diesen folgte dann der Jude Oskar David, der einzige Nichtrumäne unter den Direktoren der Temeschburger Post nach dem Anschluß des Banats an Rumänien. Er blieb aber nur einige Monate im Amt, da er in kürzester Zeit von Ilie Matei (1952-54) abgewechselt wurde. Einen wahrlichen Rekord stellte erst Dipl.-Ing. Traian Brânzeu auf, der über 22 Jahre lang, vom August 1954 bis zum 1. Februar 1977, das Temeschburger Post- und Fernmeldewesen leitete. Vom 6. Februar 1977 bis zum 9. August 1978 fungierte als Direktor der Temescher Kreisdirektion für Post und Fernmeldewesen Pompiliu Bârlan, ohne aber die fällige Ernennung zu erhalten. Diesem verweigerte man schon einmal (1951) aus kaderpolitischen Gründen die Ernennung zum Direktor der Banater Postdirektion. Vom 10. August 1978 bis kurz nach der „Dezember-Revolution" von 1989 bekleidete Dipl.-Ing. Traian Vese dieses Amt. Er wurde während der Ereignissen von der Belegschaft aus seinem Amt „gejagt", aber bald darauf hatte ihn das zuständige Ministerium zum Direktor der Postbank ernannt. Sein Nachfolger ist seit jenen Tagen Dipl.-Ing Paun Popescu. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß unter der rumänischen Verwaltung (egal ob kapitalistisch oder kommunistisch) die Leitungsstellen nur von Zugehörigen des Staatsvolks besetzt werden konnten. Die Mitglieder der nationalen Minderheiten konnten höchstens nur Abteilungsleiter werden.

1968 hat das Ceausescu-Regime die schon immer für das gesamte rumänische Banat zuständige Regionaldirektion auf vier Kreisdirektionen gegliedert. Die eine, die Temescher Kreisdirektion für Post und Fernmeldewesen erstreckte sich über das mittlere Banat und behielt ihren Sitz in Temeschburg. Der nördliche Teil dieser Landschaft wurde dem Kreis Arad (also dem Kreisch-Gebiet) angeschlossen und bildete so die Arader Kreisdirektion mit dem Sitz in Arad. Im Banater Bergland wurde die Karasch-Severiner Kreisdirektion gegründet, die ihren Sitz in Reschitz hat. Ein kleiner Teil des südöstlichen Banater Berglands - um Orschowa - wurde der Mehedinti-er Kreisdirektion mit dem Sitz in Turnu-Severin (aus Oltenien) angeschlossen.

1982 bestand das gesamte BANATER Postnetz aus 321 Diensteinheiten, davon 154 im Kreis Temesch. Die 321 Einheiten bestanden aus 7 Transitämtern, 3 „mechanisierten" Postämtern (die die Sendungen mit dem Auto auf dem Lande verteilten), 46 städtischen und 157 ländlichen Postämtern, wie auch 5 „selbstständigen" Postämtern und 103 ländliche Postagenturen. Das derzeitige Postnetz ist dem Verfasser dieser Zeilen nicht bekannt, da aufgrund des Dörferschleifungsplans alle Postämter der ländlichen Ortschaften, die nicht Gemeindesitze waren, aufgelöst werden mußten. Dazu kam noch die Auffassung des zuständigen Ministeriums, daß alle unrentablen Postämter nicht existenzberechtigt sind.

Der Zustand des heutigen rumänischen Postwesens kann in jeder Hinsicht als „primitiv" bezeichnet werden, das betrifft die Struktur, die Bearbeitung der Sendungen und die technische Ausstattung. Als unrentabelster Zweig der Kommunikation wurde die Post viele Jahre hindurch total vernachlässigt. Die Postleitzahlen wurden zwar Ende der '70-er Jahren eingeführt, aber sie werden auf fast der Hälfte der Postsendungen gar nicht angegeben. Die Postverwaltung besteht auch nicht darauf, da sie kaum zu etwas dienen. Die Sendungen werden noch immer manuell bearbeitet, und zwar nach den jeweiligen Kreisdirektionen. Die einzige automatische Briefverteilmaschine wurde am 1. September 1979 in Bukarest in Betrieb gesetzt, aber ihre Leistung erreichte nur das Doppelte der sehr aufwendigen Handverteilung.

Das rumänische Postleitzahlen-System ist nicht nach den Kriterien der Landes- oder Postverwaltungsstruktur aufgebaut worden, wie dies zu erwarten gewesen wäre, sondern nach den Eisenbahnstrecken, da die Postbeförderung hauptsächlich mit dem Personenzug (ein Langstreckenzug, der in allen Bahnhöfen und Haltestellen stehenbleibt) erfolgt. Die Postsendungen erreichen deswegen, je nach Entfernung, den Empfänger in der Regel nach 2 bis 3 Tagen. Die Briefe werden hauptsächlich mit der Hand gebunden, die wenigen sowjetischen Bindemaschinen, mit denen nur die Transitämter ausgestattet sind, sind meistens außer Betrieb. Auf dem Lande werden die Briefbeutel zwischen dem Postamt und dem Bahnhof noch immer mit dem Handwägelchen oder mit dem Fahrrad transportiert. Als einzige technische Ausstattung in den Transitämtern kann die Stempelmaschine betrachtet werden.

Aus den vorgeführten Tatsachen kann man erkennen, wie das Banat, das auf allen Gebieten schon immer eine Vorreiterrolle einnahm, nun auch im Bereich des Postwesens in den Jahren des Sozialismus zu einer rückständigen Region Europas abgewirtschaftet wurde.

München - 1990                                                                                                      Anton Zollner