DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (16)
S a n k t – A n d r e s

Die 1230 dokumentarisch belegte Ortschaft „Sancto Andrea" (heute: Sânandrei; ung.: Szentandrás) wurde zum erstenmal 1749 mit deutschen Bauern besiedelt. Jedoch auch schon davor lebte hier deutsches Verwaltungspersonal. 1772 zählte man in Deutsch-Sankt-Andres schon 211 Deutsche, aber 1785 kamen weitere 124 Familien hinzu. 1910 lebten in Sankt-Andres 2.175 Deutsche, das waren fast 80 Prozent der Gesamtbevölkerung. 1935 zählte man hier 2.488 Einwohner, von denen etwa 2.100 Deutsche waren. Nach dem 2. Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl wieder an, da man rumänische Kolonisten angesiedelt hatte, um die von den Deutschen enteigneten Felder zu bearbeiten. 1972 zählte man im Ort sogar schon 3.607 Personen, aber der Anteil der Deutschen sank jetzt ständig. Im Oktober 1988 lebten im einstigen Schwabendorf nur noch 660 Deutsche in 226 Häusern. Aber auch diese Zahl stellte nicht für lange Zeit das Minimum dar. Im März 1990 konnte man hier noch 143 „Neue Banater Zeitung" (NBZ)-Abonnenten zählen; das war damals die zweitgrößte Zahl in den ländlichen Ortschaften des Banats. Im August 1991 erfuhr die NBZ-Journalistin Grete Lambert im Gemeindehaus, dass es in Sankt-Andres nur noch 98 Deutsche gäbe, von denen schon 37 die Ausreisepapiere für Deutschland besaßen. Diesen Daten wurde von der gewesenen Wirtschafterin des verstorbenen Pfarrers Karl Ritter widersprochen, die behauptete, dass im Ort noch 133 Deutsche in 63 Familien leben, von denen aber nur 10 auf gepackten Koffern säßen. Wenn dies auch so ist, und wenn damals von den 110 in Mercydorf lebenden Deutschen 40 auswanderten und von den 31 Deutschen aus Kowatschi die Hälfte im Besitz ihrer Ausreisepässe waren, wie konnte man am 7. Januar 1992 bei der Volkszählung in den drei Ortschaften der Gemeinde Sankt-Andres 290 Deutsche zählen?

Als Folge der massiven Auswanderung standen im August 1991 220 deutsche Häuser zum Verkauf frei, wie G. Lambert berichtete. Aber auch die Verbliebenen hatten keinen Halt mehr, besonders seit der Ortspfarrer verstorben ist. Er hatte den Leuten trotz seines hohen Alters (78 Jahre) noch Mut zugesprochen. Er wollte der letzte deutsche Auswanderer sein. Schließlich haben sich nur noch die Ältesten zum Bleiben entschieden, um ihre letzte Ruhe neben ihren schon verstorbenen Lieben zu finden. Ansonsten befindet sich die Gemeinde in einem verwahrlosten Zustand. In den letzten 50 Jahren wurde hier nichts mehr getan. Erst nach den Dezemberereignissen von 1989 hatte man im Ort zwei Brunnen gebohrt und 6 km Straßen gepflastert.

Wie die weitere Entwicklung des Gemeindelebens verlief, kann man nur noch aus der rumänischen Zeitung „Timisoara" entnehmen. Am 13. April 1993 berichtete die Temeschburger Zeitung über den Verlauf des Wahlkampfes, der in Sankt-Andres im Vorfeld der Bürgermeisterwahl stattgefunden hat. Dabei fiel dem Kandidaten der Republikanischen Partei, Gheorghe Duma, keine bessere Taktik als die Verleumdung seines Konkurrenten, des orthodoxen Pfarrers Sorin Frujina ein. Mit falschen Anschuldigungen in der prokommunistischen Zeitung „Renasterea banateana" wollte er diesen ausschalten. Der daraufhin ausgesandte Journalist musste aber die Unwahrheit dieser Verleumdung feststellen. Als Duma sah, dass seine Lieblingszeitung nicht bereit war, seine Lügen zu veröffentlichen, druckte er seine eigenen Flugblätter. In diesen bekräftigte er seine Verleumdungen gegenüber dem orthodoxen Pfarrer. Die Überschrift lautete: „Wir werden dich nicht wählen, Pope! Wir werden dich nicht wählen, Teufel!". Die Sankt-Andreser Bürger antworteten ihm aber mit: „Gogu pentru noi este Ceausescu doi!" (Für uns ist Gogu der zweite Ceausescu). Als dann schließlich die Stimmzetteln gezählt wurden, konnte man mit Freude feststellen, dass der neue Bürgermeister der Pfarrer Frujina war.

Am 19. Mai 1993 erfährt man aus der „Timisoara", dass das Bürgermeisteramt mit der Registrierung des Gemeindeeigentums begonnen hätte. Bei dieser Gelegenheit konnte festgestellt werden, das die (sozialistische) Handwerkergenossenschaft noch nie eine Miete für die Räume, in der sie ihre Schreinerei untergebracht hat, zahlte. Ihr Präses weigerte sich auch, dies in Zukunft zu tun. Der Aufforderung zur Räumung wollte er auch nicht nachkommen. Dabei wurde hier gar nicht mehr gearbeitet, weil die 20 Mitarbeiter geschlossen kündigten, um sich bei der Privatfirma „S.C. Tapiteria Tic-Mon GmbH", deren Eigentümer Craciunescu ist, einzustellen. Diesen Schritt unternahmen sie zwangsläufig, weil ihnen die nun in „Federal Coop." umgetaufte Genossenschaft für ihre Arbeit fast nichts zahlte.

Am 22. Juli 1993 berichtet dieselbe Zeitung über die Machenschaften die im gewesenen Staatlichen Landwirtschaftsbetrieb (IAS), die nun in „S.C. SANTIM AG" umgenannt wurde, stattfinden. Unter anderem soll der Direktor des Staatsbetriebs Gheorghe Iacob die Mechanikwerkstatt „verkauft" haben. Der Käufer ist aber kein anderer als ... Maria Victoria Iacob. Mit dem Kauf der Werkstatt gelangten auch 4,68 Hektar Boden in ihren Besitz. Da dies aber den Vorschriften des Bodengesetzes widerspricht, „sprang" der Präfekt des Kreises Temesch (eine Funktion des Gouverneurs) Ioan Pastiu ein und „segnete" diese Illegalität ab. Wie man sieht, hat die Vetternwirtschaft auch in Sankt-Andres noch immer Hochkonjunktur.

April 1994                                                                                                            Anton Zollner
 

Nur Optimismus reicht nicht

Etwa 10 Kilometer nordwestlich von Temeschburg - auf der Banater Heide - liegt die einst zu fast 80 Prozent deutsche Ortschaft Sankt-Andres (heute Sânandrei; ung.: Szentandrás). Laut Ioan Lotreanu soll sie zu den ältesten Siedlungen des Kreises Temesch gehören. Dokumentarisch soll sie nach Gheorghe Drinovan schon 1230 belegt worden sein. 1333 soll es hier eine Pfarrei gegeben haben, die 1785 restauriert wurde. Vorher bildeten die hiesigen katholischen Gläubigen eine Filiale der Mercydorfer Pfarrei. 1717 bestand die Siedlung aus 19 Häusern. Laut Karl Kraushaar ist die Ortschaft 1764 durch die Ansiedlung von deutschen Kolonisten ausgebaut worden, später kamen neue deutsche Ansiedler dazu, davon 42 Familien im Jahr 1772.

Im November 1940 ließen sich in Sankt-Andres 2.096 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Nach dem 2. Weltkrieg sank die Zahl der Deutschen ständig bis heute. Bei der Volkszählung von 1977 wurden von den 3.369 Einwohnern der Ortschaft noch 1.498 Deutsche registriert; den Rest bildeten 1.197 Rumänen, 56 Ungarn und 18 Sonstige. Im Januar 1992 zählte man hier 2.482 Einwohner, von denen sich nur mehr 119 Personen zum Deutschtum bekannten. Die Zahl der Rumänen ist in den 15 Jahren zwischen den zwei Volkszählungen auf 2.214 und die  der Sonstigen auf 95 gestiegen; die Zahl der Ungarn blieb fast unverändert (-2). Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Sankt-Andres sind bis Februar 1996 im Heimatort noch 64 Deutsche verblieben gewesen.

Die etwa fünf Dutzend in Sankt-Andres verbliebenen Deutschen werden in der banater Presse gar nicht mehr erwähnt. Die letzten Berichte über sie erschienen in der deutschen Presse, u. zw. in der "Banater Zeitung" (BZ - eine Beilage der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien - ADZ) Ende 1996. Damals wurde einigermaßen über die schwere Lage der im Ort verbliebenen kranken und alten Menschen deutscher Volkszugehörigkeit berichtet. Zu diesen damals auch Jakob Plettlinger und Elisabeth Ludwig, die fast ihre ganze Rente für Arzneimittel ausgeben mussten. Da sie nicht, wie ihre noch arbeitsfähigen neuen Nachbarn im Besitz eines Behindertenausweises waren, konnten sie auch nicht deren Vorteile genießen. Der Temeschburger Pfarrer Berno Rupp zeigte viel Verständnis für die hilfsbedürftigen Menschen aus dem einstigen Schwabendorf und stellte ihnen mehrmals Medikamente und Lebensmittel zur Verfügung. Die Sankt-Andreser Rentner wurden aber auch aus Österreich von Helfern aus Ried, denen Maria Ritter vorstand, unterstützt. Die 12 hier verbliebenen ehemaligen Russlanddeportierten erhielten Hilfen von ihrem Verein aus Temeschburg, vom Demokratischen Forum der Deutschen aus dem Banat und von der HOG Sankt-Andres. Zweimal im Jahr - zu Ostern und zu Weihnachten - kamen seit 1990 auch Lothar Probst und das Ehepaar Erika und Horst Berrang vom "Freundeskreis Sanktandreas" aus Schwalbach (Saarland) mit Hilfstransporten. Sie hatten sich vorgenommen, den im Ort verbliebenen Deutschen zu helfen, nachdem sie erfahren hatten, dass die Vorfahren vieler Sankt-Andreser aus Schwalbach ausgewandert sind.

In der letzten Reportage über die Sankt-Andreser Deutschen berichtete die BZ (ADZ) über die ältesten Banater Schwaben des Dorfes, Maria und Michael Zorneck. Als 83- bzw. 86-jährige Senioren mussten sie sich noch selbst versorgen. Dazu gehörte auch die Bearbeitung des Gartens, die Versorgung des Viehs und noch vieles mehr. Nach dem Tod des Schwiegersohns ist die Tochter mit der Enkelin nach Deutschland ausgewandert. Die betagten Eltern wollten sich nicht "verpflanzen" lassen, und so konnten sie sich auch nicht für die Aussiedlung entscheiden. Danach verstarb auch die Tochter in Hamburg, und die Enkelin heiratete in Deutschland. Erst dann stellten sich die alleingebliebenen Großeltern die Frage: "Was geschieht, wenn wir uns nicht mehr selbst versorgen können?". Sie überlegten, ob sie sich nicht für den letztmöglichen Weg entscheiden sollen: die Suche nach Zuflucht im "Adam-Müller-Guttenbrunn"-Altenheim.

Wie die rumänische Tageszeitung "Renasterea banateana" (Die Banater Wiedergeburt) im August 1997 berichtete, schien es damals noch, als würden die enteigneten deutschen Häuser dem inzwischen wiedergewählten Bürgermeister Gheorghe Duma (Republikanische Partei) die größten Sorgen bereiten. Von den 1.542 bewohnten Häusern der Gemeinde (837 in Sankt-Andres, 520 in Mercydorf und 185 in Kowatschi) sollten insgesamt 398 deutsche Häuser an Privatpersonen verkauft werden. Ihre Mieter hatten aber kaum Geld zum überleben, und so konnten nur 38 Häuser verkauft werden, weitere 200 Häuser hoffte man, durch Ratenzahlung loszuwerden. Mit dem Rest von 160 Häusern konnte sowohl der Bürgermeister als auch sein deutscher Vize, Josef Hasill, nichts anfangen. Als Beispiel für die Lage, in der sich die meisten zukünftigen Käufer befanden, soll die der Familie Varó genannt werden. Sie soll das Haus mit der Nummer 356, in dem sie für eine monatliche Miete in Höhe von 435 Lei lebte, nun für 15.336.024 Lei abkaufen. Der Ehemann verdiente 1997  110.000 Lei im Monat, die Frau ist Rentnerin, und der Sohn arbeitete nicht. Der Ankauf eines Hauses, das aus 5 Zimmern, einer Küche und Viehställen besteht und zu dem auch noch ein Garten mit 3.282 qm gehört, wäre sehr vorteilhaft, aber von wo das nötige Geld herholen?

Es gab aber 1996 auch einige Dorfbewohner, die sich mehr als nur ein "deutsches Haus" leisten konnten. Für sie wurden entlang der Landstraße Sankt-Andres - Temeschburg 9 Hektar Baugrund versteigert, auf denen einstöckige Häuser errichtet werden sollten. 60 Bewerber erhielten von der Gemeinde eine Fläche von je 1.000 qm. Wer sich diese Häuser leisten konnte, war in der Tageszeitung "Prima ora" (Die erste Stunde) vom 23. November 1999 nachzulesen. Eigentlich wurde hier über einen Streit zweier Nachbarn der neu errichteten Häuserreihe berichtet, von denen der eine - rumänischer Staatsbürger mit Aufenthaltsgenehmigung in den USA - mit einem Gewehr in das Haus des anderen stürmte und ihm die Fensterscheiben einschlug. Später stellte es sich heraus, dass der "Amerikaner" zwei Häuser bauen ließ, eines davon verkaufte er, wobei der Käufer ihm etwa 30 bis 40.000 US-Dollar schuldig blieb, die er nicht mehr auszahlen konnte.

Besonders zufrieden war die Gemeindeverwaltung mit der Tatsache, dass jeder Berechtigte, der sich ein Ackerland wünschte, dieses auch bekommen hat. Die ausgewanderten Deutschen hatten soviel Ackerland, dass dieser jetzt für alle Neubürger reichte. Das Problem stellt in diesem Dorf also nicht  die Bodenknappheit  dar, sondern  die Bestellung des Ackerbodens. Die erzielte Ernte konnte 1997 kaum noch die ständig steigenden Kosten decken. Aber arm ist nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Gemeinde selbst. Um die Gemeindekasse aufzubessern, beschloss das Gemeindeoberhaupt, der Bevölkerung Landwirtschaftsmaschinen zu vermieten und selbst Dienstleistungen, wie Ackern, Säen, Pflanzenschutzsprühen und sogar Transporte zu verrichten.

Es ist aber interessant festzustellen, wie die ADZ 1997 versucht, mit Überschriften, wie "Gemeinde wird Gemeinschaft" oder "Aufschwung der Kommunalwirtschaft in Sanktandres" noch immer Optimismus zu verbreiten. Gleichzeitig präsentierte die "Renasterea banateana" - eine Zeitung, die auf den Stolz der rumänischen Nation baut - ein ganz pessimistisches, aber zugleich auch ein sehr realistisches Bild ihren Lesern. Die ADZ zitiert auch die Aussagen des Bürgermeisters Gheorghe Duma (der schon seit 1994 im Amt war, nachdem er seinen Vorgänger, Pfarrer Frujina, ausgeschaltet hatte), wonach er das Gemeindehaus mit 55 Millionen Lei  Schulden übernommen und es bis 1997 geschafft hatte, mit Hilfe seines deutschen Vizebürgermeisters schuldenfrei zu werden. Aufgezählt werden dann in der ADZ seine Erfolge: gestiegene Einnahmen durch die Entwicklung des Handwerks und des Handels, die Erweiterung des Trinkwasser-Leitungsnetzes, die Errichtung eines Wasserturms mit einer Kapazität von 200 Kubikmetern und die Instandsetzung der Ortsstraßen. Die 60 hier verbliebenen Deutschen sollen auch zur Renovierung der 1811 errichteten katholischen Kirche beigetragen haben, wobei die HOG Sankt-Andres zu diesem Zweck 15.000 DM beigesteuert hatte.

Einen Erfolg soll für Sankt-Andres auch die Privatisierung dargestellt haben. 1992 ist im orthodoxen Pfarrhaus der Grundstein für die kleine Schuhfabrik "Stefan" gelegt worden. Die Inhaber Iancu und Marius Stefan beschäftigten hier anfangs 600 Personen. Zum Privatsektor gehörte 1997 auch eine Tapezierwerkstatt, eine Schlachterei, eine Molkerei, eine Werkstatt für Autoreparaturen, 5 Dienstleistungseinheiten, 14 Lebensmittelläden, 2 Apotheken und eine Zahnarztpraxis.

Dieselbe ADZ schrieb auch über die Zukunftspläne des Gemeindeoberhaupts: die Beendigung der Straßenschotterung, die Einführung des Erdgases, die Sanierung der Schule, des Kindergartens und des Gemeindeambulatoriums. Auf der Wunschliste stand auch eine digitale Telefonzentrale, die aber von ganz anderen Entscheidungsträgern abhängt.

Wenn man aber gleichzeitig die rumänischen Tageszeitungen "Renasterea banateana" und "Prima ora" durchblättert, gewinnt man im Vergleich zur ADZ einen ganz unterschiedlichen Eindruck  über das tägliche Leben in Sankt-Andres. Wegen der hier herrschenden Zustände im sozialen Leben haben die Kinder der Gemeinde kaum Chancen auf eine entsprechende Ausbildung. Von den 27 Schülern, die 1997 die Gymnasialstufe (5. - 8. Klassen) absolvieren sollten, hatten nur 4 die Chance, in die Lyzealstufe aufgenommen zu werden. Schuld daran waren ihre Verpflichtungen im Haushalt; wegen der schwierigen materiellen Lage in fast allen Familien müssen auch Kinder zum Überleben der Familien beitragen . Die damalige Sozialbetreuerin Daniela Bogdan beklagte sich, dass sie wegen des übertriebenen Alkoholmissbrauchs der Ehepaare, der meist zur Scheidung führt, den Kindern in ihrer aussichtslosen Lage nicht mehr helfen kann.

Dem damaligen Bürgermeister Duma bereitete auch die unkontrollierte Zuwanderung der Ärmsten aus allen Landesteilen, die sich im Banat ein "El Dorado" erhoffen, besonders große Sorgen. Einige Familien aus dieser Sozialgruppe konnten wegen mangelnder Beschäftigungsmöglichkeiten in der Umgebung, nicht für ihr Überleben sorgen. Da sie in der Gemeinde keinen festen Wohnsitz hatten, konnte man ihnen auch keinen Boden zuteilen. Darum bemühte sich der Bürgermeister, eine Armenküche einzurichten. Wegen den fehlenden Geldern sollte die Küche etappenweise an das Kulturheim angebaut werden und so auch für Familienfeste (Hochzeiten, Taufen, usw.) benutzt werden können.

Hoffnungslosigkeit herrscht aber auch unter den Leuten, die ihren nach der Wende wiedererhaltenen Boden bearbeiten möchten. Über einen solchen Fall berichtete die "Prima ora" im Februar 2000. Ein aus Sankt-Andres in die Marmarosch umgezogener Erbe des Bodens seiner Familie wollte das so sehr ersehnte Ackerfeld endlich selbst bestellen und die Feldarbeit genießen. Da Vasilica, wie der Mann hieß, im Dorf kein Haus hatte, errichtete er sich ein Unterkunft in einer Blechbaracke, die er auf seinem Boden aufgestellt hatte. Hier weilte er einige Jahre lang vom Frühjahr bis in den Herbst und kehrte dann mit der Ernte in sein Heim zurück, um dort zu überwintern. So handelte er bis 1999, als er feststellen musste, dass das in sein Ackerboden gesteckte Geld von der Ernte nicht mehr gedeckt werden kann. Er musste sich schließlich eingestehen, dass es sich in Rumänien nicht mehr lohnt, private Landwirtschaft zu betreiben. Dieser Schlussfolgerung entsprechend gab er die Bestellung seines Ackerbodens auf und ließ es brach liegen. Vasilica hatte nicht mehr die Kraft, sich dem im Lande herrschenden Chaos zu widersetzen und gab seinen Kampf gegen die Windmühlen auf.

März 2001                                                                                                                    Anton Zollner