DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (102)
 W i s e s c h d i a

Das Heidedorf Wiseschdia (amtlich: Vizejdia; ung.: Vizesd) ist eines der vier Ortschaften, die zur Gemeinde Lowrin gehören. Das einstige Schwabendorf liegt im Theiß-Marosch-Winkel, auf einem gewesenen Feuchtland, das durch Entwässerung zu einem ertragreichen Ackerland gemacht wurde. Das Dorf ist verkehrsmäßig nur über einer mit Schotter bedeckten Kommunalstraße mit dem gewesenen Schwabendorf Gottlob verbunden. Dokumentarisch belegt ist die Ortschaft seit der Mitte des 16. Jahrhunderts, als es den Namen Vizesgyan trug. Nach Michael Labling sollen es hier 1560 „11 Hofstellen" gegeben haben, aber das Jahr der dokumentarischen Attestierung wird von verschiedenen Autoren unterschiedlich angegeben. Während der Türkenherrschaft entvölkerte sich die Siedlung, so daß Wiseschdia auf der Mercy-Karte als unbewohnter Ort gekennzeichnet ist.

Laut Karl Kraushaar soll 1767 auf dem Prädium „Vizesdia" der Bau von Kolonistenhäusern geplant worden sein, wozu es aber nicht mehr gekommen war. Der Grundbesitzer der Pußta, Graf Nikolaus Markowitsch de Spitza, siedelte hier um 1786 anfangs Ungarn, Bulgaren und Serben an, später kamen durch Binnenwanderung auch Deutsche hinzu. Die meisten kamen aus den benachbarten Schwabendörfern, nur wenige aus Böhmen, Mähren und Franken.

Die katholischen Gläubigen aus Wiseschdia bildeten eine Filiale der Gottlober Pfarrei. 1804 ist auch hier das Kirchenmatrikelbuch eingeführt worden. Anfangs gab es im Dorf nur ein Bethaus, an dessen Stelle heute ein Wegkreuz steht. 1893-94 ist die heutige Kirche erbaut worden, aber ein Pfarrhaus gab es hier nie.

1890 war Wiseschdia Gemeindesitz und gehörte zum Torontaler Komitat. In jenem Jahr bestand die Bevölkerung der Ortschaft aus 879 Personen. 1910 stellten die 567 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von über 63 Prozent. Ihr Anteil stieg bis 1930 zwar auf etwa 75 Prozent, aber ihre Zahl betrug damals nur 603 Seelen. Im November 1940 sind hier 625 deutsche Volkszugehörige registriert worden. Nach dem 2. Weltkrieg begann nicht nur die Zahl der Deutschen drastisch zu sinken, sondern auch die gesamte Einwohnerzahl. 1977 lebten in Wiseschdia unter den 422 Dorfbewohnern noch 335 Deutsche, die noch immer einen Bevölkerungsanteil von fast 80 Prozent stellten. Die Zahl der Rumänen lag damals bei 64, aber ihre Zahl stieg in den nächsten 15 Jahren durch Zuwanderungen auf 209. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich im einstigen Schwabendorf von insgesamt 302 (!) Einwohnern 53 Personen zum Deutschtum. Zur gleichen Zeit war in der „Neuen Banater Zeitung" zu lesen, daß damals in Wiseschdia nur noch 25 Deutsche lebten. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Wiseschdia sind bis Februar 1996 im Heimatort nur noch 11 Deutsche verblieben gewesen.

Ein deutsches Gemeinschaftsleben gibt es in Wiseschdia seit langem nicht mehr. Seit 1972 besteht hier kein deutscher Schulunterricht mehr, und der deutsche Kindergarten wurde auch zwei Jahre später aufgelöst. Als letztes Zeugnis des einstigen Deutschtums steht nur noch die sehr restaurierungsbedürftige Kirche und der Friedhof da. Zwar ist das Gotteshaus 1993 mit Hilfe von Spenden der einstigen Pfarrkinder repariert worden, aber schon 1997 mußte festgestellt werden, daß das Gotteshaus keinen Turmkreuz mehr hat. 1997 und 1998 ist die Kirche von Einbrechern heimgesucht worden, die für immer währende Schäden verursacht haben. Im März 1997 hatten die Einbrecher eine Marien-Statue des Seitenaltars und die Kerzenständer des Hauptaltars gestohlen. Der nächste Einbruch erfolgte in der Nacht des 14./15. Dezember 1998.

Schon 1992 beschrieb Dr. Edgar Herbeck, der damalige Vorsitzende des Gottlober Ortsforums der Deutschen, Wiseschdia als eine Ruinenortschaft. Damals hatte dieses Forum auch 6 bis 7 Mitglieder aus diesem Nachbardorf, wobei ein anderer Teil sich lieber dem Lowriner Ortsforum angeschlossen hatte.

Trotz ständig sinkender Einwohnerzahl berichteten die zwei Lowriner Bürgermeister (der eine bis 1996, der andere danach) in den rumänischen Temeschburger Tageszeitungen über ihre Leistungen, die sie für Wiseschdia brachten. Der erstere, Stere Rosu, wollte 1994 das hiesige Kulturheim reparieren lassen, doch fehlte ihm das nötige Geld. Bis Ende 1995 konnte die Grundschule repariert werden, an der 5 Jahre lang keine Instandhaltungsarbeiten mehr durchgeführt worden sind. Ab der 5. Klasse müssen aber 38 Schüler sowohl bei heißem Sonnenschein als auch bei Regen und Schnee zu Fuß auf der nichtasphaltierten Kommunalstraße täglich die Gottlober Allgemeinschule besuchen. Das Gemeindeoberhaupt entschuldigte sich in der Zeitung für diese Lage, aber mehr Geld hatte es nicht zur Verfügung. Dafür ist er aber stolz auf die unter seiner Führung gebohrten Brunnen, die zur Einführung eines Trinkwassernetzes dienen sollen. Das Netz ist aber unter der Regie des 1996 gewählten Bürgermeisters Gheorghe Nastor in Betrieb gesetzt worden. Dieser wollte auch die Machenschaften, die hier bei der Durchführung des Bodengesetzes verübt wurden, ans Tageslicht bringen und die ganze Bodenverteilung noch einmal überprüfen. Eigentlich geht es dabei um die einstigen Felder der Banater Schwaben aus dem einstigen Schwabendorf Wiseschdia.

Mai 1999                                                                                                                     Anton Zollner