DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (13)
P e r j a m o s c h

Der 1332 zum ersten Mal erwähnte Ort Priamus wird nach der Befreiung des Banats vom Türkenjoch 1724 wieder aufgebaut. Die ersten Siedler, die sich in der verlassenen Ortschaft niederließen, kamen aus Elsass-Lothringen. Infolge weiterer Ansiedlungen zählte man 1773 hier 278 Häuser mit 1.363 deutschen Einwohnern. Beim Anschluss des Banats an Rumänien lebten in Perjamosch (heute: Periam; ung.: Perjámos) 5.147 Seelen, davon 4.047 Deutsche. 1972 zählte man hier 5.521 Einwohner, aber im Frühjahr 1988 sollen hier nur noch etwa 900 Deutsche gelebt haben.

Die meisten Deutschen wanderten nach den Dezemberereignissen von 1989 aus, so dass im Oktober 1990 in der gewesenen deutschen Ortschaft nur noch 143 Deutsche lebten. Diese bildeten 58 Familien, 45 waren alleinstehend und 80 lebten in Mischehen. Zu diesen kommen noch etwa 100 Mischlinge (ein Elternteil ist Deutscher) hinzu. Für eine Überraschung sorgte dann die Volkszählung vom 7. Januar 1992, als sich in Perjamosch und im zur Gemeinde gehörenden Dorf Pesak 331 Personen zum Deutschtum bekannten.

Im August 1991 besuchte die Journalistin Grete Lambert Perjamosch und schilderte den damaligen Zustand der Ortschaft in der „Neuen Banater Zeitung" (NBZ). Im März 1990 initiierte der 29-jährige Ortspfarrer Mates Karl Dirschl die Gründung des Lokalforums der Deutschen aus der Umgebung. Der damalige Forumsvorsitzende Erwin Ehling saß gerade auf gepackten Koffern und folgte noch im selben Monat seinem Vorgänger. Dieser ließ sich im März 1990 zum Vorsitzenden wählen, und im November war er schon in Deutschland. Mit Erwin Ehling zogen auch mehrere Landsleute ins Mutterland, und so verminderte sich die Zahl der hiesigen Deutschen noch mehr.

Der Pfarrer selbst war fest entschlossen zu bleiben „solange es geht", aber er war überzeugt davon den Prozess der Auswanderung nicht mehr aufhalten zu können. Er begründete dies mit der ständig abnehmenden Zahl der Kirchenbesucher. Er schätzte auch, dass von den 20 Kindern, die den deutschen Religionsunterricht im Frühjahr 1991 besuchten, im Herbst nur noch die Hälfte übrig bleiben würden. Eine ähnliche Entwicklung sagte er auch für die 1. bis 4. Grundschulklassen (im Simultanunterricht) voraus. Die NBZ-Journalistin konnte noch feststellen, dass sich die Leute hier um die Kirche und um das Forum sammeln. Der Sitz des Forums befand sich sogar in den Räumen des Pfarrhauses. Die 400 Mitglieder aus Perjamosch und aus den nahegelegenen Dörfern hätten auch sehr gerne den Pfarrer als Vorsitzenden des Forums gehabt, damit sich wenigstens die Führung stabilisiert. Das betrachtete dieser aber als unmöglich, da er Gläubige aus acht Dörfern zu betreuen hatte.

Fast gleichzeitig mit dieser Reportage schilderte Florian Mihalcea in der rumänischen Tageszeitung „Timisoara" auf einer mutigen Weise die damaligen Zustände in Perjamosch und in Pesak. Der Reporter bemerkte, dass nur die deutschen Häuser, deren Eigentümer den Ort vor kurzem verlassen hatten, Perjamosch noch einen zivilisierten Anblick verleihen. Ansonsten werde das Dorfleben nur noch von den etwa 1.000 Zigeunern der zwei Ortschaften geprägt. Diese wohnten im „Roma-Viertel" und sorgten dafür, dass die verübten Straftaten einem absoluten Höhepunkt zustrebten. Die Zigeuner hätten in ihren Häusern ortsfremde Stammesbrüder untergebracht, die die Bewohner der naheliegenden Dörfer regelmäßig ausraubten. Zugleich wage kein Polizist, das „Roma-Viertel" zu betreten, um nicht selbst das Opfer von Gewalttaten zu werden. Um Herr über die Lage zu werden, unternahm das Kreisinspektorat der Polizei eine Großrazzia im Zigeunerviertel. 35 Zigeuner wurden zur Perjamoscher Polizei gebracht, aber nachweisen konnte man ihnen - wie gewöhnlich - nichts. Die Verdächtigen mussten wieder auf freiem Fuß gesetzt werden.

Eine Woche nach dieser Razzia, in der Nacht des 8./9. Februar 1991 brachen zwei unbekannte in die Wohnung der 77-jährigen Elisabeth Varga ein, vergewaltigten sie und raubten ihr 25.000 Lei und Gegenstände im Wert von 10.000 Lei. Der alleinstehende Peter Wirt wurde in einer Nacht von drei Unbekannten in seiner Wohnung überfallen, und man raubte ihm Sachen im Wert von 30.000 Lei. Einen Monat zuvor wurden alle Krämerläden und die Konditorei der Ortschaft ausgeraubt. Die Einbrecher wurden in Arad gefasst; es waren die sechs Täter, die 10 Tage zuvor dasselbe in Pesak taten. Die meisten der gefassten Täter waren Zigeuner ohne festen Wohnsitz. Ihre Hauptbeschäftigung zwischen zwei Einbrüchen war die Spekulation. Der örtliche Polizeichef, Oberwachtmeister Viorel Dumitras, sagte entschlossen: „Es muss mit dem Morden, mit den Vergewaltigungen und der Räuberei, Straftaten die besorgniserregend angestiegen sind, ein Ende gemacht werden, besonders in dieser Gegend, in der so etwas kaum bekannt war.". Dafür mussten die Fingerabdrücke der Zigeuner, die zu den mutmaßlichen Tätern zählen, kartiert werden.

Inzwischen wurde am Anfang des vorigen Jahres Dipl.-Ing. Edgar Klein zum Bürgermeister der Gemeinde Perjamosch gewählt. Er ist einer drei deutschen Bürgermeister, die im Kreis Temesch nach den ersten demokratischen Kommunalwahlen zu diesem Amt kamen. Herr Klein schaffte es als einziger von den Kandidaten des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat.

Über das gewesene deutsche Dorf Perjamosch schreibt die Tageszeitung „Timisoara" auch am 12. Februar 1993. Diesmal berichtet Liana Colceriu über das wirtschaftliche Leben der Gemeinde. Dabei ging es vorwiegend um die lückenhafte Dienstleistungen seitens der Pesaker Abteilung für die Mechanisierung der Landwirtschaft. Als Sündenbock wurde der Abteilungsleiter Nicolae Popa gefunden, was ihm seinen Dienst gekostet hat. Dabei erfährt man, dass der Direktor der Handelsgesellschaft „Servagromec" AG (das ist die gewesene und nun umgetaufte staatliche „Station für die Mechanisierung der Landwirtschaft", eher als SMA oder SMT bekannt) aus Perjamosch (dem die genannte Abteilung unterstellt ist) kein anderer ist als der „Held der sozialistischen Arbeit" Nikolaus Doggendorf.

Aus der Reportage geht noch hervor, dass es bei der heutigen „Servagromec" gar nicht besser zugehe als beim ehemaligen sozialistischen SMA (= SML). Der Betrieb ist für die mechanisierten Arbeiten, die auf 16.000 Hektar Ackerboden durchzuführen sind, zuständig. Dafür stehen ihm aber nur 107 Traktoren zur Verfügung, das heißt ein Traktor für 150 Hektar Boden. Dazu kommen noch 22 Sämaschinen, die bei weitem nicht ausreichen. Auch von finanziellen Schwierigkeiten, in denen der „Servagromec" steckt, wird weiter berichtet, es mangelt sogar an Treibstoff für die Maschinen. In dieser Lage kann von Dienstleistungen für die privaten Bauern gar keine Rede sein. Der Betrieb arbeitet leider noch immer nur für staatliche und genossenschaftliche Landwirtschaftsbetriebe. Direktor Doggendorf sieht nur in der Privatisierung des Betriebs oder in der Anschaffung von privaten Traktoren, die die Konkurrenz mit dem staatlichen Riesenbetrieb aufnehmen sollen, einen Ausweg aus dieser Misere.

Oktober 1993                                                                                                      Anton Zollner
 
 

Nachruf auf Perjamosch

Seit gut über zwei Jahren berichtet keine rumäniendeutsche Zeitung mehr über die Lage in den gewesenen banat-schwäbischen Dörfern nach der Auswanderung der Banater Schwaben, die dort den größten Anteil der Bevölkerung stellten. Es ist hauptsächlich der rumänischen Tageszeitung „Timisoara" zu verdanken, dass noch über den trostlosen Zustand unserer Dörfer berichtet wird. Diese ist eine der wenigen heutigen rumänischen Zeitungen, die die Auswanderung der Banater Schwaben bedauert und deren Leistungen würdigt. Des weiteren setzt sie sich voll für die Verwirklichung der demokratischen Ideen aus der „Temeschburger Proklamation" ein.

In diesem Sinne veröffentlichte dieses Tageblatt im Juli 1993 zwei Reportagen aus der einstigen deutschen Gemeinde Perjamosch. Daraus ist zu entnehmen, dass vor einigen Monaten in Perjamosch und im dazugehörenden Dorf Pesak etwa 7.000 Seelen lebten, die sich aus allen Teilen Rumäniens an Stelle der deutschen Bevölkerung hier ansiedelten. Deutsche sollen nur noch höchstens in 30 Familien leben; die meisten davon sind Mischehen. Trotzdem wurde hier bei den ersten freien Kommunalwahlen ein Deutscher zum Bürgermeister gewählt. Edgar Klein ist der einzige von den drei deutschen Bürgermeistern des Kreises Temesch, der für das Demokratische Forum der Deutschen im Banat kandidierte. Dies geschah infolge seines Versprechens, für Hilfen aus Deutschland zu sorgen. Nun hat er aber die Erwartungen, die man in ihn gesetzt hat, nicht erfüllt. Von den vielen Versprechungen wurde kaum eine verwirklicht. Die Bodenverteilung löste nur Streit und Unzufriedenheit aus. Das Trinkwasserleitungsnetz und die Straßen müssten ausgebessert werden. Dafür liegt zwar schon die technische Dokumentation vor, aber das nötige Geld fehlt. Es sollte im Ort auch eine Bank gegründet werden, aber auch dabei ist es nur bei einem Traum geblieben. Was die lokale Autonomie betrifft, entpuppte sich auch diese wie in allen Gemeinden als reine Fiktion. Ja, nicht einmal das kommunale Eigentum konnte geklärt werden
.
Aber auch sonst trifft man auf Nachlässigkeiten, wie zum Beispiel in der Umgebung der römisch-katholischen Kirche in der Ortsmitte. Die Grünanlage, die die Kirche umgibt, befindet sich in einem verwahrlosten Zustand, der Zaun, der die Grünfläche umsäumt, liegt am Boden. Dafür steht aber noch immer das „Ehrendenkmal" der „ruhmreichen Roten Armee" aufrecht auf seinem „Ehrenplatz" im Kirchhof. Was anderorts schon längst verschwinden musste, ragt noch stolz in den Himmel der einstigen Schwabengemeinde Perjamosch. Als der Zeitungsreporter den Vizebürgermeister Sabin Cioara nach der „Zukunft" dieses Denkmals befragte, gab dieser ausweichende Antworten. Als er aber gezielt nach dem Sinn des Denkmals mit dem roten Stern gefragt wurde, erklärte der Vizebürgermeister, dass man sich über diese Sache noch keine Gedanken gemacht hätte. Er versprach aber, bei der ersten Gelegenheit darüber nachzudenken (?!).

Da muss man sich doch eine Frage stellen dürfen: „Wie lange noch soll dieses Symbol der fünfzigjährigen Unterdrückung in einem (gewesenen) Schwabendorf mit einem schwäbischen Bürgermeister als Hohn gegenüber der Opfer der Besatzungstruppen und ihrer Helfer, dastehen?".

April 1994                                                                                                         Anton Zollner
 
 

Zwei Jahre nach der Wahl

„Ein wenig deutsche Hoffnung" heißt der Jubiläumsartikel zum zweiten Jahrestag der ersten „freien" Kommunalwahlen in Rumänien in der Tageszeitung „Timisoara" vom 19. April 1994. Aber, wie weiter zu lesen war, „flossen [in den zwei Jahren] auf der Marosch bei Perjamosch keine Milch und auch kein Honig". Der Perjamoscher Bürgermeister Edgar Klein - von dessen Gemeinde hier die Rede ist - ist der einzige, der in dieses Amt als Kandidat des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat gewählt wurde. Dem Zeitungsreporter äußerte er seine Enttäuschung nach einer zweijähriger Amtszeit. Er klagte besonders darüber, dass sich die Leute hier noch immer nicht geändert haben. „Die Bosheit und die Oberflächlichkeit gefielen dem Bürgermeister, in dessen Adern deutsches Blut fließt, nicht so richtig, weil er sich an die Gesetze und an die Vorschriften hält." Die Perjamoscher „Neubürger" haben die Gewohnheit, den Wald nachts abzuholzen und das Holz zu verkaufen. Zwar wurde das Holz später beschlagnahmt, und die Täter mussten Geldstrafen in Höhe von 100.000 Lei zahlen, aber die Bäume sind trotzdem weg. Ein anderer Grund zum Ärgern wäre die Tatsache, dass im Sommer, wenn das Trinkwasser besonders knapp ist, die Dorfbewohner ihre Gärten vom Wasserhahn gießen. Als der Bürgermeister gewählt wurde, hofften einige Wähler, dass Edgar Klein Perjamosch mit deutschen Geldern bewirtschaften würde. Dies ist aber nicht der Fall, und so kam es, dass das Bürgermeisteramt zwei Wochen lang keine öffentliche Nachtbeleuchtung bezahlen konnte.

Was die Privatisierung betrifft, zeigt sich der Bürgermeister zufrieden, da es im Ort schon 60 private Handelsgesellschaften und zwei Industrieeinheiten („Lux" und „Comtim") gibt. Von den 6.400 Hektar Ackerland gehören 152 Hektar dem staatlichen Landwirtschaftsbetrieb (IAS = SLB) „Periatim". Fünf seiner Obstgärten erstrecken sich auf 550 Hektar Boden. Wie in den meisten Dörfern des Banats wurden auch hier die Eigentumsurkunden für den zurückerstatteten Boden nicht ausgehändigt.

Wenn auch keine finanziellen Mitteln vorhanden sind, hat der deutsche Bürgermeister doch noch Zukunftspläne. Er möchte auch Perjamosch mit Erdgas versorgen, neue Brunnen bohren lassen, einen Wasserturm und ein zweites Ambulatoriun bauen lassen.

So sieht also eine Großgemeinde aus, in der 1940 4.236 Deutsche lebten und arbeiteten und dabei etwa 80 Prozent der Ortsbewohner stellten. Damals war Perjamosch noch ein „blühender Hafen" (an der Marosch), wie die „Timisoara" schreibt, der mit „ordentlichen Deutschen und Handwerkern überfüllt war". Aber auch noch 1977 gab es hier 1.431 Deutsche, die neben 3.806 Rumänen, 205 Ungarn und 58 Sonstigen lebten. Laut Volkszählung aus dem Jahre 1992 sollen hier sich noch 289 Personen zum Deutschtum bekannt haben, die neben 3.917 Rumänen, 141 Ungarn, 192 Zigeuner und 50 Sonstigen gelebt haben sollen. In Wirklichkeit gab es hier im Oktober 1990 nur 143 (!) Deutsche, was wieder beweist, dass die am 7. Januar 1992 ermittelte Zahl der Deutschen nicht glaubwürdig ist. Nun soll Perjamosch „heute genau so aussehen wie es bei allen Gemeinden der Fall ist, die von den mitwohnenden Dorfbewohnern [gemeint sind die Deutschen] verlassen wurden ...".

Auch in Pesak, dem zur Gemeinde gehörenden Dorf, gab es 1940 486 deutsche Einwohner, was einen Anteil von etwa 17 Prozent an der Gesamtbevölkerung bedeutete. 1977 zählte man aber hier nur noch 123 Deutsche, die neben 1.999 Rumänen, 55 Zigeunern und 36 anderen Nationalitäten lebten. Bei der Volkszählung vom 7. Januar 1992 bekannten sich neben den 1.511 Rumänen, 406 Zigeunern und 31 Sonstigen auch noch 35 Personen zum Deutschtum.

Oktober 1994                                                                                                        Anton Zollner
 
 

Schande für Perjamosch

Der rumänische Journalist Valentin Samânta erweist sich immer wieder als ein echter banater Lokalpatriot. Unter anderem würdigt er oftmals die deutsche Vergangenheit im Banat und versucht manchmal auch noch zu retten, was noch zu retten ist.

In der Tageszeitung „Realitatea banateana" (Banater Realität) vom 9. September 1995 versucht er wieder die Verantwortlichen zu bewegen, ein deutsches Erbe aus Perjamosch dem Zerfall nicht preiszugeben. In der Nähe des Hauses mit der Nummer 677 befindet sich mitten in einem Zwetschgengarten ein steinernes Kreuz, auf dem der Gekreuzigte dargestellt ist. Doch befindet sich dieses religiöse Symbol in einem sehr bedauerlichen Zustand: der linke Teil des Kreuzes ist total zerfallen, und so brach auch der linke Arm unseres Erlösers ab. Samânta bezeichnet diesen Zustand als eine „große Schande" für das Bürgermeisteramt (der Bürgermeister ist dazu noch ein Deutscher - Anm. d. Verf.), weil man von dort aus nichts unternommen hat, das Denkmal zu retten. Der Journalist richtet sich an die Perjamoscher Bevölkerung mit dem Hinweis, dass beim Anblick einer solch verantwortungsloser Nachlässigkeit jedes Herz, egal ob deutsch, ungarisch, serbisch oder rumänisch, „zerbrechen müsste".

November 1995                                                                                                      Anton Zollner
 
 

Das Deutschtum schwindet auch in Perjamosch

Die einst zu 80 Prozent deutsche Großgemeinde Perjamosch (heute: Periam; ung.: Perjámos) liegt in der Banater Heide, in der Nähe des banater Grenzflusses Marosch (auch Mieresch genannt, rum: Mures). Die Ortschaft ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt des Nord-Banats; Hier treffen die Kreisstraßen  Perjamosch – Lowrin und Perjamosch – Sankt-Andres (mit Anschluss an die Europastraße Temeschburg – Arad) und die Landstraße Arad – Groß-Sankt-Nikolaus aufeinander. Auch das Eisenbahnnetz verzweigt sich hier in die vier vorher genannten Richtungen. Perjamosch ist, wie bisher schon immer, Gemeindesitz, zu dem auch das Dorf Pesak (amtlich: Pesac) gehört.

Der Ort ist 1331 dokumentarisch belegt worden, auf den päpstlichen  Zehentlisten war er 1333 vermerkt gewesen, aber die Siedlung, die damals Priamus hieß, ist viel älter. Die ersten deutschen Kolonisten sind 1724 nicht auf dem Gebiet der heutigen Ortschaft, sondern an der Stelle des einstigen „praediums“ Priamus angesiedelt worden. Die so entstandene Siedlung war 1761 auch auf der Mercy’schen Landkarte verzeichnet gewesen. Wegen zahlreicher Überschwemmungen der Marosch ist das Dorf 1762 auf ein höheres Terrain verlegt worden, und zwar dort, wo es heute liegt. Um 1764-65 ist die Ortschaft laut Karl Kraushaar um 74 Kolonistenhäuser erweitert worden, die nach Dr. Werner Niederkorn in den heutigen „Neugass“ und „Heedgass“ errichtet wurden. Demnach ließen sich vereinzelt bis 1787 weitere deutsche Kolonistenfamilien nieder.

Mit der Ansiedlung der Deutschen ist hier 1724 auch die Pfarrei wiedererrichtet worden. Die Kirchenmatrikelbücher hatte man aber erst 1755 eingeführt. 1772 erhielt das Schwabendorf die „Altdorfer“ Kirche, die dem Hl. Nepomuk geweiht wurde. Nach der späteren Erweiterung der Ortschaft kam eine zweite, die „Neudorfer“ oder „Hauliker“ Kirche hinzu.

1910 lebten in Perjamosch 4.309 Deutsche, die einen Bevölkerungsanteil von über 80 Prozent stellten. 1940 ließen sich 4.326 (oder 4.236 ?) Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Nach dem 2. Weltkrieg verringerte sich die Zahl der Deutschen bis heute ständig. Bei der Volkszählung von 1977 konnten unter den 5.500 Einwohnern nur mehr 1.431 Deutsche gezählt werden. Der Rest der Bevölkerung bestand  aus 3.806 Rumänen, 205 Ungarn, 19 Zigeunern und 39 Sonstigen. Nur 15 Jahre später, im Januar 1992 bekannten sich von den 4.589 Dorfbewohnern noch lediglich 289 Personen zum Deutschtum, aber auch die Zahl der Ungarn sank auf 141. Dafür stieg die Zahl der Rumänen auf 3.917, die der Zigeuner auf 192 (also auf das Zehnfache) und die der Sonstigen auf 50. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Perjamosch waren bis Februar 1996 noch 228 Deutsche im Heimatdorf verblieben.

Auch im zur Gemeinde gehörenden rumänischen Dorf Pesak (amtlich: Pesac; ung.: Pészák) ließen sich Deutsche nieder. 1910 lebten hier 479 Personen, die einen Bevölkerungsanteil von etwa 16 Prozent hatten. 1940 ließen sich noch immer 486 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Bei der Volkszählung von 1977 hatte man unter den 2.2213 Dorfbewohnern nur mehr 123 Deutsche gezählt. Im Januar 1992 bekannten sich von den 1.983 Einwohnern noch 35 Personen zum Deutschtum, der Rest bestand aus 1.511 Rumänen, 16 Ungarn, 10 Serben, 406 Zigeunern und 5 Sonstigen. Laut HOG-Angaben sind bis Februar 1996 lediglich 10 Deutsche im Heimatdorf verblieben gewesen.

Perjamosch gehörte vor einigen Jahren noch zu jenen Ortschaften, in denen das Deutschtum noch gepflegt wurde. Von 1992 bis zu den letzten Kommunalwahlen im Jahre 2000 gab es hier sogar einen deutschen Bürgermeister: Edgar Klein. Er gehörte neben den zwei Arbeitskreisen junger Akademiker „Banat-JA“ aus Deutschland und aus Rumänien zu den Veranstaltern der ersten Kirchweih, die hier nach einer zehnjährigen Unterbrechung am 16. und 17. August 1997 stattfand. Sowohl die deutsche als auch die rumänische banater Presse berichteten ausführlich über dieses Fest, das anlässlich des 225. Jubiläums der Perjamoscher Kirche aus „Altdorf“ veranstaltet wurde. Die rumänische Zeitung „Renasterea banateana“ (Banater Wiedergeburt) berichtete am 1. September 1997 unter der Überschrift „Alte schwäbische Traditionen werden von der rumänischen Jugend weitergeführt“, dass wegen Mangels an deutscher Jugend bei diesem Anlass rumänische Jugendliche die banat-schwäbische Tracht tragen mussten. Aber anscheinend reichten nicht einmal die, um einen Kirchweihzug bestehend aus 30 Trachtenpaaren aufzustellen, und darum lud man auch Trachtenträger aus Neu-Arad und Groß-Sankt-Nikolaus ein. Aufmarschiert wurde nach den Klängen der Nadlaker Blasmusik „Nadlaceanca“. Der Arbeitskreis (AK) „Banat-JA“ aus Deutschland wollte den Ehrengästen zeigen (wie schon öfters davor), dass „wir noch da sind“, was aber der Realität nicht entspricht. Dem damaligen Generalkonsul der BRD in Temeschburg Jörn Rosenberg und dem Referenten für Minderheiten in der Bukarester Botschaft der BRD Heinrich Haupt, wie auch dem Direktor der Direktion für Minderheiten, Karl König wurde doch nur eine Illusion vorgeführt, die auch die Nationalität der „Geldherrenpaare“ bestätigt: Ioana Topor mit Marius Solomon und Margareta Ciurean mit Cristian Sallai. Den Festgottesdienst zelebrierte Pater Pius aus Temeschburg, seine Konzelebranten waren der Pfarrer von Groß-Sankt-Nikolaus M. Dumitrescu, und der Temeschburger Ignaz B. Fischer. Bei dieser Gelegenheit hatte man den Vorsitzenden des AK „Banat-JA“ aus Deutschland, Manfred Engelmann, aufgrund seines Einsatzes zugunsten der Großgemeinde zum Ehrenbürger Perjamoschs ernannt.

Am 22. und 23. August 1998 fand in Perjamosch die nächste Kirchweih statt, deren Veranstalter wieder die zwei Arbeitskreise „Banat-JA“ aus Deutschland und aus Rumänien unter dem Vorsitz von Manfred Engelmann bzw. von Pompilia Szellner, eine geborene Perjamoscherin waren. Unterstützt wurden diese von der Ortsfiliale des AK „Banat-JA“ unter dem Vorsitz von Marcel Dragoi, wie auch vom rumänischen Kulturministerium. Diese Kirchweih fand aber nicht unter einem besonders guten Stern statt. Bürgermeister Edgar Klein ließ sich zwar von den 17 Kirchweihpaaren zum Fest einladen, aber er folgte diese Einladung nicht.  Dies war aber nur eine Panne, eine andere folgte in der Nacht vor dem Fest. Plötzlich ließ der Direktor des Staatsbetriebs „Comtim“ den Veranstaltern mitteilen, dass er nicht mehr bereit sei, das Festmahl in der Betriebskantine stattfinden zu lassen. Darum musste in derselben Nacht eine Küche mit Serviersaal  gefunden und ein Schwein geschlachtet werden, um das Mittagmahl rechtzeitig zubereiten zu können. Am Sonntag ist in der katholischen Kirche der Festgottesdienst zelebriert worden, und danach marschierten die Kirchweihpaare einige Male durch die Ortschaft begleitet von der Nadlaker Blasmusik „Nadlaceanca“. An der Spitze des Festzugs befanden sich die Geldherrenpaare Margareta Ciurean mit Cristian Sallai und Yvonne Maris mit Raul Szekeres. Danach strömte unterm Kirchweihbaum aus zwei große Boxen nur Disco-Musik. Am Abend, beim „Kerweihball“, war Julian Sander alias Fredy Stauber als Stargast dabei, der sich bereit erklärte ohne Gage zu singen. Abschließend äußerte sich die Reporterin der rumänischen Zeitung „Timisoara“ kritisch über die Art, in der der deutsche Bürgermeister, der 1992 der jüngste Bürgermeister der Landes war (gemeint war Edgar Klein), die Gemeinde verwaltet: Die Straßen der Ortschaft waren voll mit Schlaglöchern, und sogar am Abend des Festes waren sie nicht beleuchtet, in der ganzen Ortschaft herrschte eine totale Finsternis.

Die Großgemeinde Perjamosch hatte schon vor dem 2. Weltkrieg das Aussehen eines Städtchens. Alle Gemeindeoberhäupter aus der „goldenen Epoche“, aber auch die danach, waren immer bestrebt, für eine der größten ländlichen Ortschaften des Banats den Status einer Stadt zu erzwingen, was ihnen aber bis heute nicht gelungen ist. Laut des Ortskenners Petru Vasile Tomoioaga gab es hier vor dem Krieg zwei Hutfabriken (eine davon europaweit bekannte Fabrik „Korber“, die heute „Lux Periam“ heißt), eine Likörfabrik, die Textilfabrik „Bart“, eine Wollspinnerei, eine Möbelfabrik, eine Gattersäge, eine Ziegelei, eine Färberei, einen Kalkofen, 5 Mühlen (davon eine Wassermühle), 11 Bäckereien, 8 Metzgereien und 5 Buchdruckereien. Außerdem gab es hier auch eine Bibliothek und sogar drei Freudenhäuser. Im Kommunismus wurden all diese enteignet und teilweise geschlossen. Heute gibt es zwar wieder 3 Mühlen, 5 Bäckereien, eine Metzgerei, eine Kiesgrube, ein Kinderheim, ein Kulturheim, einige Kinos und die Hutfabrik „Lux Periam“, aber trotzdem scheint ein wirtschaftlicher Aufschwung nicht in Sicht zu sein.

Die Hutfabrik „Korber“ (die später „Schuch“ hieß) ist eine der ältesten dieser Art in Europa und die größte in Rumänien; zur Zeit gibt es nur noch in Temeschburg eine kleinere. Vor der Enteignung bestand die Belegschaft aus 500 Personen. Seit den Dezemberereignissen von 1989 sinkt die Produktion der Handelsgesellschaft „Lux Periam“ AG und die Zahl der Belegschaft ständig. 1995 hatte die Fabrik 200 Beschäftigte, die täglich nur noch 5.000 Hüte erzeugten. An Weihnachten 1996 wurde den letzten 130 Beschäftigten gekündigt. Nachdem das Personal 1997 aus 7 Personen, davon 3 Wächtern, bestand, stellte man bis April desselben Jahres wieder 140 Personen ein. Da die Privatisierung  wegen der unklaren Gesetzgebung kaum vorwärts kommt, gehören zur Zeit nur 39 Prozent der Aktien deutschen, österreichischen und italienischen Investoren, die aber noch immer kein Vertrauen im rumänischen Partner haben. Trotzdem stieg der Umsatz im ersten Quartal des Jahres 2000 auf über eine Milliarde Lei. Auf dem europäischen Absatzmarkt wird es aber mit den Hüten immer enger, da er von südostasiatischen und chinesischen Hüten zu Dumping-Preisen überschwemmt wird.

Wer heute durch Perjamosch geht, dem fallen schon bei der Einfahrt (von Pesak kommend) die großen Obstplantagen auf, besonders aber die „rotwangigen Pfirsiche, deren Duft schon von weitem wahrgenommen wird“. Vor den Dezemberereignissen von 1989 gehörten diese Plantagen den fünf Farmen des Staatlichen Landwirtschaftsbetriebs. Ein Teil dieser Plantagen ist leider schon in Ackerland umgewandelt worden, das im Rahmen des Bodengesetzes den Berechtigten zugeteilt werden soll. Trotzdem gibt es in Perjamosch noch immer weniger Boden als von den Antragstellern beansprucht wird. Dabei muss betont werden, dass die ausgewanderten Deutschen kein Recht auf die Rückerstattung ihres enteigneten Bodens haben. Drei der fünf Farmen befinden sich noch immer im Besitz des Staates. Diese sind mehrheitlich mit Pfirsichbäumen bepflanzt, aber auch Aprikosen- und Äpfelbäumen gedeihen hier. Man versucht jetzt die Obstgärten teilweise zu privatisieren, indem man der Belegschaft günstige Möglichkeiten bietet, Aktien zu erwerben. Gar zu verlockend scheint dieses Angebot doch nicht zu sein, da die Obstbäume schon 1972 gepflanzt wurden und die betrieblichen Beschlüsse noch immer in Bukarest gefasst werden.

Auch über die drei Mühlen herrscht Unklarheit; die Eigentümer der „Laub“-Mühle warten seit zehn Jahren auf die Rückgabe, aber sowohl im Falle dieser Mühle als auch der „Catina“-Mühle weiß man nicht, wem sie zur Zeit gesetzlich gehören. Erst jetzt bemerkt man, dass der Staat die enteigneten Güter nicht registrieren ließ, was selbst die sozialistische Planwirtschaft vorschrieb. Die „Bela“-Mühle, deren Eigentümer 1999 verstorben ist, wird von dessen Bruder weitergeführt.

Das Ortsstraßennetz ist auch jahrzehntelang vernachlässigt und dem Verfall preisgegeben worden. Überall sind die asphaltierten Straßen voll mit Schlaglöchern. Es gibt aber auch Abschnitte, die vor 70 Jahren mit Kopfsteinen gepflastert wurden. Edgar Klein hat in zwei Wahlkampagnen, 1992 und 1996, den Perjamoschern versprochen, die Gemeinde und besonders ihre Straßen mit Geldern aus Deutschland in Ordnung zu bringen. Da dies bis 1996 nicht geschehen ist, beschlossen die Familie Câmpianu und ihre Nachbarn, ihre Straße auf eigene Kosten zu asphaltieren. Wegen dieser misslichen Zustände soll es nach den Kommunalwahlen von 2000, als der Direktor des hiesigen Kinderheims, Mihai Bacican, zum neuen Bürgermeister gewählt wurde, „nach dem Wahltrubel jetzt Freudentaumel“ gegeben haben. Es soll damals  laut „Banater Zeitung“ vom 2. August 2000 im Bürgermeisteramt ein „Freudentanz“ aufgeführt worden sein, der danach die ganze Gemeinde ansteckte.

Im Unterschied zu einigen Randvierteln sind die Häuser der „Neudorfer“ Hauptstraße ziemlich in Ordnung gehalten und sehen gepflegt aus. Dort gibt es auch neuer Blockhäuser, auf deren Dächer, aber besonders an den Fenstern ein Wald von Satellitenantennen zu sehen ist. Im Erdgeschoss dieser Häuser  sind Kaufläden, Boutiquen und vor allem Wirtshäuser eingerichtet.

Im Zentrum vom Perjamoscher „Neudorf“ steht die Hauliker katholische Kirche, die schon längst instandgesetzt werden müsste. Es wäre schon fällig, auch den äußeren Verputz zu erneuern, aber es fehlt die finanzielle Kraft der Kirchengemeinde, da diese aus kaum 300 Katholiken besteht. Dafür ist die „Altdorfer“ Kirche mit Hilfe von Spenden der Perjamoscher, die in Deutschland leben, instandgesetzt worden, aber durchs Dach sickert schon wieder das Regenwasser. Es wäre schade, wenn an diesem Bau weitere Schäden entstehen würden, da die Wände 1935 von den Brüdern Ferch künstlerisch gestaltet wurden. Man behauptet auch, dass erst seitdem Pfarrer M. Dumitrescu in das Pfarrhaus eingezogen ist, die elektrisch betriebenen Glocken wieder regelmäßig erklingen. Wie der in Mischehe lebende Hobbymaler Hans Parison in der „Banater Zeitung“ (eine Beilage der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“ - ADZ) vom 17. Mai 2000 berichtete, sollen wegen der Verständnislosigkeit junger Priester „für die geschichtliche Bedeutung unserer Gotteshäuser“, in den Jahren 1982-1985, die Fahnen der Zünfte und Vereine, wie auch die ‚Korberische’ Fahne, „samt den kunstvoll geschmiedeten Fahnenhaltern aus der Kirche entfernt“ worden sein. Auch zwei Wandmalereien in Tempera sollen damals mit Kalk übertüncht worden sein. Hier sollen sich im Herbst 2000 Radu und Christine Frantzen die Ehe fürs Leben versprochen haben.

Die zwei katholischen Friedhöfe befinden sich in einem guten Zustand, sie werden von einem einheimischen Rumänen betreut. Für die Instandhaltung der Wege der anderen Gemeinschaftsobjekte wird er von der HOG Perjamosch bezahlt.

In den 30-er Jahren hatte die Familie Korber, die damaligen Eigentümer der Hutfabrik, ein Arbeiterheim und einen Sportplatz für ihre Beschäftigten errichten lassen. Im Arbeiterheim gab es einen großen Tanzsaal, einen Klub, eine Bibliothek und einen Umkleideraum für die Sportler. Es ist bekannt, dass es in Perjamosch einst eine große Handballtradition gab. Die Dorfmannschaft spielte in den 50-er Jahren sogar in der A-Liga des Landes, neben Spitzenmannschaften wie der CCA Bukarest (der Sportklub der Armee).

Die einstige Freizeit- und Sportanlage steht heute sogar ohne Tor da. Im Frühjahr 2000 schien das Gebäude des einstigen Arbeiterheims von außen gesehen auch nicht besonders gepflegt zu sein. Der Sportplatz sah damals auch öde aus, die Zuschauerbänke und der Zaun waren verschwunden, und von der Tribüne gab es keine Spur mehr. Sogar am Plumpsklo fehlte die Tür. Dafür sollen aber die Innenräume des Arbeiterheims wieder instandgesetzt worden sein. Dort ist nämlich die Ortsfiliale des AK „Banat-JA“ eingezogen, die im Arbeiterheim wieder für Ordnung schaffen möchte. Die hiesige Jugend wollte laut eines Presseberichts schon 1997 nicht nur hier für bessere Zustände sorgen, sondern sie hat auch die Pflege des Ortszentrums übernommen. Die Jungen wollten dafür sorgen, dass das Zentrum der Ortschaft ständig rein ist, dass Bäume gepflanzt und gepflegt werden und dass der Rasen regelmäßig gemäht wird. Mit Hilfe des Bürgermeisters sollten sogar die Parkalleen betoniert und die Wasserabflussgräben der Straßen instandgehalten werden.

In einer Reportagenserie berichtete Dr. Werner Niederkorn im März-April 2000 in der „Banater Zeitung“ auch über den Zustand, in dem sich die Nebenstraßen und die Randvierteln befinden. Diese sind zumeist vernachlässigt, und darum befinden sie sich in einem schlechten Zustand. Die „Heedgass“ ist überall vom meterhohen Unkraut überwuchert. Im „Grawe“, wo schon immer ärmere und kinderreiche Familien wohnten, laufen auf den Straßen nur schmutzige und halbnackte Kinder herum. Die Häuser dieses Viertels sind total verwahrlost und vom Einstürzen bedroht. Es gibt aber auch schon eingestürzte Dächer, und die meisten Zäune sind schon längst verfeuert worden.

Auch das einstige Schulgebäude, wo die Gymnasialstufe (5. – 8. Klassen) unterrichtet wurde, war 1997  ganz dem Verfall preisgegeben. Nachdem eine gründliche Reparatur als zu teuer befunden wurde, gab man das Gebäude auf. Bald verschwanden die Fenster und Türen, danach zerschlugen Vandalen die Zentralheizungsanlage, und schließlich wurde die Elektroinstallation aus den Wänden gerissen. Dafür schaut das Schulgebäude, in dem einst die Bürgerschule untergebracht war, sehr gepflegt aus. Es fehlen aber noch immer die zwei Statuetten der Muttergottes, die vor dem Kommunismus in zwei Nischen ihren Platz hatten. Nachdem die Kommunisten an die Macht gekommen waren, wollte ein übereifriger Ortsbewohner seine Treue gegenüber den neuen Machthabern beweisen und warf die Statuetten zu Boden. Zeitzeugen wollen beobachtet haben, dass der Täter am zweiten Tag irre durch die Dorfstraßen lief und Steine sammelte.

Perjamosch gehört auch heute noch zu den wenigen ländlichen Ortschaften, in denen der deutsche muttersprachliche Grundschulunterricht erhalten geblieben ist. Dies ist auch dem Arbeitskreis „Banat-Hilfe“ aus Rheinland-Pfalz zu verdanken, der sich viel um dem Erhalt der deutschen Abteilung kümmert. Mit seiner Hilfe ist im Schuljahr 1998-99 sogar eine erste Klasse der Gymnasialstufe (5. Klasse) wiedererrichtet worden. Laut einer Meldung der ADZ vom 22. Januar 1999 soll dies der Arbeitskreis mit 1.500 DM gefördert haben. Die Präsidentin der Hilfsorganisation, Bärbel Kiener, die zur Ehrenbürgerin der Gemeinde ernannt wurde, wollte das Klassenzimmer neu einrichten und es mit neuen Möbeln ausstatten. Der rheinland-pfälzische Arbeitskreis hatte sich vorgenommen, die gesamte deutsche Gymnasialstufe (5. – 8. Klassen) stufenweise wieder als selbständige deutsche Schule einzurichten.

Über die eigentliche Pflege des Deutschtums kann im einstigen Schwabendorf kaum noch gesprochen werden. Dieses Thema beschäftigt hauptsächlich nur noch den schon erwähnten Hans Parison. Diesen ärgert die Tatsache, dass das Ortsforum der Deutschen, dessen Vorsitzender Edgar Klein ist, nur noch auf dem Papier besteht. Parison äußerte im Frühjahr 2000 auch seine Empörung über die im Heimatdorf verbliebenen (den Schätzungen nach 20) Deutschen, die sich nur dann zu ihrem Deutschtum bekennen, wenn die je 20 DM oder Lebensmittelpakete aus Deutschland verteilt werden. Er selbst war nur einmal in Deutschland auf Besuch bei seiner Tochter, aber dies soll für ihm auch der letzte gewesen sein, weil „derhem is derhem, un wanns hinerm Owe is“.

November 2001                                                                                                          Anton Zollner