DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (25)
 U l m b a c h / Neu-Petsch

Ulmbach (heute: Peciu Nou; ung.: Újpécs) wurde laut Anton Krämer 1724 von 90 deutschen Kolonistenfamilien in der Nähe des mittelalterlichen „Uibech" (ließ: Ujbetsch) gegründet. Die deutschen Ansiedler des ungarischen „Új-Bécs" nannten ihre neue Siedlung „Neu-Wien". 1842 bekam das deutsche Dorf die Benennung Újpécs, aus dem das deutsche Neu-Petsch und das rumänische Peciu Nou wurde. 1923, anläßlich der 200. Jahresfeier der Einwanderung der Deutschen, führten diese den Ortsnamen Ulmbach ein.

Spätere Zuwanderungen während der „Schwabenzüge" waren nicht verzeichnet worden, aber die Einwohnerzahl stieg ständig trotz einiger Abwanderungen in die Nachbarorte. 1879 lebten in Neu-Petsch schon 1.885 Personen und 1900 sogar schon 2.300. 1910 zählte man hier 2.435 Deutsche, die einen Bevölkerungsanteil von 91,2 Prozent stellten. 1940 bestand die nur von serbischen und rumänischen Siedlungen umgebenen Ortschaft aus 617 Häuser, in denen 2.576 Einwohner lebten, 2.510 davon waren Deutsche.

Als Folge der Einwirkungen des 2. Weltkrieges sank die Zahl der Deutschen bis zum Jahr 1950 auf 1.531 Seelen, und gleichzeitig stieg die der Rumänen auf 1.551. Dank späterer Zuwanderungen aus anderen abgelegenen Dörfern stieg dann die Zahl der deutschen Einwohnern wieder auf etwa 2.000. Während der nächsten Jahre nahm die Zahl der Deutschen aus Ulmbach wieder ab, so daß bei der Volkszählung von 1977 von den 3.619 Einwohnern nur 1.592 Deutsche waren; den Rest bildeten 1.756 Rumänen, 159 Serben, 93 Ungarn und 19 Sonstige. Nach dem Sturz Ceausescus konnte man in der gewesenen deutschen Ortschaft nur noch 134 „Neue Banater Zeitung" (NBZ)-Abonnenten verzeichnen.

Auch in den zur Gemeinde Ulmbach gehörenden serbischen Dörfern Diniasch und Serbisch-Sankt-Martin bekannten sich 1992 einzelne Personen zum Deutschtum: 3 bzw. 4. Im letzteren ließen sich schon 1940  12 Personen als deutsche Volkszugehörige eintragen.

Grete Lambert berichtete in der NBZ vom 5. Dezember 1991 aus Ulmbach, daß es zu jener Zeit im Ort noch etwa 30 Deutsche gegeben habe, wovon noch einige auswandern wollten. Nur drei Personen, Katharina Becker, Anna Rieser und die Lehrerin in Ruhestand Hilde Umstädter wollten als Alleinstehende im Heimatort ausharren. Trotz dieser konkreten Angaben, bekannten sich bei der Volkszählung von Januar 1992 doch 118 Personen zum Deutschtum. Neben diesen lebten damals in Ulmbach 2.502 Rumänen, 196 Serben, 85 Ungarn, 22 Zigeuner und 21 Sonstige. Laut Josef Kupi sollen heute hier noch 32 deutsche Rentner leben, von denen 4 auswandern wollen. Der Rest der Deutschen lebe in Mischehen, zu diesem Kreis sollen ebenfalls 32 Personen gehören, von denen inzwischen weitere 24 Personen nach Deutschland auswandern wollen. Laut demselben Autor gibt es aus diesen Mischehen auch 25 Nachkommen von denen aber lediglich 4 nicht ans Auswandern denken.

Da ist es auch nicht verwunderlich, daß hier kein Ortsforum der Banater Deutschen gegründet werden konnte. Die letzte Kirchweih wurde 1990, noch bevor die Massenauswanderung voll einsetzte, gefeiert. Wie die NBZ-Journalistin berichtete, gab es Ende des Jahres 1991 in Ulmbach auch noch fünf aus Mischehen stammende deutsche Schüler, die von der Hilfslehrerin Marianne Straton unterrichtet wurden. 1970 lernten hier noch 250 deutsche Schüler, an der Gesamtschülerzahl von 430 hat sich seitdem nichts geändert. Laut Grete Lambert sollte sich Ulmbach damals im Gegensatz zu anderen gewesenen deutschen Dörfern nicht in einem verwahrlosten Zustand befunden haben. Die Neubürger von „Peciu Nou" sollen sich villenartige Häuser gebaut und die alten sogar gepflegt haben. Da sie nun die überwiegende Mehrheit der Dorfbewohner bilden, haben sie sich 1991 vorgenommen, eine orthodoxe Kirche zu bauen. Zu jener Zeit gab es auch 80 Katholiken im Ort, in der Mehrheit Rumänen. Die katholische Kirche wurde aber nur noch von höchstens zehn Gläubigen besucht. Als Seelsorger war hier Ende 1991 der 71-jährige Pfarrer Johann Korner tätig, der aber neben Ulmbach auch Cruceni (ung.: Torontálkeresztes), Giulweß und Paratz zu betreuen hatte. Heute hat Ulmbach keinen Seelsorger mehr. So endete nun die Geschichte der 1335 existierenden und 1724 neugegründeten Neu-Petscher/Ulmbacher Pfarrei.

Zu den „Neudeutschen" Ulmbachs könnte sich wahrscheinlich auch der 1926 aus Siebenbürgen zugewanderte Vasile Ilea gezählt haben. Er verriet im August 1993 dem Reporter der rumänischen Tageszeitung „Timisoara", daß auch sein Sohn vor fünf Jahren nach Deutschland geflohen sei. Da soll er als Eisendreher monatlich 3.500 DM verdienen. Er war gerade auf Besuch mit einem funkelnagelneuen „Mercedes", den er für 34.000 DM gekauft hatte. Während des Gesprächs mit dem „Timisoara"-Reporter beschrieb der Rumäne das tägliche Leben Ulmbachs, das nun ohne den Deutschen verläuft. Er tröstete sich aber schließlich mit den Worten: „Auch der Rumäne kann gut wirtschaften, nicht nur der Deutsche". Aus einem Bericht derselben Zeitung vom 19. April 1994 ist zu entnehmen, daß der heutige Bürgermeister Ulmbachs der Serbe Zvetomir Stanoiev und sein Vize der Rumäne Ionel Margarit ist. 1993 hat die Gemeinde Ulmbach mit dem österreichischen Lorenzen eine Partnerschaft geschlossen, mit der Hoffnung, davon zu profitieren. Große Sorgen bereiten dem Gemeindeoberhaupt die 200 enteigneten deutschen Häuser mit den dazugehörenden Gärten. Sie können mangels entsprechender Gesetze nicht verkauft werden, und so muß die Gemeinde für ihre Instandhaltung sorgen.

In Ulmbach wurden sechs Landwirtschaftsvereine gegründet, die im vorigen Jahr eine reiche Ernte einfuhren: 4.000 kg Gerste, 4.800 kg. Mais und 2.000 kg Sonnenblumen pro Hektar. Im Privatbesitz der Bauern befinden sich 100 Traktoren und 15 Mähdrescher. Zum Gewerbe Ulmbachs gehören heute eine Mühle, eine Ölpresse, eine Sirupfabrik und eine Möbeltischlerei. Der Handel wird in den 30 Kaufläden des Ortes abgewickelt. In diesem Jahr soll hier auch eine Zweigstelle der Landwirtschaftsbank eingerichtet werden. Die Verkehrsstraßen befinden sich in einem schlechten Zustand, doch es mangelt an Geld für ihre Instandhaltung. Mit den 3 Millionen Lei Zuschuß aus dem Staatsbudget konnte man kaum etwas anfangen. Im Sommer wird auch das Trinkwasser regelmäßig knapp, und der Anschluß der Ortschaft an das Erdgasnetz wurde seit vier Jahren von Bukarest noch immer nicht genehmigt.

Es scheint, als hätte sich in den fünf Jahren der „postkommunistischen" Zeit auch in Ulmbach nichts geändert. Aus heutiger Sicht kann man behaupten, daß die Massenauswanderung der Deutschen aus dem Banat auf Dauer als gerechtfertigt betrachtet werden muß.

Oktober 1994                                                                                                            Anton Zollner