DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (83)
 S c h a g

Schag (amtlich: Sag; ung.: Temesság) liegt 12 km südwestlich von Temeschburg an der Europastraße E-70. Der Bahnhof, der auf der internationalen Strecke Temeschburg - Werschetz (Vrsac) liegt, trägt den von der Ortsbenennung abweichenden Namen Timiseni. Über das Entstehen der heutigen Großgemeinde ist nur wenig bekannt. Dokumentarisch belegt ist das Heidedorf seit 1332, als es unter dem Namen „Sad" in den päpstlichen Zehentlisten eingetragen war. 1404 soll Schag in den Besitz von Lorenz Sagy gelangt sein. 1717 bestand Schag laut Gheorghe Drinovan aus 65 Häusern. Damals soll die Siedlung den Namen „Sachch" getragen haben. Nach Franziska Graf sollen damals hier rumänische Schafhirten ansässig gewesen sein, die auch die Siedlung gegründet haben sollen. Dieselbe Autorin schreibt, daß die ersten Deutschen 1812 ins Dorf gekommen seien. Die Einheimischen hätten sie aber nicht akzeptiert, und darum haben sie sogar ihre Häuser angezündet. Deswegen seien die ersten Deutschen auch geflüchtet. 1821 soll die Siedlung und das Gut in den Besitz des Tschanader Domkapitels übergegangen sein. Dieses soll deutsche Saisonarbeiter aus den nahegelegenen Dörfern angeworben haben, die sich danach in Schag niedergelassen haben sollen. Laut F. Graf kamen sie aus Freidorf, Jahrmarkt, Sankt-Andres, Mercydorf, Billed, Lowrin, Gertjanosch, Groß- und Klein-Jetscha, Komlosch, Hatzfeld, Nakodorf und Deutsch-Zerne.

Bis 1845 gehörten die Schager katholischen Gläubigen zur Ulmbacher Pfarrei. In jenem Jahr restaurierte man in Schag die Pfarrei, die schon 1332 dokumentarisch attestiert war. Gleichzeitig hatte man hier auch die Kirchenmatrikelbücher eingeführt. Karl Kraushaar gab das Jahr der Wiederherstellung der Pfarrei als das Gründungsjahr Schags an. 1884 ist die im neugotischen Stil erbaute Kirche dem Hl. Gerhardus geweiht worden.

1836 war Schag die Heimat von etwa 700 Deutschen. Nach ihrer Religion bestand die Schager Bevölkerung 1862 aus 1.300 Katholiken, 940 Orthodoxen und 9 Juden. 1910 stellten die 1.335 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von 55 Prozent. Nur um drei Deutsche mehr gab es hier im November 1940, die Gesamtbevölkerung bestand damals aus 2.400 Personen, die in 333 Höfen lebten. Nach dem Krieg nahm die Zahl der Deutschen bis heute ständig ab.

Da im September 1944 Kämpfe zwischen den aus Jugoslawien kommenden deutschen Verbänden und den sowjetisch-rumänischen Einheiten stattfanden, flüchtete ein Teil der deutschen Bevölkerung aus Angst vor den Russen in Richtung Westen. Ein Teil der Flüchtlinge kam nach dem Krieg wieder heim, aber trotzdem lebten 1947 in Schag nur noch etwa 900 Deutsche. Bis 1977 verringerte sich diese Zahl weiter auf etwa 600 Personen. Im Januar 1992 bekannten sich hier noch 155 Schager zum Deutschtum. Sie lebten im Heimatort mit 1.994 Rumänen, 400 Ungarn und 47 Sonstigen. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Schag waren im Februar 1996 im Heimatort nur noch 71 Deutsche verblieben, 60 Prozent von ihnen waren im Alter von unter 50 Jahren. Diese Zahl gibt die der 1994 hier lebenden Deutschen wieder; damals lebten 49 Personen in rein deutschen Familien und 22 in Mischehen.

Über das Leben der in der alten Heimat verbliebenen Schager berichtete die banater deutsche Presse bis 1996 laufend. In einer Reportage, die in der damaligen „Neuen Banater Zeitung" (NBZ) vom 12. Dezember 1991 erschienen ist, berichtete Grete Lambert noch über Hoffnungen und Enthusiasmus, die sich in den Reihen der 185 in Schag verbliebenen Deutschen verbreiteten. Schon 1990 gründeten sie ein Demokratisches Ortsforum, in dem sich alle Deutsche eingeschrieben hatten. Wenzel Kozler, der Forumsvorsitzende, engagierte sich voll für die Errichtung eines Forumssitzes, in dem sich eine reiche kultureller Tätigkeit entfalten sollte. Geplant waren ein Festsaal, ein Gästezimmer, eine Küche, ein Raum für religiöse Anlässe und einer für den Religionsunterricht. Die letzteren zwei Räume sollten hier eingerichtet werden, weil der Forumssitz in dem seit 1971 leer stehenden Pfarrhaus seinen Platz bekommen sollte. Im Keller des Hauses wollte man einen Klub für die Jugend einrichten, in dem die gesamte Dorfjugend eingelassen werden sollte. Man wollte regelmäßige Disko-Abende veranstalten, damit sich die Jugend mit der Heimat verbunden fühlt. Aber schon bevor man dieses Forumshaus benutzen konnte, trafen sich die Deutschen regelmäßig, meist im Haus des Vorsitzenden.

Aber schon beim Neubeginn des Schager Kulturlebens der Deutschen konnte man diese Tätigkeit nicht nach Wunsch gestalten, da noch die gesamte technische Ausstattung fehlte; für die Video-Abende mußten die Geräte ausgeliehen werden. Aus diesem Grund erwägte man, mit einer Ortschaft aus Deutschland eine Partnerschaft in die Wege zu leiten. Wenzel Kozler plante auch die Gründung eines landwirtschaftlichen Vereins, und dafür wollte er auch landwirtschaftliche Maschinen über die Stiftung der Banater Schwaben "Banatia" anschaffen. Zur Gründung des Vereins kam es leider nicht mehr, so daß die Bearbeitung der 119 Hektar Boden, den die Deutschen durch die Bodenverteilung zurückerhalten haben, einem jeden überlassen wurde. Wie Heidrun Henresz in der „Banater Zeitung" (BZ) vom 13. Juli 1994 (Beilage der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien" - ADZ) schrieb, erhielten die Deutschen aus Schag von der Banater Stiftung für Internationale Kooperation zwei Traktoren, Sämaschinen, Eggen und Düngerstreuer, die sie bis 1996 abzuzahlen hatten. Diese landwirtschaftliche Ausrüstung sollte in Zusammenarbeit von allen Deutschen des Dorfes benutzt werden.

Schag gehört aber auch zu den wenigen banater ländlichen Ortschaften, in denen es auch heute noch deutsche Grundschulklassen gibt. Diese wurden, wie die Presse berichtete, auch von den deutschen Kindern aus dem zur Gemeinde Schag gehörende Dorf Paratz (heute: Parta) besucht. 1991 hoffte man noch, für diese Kinder einen Schulbus aus Deutschland zu erhalten. In den nächsten Jahren ist dieses Problem gar nicht mehr angesprochen worden. Im Juli 1994 berichtete die BZ, daß die vier Klassen der deutschen Grundschule von 12 Kindern besucht waren. Die gewesene Kindergärtnerin Marika Kertész lehrte sie im Simultanunterricht. Im Juni 1996 berichtete aber die BZ nur noch von 8 deutschen Schülern in Schag.

Das Ortsforum der Deutschen aus Schag sorgt nun in den letzten Jahren für eine regelmäßige deutsche Kulturtätigkeit im Heimatort. 1994 wurde in der BZ über die Sonntagnachmittage berichtet, an denen für die ältere Generation Kaffeekränzchen und Filmvorführungen veranstaltet wurden. Der Freitagabend gehörte den Jugendlichen, die sich Videofilme ansehen konnten, wonach bis Mitternacht Unterhaltungen stattfanden, zu denen auch Jugendliche anderer Nationalitäten zugelassen waren.

Am 28. August 1994 fand im gewesenen Schwabendorf die 110. Kirchweih statt. Besonders lobenswert ist die Tatsache, daß dieses Fest aus eigener Kraft und mit eigenen Trachtenpaaren zustande kam. Zwar ist die Zahl der Trachtenpaare von den geplanten 22 auf nur 16 gesunken, aber die Organisation war perfekt. Zum Aufmarsch der Trachtenpaare spielte die Blaskapelle der Temeschburger Baptistengemeinde und zum Tanz das Orchester des Deutschen Staatstheaters. Das festliche Hochamt wurde vom Freidorfer Kaplan Kapor im Beisein des Erzbischofs Dr. Adalbert Boros zelebriert. Ansonsten sorgt die Freidorfer Pfarrei dafür, daß in Schag sonntags regelmäßig Gottesdienste stattfinden. An diesem schönen Schager Kirchweihfest nahmen neben den Einheimischen auch viele Gäste aus dem Ausland (hauptsächlich gewesene Schager) teil. Zu den prominenten Gästen gehörten neben den Vertretern des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat und der Orts- und Kreisverwaltung auch ausländische Gäste, wie Erich Riedl als Vertreter der Bayerischen Staatsregierung, Heinz Ziegler, der Verbandsbürgermeister von Dannstadt-Schauernheim, zu dem das Ortsforum sehr gute Beziehungen hat, Michael Welbel, der Vorsitzende des Kreisverbands Vorderpfalz der Donauschwaben und Patrick Fröhlich, der Vizekonsul der Temeschburger Konsularstelle. Leider ist es zu vermuten, daß dies die letzte Schager Kirchweih gewesen ist, da in der rumäniendeutschen Presse über keine weitere Kirchweih berichtet wurde.

Die schon erwähnten guten Beziehungen des Ortsforums der Schager Deutschen zu Dannstadt-Schauernheim und zu den dortigen Donauschwaben wirkt sich günstig auch auf das Leben der in der alten Heimat verbliebenen Landsleute aus. Eine dortige Hilfsorganisation schickte, wie 1995 in der BZ zu lesen war, mehrere Hilfstransporte mit Kleider nach Schag. Diese wurden in erster Reihe an die Forumsmitglieder und an deren Kinder verteilt, aber auch rumänische Kinder wurden beschenkt. Man hoffte auch noch im Jahre 1995, daß es gelingen wird eine Partnerschaft zwischen Schag und Dannstadt-Schauernheim in die Wege zu leiten.

Über das öffentliche Dorfleben aus Schag schrieben meist nur die rumänischen Zeitungen „Realitatea banateana" (Banater Realität) und „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) aus den Jahren 1996 und 1997. Eine Ausnahme machte die BZ, als sie über das Unternehmen eines aus Schag ausgewanderten Deutschen berichtete. Anton Bergel, der in Deutschland als Kfz-Mechaniker arbeitete, kaufte 1992 in Schag ein altes Haus an der Europa-Straße E-70, in dem er eine auf Reifendienst profilierte Werkstatt einrichtete. Inzwischen hatte er im selben Haus auch schon fünf Gästezimmer eingerichtet, und 1996 plante er sogar den Bau eines Hotels.

Nicht so erfolgreich bewies sich die nichtdeutsche Bevölkerung aus Schag. Im Juni 1996 „lebte" man bei der gewesenen staatlichen Station für die Mechanisierung der Landwirtschaft (SML - rum.: SMA), die man inzwischen auf „Agromec" umgetauft hatte, nur noch „dank der Inertie". Das Personal, bestehend aus 8 Traktoristen, einem Nachtwächter und dem Chef unternahmen kaum noch etwas aus eigener Initiative am Arbeitsplatz, weil sie seit Jahren auf die „Dezentralisierung" warteten. Da die SML Schag nur eine Abteilung der Handelsgesellschaft „Agromec" aus Schebel (amtlich: Jebel) war, wartete die Belegschaft (wie in der kommunistischen Planwirtschaft) ständig auf Verordnungen von der „Zentrale". Arbeitsaufträge erhielt die Belegschaft der Schager Abteilung nur noch von den Privatbauern, die aber mit den Leistungen meist unzufrieden waren. Der Abteilungsleiter Dipl.-Ing. Tinel Ciupa begründete die schlechte Qualität der Leistungen seiner Männer mit den schrottreifen Maschinen des Staatsbetriebs. So kam es dann, daß man im ersten Sommermonat des Jahres 1996 die Zeit in der Werkstatt bei „Vorbereitungen für die Erntekampagne" verbrachte. Wie es scheint haben sich bei diesem Betrieb nicht nur die Arbeitsmethoden nicht geändert, auch der Wortschatz aus der „goldenen Epoche" blieb der gleiche.

Auch der im Herbst 1996 mit 1.016 Stimmen gewählte Bürgermeister Doru P. Doran (als Kandidat der Republikanischen Partei) hatte schon am Anfang seiner Amtszeit seine große Sorgen. Vor allem fehlte ihm das in allen Ecken so nötige Geld. Trotzdem konnte man im März 1997 die Instandsetzung der Allgemeinschule beenden, gezahlt wurden dafür 110 Millionen Lei. Die Instandsetzung des Kulturhauses hatte man schon vorher durchgeführt. Der Zuschauerraum wurde mit einem doppelten Kachelofen ausgestattet, und so können jetzt auch im Winter Kulturveranstaltungen stattfinden. Das nächste Vorhaben des Bürgermeisters wäre der Bau eines modernen Gemeindeambulatoriums gewesen. Mit den Bauarbeiten hatte man schon im April 1997 begonnen, da aber die Kosten auf eine Milliarde Lei geschätzt wurden, wußte das Gemeindeoberhaupt nicht so genau, wann man das Ambulatorium auch fertigstellen könnte.

März 1998                                                                                                                 Anton Zollner