DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (85)
 R u d n a

Rudna (auch amtlich so genannt) liegt unweit von der serbischen Grenze, am rechten Ufer der Temesch. Verwaltungsmäßig gehört die Ortschaft heute zur Gemeinde Giulweß (amtlich: Giulvaz), in der vortrianonischen Zeit befand sie sich im Modoscher Distrikt. Laut Gheorghe Drinovan ist das Dorf schon 1332 als Rudna dokumentarisch attestiert worden. 1717 bestand die Siedlung aus 30 Behausungen, aber 1890 hatte Rudna schon 1.288 Einwohner. Die Mehrheit der Dorfbewohner bilden zur Zeit die Serben. Der Anteil der Deutschen war hier immer gering, niemals über 10 Prozent, aus welchem Grund Rudna nicht als „deutsches" Dorf betrachtet werden kann. 1910 stellten die 154 Deutschen in dieser Streusiedlung einen Bevölkerungsanteil von fast 9 Prozent. Diese Zahl sank aber bis 1940 auf 122 Seelen. Aber auch diese kleine deutsche Dorfgemeinschaft hatte einige Opfer des 2. Weltkrieges und der Rußlanddeportation zu beklagen. Bei der Volkszählung von 1992 bekannten sich hier nur noch 15 Personen zum Deutschtum. 1940 lebten auch in den Nachbardörfern Foeni (ung.: Fény) und Cruceni (ung.: Torontálkeresztes) vereinzelt Deutsche: 16 bzw. 40. Von diesen Ortschaften bekannten sich im Januar 1992 nur noch in Foeni 2 Personen zum Deutschtum. Bei derselben Gelegenheit bekannten sich auch im einst zu Rudna gehörenden Weiher Crai Nou 2 Personen zum Deutschtum.

Über das heutige Rudna berichteten in den Jahren 1994-97 sowohl die Tageszeitungen „Timisoara" und „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt), als auch die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" des öfteren,, aber die Deutschen wurden gar nicht mehr erwähnt. Die heutige Bevölkerung besteht hauptsächlich aus Serben, Rumänen und Zigeunern. Nur in einem Bericht wurde geschrieben, daß die serbische Häuser heute so gut aussehen, wie einst die deutschen. Sonst herrscht in diesem Dorf nur Chaos und Anarchie, weil hier kein Organ der Staatsmacht mehr vertreten ist. Diese haben alle im Gemeindezentrum Giulweß ihren Sitz und bemühen sich nur in Ausnahmefällen, eine Dienstreise nach Rudna zu unternehmen. Der Bürgermeister der Gemeinde, Ioan Gilinger, behauptete, daß in Rudna eine sehr schwierige Lage entstanden sei, die er aber meines Erachtens nicht mehr bewältigen kann.

In Rudna wird seit einigen Jahren fast alles wahllos gestohlen: Schweine aus dem Stall, Hühner vom Hof, Gänse von der Straße, Schafe von der Weide und Düngemittel aus den Lagerräumen. Auch zertrümmert und vernichtet wird alles, was nur möglich ist, von den Zäunen der Höfe bis zu den Dachziegeln. Eingebrochen wurde in allen Läden der Ortschaft und sogar in der Mühle. Die Täter sind meist Zigeunerkinder, die laut Gesetz nicht bestraft werden können, aber deren Eltern während der Verübung der Straftaten ihrer Kinder Schmiere stehen.

Das Nicolici-Kastell, einst der Stolz des Dorfes, steht heute total verwüstet da. Die Fenster- und Türstöcke, wie auch das Parkett der vielen Innenräumen des außergewöhnlichen Baus wurden herausgerissen und verkauft oder verfeuert. Die Diebe haben am hellichten Tag sogar die Ziegel von den Wänden und vom Dach abgetragen und weggeschafft. Als vom Kastell nichts mehr zum Demontieren übrig blieb, hatte man die alten Eichen und Platanen der Kastellanlage abgeholzt. Den Schaden den die Kommunisten und die LPG-Leute dem Kastell zugefügt haben, ist klein im Vergleich, zu dem, was nun in der „Freiheit" verübt wird.

Nach dem Kastell folgte die Demontage der Holzbrücke, die von Rudna nach Gad über die Temesch führt. Mit dem Stehlen hat man nicht einmal am Tor der Schule Halt gemacht. Hier wurden die Fensterstöcke aus den Wänden gerissen und die Notenkataloge gestohlen. Dazu veranstalten die Disco-Besucher nachts in den Klassenräumen der Schule, wo sie gewalttätig eindringen, Sexorgien. Aber auch im Dorfambulatorium sind die Toilettenanlagen entwendet worden, so daß jetzt die Leute ihre Not im Keller des Hauses verrichten.

In welcher „Gesellschaft" die Täter zu suchen sind, weiß jedermann, und man kennt sie sogar. Wer sich aber traut, eine Anzeige zu erstatten, kann damit rechnen, daß in kürzester Zeit sein Haus den Flammen zum Opfer fällt. Im Banat leben zur Zeit in sehr vielen Ortschaften Zigeuner, aber keine Sippe erlaubt sich das, was die aus Rudna der einheimischen Bevölkerung antut. Der Polizeichef von Giulweß war schon mehrmals vor Ort, und es wurden sogar einige Zigeuner vor den Richter gestellt, aber diese hatte man immer wegen „Bagatellen" zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt. Kein Mensch traut sich, die richtigen Täter an den Kragen zu packen. Man fragt sich nur: Warum?

Aber schließlich gibt es auch in den Reihen anderer Volksgruppen Betrüger. Ein Beispiel dafür ist der „Kuhhandel" mit dem Haus, das die Nummer 157 (im Grundbuch 91) hat. Dieses Haus hatte in den letzten fünf Jahren sechs Eigentümer. Der vierte Eigentümer verkaufte es 1996 sogar an zwei Personen zugleich, den letzten trickste er mit ungültigen Verkaufsunterlagen aus. Die Begründung war, daß er sich auf dieser Art größere Geldbeträge „ausleihen" wollte. Wie man aus dem Geschilderten erkennen kann, sind mit den letzten Banater Schwaben auch die guten Sitten aus Rudna für immer ausgewandert.

Mai 1998                                                                                                                        Anton Zollner