M i t t e l a l t e r l i c h e   B u r g e n

auf dem Gebiet des rumänischen Banats

Auf dem Gebiet des Banats wurden schon in den frühesten Zeiten Wehranlagen errichtet. Da dieser Landschaft schon immer eine bedeutende Abwehrfunktion zustand, war auch die Zahl der hier errichteten Burgen beträchtlich. Laut Dr. Theodor N. Trâpcea soll es im 14. Jahrhundert allein im späteren rumänischen Landkreis Temesch-Torontal 30 Burgen gegeben haben. Einige Banater Burgen sollen laut demselben Autor schon vor der Besetzung dieses Gebiets  durch die Ungarn errichtet worden sein, andere in späteren Jahren, nach dem Rückzug der Tataren (1242). Die meisten davon waren königliche Burgen, die dem ungarischen König, vertreten durch dem Kastellan (Burgvogt) unterstellt waren. Die anderen waren feudale Burgen und befanden sich auf dem Besitz eines Gutsherren. Ein Teil der Leibeigenen musste Wehrdienst leisten, aus welchem Grund sie „Burgjobagen“ genannt wurden. Die Burgen trugen damals verschiedene ungarische Namen, heute aber benennt man sie nach dem Ort, in dessen Nähe sich jetzt ihre Ruinen befinden. Da sich die meisten Burgruinen heute in fast rein rumänischen Gebieten befinden, tragen sie zur Zeit fast ausschließlich rumänische Namen. Ausnahme bilden nur diejenigen, die in der Nähe der jugoslawischen Grenze liegen und so serbische Namen erhalten haben.

Wegen der Überfälle der Bulgaren, Petschenegen, Kumanen u. a. schenkten die ungarischen Könige  den Banater Burgen eine besondere Aufmerksamkeit. . Der ungarische König hatte deswegen nach 1228 auch das Severiner Banat eingerichtet , dessen Sitz die Burg Severyn (heute Turnu Severin) war. Das Severiner Banat ist seit 1233 dokumentarisch belegt. Zu diesem gehörten auch noch die Burgen Sente Peters (Sankt-Peter – heute unbekannt), Sajan (heute in Serbien), Goryn oder Gewren (ung.: Göreny; rum.: Gureni), Orswa (Orschowa) und Myhalt oder Mihald (Mehadia). Die Residenzburg und die zwei letzten befanden sich in königlichem Besitz. Weitere Burgen, die zum Schutz der Südgrenze des Banats errichtet wurden, sind folgende: Peczsch (Peci bei Ogradena), Zynicze (Trikule bei Svinita), Stanilocz (nicht festzustellen), Dranko (Drenkowa), Lybrasd (Liuborajdia?), Sand Ladislaen/Sankt-Ladislaus (ung.:Szentlászló; heute: Coronini) und Pozsaszin (Pojejena). An der Nordgrenze entlang der Marosch standen folgende Burgen: Tschanad/Csanád, Orod (Arad), Lippa, Schoimosch/Solymos und Chelmac. Das „Tor zu Siebenbürgen“ ist von Hellburg (Világos-er Burg) aus überwacht worden. Im Inneren des Banats befanden sich die königliche Burgen Halmas oder Halmosd (Almas), Crassove (Karaschowa), Sebes (Karán-Sebes?) und Lugosch, wie auch die feudalen Burgen Tschakowa/Csakovár und Bokschan. Weitere Burgen waren noch in Monostor/Manastur, Pokolfalú/Ruieni und Marzsina/Margina.

Das Vordringen der Osmanen in Richtung Abendland konnte leider keine Banater Burg verhindern. 1524-26 fielen die Severiner und Orschowaer Burgen, 1552 auch die Temeschburger. Bald darauf konnten auch die an der Marosch gelegenen Burgen den Ansturm nicht mehr standhalten. Von der Türkeninvasion unbehelligt blieben nur jene, die sich zwischen Lugosch und Fatschet befanden, da sie im Besitz des mit den Türken verbündeten Siebenbürger Fürstentums waren.

Mittelalterliche Burgen im rumänischen Banat und in der Umgebung

Während der Türkenherrschaft verminderte sich allmählich die Bedeutung der Burgen, sie wurden mit der Zeit vernachlässigt. Durch die Vervollkommnung der Artillerie waren sie dem Feind immer schutzloser ausgesetzt. Eine besondere Rolle spielten im 18. Jahrhundert während der österreichisch-türkischen Kriege nur die Burgen von Temeschburg, Lugosch und Mehadia. Der Frieden von Karlowitz (1699) und der von Belgrad (1739) führten schließlich zum Abbruch der Banater Burgen, weil sie im Grenzgebiet der beiden Großmächten lagen. Nur wenige der Burgen konnten durch die Hinterlist der jeweiligen Kriegspartei von der Zerstörung bewahrt bleiben. Diese fielen aber bis zuletzt der Witterung oder den Baumaterialsammlern zum Opfer.

Über die Architektur dieser Zeugen der Banater Geschichte weiß man in den meisten Fällen nur sehr wenig, da bis heute fast nur bedeutungslose Überreste erhalten blieben. Dr. Trâpcea behauptet, dass es folgende Bautypen gegeben hat:
1.- Einfache mit Wasser versorgte Beobachtungstürme mit dicken Mauern und einem unterirdischen Schutzraum (wie Ruieni, u. a.), aber auch etwas besser ausgestattete Wehrburgen (wie Bokschan, Manastur, Peci u. a.).
2.- Nach abendländischem Vorbild (besonders italienisch) erbaute Burgen, die mit einem Mauerwall, davor mit einem Wassergraben und mit Beobachtungstürmen versehen waren (wie Severin, Schoimosch, Lippa und Temeschburg).
3.- Vauban’sche Burgen, die mit dem Gelände angepassten „Bastionär-System“ ausgestattet waren (wie Ada-Kaleh und Temeschburg). Dieses System bestimmte  fast zwei Jahrhunderte lang den europäischen Festungsbau.

Als Baumaterial wurde meistens Stein und Fels benützt, nur selten mit Brennziegeln gemischt. Nur beim Bau der Festungen von Temeschburg und auf der Insel Ada-Kaleh wurden ausschließlich Brennziegeln verwendet, die Ecken waren aus Stein. Als Bindematerial verwendete man meistens den „warmen Mörtel“. Diese Mischung war so dauerhaft, dass es in einigen Fällen die auf dieser Art errichtet Mauern nicht mehr abgetragen werden konnten.

1991                                                                                                                         Anton Zollner
 

Mittelalterliche Burgen im rumänischen Banat und in der Umgebung:
 
 

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