DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES ARADER GEBIETS (3)
P a u l i s c h

Die heutige Ortschaft Paulisch (heute: Paulis; ung.: Pálos) liegt genau am südlichsten Teil des Streifens, der die Theißebene vom Zarander Gebirge trennt, also im Arader Weinbaugebiet. Der heutige Gemeindesitz erstreckt sich am rechten Maroschufer zwischen dem nördlichen Grenzfluss des Banats und den südwestlichen Ausläufern des Zarander Gebirges. Die Ortschaft wird von der Landstraße DN7 Arad – Deva – Bukarest, die zugleich ein Teil der Europastraße E-68 ist, durchquert. Paulisch ist auch an das Eisenbahnnetz über die Strecke Arad – Deva angeschlossen. Durch die Dorfmitte fuhr bis 1985 auch die „Elektrische“ auf der Teilstrecke Gyorok – Radna (Lippa).

Das heutige Paulisch entstand aus den nach dem 2. Weltkrieg zusammengeschlossenen Dörfern Alt- und dem fast ausschließlich von Deutschen bewohnten Neu-Paulisch. Alt-Paulisch war vor der Ansiedlung der Deutschen in Neu-Paulisch ein rumänisches Dorf. Laut Luzian Geier sind die ersten Deutschen im nördlich von Alt-Paulisch neuangelegten Dorf 1784 angesiedelt worden. Nach Anton P. Petri soll die Ansiedlung von 1784 bis 1786 vorwiegend mit Kolonisten aus dem „Reich“ stattgefunden haben. Das unregelmäßige Straßendorf hat seinen Platz am westlichen Hang der Ausläufer der Zarander Gebirge gefunden.

Nach Luzian Geier sollen die Einwohner der beiden Dörfer 1850 folgende ethnische Struktur gehabt haben: Alt-Paulisch – 1.758 Rumänen, etwa 300 Deutsche und 20 Juden; Neu-Paulisch – 406 Deutsche und 10 Rumänen. 1910 stellten die 351 Deutschen aus Alt-Paulisch einen Bevölkerungsteil von 14 Prozent, während die 445 aus Neu-Paulisch einen Anteil von 91,7 Prozent hatten. Bis 1940 übertraf die Zahl der Deutschen aus Alt- (Rumänisch-)-Paulisch mit 416 Personen, die der Deutschen aus Neu- (Deutsch-)-Paulisch, die inzwischen auf 404 gesunken war. Im Jahre 1977 hatte das nun zusammengeschlossene Paulisch 2.061 Einwohner, von denen 1.540 Rumänen, 428 Deutsche und 83 Ungarn waren. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den 1.812 Einwohnern noch 114 Personen zum Deutschtum. Die Zahl der Rumänen ist inzwischen auf 1.565 und die der Ungarn auf 88 gestiegen, zugleich bekannten sich auch 36 Zigeuner zu ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Paulisch waren bis Februar 1996 nur mehr 68 Deutsche im Heimatort verblieben. Im zur Gemeinde Paulisch gehörenden rumänischen Dorf Sâmbateni (ung.: Szabadhely) ließen sich 1940  20 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren.

Neben den Kolonistenhäusern hatte man 1785 in Neu-Paulisch auch ein Schulhaus errichtet, das zeitweilig zugleich auch als Bethaus diente. Einen deutschen Schulunterricht gab es nur im deutschen Neu-Paulisch; die dortige konfessionelle Schule ist 1900 verstaatlicht worden. Laut Geier hatte der Lehrer Johann Reppmann im Schuljahr 1851-52 von den 217 schulpflichtigen Kindern nur 137 unterrichtet.

Sowohl die Katholiken aus Alt- als auch die aus Neu-Paulisch bildeten je eine Filiale der Gyoroker Pfarrei, wo auch die Kirchenmatrikelbücher geführt wurden. 1879, also 95 Jahre nach der Ansiedlung der Deutschen, errichtete man in Neu-Paulisch mit Hilfe des Bischofs Alexander Bonnaz das auch heute noch stehende Kirchlein, das dem Hl. Martin geweiht wurde.

Über die Pflege des Deutschtums in Paulisch ist in der rumäniendeutschen Presse der letzten 20 Jahre absolut nichts berichtet worden. Über die Geschehnisse aus dem heutigen Paulis berichten gelegentlich nur die rumänischen Arader Zeitungen. Aber auch die Temeschburger „Renasterea banateana“ (Banater Wiedergeburt) vom 13. September 1997 huldigte die „Helden“ der Schlacht, die vom 13. bis zum 20. September 1944 in der Nähe von Paulisch stattfand, und bei der die Schüler der Radnaer Offizierschule den Vorstoß der ungarischen Truppen mit ihren einfachen Gewehren stoppen mussten. In den Jahren der Ceausescu-Diktatur ist zur Erinnerung an diese Schlacht neben Paulisch, entlang der Landstraße Arad – Deva, ein großes Denkmal errichtet worden.

Im Januar 1999 war aus der Arader rumänischen Zeitung „Adevarul“ (Die Wahrheit) zu erfahren, dass auch in Paulisch, wie in vielen anderen banater Dörfern, die Einwohnerzahl ständig sinkt. Im Jahre 1998 sind hier 76 Todesfälle registriert worden, davon waren 7 Kinder, die bei Verkehrsunfällen verstorben sind. Im selben Jahr kamen nur 64 Kinder zur Welt, und die Zahl der Eheschließungen belief sich auf nur 28 Paaren. In einer anderen Ausgabe  berichtete dieselbe Zeitung aus dem Wirtschaftsleben der Gemeinde. Die Schlussfolgerung des Autors der Reportage war, dass in Paulisch die Viehzucht unrentabel geworden sei. Ionel Avramut soll 1999 im Kreis Arad einer der wenigen Züchter der Rinderrasse Holstein gewesen sein. Die ersten Kühe dieser Rasse schaffte er sich schon 1980 an. Bis März 1999 stieg sein Viehbestand auf 9 Kühen und 6 Kälbern. Die Kühe lieferten ihm 80 bis 100 Liter Milch, von denen er die Hälfte an die Kälber verfütterte. Den Rest verkaufte er den Dorfbewohnern. Dem Milchverarbeitungsbetrieb wollte er keine Milch mehr abgeben, da dieser mit der Erstattung des Lieferpreises ständig im Rückstand war. Bald musste Avramut aber feststellen, dass seine „Viehfarm“ ihm nur Verluste einbringt. Er verfütterte an seine Tiere täglich 60 kg Mais und Weizen, die er auf seinem 6 Hektar großen Ackerland erzeugte. Das Einkommen durch den Verkauf der Milch deckte mit der Zeit wegen der hohen Preise der mechanisierten Feldarbeiten und dem teuren Treibstoff nicht mehr die Produktionskosten. Dazu fand der Bauer auch keine Gemeinde mehr, die ihm die Bullen zwecks Fortpflanzung aufgekauft hätte. Aus diesem Grund mussten auch diese unrentabel geschlachtet werden. Nach alldem überlegte der „Farmer“ die Aufgabe seines Unternehmens.

Einige Tage später berichtete dieselbe Zeitung über den Ärger, den der damalige Paulischer Bürgermeister Eduard Cucos mit den Bürgern der Gemeinde hatte. Die Neubürger Paulisch’s hatten mit der Reinigung der Straßen vor ihren Häusern nicht viel am Hut. Sie wollten ihren Anteil nicht regelmäßig kehren und auch die Abflussgräben des Regenwassers nicht reinigen und instandhalten. Deswegen beschloss der Gemeinderat, diese Versäumnisse mit Strafgeldern zu ahnden. Da aber fast keiner der Bestraften über das nötige Geld für seine eigenen Bedürfnisse hatten, konnten sie auch die verhängten Bußgelder nicht bezahlen. Auf diese Weise blieben die Dorfstassen auch weiterhin verschmutzt und von Wasserpfützen übersät.

Schließlich verkündete die „Adevarul“ im Dezember 2000, dass in Paulisch zwecks Trinkwasserversorgung 14 neue Brunnen auf den Dorfstraßen ihrer Bestimmung übergeben wurden. Die finanziellen Mittel für die Errichtung der Brunnen sind in Bukarest bereitgestellt worden. Doch bald danach hatte man beschlossen, in Paulisch ein Trinkwassernetz zu errichten. Ob man da auch eine Rentabilität der Wasserversorgung vor den Augen hatte, war aus der Presse nicht zu erfahren.

Auch in der nördlich von Paulisch gelegenen Nachbargemeinde Gyorok (auch ungarisch so, amtlich: Ghioroc), zu der auch die Dörfer Minisch (amtlich: Minis; ung.: Ménes) und Cuvin (ung.: Aradkövi) gehören, lebten einst Deutsche. Diese Ortschaften liegen entlang der „Elektrischen“, deren Teilstrecke von Gyorok bis Pankota durch das Arader Weinbaugebiet führt. In Gyorok ist schon 1736 eine katholische Pfarrei gegründet worden, und 1757 hatte man hier die Kirchenmatrikelbücher eingeführt. 1910 stellten die 62 in Gyorok lebenden Deutschen einen Bevölkerungsanteil von 2,6 Prozent. Bis 1930 stiegen diese Zahlen auf 73 Personen bzw. 3,8 Prozent. Erst 1940 war ein bedeutender Anstieg der Zahl der Deutschen festzustellen; bei der damaligen Volkszählung hatte man 233 Deutsche registriert. In den Dörfern Minisch und Cuvin  ließen sich im November 1940  31 bzw. 17 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Aus der Nachkriegszeit sind dem Verfasser dieses Beitrags keine weiteren diesbezügliche Daten bekannt.

Nördlich von den vorher genannten Ortschaften liegt entlang der Strecke der „Elektrischen“ die Ortschaft Covasint (ung.: Kovaszincz). Auch hier ließen sich im November 1940  29 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Laut Angaben des Arader Kreisrats sollen sich hier bei der Volkszählung vom Januar 1992 noch immer 3 der 2.837 Dorfbewohner zum Deutschtum bekannt haben.

Oktober 2002                                                                                                       Anton Zollner