DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (68)
R i t t b e r g

Rittberg eine Ortschaft, die eher als Tormak (amtlich: Tormac; ung.: Végvár) bekannt ist, liegt in der Mitte der Gatajaer Ebene. Trotz seines deutschen Namens konnte dieses Dorf wahrscheinlich nur für eine kurze Zeit als eine „deutsche Ortschaft" betrachtet werden. Laut Gheorghe Drinovan soll Rittberg 1784 entstanden sein. Da ich dazu keine nähere Angaben finden konnte, nehme ich an, daß dies durch die Ansiedlung deutscher Kolonisten geschah. Diese Hypothese bekräftigte auch Karl Kraushaar indem er schreibt, daß in Rittberg zwischen 1790 und 1795 viele deutsche Kolonisten wegen des ungesunden Klimas gestorben seien. Aus diesem Grund siedelte man in dieser Zeit hier Ungarn aus Kaschau an, die 34 leere Kolonistenhäuser bezogen haben sollen. Auch aus den Komitaten Csongrád, Tolna und Bácska kamen in jenen Jahren 133 ungarische Familien ins Dorf. So wurde in einer nur kurzen Zeitspanne aus Rittberg ein Végvár.

Der österreichischen Siedlungspolitik entsprechend, wonach die neuen Siedlungen aus einer heterogenen Bevölkerung bestehen sollten, übersiedelte man bald den Rest der deutschen Rittbergern nach Kranichstätten/Darowa, Wetschehausen und Morawitz. Zugleich wurden 78 Protestanten aus Kranichstätten nach Rittberg umgesiedelt.

Diese Umsiedlungen waren schließlich auch die Ursache dafür, daß man 1910 in Rittberg nur noch 131 Deutsche zählen konnte, deren Bevölkerungsanteil lediglich 4,5 Prozent betrug. In den nächsten zwanzig Jahren sanken diese Zahlen weiter auf 91 Personen bzw. auf 3,6 Prozent. Im November 1940 ließen sich hier 129 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Zur selben Zeit lebten auch im nahe gelegenen Dorf Cadar (ung.: Kádár) 29 Personen deutscher Volkszugehörigkeit. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich in der gesamten Gemeinde Tormak  nur 15 Personen zum Deutschtum: 8 in Rittberg und 7 in Schipet (amtlich: Sipet; ung.: Sebed).

Einige Deutsche lebten 1940 auch in den naheliegenden Dörfern Blajova (ung.: Balásd) und Duboz (ung.: Temesdoboz), die zur Gemeinde Nitzkydorf gehören. Ihre Zahl betrug damals 45 bzw. 20 Seelen. Im Januar1992 bekannten nur noch in Duboz 3 Personen zum Deutschtum. Inzwischen hat sich auch die 1992 ermittelte Zahl der in Nitzkydorf lebenden Deutschen (56) bis Februar 1996 auf 24 reduziert.

Da die katholische Bevölkerung aus Rittberg ausgesiedelt wurde, gründete man hier auch keine katholische Pfarrei. Die wenigen hier lebenden Katholiken bildeten eine Filiale der 1785 gegründeten Nitzkydorfer Pfarrei. Der Grundstein der reformierten Kirche aus Rittberg wurde 1794 gelegt, aber fertiggestellt wurde der Bau erst 1888. Auf der im Jahre 1901 vom Temeschburger Wegenstein erbauten Orgel spielte 1994 während der Gottesdienste die Gattin des damaligen Bürgermeisters Stefan Kele.

Heute leben im einstigen Rittberg hauptsächlich Ungarn (etwa 1200) und über 300 Rumänen. An das einstige Deutschtum erinnert nur noch der Name einer vom Bach Poganis durchquerten Flur, die Iberlant (eine Ableitung von Überland) heißt.

Über das heutige Tormak wird in der banater Presse kaum noch berichtet. Die letzten vier Reportagen sind in der Tageszeitung „Timisoara" des Jahres 1994 erschienen. Neben unwichtigen Themen erfährt man in diesen auch etwas über die Unzufriedenheit der Menschen, die von den zu „Handelsgesellschaften" gewordenen landwirtschaftlichen Staatsbetrieben damals betrogen wurden. Diese „HG"s verzögerten die Auszahlung (in Natura) der von den Privatbauern gelieferten landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Aufsehenerregend waren aber vor allem die seit Jahren andauernden Diebstähle von Zucht- und Haustieren, die aber von niemandem aufgeklärt werden konnten.

Schon im Oktober 1992 sind acht Schafböcke der Rasse Merinos von der Handelsgesellschaft „Tormactim" AG (eigentlich eine staatliche Viehfarm) gestohlen wurden. Eine Woche danach ist der Nachtwächter Salomon Ioan in einem Stall aufgehängt gefunden worden. Trotz der Tatsache, daß in jener Nacht in der Nähe des Staatsbetriebs Schüsse gehört wurden, stufte das Amtsgericht aus Detta den Fall als „Selbstmord" ein. Die Diebe sind niemals gefaßt worden, und nach einem Jahr sind in Tormak wieder fünf Kälber gestohlen worden. Nachdem auch im Jahre 1994 wieder fünf Kälber mysteriös verschwunden sind, mußten die drei Nachtwächter des Betriebs für den Schaden in Höhe von 750.000 Lei aufkommen. Der Betrag ist ihnen vom Monatslohn in Raten abgezogen worden. Man hielt es einfach für unmöglich, daß man aus einem von Betonmauern umgebenen Betrieb, der von drei Nachtwächtern bewacht wird, fünf Kälber stehlen kann, ohne daß dies bemerkt wird. Auch dieser Fall konnte niemals geklärt werden.

Zugleich wurden Haustiere ständig auch aus privaten Haushalten gestohlen. Von der Familie Mátyás hatte man drei Gänse von der Brut gestohlen, die Seniorin Baranyi blieb in einer Nacht ohne ihr gesamtes Federvieh. Auch die Familie Teleki mußte in einer Nacht auf 13 Hühner verzichten und die Familie Nagy sogar auf ein Schwein. Der Familie Mihalache ist sogar ein Mastschwein gestohlen worden. Diese regelmäßigen Diebstähle führten schließlich zu einem Streit zwischen dem gewesenen Bürgermeister Stefan Kele und dem gewesenen Polizeichef der Gemeinde Ionel Codrat, der schließlich für viel Aufsehen sorgte. Der Bürgermeister wollte die Diebe unbedingt fassen lassen, um sie streng zu bestrafen. Der Polizeichef wollte aber in keinem Fall die Täter vor dem Richter sehen, sondern er bestand auf einer Versöhnung zwischen den Dieben und den Geschädigten. Nachdem der Ordnungshüter seine Chefstelle eingebüßt hatte, kam es zu einer Versöhnung der zwei Streithähne, aber die Hühner und Gänse des Dorfes verschwanden trotzdem weiter wie bisher bei Nacht und Nebel.

Juli 1997                                                                                                              Anton Zollner