Auf der Suche nach der Urheimat

Bei der Suche nach der Urheimat des Hengelmann-Stamms gab es ursprünglich nur wenig Anhaltspunkte. In den Telefon- und Adressbüchern aus Deutschland war kein einziger Hengelmann eingetragen gewesen, dessen Herkunftsort nicht Rekasch gewesen wäre. Damit blieb der leichteste Weg auf der Suche nach der Urheimat verschlossen.

Der zweite Weg wäre die Suche nach dem „Nest“ der Henkelmanns gewesen, aber auch hier kam man bald in eine Sackgasse. In den Telefon- und Adressbüchern waren um 1995-96 insgesamt 718 Henkelmanns in allen Regionen Deutschlands verzeichnet gewesen. Demzufolge  war auch dieser Weg auf der Suche nach den „deutschländer“ Vorfahren der Hengelmanns aussichtslos.

Der dritte Weg, der zur Urheimat führen könnte, wäre eine gründliche Recherche in den Rekascher Kirchen-Matrikelbücher. In diesen sind die Sterbefälle zweier Henkelman(n)-„Kolonisten“ eingetragen, bei denen auch der „Geburtsort“ vermerkt ist. Laut Eintragungen soll Christoph in „Mikilau aus Francia“ und Georg in „Michtau aus Franconia“ geboren worden sein. Diese sollten sich als die wichtigsten Anhaltpunkte erweisen, die schließlich zum Ziel führten. „Franconia“ ist bekanntlich die lateinische Bezeichnung für Franken und „Francia“ für Frankreich. Es ist aber bekannt, dass die Pfarrer aus dem Banat, im 18. Jahrhundert des Lateinischen nicht besonders mächtig waren. Wie aus den Kirchenbüchern zu erkennen ist, machten sie ihre Eintragungen wahrscheinlich nur selten (wenn überhaupt)  aufgrund von Urkunden und begnügten sich mit mündlichen Erklärungen. In unserem Fall wurde angenommen, dass sowohl „Franconia“ als auch „Francia“ dasselbe Franken bedeutete. Demnach mussten „Mikilau“ und „Michtau“ in Franken gesucht werden, doch diese zwei Ortschaften gibt es in keinem Nachschlagewerk. Auch die Suche nach Ortschaften, die im Laufe der Zeit verschwanden oder in andere Verwaltungseinheiten eingegliedert wurden, blieb ergebnislos. Schließlich wurden diese „Ortsnamen“ mit jenen aus dem Postleitzahlenbuch verglichen, und man kam zur Schlussfolgerung, dass sowohl „Mikilau“ als auch „Michtau“ mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit MICHELAU sein könnten.

In Franken gab es vor einigen Jahren noch zahlreiche Ortschaften, die Michelau hießen, so wie es auch heute noch einige gibt. Ein Michelau ist heute ein Ortsteil von 97782 Gräfendorf. Es gibt aber auch Michelaus, die im einstigen „rheinfränkischen“ Auswanderungsgebiet lagen, heute aber nicht mehr zu den fränkischen Regierungsbezirken gehören. Um den Kreis enger zu ziehen, wurden wieder die Telefon- und Postleitzahlbücher hervorgenommen, um diesmal nur in Franken die Henkelmann-„Schwerpunkte“ festzustellen. Da konnte man bald erkennen, dass 1995-96 die meisten Henkelmanns um Würzburg lebten (25), gefolgt von den Ortschaften um Nürnberg (19) und jene um Schweinfurt (12). Zu den letzteren gehört auch Michelau im Steigerwald mit zwei Telefonabonnenten, die Henkelmann heißen. In keinem anderen Michelau gibt es Telefonabonnenten, die diesen Namen tragen.

Dies ist aber noch immer kein eindeutiges Beweismittel, dass Michelau im Steigerwald die Urheimat der Rekascher Hengelmanns ist. Diese Annahme könnte vor allem durch Auswanderungslisten bekräftigt werden, doch diese wären für einen Laien kaum zugänglich. Darum wurden Veröffentlichungen einiger Forscher auf diesem Gebiet bevorzugt. Auf Dr. Alfons Pfrenzingers „Liste der mainfränkischen Auswanderer nach Südosteuropa“ (Kap. 1 – Auswanderer nach Ungarn) gibt es keinen Henkelman(n). Dafür gibt es auf der Liste einen  Hans Michael Henckhelmann, der mit seiner Familie 1741 aus Windheim (bei Hammelburg) nach Ungarn ausgewandert ist. In dieser Umgebung befindet sich auch das oben erwähnte Gräfendorf, in dem ein Michelau eingeschlossen wurde. Heute leben in dieser Umgebung keine Henkelmanns, und vom ausgewanderten Henckhelmann sind im Laufe dieser Recherchen auch  keine Spuren gefunden worden.

Dafür gab es einen Volltreffer in den „Quellen zur deutschen Siedlungsgeschichte in Südosteuropa“ von Wilhelm Franz und Josef Kallbrunner (H. Scherer Verlag – 1936, München – 416 Seiten). Darin ist neben Hans Adam Loser und Andreas Schmid auch der gesuchte Valentin Henkelman verzeichnet, die alle aus „Michlau = Michelau BU Gemünden aus dem Würzburgischen“ stammten. Sie sind am 26. Mai 1766 in Wien als Auswanderer registriert worden. Leider ist hier nicht auch die Zahl der Personen vermerkt, mit denen Valentin Henkelman durch Wien in Richtung Rekasch (Banat) gereist ist, wodurch auch heute noch einige Unklarheiten bestehen blieben. In diesem Buch ist auch die für weitere Recherchen so wichtige Bemerkung  zu lesen: „Die Auswanderungslisten wurden zwar nach den Pässen, mit denen die  Auswanderer von ihrer Grundobrigkeit beteilt waren, verfasst, aber die Listen wurden zum Teil auch nach dem Gehör aufgezeichnet“. Dies ist der Grund, warum die Familiennamen aus den Kirchenbüchern der Herkunftsorte nicht immer beibehalten wurden.

Diese von den zwei Autoren angegebenen Daten führten zweifellos nach Michelau im Steigerwald. Die einwandfreie Feststellung der Urheimat der Rekascher Hengelmanns  musste in Kirchenbüchern der zuständigen Pfarrei gefunden werden.  Michelau im Steigerwald  war und ist auch heute noch eine Kuratie (Filiale) der Pfarrei aus Dingolshausen. Die Kirchenbücher dieser Pfarrei aus jenen Zeiten befinden sich zur Zeit im Diözesan-Archiv des Bischöflichen Ordinariats Würzburg, wo man sie auf Mikrofiches einsehen kann. Auf diesen ist unmissverständlich dokumentarisch belegt, dass die Urheimat des Rekascher Hengelmann-Stamms Michelau im Steigerwald (Unterfranken) ist. Alle nach Rekasch ausgewanderten Henkelmanns, wie auch ihre Eltern, erblickten hier das Licht der Welt.

München 2001                                                                                                               Anton Zollner

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