DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (80)
 T s c h a k o w a

Die Großgemeinde Tschakowa (selten auch Tschakoburg; amtlich: Ciacova, ung.: Csák, Csákova oder Csákovár) liegt in der Banater Ebene 32 km südlich von Temeschburg, zwischen dem Fluß Temesch und der Europastraße E-70. Dokumentarisch belegt wurde die Ortschaft als Wehrburg schon im Mittelalter, aber über das Jahr sind sich die Quellen nicht einig. Gheorghe Drinovan behautet, daß sie 1222 attestiert wurde, Aneta Ursu schreibt aber in der Tageszeitung „Realitatea banateana" (Banater Realität) vom 27. November 1995, daß die Burg Tschakowa zum erstenmal 1243 erwähnt wurde, und zwar in einer Urkunde, in der König Béla IV. die Festigung der Temescher Burgen verordnet hatte. Tschakowa ist 1333 auch im päpstlichen Zehentregister als katholische Pfarrei verzeichnet worden. Die Pfarrei ist während der Türkenherrschaft aufgelöst worden und 1724 hatte man sie durch die Ansiedlung von deutschen Kolonisten wieder restauriert. Im selben Jahr wurden hier auch die Kirchenmatrikelbücher eingeführt.

Über die in den Jahren 1390-95 errichtete Burg, deren Turm als „Kula" bekannt ist, und über den Ursprung der Burgbenennung wurde im „Donauschwaben" Nr. 15 vom 12. April 1994 geschrieben. Trotz der oben genannten Attestierungsjahren hatte man in Tschakowa am 26. November 1995 ganz aufwendig das 600. Jubiläum der „dokumentarischen Erwähnung der Festung Tschakowa" begangen. Nach der Befreiung des Banats vom türkischen Joch, als Graf Mercy eine geordnete Landesverwaltung einführte, befand sich auch Tschakowa unter den 12 neugegründeten Distrikten des Banats. Als Großgemeinde ist Tschakowa bis zur Ceausescu-Ära ein Verwaltungssitz geblieben, sogar dann, als die heutige Stadt Detta diese Funktion zeitweilig verloren hatte. Bis zum Anschluß des Banats an Rumänien war es Sitz eines Ispanats im Komitat Temesch gewesen. Nach dem Anschluß blieb es bis zur Machtübernahme durch die Kommunisten Sitz des Stuhlbezirks (plasa), danach war es Sitz des Rayons mit demselben Namen. Erst Ceausescu ließ Tschakowa zu einem einfachen Gemeindezentrum herunterkommen.

Tschakowa gehörte zu den ersten ländlichen Ortschaften des Banats, wo neben der einheimischen Bevölkerung Deutsche angesiedelt und wo eine katholische Pfarrei eingerichtet wurde. Graf Mercy ließ unter anderen auch im Tschakowaer Distrikt Maulbeerbäume pflanzen, um die Seidenraupenzucht einzuführen. Dafür sind hier als Kenner dieses Fachs Italiener und Spanier angesiedelt worden, die aber im Laufe der Zeit von den Deutschen assimiliert wurden. Laut Karl Kraushaar ist die Ortschaft 1787 um 16 deutsche Häuser erweitert worden. Zwecks Homogenisierung der neuen Siedlungen hatte man um 1790  27 deutsche Familien aus Oberungarn hierher versetzt. Trotzdem blieb Tschakowa immer eine Ortschaft, in der Angehörige verschiedener Volkszugehörigkeit nebeneinander lebten: Deutsche, Rumänen, Ungarn, Serben, Slowaken, Zigeuner und Juden.

Wegen den in der Umgebung von Tschakowa herrschenden Sumpfkrankheiten, hatte man schon 1795 eine Apotheke eingerichtet, die den Namen „Heilig Dreifaltigkeit" trug. Diese Apotheke wurde erst von den Kommunisten in eine Buchhandlung umgewandelt, heute funktioniert aber in denselben Räumen die private Apotheke „Sfânta Treime" (Heilig Dreifaltigkeit), wo auch heute noch viele ursprüngliche Bauelemente erhalten geblieben sind. Praktisch gab es in Tschakowa schon seit 1743 eine Feldapotheke zweier Husarenbataillone, die aber auch die Zivilbevölkerung mit Arzneimitteln versorgte. Die zweite Apotheke ist hier am 19 Dezember 1888 mit dem Namen „Goldkreuz" eingerichtet worden. Diese ist auch im Kommunismus verstaatlicht und mit dem Bezeichnung „Nr. 22" erhalten geblieben. Nach dem Umsturz von 1989 ist diese Apotheke privatisiert auf den Namen „Medeia" umbenannt worden. 1885 ist hier eine Landwirtschaftsschule gegründet worden, die zur Zeit als Landwirtschafts-Lyzeum fungiert. 1895 ist das Gebäude der konfessionellen katholischen Mädchenschule errichtet worden, in dem seit 1956 das Theoretische Lyzeum untergebracht ist.

Im Jahre 1910 stellten die 2.233 in Tschakowa lebenden Deutschen einen Bevölkerungsanteil von über 50 Prozent. Von da an sank ihre Zahl ständig bis zum heutigen Tag. Im November 1940 wurden hier 1.955 deutsche Volkszugehörige erfaßt. Nach dem 2. Weltkrieg sank die Zahl der Deutschen, trotz vieler Zuwanderungen aus den nahegelegenen Dörfer ständig. 1977 konnte man bei einer Gesamtbevölkerung von 3.791 Personen nur noch 821 Deutsche zählen. In den nächsten fünfzehn Jahren, aber insbesondere 1990-91 verließen fast drei Viertel von ihnen die Heimatgemeinde. Im Januar 1992 lebten hier nur noch 221 Deutsche neben 1.991 Rumänen, 436 Ungarn, 169 Zigeunern, 115 Serben und 17 Sonstigen. Aber nach weiteren vier Jahren sank die Zahl der Deutschen wieder auf ein Viertel des Standes von 1992; im Februar 1996 lebten in Tschakowa nur noch 60 Personen deutscher Volkszugehörigkeit. Nach ihrer Religion gab es hier 1937  2.320 katholische und 1.324 orthodoxe Einwohner. 1940 lebten auch in den Dörfern aus der Umgebung einige Deutsche: in Cebza (ung.: Csebza) - 11 und in Macedonia (ung.: Maczedonia) - 11. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 hat sich in diesen Ortschaften je eine und in Petroman 2 Person zum Deutschtum bekannt. In Gilad (amtlich: Ghilad; ung.: Gilád) lebten schon 1910  338 Deutsche, die einen Bevölkerungsanteil von über 8 Prozent einnahmen. Im November 1940 ließen sich hier 375 Einwohner als deutsche Volkszugehörige registrieren. 1977 lebten in diesem überwiegend rumänischen Dorf noch 126 Deutsche. Bei der Volkszählung von 1992 bekannten sich in Gilad von den 1.842 Einwohnern nur noch 66 Personen zum Deutschtum.

In der heutigen banater Presse wird von allen Ortschaften über Tschakowa am häufigsten berichtet. Zu diesen Zeitungen gehören die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" (ADZ), die „Timisoara", die „Realitatea banateana" (Banater Realität) und insbesondere die „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt), die nur in den Jahren 1996-1997 zweiundzwanzigmal über Tschakowa berichtete.

Die Deutschen aus Tschakowa werden in der Presse leider kaum noch wahrgenommen, aber man assoziiert sie öfters mit dem hiesigen „Caritas"-Verein. Wie die ADZ vom 5. Juli 1995 berichtete, ist in Tschakowa am 11. Juni nach Jahren wieder die „Kerwei" gefeiert worden. Die Feier verlief im bescheidenen Rahmen, den heutigen Realitäten angepaßt: die Trachtenträger waren sieben Kirchweihpaare im Alter von 10 bis 16 Jahren. Wie in allen banater Ortschaften fehlt auch hier die Jugend. Da der hiesige Pfarrer, Generalvikar Georg Kobor, krank war, mußte die Festmesse von Pfarrer Johann Kapor zelebriert werden. Danach versammelten sich die Teilnehmer im „Caritas"-Haus, um hier bei Musik und Kuchen einen geselligen Nachmittag zu verbringen. Der Veranstalter war das hiesige Demokratische Forum der Deutschen unter der Leitung der Vorsitzenden Ingrid-Edith Millo und der Mitarbeit von Helga Meichel, Katharina Mészáros und Hildegard Galoz. Es scheint als wäre dies bis heute die letzte Kirchweih in Tschakowa gewesen.

Ein Bild Tschakowas von gestern und von heute schildert im Dezember 1996 Anca Aslau in der „Timisoara" in einer Reportage, die die Überschrift „Tschakowa - eine Ortschaft mit historischer Vergangenheit und mit ungewisser Zukunft" trägt. In dieser Ortschaft gab es einst Märkte, die fünf Tage lang dauerten, während dieser Tage wurden von hier etwa 80 Waggons mit Vieh abtransportiert. Vor dem 2. Weltkrieg gab es hier ein Hotel, 17 Gaststätten, von denen 11 rund um die Uhr geöffnet waren, und sogar eine Lokalzeitung. Die Kinder des Ortes und der Umgebung konnten schon damals das Theoretische Lyzeum oder die Landwirtschaftsschule besuchen. Mit dem Kriegsende kamen die Verschleppung der Deutschen nach Rußland, die Machtergreifung von den Kommunisten und das Ende eines blühenden Wirtschaftslebens.

Von den heutigen 2.949 Einwohnern Tschakowas überschreitet mehr als die Hälfte das 50. Lebensjahr. Das Ortsbild ist einem Alptraum ähnlich: verfallene Häuser, Bauruinen, verwahrloste Höfe, in Gedanken versunkene Menschen, überschwemmte Straßen und zu viele Zigeuner, die das Bild der Ortschaft prägen. Der 42-jährige Josef Holzinger äußerte seinen Unmut über die Bedingungen, in denen er jetzt leben muß. Die Abwässer der Bäckerei aus der Nachbarschaft machten seinen Garten unbenutzbar, und der Ruß, der aus dem Schornstein ohne Rauchfilter entweicht, schwärzt ihm nicht nur alle Gegenstände im Hof, sondern auch das Fell seines Hundes. Seine 73-jährige Mutter, mit der Holzinger zusammen unter einem Dach lebt, äußerte ihren Ärger indem sie sagte: „Als sie uns nach Rußland deportierten, haben sie uns zwangsverschleppt, jetzt aber wollen sie, daß wir freiwillig gehen".

Es scheint als gebe es zur Zeit in Tschakowa nur einen Menschen, der allen Notleidenden aus dem Ort, aus dem Banat und sogar im ganzen Land helfen will. Dieser Mensch ist der Ortspfarrer und „Caritas"-Direktor, Generalvikar und Ehrendomherr Georg Kobor. Er gründete hier den „Caritas"-Verein „Sanctus Gerhardus", der mit Hilfe von Spenden aus Deutschland und Österreich bewundernswerte karitative Leistungen vollbringt. Diese werden nicht nur von der ADZ mit vollem Recht gelobt, sondern auch von einer rumänischen Zeitung, wie die „Renasterea banateana". In den ersten 11 Monaten des Jahres 1996 hatte der Verein Hilfen im Wert von über 500 Millionen Lei an Menschen und Anstalten geleistet. Es wurden Mehl, Öl Zucker und Grieß, wie auch Getreide aus eigener Produktion an Notleidende verteilt. Unter den unterstützten Anstalten befinden sich die Armenküche, das Altenheim und das „Adam Müller-Guttenbrunn"Alten- und Pflegeheim aus Temeschburg, das Alten- und Pflegeheim, der Kindergarten und das Landwirtschafts-Lyzeum aus Tschakowa, das Heim für ausgesetzte Kinder aus Ulmbach, das Waisenhaus aus Varadia, die Nervenklinik aus Schebel u. v. a. Der Verein unterstützt bedürftige Menschen nicht nur mit Lebensmitteln, sondern auch mit Arzneimitteln, Kleidern und sogar mit Geld. Zu diesem Personenkreis gehören kranke und arbeitsunfähige Menschen, wie auch kinderreiche Familien. Getreide wurde aber auch an Bedürftige aus Nordsiebenbürgen und aus der Moldau verschickt.

Der Tschakowaer „Caritas"-Verein versorgt die sich in Not befindlichen Menschen nicht nur mit Sachspenden, sondern er ist für viele auch Arbeitgeber. Dafür werden große Ackerfelder bearbeitet, und man betreibt auch eine Tischlerei, eine Reparaturwerkstatt für Landwirtschaftsmaschinen, eine Baugruppe und andere Produktionsstätten. In diesen beschäftigt der Verein hauptsächlich volljährige Waisen, die ihre Heime verlassen mußten. Pfarrer Kobor gab ihnen nicht nur Arbeit sondern auch eine Unterkunft, wo sie bis zu ihrer vollständigen Integrierung in die Gesellschaft verbleiben können. In das „Caritas"-Alten- und Pflegeheim werden aber hauptsächlich alleinstehende, gebrechliche und pflegebedürftige Menschen aufgenommen.

Wie die „Renasterea banateana" vom 15. Juni 1996 berichtete, hatte der „Caritas"-Verein damals noch viel mehr vor. Man wollte auch für die Reinigung der Tschakowaer Straßen sorgen, wofür man die nötigen Geräte aus Deutschland erwartete. Der Verein sollte auch einen Bus einsetzen, der alle zur Gemeinde gehörenden Dörfer durch einen regelmäßigen Verkehr mit dem Gemeindezentrum verbinden sollte. Dieser sollte dann auch noch alle Schüler aus diesen Ortschaften kostenlos zur Schule fahren. Geplant soll auch eine Lokalzeitung und ein kleiner UKW-Sender, der nur die Gemeindefläche abdecken soll, gewesen sein. Meines Erachtens sind diese Vorhaben ein wenig zu optimistisch gestaltet worden, aber auch ohne diese kann man getrost behaupten, daß der Tschakowaer Geistliche ein Segen für Tschakowa und das ganze Banat darstellt.

Wie die ADZ vom 28. November 1995 berichtete, ist am 26. jenes Monats in Anwesenheit hoher in- und ausländischer Gäste die ärztliche Sozialstation des „Caritas"-Vereins eingeweiht worden. Gleichzeitig wurde die in der Ortsmitte stehende renovierte Mariensäule wieder eingeweiht. Den im Freien abgehaltenen Gottesdienst zelebrierten neben dem Ortspfarrer der katholische Diözesanbischof Sebastian Kräuter und der orthodoxe Metropolit Nicolae Corneanu. Die Sozialstation befindet sich im „Caritas"-Haus, ein Gebäude, das nun seit 1997 zu einem Zankapfel geworden ist. Wie es scheint, kann der entbrannte Streit nur noch von einem Richter geschlichtet werden.

Nach der Gründung des „Caritas"-Vereins, gleich nach dem Umbruch in Rumänien, war Pfarrer Kobor auf der Suche nach Räumlichkeiten, in denen der Verein untergebracht werden sollte. Dafür hatte man ein leeres und dem Verfall preisgegebenes einstöckiges Gebäude im Visier. Es war ein seit langem aufgegebenes Schulgebäude in der Carpati-Str. Nr. 6, das zwar als Eigentum des Theoretischen Lyzeums galt, in Wirklichkeit aber von Temeschburger IMAIA (= ein staatlicher Betrieb für die Mechanisierung der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie) als Reparaturwerkstätte benutzt war. Der Verein wollte dieses fast zur Ruine verfallene Gebäude von der Schule abkaufen, aber diese stimmte dem nicht zu. Schließlich wurde das Schulinspektorat des Kreises Temesch eingeschaltet, und nach einer Besichtigung vor Ort stimmte dieses durch seine Vertreter, Generalschulinspektor Ludwig Holzinger und Chefbuchhalter Vasile Rus dem Verkauf zu. Das Schulinspektorat hätte niemals das nötige Geld für eine Renovierung und Sanierung des Gebäudes aufbringen können. Nachdem dann auch das Ministerium für Unterricht und Wissenschaft den Verkauf schriftlich genehmigte, wurde das Haus am 11. September 1991 für 340.530 Lei versteigert. Der einzige anwesende Interessent war der „Caritas"-Verein, da sonst niemand bereit war, sein Geld in eine Ruine zu stecken. Nach der Unterschrift des Versteigerungsprotokolls nahm Pfarrer Kobor das nötige Geld als Kredit auf und ließ den Verkaufspreis auf das Konto des Tschakowaer Lyzeums überweisen. Danach ließ er auch das Gebäude im Grundbuch umschreiben. Ob bei diesem Handel alle gesetzliche Formalitäten erfüllt wurden, fragt man sich erst heute. Damals aber, als neuer Eigentümer des ehemaligen Schulgebäudes, ließ der „Caritas"-Verein die Renovierungs- und Sanierungsarbeiten sofort beginnen, und in nur zwei Jahren verwandelte er das Haus für eine Milliarde Lei (Stand vom 31.12.1996) zu einem „traumhaften Palast", wie es in Tschakowa keinen zweiten gibt. Man wäre aber nicht auf dem Balkan gewesen, wenn das aus einer Ruine zum Palast gewordene Gebäude keinen Neid erregt hätte. Nachdem man das renovierte Gebäude gesehen hat, will das Schulinspektorat den Verkauf nicht mehr anerkennen. Auch keiner seiner unterschriebenen Vertreter will nun etwas mit „dieser Sache" zu tun gehabt haben. Ansonsten pendelte der Kaufbetrag schon seit 1991 bis Februar 1997 (als der Bericht in der „Renasterea banateana" veröffentlicht wurde) vom Konto des Käufers auf dem des Verkäufers und zurück. Schließlich sollte man mit dem Fall vor den Richter gehen. Soll nun in Tschakowa das bekannte Sprichwort mit dem „Wenn man dich mit Brot bewirft, werfe mit Steine zurück!" ersetzt werden?

Aber während Pfarrer Kobor sich aufopfernd für das Wohl der Armen und Ausgegrenzten einsetzt, verfällt das gesellschaftliche Leben vor den Türen des „Caritas"-Vereins unaufhaltbar. Sogar das historische Wahrzeichen der Ortschaft, die „Kula" wird heute nicht nur von der Bevölkerung, sondern auch von den Behörden ignoriert. Es gibt kein Anzeichen dafür, daß dieser Bau künftig als Museum oder sonstwie touristisch genützt werden könnte. Von Konsolidierungsarbeiten des Turmes wird gar nicht gesprochen, so daß er weiter dem Zerfall preisgegeben bleibt. Dies ist schade, da dies das einzige Überbleibsel einer mittelalterlichen Burg in der Banater Ebene ist.

Wie es aber scheint, hatte es auch mit dem vom „Caritas"-Verein eingeplanten Bus nicht geklappt, weil die ADZ vom 27. November 1996 sich noch immer über den fehlenden Schulbus beschwert. Dieser ist auch vom Schulinspektorat für den Beginn des Schuljahres 1996-97 versprochen worden. 120 Schüler aus der Umgebung mußten damals täglich einen Schulweg von 7 bis 11 km zu Fuß bewältigen. Auch 148 Schüler der beiden Lyzealstufen hatten ihren Wohnort außerhalb von Tschakowa, 120 von ihnen kamen aus Schebel. Aber nicht einmal die Vorbereitung dieses Schuljahres lief beim Theoretischen Lyzeum „A. Mocioni" reibungslos. An einem Bautrakt des Schulgebäudes sind die Konsolidierungsarbeiten, die nach dem Erdbeben von 1991-92 fällig geworden sind, wegen mangelnden Geldes unterbrochen worden. Man hofft nun, daß diese Schule zu jenen 900 Schulen gehören wird, die mit Hilfe der Weltbank repariert und saniert werden sollen.

Über das aktuelle Leben der Tschakowaern berichtet hauptsächlich die „Renasterea banateana". So berichtet sie auch über einen Fall, der zwar eine Ausnahme ist, aber der jeden Leser schockieren müßte. In dem Bericht vom 19. Juni 1996 geht es um eine kinderreiche Familie, die in einem Baggerloch der gewesenen Ziegelei in zwei mit Plastiksäcken gedeckten „Zelten" hausen mußte. Die aus der Marmarosch zugewanderte Zigeunerfamilie ist aber nicht aus eigener Schuld in diese Lage geraten. Der 31-jährige Familienvater lebte vor einigen Monaten noch mit seiner Frau in einem Haus, das er von einer ausgewanderten Ungarin gekauft hatte. Damals ging er auch noch einer mehr oder weniger geregelten Arbeit nach. Das Haus wurde aber nicht aufgrund eines Kaufvertrags gekauft, sondern man war mit einem einfachen Protokoll zufrieden. Später stellte sich heraus, daß die Verkäuferin das Haus auf derselben Art von einer anderen Person, die inzwischen verstorben ist, erworben hat. Inzwischen bekam die Familie auch Drillinge, von denen ein Kind noch im Krankenhaus verstarb, und die zwei anderen wegen Unterentwicklung dort bleiben mußten. Gleichzeitig schloß sich der neunköpfigen Familie eine dreiköpfige verwandte Familie an, weil das Familienoberhaupt seine Stelle als Bergarbeiter verloren hatte.

In dieser Lage meldete sich eines Tages ein Fremder, der sich als Erbe des Hauses vorstellte. Er setzte die 12 Bewohner des Hauses vor die Tür und ließ gleichzeitig das Haus schleifen. Aus Mitleid wurden die 12 Personen vom Landwirtschafts-Lyzeum aufgenommen, aber als Gegenleistung für die Unterkunft wurden sie verpflichtet, für die Schule Körbe zu flechten. Aber auch hier hatten sie kein langes Bleibe, weil sie bald wegen vermutlich mutwillig angerichteten Schäden und wegen Diebstahls ausgewiesen wurden. So kamen dann die 4 Erwachsenen und 8 Kinder im Alter von 4 Monaten bis 14 Jahren in das Baggerloch; die zwei Jüngsten blieben in der Obhut des Krankenhauses. Durch das ständige Leben und Schlafen auf dem nackten Boden erkrankte bald der eineinhalbjährige Sohn an Lungenentzündung. Diese Lage, in der die 12 Menschen leben mußten, war bis zur Zeit der Anwesenheit des Reporters von keiner Behörde und von keinem Arzt zur Kenntnis genommen worden. Dem Reporter versprach der Gemeindearzt eine sofortige ärztliche Hilfe für das erkrankte Kind. Der einzige Mensch, der sich um diese Zigeunerfamilie kümmerte und die hungernde Familie mit Lebensmitteln versorgte, war Pfarrer Kobor.

Aber auch das Tschakowaer Gesundheitswesen befand sich am 18. April 1996 in einer für die zivilisierte Welt unbegreiflichen Lage. Das hiesige Krankenhaus, das 1952 seiner Bestimmung übergeben wurde, befand sich in einem total verwahrlosten Zustand: ungepflegte Außenwände, auseinander gefallene Fensterstöcke, darin Kartons anstelle der eingeschlagenen Fensterscheiben. Die Wände waren durchdrungen von Regenwasser, wodurch sich auf den Innenwänden Schimmelflecken bildeten. Im nachträglich hinzugebauten Stockwerk drohten die Deckenbalken einzustürzen, weshalb die Räume des Obergeschosses nicht mehr benützt werden konnten. Die 40 Krankenbetten der noch drei funktionierenden Abteilungen standen in Zimmern, die am Anfang des Monats April nur dreimal je eine Stunde lang am Tag beheizt wurden. Der Operationssaal stand ungenutzt da, weil man aus Spargründen die Abteilung für Chirurgie aufgelöst hatte. Viele der vorhandenen medizinischen Geräte waren auch nicht genutzt, weil man aus Zeit- und Personalmangel die Patienten zur Untersuchung nach Temeschburg schickte. Die drei Spezialisten - der Internist, der Gynäkologe und der Kinderarzt - schafften es kaum, die nötige Therapien voll durchzuführen. Dazu kamen dann noch Überstunden in den Notfällen und der Nachtdienst, für den auch die Ärzte des Gemeindeambulatoriums in Anspruch genommen werden mußten. Als medizinisches Hilfspersonal fungierten hier nur eine Laborantin, eine Arzthelferin, eine Hebamme und drei Rot-Kreuz-Schwestern. Wegen strenger Sparmaßnahmen gab es hier auch eine große Not an Arzneimitteln. Der dafür vorgesehene Fond betrug eine Million Lei pro Monat, aber nur eine Ampulle von 50 ml Ampicilin kostete 1.500 Lei, wobei die Zahl der zu betreuenden Bevölkerung aus etwa 25.000 Personen bestand.

Einige Monate nach der Veröffentlichung der Reportage in der Zeitung hatte man den Chefarzt des Krankenhauses Dr. Nicolae Cebuc ohne Angabe einer Begründung seines Amts enthoben. Man gab ihm nur den Rat mit, sich in Zukunft nicht mehr mit dem Schreiben von Zeitungsartikeln zu befassen. Nach genau einem Jahr, im November 1997 berichtete dieselbe „Renasterea banateana", daß das Krankenhaus nun als „Gesundheitszentrum" gründlich saniert wurde. Die Arbeiten kosteten 1,2 Milliarden Lei. In Zukunft will die Weltbank nun die Anschaffung weiterer medizinischer Apparaturen finanzieren. Auch in diesem Bereich will der „Caritas"-Verein seinen Beitrag leisten und zur Ausstattung des „Gesundheitszentrums" beitragen.

Schlecht steht es in Tschakowa auch mit dem Fernmeldewesen. Die Telefonzentrale mit 350 Anschlüssen wird noch immer manuell bedient. Eine automatische Telefonzentrale hatte man schon Anfang der '80-er Jahre geplant, aber verwirklicht wurde sie bis heute nicht. Nun hofft man, daß das Post- und Fernmeldeamt bald in ein neues Haus einziehen kann, aber mit der alten Fernmeldetechnik. Inzwischen haben sich beim Fernmeldeamt 3.000 Anträge für neue Anschlüsse angehäuft, aber zu einem Fernsprecher werden die Antragsteller nicht so schnell kommen. In einem viel schlimmeren Zustand befindet sich die „Fernmeldetechnik" in den zur Gemeinde gehörenden Dörfern. Diese besteht dort aus je einem einzigen Anschluß, und die Fernsprecher funktionieren dort noch immer mit einer Lokalbatterie und mit Induktoranruf (!). Aber auch bei diesen sind dringende Instandsetzungsarbeiten an den Freileitungen nötig, da ein reibungsloser Betrieb der Fernsprecher nicht gesichert ist. Wegen des Ausfalls des Telefons in Petroman mußte 1996 bei einem Brand die Tschakowaer Feuerwehr durch einen Boten alarmiert werden.

Für die Landwirtschaft und die Viehzucht gibt es hier auch keine rosigen Zeiten. Man bemüht sich nur um das Nötigste für die nächsten Tage. Die Molkerei, in der man im Kommunismus täglich etwa 15.000 Liter Milch verarbeite, wird in unseren Tagen nur mit höchstens 500 bis 600 Liter Milch beliefert. Dazu wird bei der Landwirtschaftlichen Handelsgesellschaft „Spicul" (Die Ähre) ein Liter Milch für 1.416 Lei produziert, während der Verkaufspreis nur 1.000 Lei beträgt.

Trotz all dieser Schwierigkeiten schmiedet der 1996 mit 1.865 Stimmen auf der Liste der Sozialdemokratischen Union (UDS) gewählte Bürgermeister Viorel Ghera mutige Zukunftspläne. Vor allem will er Tschakowa zur Stadt erheben lassen. Um die entsprechenden Bedingungen zu schaffen, will er für die Ortsjugend Arbeitsplätze schaffen, damit diese dann mit dem Heimatort verbunden bleibt. Da es in der Gemeinde an Fachkräften mit mittlerer und mit akademischer Ausbildung fehlt, wirbt er Jugendliche an, die bereit wären, nach der Ausbildung wieder in ihre Heimatdörfer zurückzukehren. Benötigt werden vor allem Lehrer, Ärzte, Agronomen, Veterinäre und Krankenschwestern. Er will auch in Zukunft das touristische Potential der Umgebung ausnutzen. Bei der Umwandlung der naheliegenden Wälder in einen Freizeitpark, hofft er auf die Investitionen von zwei deutsche Firmen. In den Laboratorien aus Bukarest und Österreich hat sich das Wasser der Thermalquellen aus Cebza als heilwirkend gegen Rheuma, Frauen- und Kreislauferkrankungen erwiesen. Schließlich will der Bürgermeister auch noch die nach 1989 stillgelegten Produktionseinheiten, wie die Bäckerei, die Schneiderei, die Schuhmacherei, die Tischlerei und die Metzgerei wieder in Betrieb setzen und privatisieren. Als man dann das Gemeindeoberhaupt fragte, von wo er das nötige Geld holen will, antwortete er voller Vertrauen: „Das nötige Geld wird durch Arbeit geschaffen, und die Menschen dieser Landschaft sind fleißige Leute". Ob er bei dieser Aussage nicht zu optimistisch gewesen ist, wird sich noch zeigen.

Januar 1998                                                                                                          Anton Zollner