DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (113)
S e k e s c h u t

Sekeschut (amtlich: Secusigiu; ung.: Székesút) liegt im Marosch-Tal, am nördlichen Rand der Banater Heide. Die Ortschaft
befindet sich auf der Landstraße Arad - Perjamosch, und auf der Eisenbahnstrecke mit denselben Endpunkten. Die Gemeinde gehörte früher immer zum Komitat Temesch bzw. zum Kreis Temesch-Torontal, erst 1957 kam die Ortschaft zum Rayon Arad (Region Temeschburg bzw. Banat). Seit 1968 gehört die Gemeinde zum Kreis Arad.

In dieser rumänischen Ortschaft ließen sich die Deutschen erst um 1814-15 nieder; sie kamen aus den benachbarten deutschen Kolonistendörfern. 1718 bestand die Siedlung noch aus 35 Häusern, aber 60 Jahre später schon aus 214. 1859 stellten die 310 im Ort lebenden Deutschen einen Bevölkerungsanteil von über 10 Prozent. 1940 wurden in Sekeschut 321 Personen als deutsche Volkszugehörige registriert; sie hatten damals einen Bevölkerungsanteil von fast 13 Prozent. Bis 1977 verringerte sich die Zahl der Deutschen auf 119. Sie lebten damals neben 1.793 Rumänen, 160 Zigeunern, 151 Ungarn und 25 Sonstigen. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den 2.135 Einwohnern der Ortschaft nur noch 46 Personen zum Deutschtum.

Die Katholiken aus Sekeschut bildeten schon immer eine Filiale der Pfarrei aus Deutsch-Sankt-Peter. Das Kirchlein, das der Hl. Rosalia geweiht wurde, ist in den Jahren 1838-40 errichtet worden. Eine katholische Konfessionsschule hatte man hier um 1824-25 eingerichtet.

Über das aktuelle Leben der Menschen aus Sekeschut berichtete öfter und vielseitig die Arader Tageszeitung „Adevarul" (Die Wahrheit) in den Jahren 1998-99, aber die Deutschen wurden darin nicht mehr erwähnt. Aus den Zeitungsberichten sind zwei unterschiedliche Aspekte zu erkennen: einerseits die finanzielle und wirtschaftliche Misere, in der die Dorfbewohner leben und anderseits die lobenswerte Kommunalwirtschaft, die der Bürgermeisterin Constantina Cordova zu verdanken ist.

Nachdem die Ernte des Jahres 1998 mit weniger als 2.500 kg Weizen pro Hektar gering ausgefallen ist, ging man im Februar 1999 davon aus, dass etwa zwei Drittel der 10.000 Hektar Ackerflächen der Gemeinde Sekeschut ( mit den Dörfern Munar, Großdorf und Deutsch-Sankt-Peter) brach bleiben werden. Aber trotz dieser mageren Ernte hatten die Bauern ihren Weizen nicht verkauft, sondern in den Speichern gelagert, mit der Hoffnung, dass die Getreidepreise steigen werden, was dann im Jahr 2000 auch eintrat. Diejenigen aber, die ihre Erzeugnisse an staatliche Aufkaufbetriebe zu niedrigen Preisen abgegeben haben, kamen nur sehr schwer und mit großer Verspätung (wenn überhaupt) zu ihrem Geld. Die sichersten Einnahmequellen der Sekeschuter sind noch immer die Wassermelonen, die hier angebaut werden. Aber auch die Melonenbauer klagen über die sehr hohen Transportkosten und über die teuren Verkaufsstände auf den Arader Märkten.

Anfang 1999 gab es in Sekeschut etwa 100 Traktoren im Privatbesitz. Da die Ersatzteile und besonders das Dieselöl für die Traktorenbesitzer unbezahlbar wurden, versuchen sie jetzt, die mit großer Mühe angeschafften Landwirtschaftsmaschinen loszuwerden. Aus der Landwirtschaft können in Rumänien nur noch sehr wenige Bauern leben.

Es gibt aber auch Leute, die es im stiefmütterlichen Land doch schaffen, zu einem gewissen Wohlstand zu kommen. Zu diesen zählt auch die Arader Familie Moisi, die sich seit 1993 in Sekeschut mit der Viehzucht beschäftigt. Dafür kaufte sie die verfallenen Ställe der gewesenen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) von einem vorherigen Käufer, und kurz danach wurden hier 3.000 Schweine gezüchtet. Doch bald kam die Schweinemästerei wegen der wirren Gesetzeslage des Landes in finanzielle Schwierigkeiten, und der Betrieb musste umprofiliert werden. Die Kapazität der Mästerei wurde von 3.000 auf 600 Schweine reduziert, aber die Moisis gründeten zugleich einen Schlachthof, dessen Direktor Frau Moisi - die einstige Lehrerin für rumänische Sprache und Literatur - wurde. Am Schlachthof, der eine Kapazität von fünf Tonnen Fleisch pro Tag hat, werden täglich nur von 500 bis 1.000 kg Schweine- und Rindfleisch verarbeitet. Das Vieh wird hautsächlich von den Bewohnern der Gemeinde aufgekauft. Die eigenen Produkte können von der Bevölkerung auch durch Tausch gegen die verschiedensten landwirtschaftlichen Erzeugnissen erworben werden. Man kam zu dieser Art von Handel, nachdem festgestellt wurde, dass die Leute gewöhnlich nur über sehr wenig Geld verfügen.

In Sekeschut, wie im ganzen Land, herrscht eine große Not. Die Leute sind hier sehr arm, besonders aber die Alten. Viele von ihnen mussten im Februar 1999 aus einer monatlichen LPG-Rente von nur 170.000 Lei (etwa 25 DM) auskommen. Von den Allerärmsten stellten 200 Personen Antrag auf eine Sozialhilfe, aber nur für 14 wurde diese auch gewährt. Der Rest ist leer ausgegangen, weil sie angeblich „Faulenzer" gewesen sein sollen. Aber auch von den 14 „glücklichen" Sozialhilfeempfängern bekommen 10 ihr Geld - etwa in Höhe der oben genannten LPG-Rente - nicht umsonst. Sie müssen fünf Tage im Monat gemeinnützige Arbeiten verrichten: Wassergräben reinigen, Bäume weißeln oder Holz spalten. Bemerkenswert aber ist, dass in Sekeschut trotz dieser im Kommunismus noch unvorstellbaren Armut, die Zahl der Geburten höher ist als während der Ceausescu-Diktatur.

Zufrieden mit ihrer eigenen Leistung ist nur die Gemeindeverwaltung. Als Beispiel dafür wird von der Tageszeitung „Adevarul" das Jahr 1998 gegeben. Mit den 900 Millionen Lei, die das Bürgermeisteramt aus dem Budget erhalten hatte, konnte man unter anderem vier Schulen und ebensoviele Kindergärten renovieren (sieben dieser Gebäude sind über 100 Jahre alt) und ein neu renoviertes Ambulatorium einrichten, in dem ein Allgemeinmediziner und ein Zahnarzt ordinieren. Man freut sich hier besonders auf das tragbare Ultraschallgerät, das wöchentlich einmal hierher gebracht wird. Mit denselben Geldern wurde auch die Hauptstraße der Ortschaft vom Bahnhof bis zum anderen Dorfende mit Pflastersteinen belegt. Aber man hatte auch andere Straßen in den Ortschaften der Gemeinde ausgebessert, und in Sekeschut wurde der Lebensmittelmarkt um eine neue Reihe von steinernen Verkaufstischen erweitert. Ob dies alles genug sei für eine banater Ortschaft mit 2.135 Einwohnern, weiß nicht einmal die Bürgermeisterin C. Cordovan. Mit den derzeitigen äußerst knappen Geldern kann man kaum etwas tun, man kann nur Prioritäten setzen.

Juni 2000                                                                                                                      Anton Zollner