DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (121)
S c h ö n d o r f

Die heute zur Gemeinde Engelsbrunn (Fântânele) gehörende Ortschaft Schöndorf (heute: Frumuseni; ung.: Szépfalú) liegt im Marosch-Tal am nördlichen Rande der Banater Hecke, etwa 7 km östlich vom Gemeindezentrum. Das Dorf wird von der Landstraße  Neu-Arad – Lippa durchquert, aber es verfügt über keinen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in den gleichweiten Ortschaften Neu-Arad (westlich) und Guttenbrunn (östlich).

Die Vorgeschichte Schöndorfs reicht bis in das Mittelalter zurück. Laut Dr. Ioan Hategan soll es schon 1311 auf dem Gebiet des heutigen Dorfes eine „Villa Zeud“ gegeben haben. Dokumentarisch belegt ist auch, dass es um 1333-37 in „Villa Zeud“ eine Kirche und einen Geistlichen gegeben hat. 1471, bei einer Neuordnung des Grundbesitzes, wurde zum erstenmal neben dem Marktflecken Zewdy auch ein Kastell mit demselben Namen erwähnt („Castellum Zewdy cum oppido similiter Zewdy“). Auf der Mercy-Karte von 1723 ist diese Siedlung als Sefdin verzeichnet. Im Juli 1740 brach laut Karl Kraushaar in „Seffdin“ die Pest aus.

Die Ansiedlung der von Walachen bewohnten Siedlung Sefdin mit Deutschen ist vom Lippaer Salzeinnehmer Carl Samuel Neumann Edler von Buchholt gleichzeitig mit der Ansiedlung Engelsbrunns veranlasst worden. Dafür ließ er etwa 201 bis 210 Kolonistenhäuser errichten, an deren Bau auch die einheimische walachische Bevölkerung beigetragen hat. Laut Barbara Hirth sollen diese nach der Fertigstellung der Häuser nach Torak (in der Nähe der heutigen Ortschaften Ziliste = Sankt Georgen und Ravni Topolovac = Kathreinfeld im serbischen Banat) umgesiedelt worden sein. Da aber 1766 bei der Ankunft der deutschen Kolonisten die Häuser noch nicht fertiggestellt waren, musste anfangs ein Teil der Ankömmlinge in Guttenbrunn einquartiert werden. In einigen Fällen mussten auch in Sefdin zwei Familien in einem Haus untergebracht werden.

Die meisten Ansiedler kamen laut Dr. Anton P. Petri aus dem Rheinland (181), aus Luxemburg (147), Baden-Württemberg (138) und Lothringen (136). Die Zahl der Einwohner belief sich 1766 auf 790 Seelen. Zwei Jahre später gab Kaiser Joseph II. seine Zustimmung, Sefdin auf Wunsch der Kolonisten in Schöndorf umzunennen. Im Jahr 1792, als es hier schon 1.130 Deutsche gab, stellten diese noch immer einen Bevölkerungsanteil von 100 Prozent. 1869 lebten neben den 2.111 Deutschen auch 71 Rumänen und 28 Sonstige. 1900 erreichte die Einwohnerzahl Schöndorfs mit 2.538 Personen ihren höchsten Stand in der Geschichte des Dorfes. Die 2.287 Deutschen stellten damals einen Bevölkerungsanteil von 90,5 Prozent, den Rest bildeten 89 Rumänen, 131 Ungarn und 20 Sonstige. Bis 1940 sank die Einwohnerzahl des Schwabendorfes auf 1.802, die der Deutschen auf 1.748 und die der Rumänen auf 20; die Zahl der Sonstigen betrug 34.

Nach dem 2. Weltkrieg sank, wie im ganzen Banat, auch hier die Zahl der Deutschen unaufhaltsam bis heute. Bei der Volkszählung von 1977 konnte man unter den 1.873 Einwohnern noch 797 Deutsche zählen. Dafür war die Zahl der Rumänen auf 995 gestiegen, der Rest setzte sich aus 79 Ungarn und 2 Sonstigen zusammen. Bis zur nächsten Volkszählung im Januar 1992 sank die Zahl der Dorfbewohner noch mehr, und zwar auf 1.570, von denen sich nur noch 91 Personen zum Deutschtum bekannten. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Schöndorf sind bis Februar 1996 im Heimatort noch 30 Personen verblieben gewesen, nach Dr. Hans Gehls Äußerung sollen es 1997 sogar noch 43 gewesen sein.

Sefdin hatte schon 1333 eine Kirche und eine eigene Pfarrei, die noch im Jahr der Ansiedlung wiedergegründet wurde. Zugleich sind die Kirchenmatrikelbücher eingeführt worden. Da Schöndorf 1781 aus dem Besitz des Wiener Hofs in Privateigentum übergegangen war, übernahm der neue Gutsbesitzer Michael Spech auch das Patronat über das Dorf und über die „Kirche“. Die sogenannte Kirche war ein aus Brettern zusammengebautes Bethaus, wo bei erträglichen Außentemperaturen die Gottesdienste stattfanden. In den Wintermonaten mussten sie in das 1766 errichtete und beheizte Schulhaus verlegt werden. 1794 ließ der Patron Michael Spech ein neues Bethaus mit Glocken errichten, dessen Schutzpatron der Erzengel Michael wurde. Der nachfolgende Gutsherr und Patron Baron Alexander Pronay de Tothpronna ließ zwischen 1815 und 1825 die verfallene Holzkirche abreißen und die auch heute noch existierende Kirche errichten.

Über das heutige Schöndorf waren außer zwei Kurzberichten in der „Banater Zeitung“ (BZ) – eine Beilage der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“ (ADZ) – der Jahre 1994 bzw. 1996 keine weiteren Zeitungsberichte aufzutreiben. Es war nur zu erfahren, dass die Kirche, das Pfarrhaus, zwei Schulgebäude und das Postamt noch immer in der Dorfmitte stehen, und dass der Park nach wie vor vom imposanten Kriegerdenkmal und der Dreifaltigkeitssäule geprägt ist. Für die Pflege der Kirche und des Friedhofs sorgte 1997 die Familie Mayer.

Über diese Familie berichtete die BZ – ADZ schon im April 1994 unter der Federführung des inzwischen verstorbenen Gymnasiallehrers Daniel Schemmel. Damals sollen im einstigen rein deutschen Dorf etwa noch 150 katholische Gläubige gelebt haben. 70 davon sollen Deutsche gewesen sein, unter ihnen auch Michael Mayer und seine Ehefrau Anna (geb. Suck), die 1992 ihre „Goldene Hochzeit“ feierten. Beide gehörten zu den einst berühmten Weidenrutenflechtern Schöndorfs. 1994 befanden sie sich schon im Ruhestand, doch pflegten sie schon damals die Kirche und den Friedhof. Michael Mayer war nicht nur Mesner, sondern er führte auch die fälligen Reparaturen an den Kirchenmauern durch. Die Gottesdienste fanden nur mehr jeden zweiten Sonntag statt, Zelebrant war der Lippaer Pfarrer László Wonnerth. Da vom Kirchenchor nur mehr drei Mitglieder da waren, brachte der Pfarrer seinen Kantor aus Lippa mit.

Zwei Jahre später, 1996, rezensierte Dr. Gerhardt Hochstrasser in der BZ – ADZ Hans Bohns Schöndorfer Ortsmonographie „Weiden biegen sich im Wind ... „. Der Autor bezieht sich darin besonders auf die 200 Jahre alte Tradition der lokalen Weidenrutenflechterei. Nach dem 2. Weltkrieg und dem darauffolgenden Verlust ihrer Erwerbsmöglichkeiten durch die Enteignung ihrer Felder stellten sich die Schöndorfer auf die Weidenrutenflechterei um und schufen so den wichtigsten Erwerbszweig der Nachkriegszeit. Da man sein Brot nur im staatlichen Wirtschaftssektor verdienen konnte, gründeten sie eine entsprechende Abteilung des Engelsbrunner Staatlichen Landwirtschaftsbetrieb (SLB = IAS). Schließlich schufen sie durch den Export ihrer Erzeugnisse auf dem westeuropäischem Markt eine wichtige Deviseneinnahmequelle für den sozialistischen Staat.

Mai 2001                                                                                                                     Anton Zollner