DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (84)
P a r a t z

Paratz (amtlich: Parta; ung.: Parácz) ist ein Dorf, dessen Bewohner verschiedener Volksgruppen angehören. Die Deutschen stellten in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts immer einen Bevölkerungsanteil von etwa 20 Prozent. Das Dorf, das heute zur Gemeinde Schag gehört, liegt südlich vom Gemeindezentrum auf der Banater Heide. Es ist vom Gemeindesitz aus nur über Umwege zu erreichen: ein paar Kilometer auf der Europastraße E-70 von Schag in Richtung Temeschburg, dann einige Kilometer auf der Landstraße in Richtung Foeni, und schließlich folgt man einer Zufahrtsstraße, die über die Temesch führt.

Nach Gheorghe Drinovan hatte Paratz 1417 Stadtrechte, aber 300 Jahre später, 1717 bestand die Siedlung aus nur 84 Häusern. Ab 1890 war der Ort immer Gemeindesitz bis 1968, als es bei der Wiedererrichtung der Landkreise zu einem einfachen Dorf ohne eigene Verwaltung abgestuft wurde. Im Jahre 1910 lebten in Paratz 559 Deutsche, und 1940 wurden hier sogar 589 deutsche Volkszugehörige registriert. Nach dem Krieg sank die Zahl der Deutschen allmählich, so daß 1977 unter den 2.034 Einwohnern nur noch 208 Deutsche gezählt werden konnten. Bis Januar 1992 sank nicht nur die Zahl jener Personen, die sich zum Deutschtum bekannten auf 78, sondern auch die gesamte Bevölkerung ging auf 1.420 Personen zurück. Den Rest der Bevölkerung bildeten damals 1.066 Rumänen (1977 waren es noch 1.358), 150 Ungarn (277), 65 Serben (120), 56 Zigeuner (60) und 5 Sonstige (11). Demnach kann man feststellen, daß in Paratz zur Zeit ein Prozeß der Entvölkerung stattfindet. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft aus Deutschland sollen im Februar 1996 im Heimatdorf noch 73 Deutsche verblieben gewesen sein. Wenn man aber den allgemeinen Trend aus unseren banater Dörfern beachtet, muß diese Zahl mit Vorsicht behandelt werden.

Ende 1991, als in Schag noch 185 Deutsche lebten, die alle Forumsmitglieder waren, gab es in Paratz nur 99 Mitglieder des Schager Ortsforums der Deutschen. Damals gab es in Paratz auch noch 27 Schüler der 1. bis 8. Klasse, die mit 46 Schager Schülern die deutsche Abteilung der Allgemeinschule des Gemeindezentrums besuchten. Laut Grete Lambert („Neue Banter Zeitung" Nr. 8904 vom 12. Dezember 1991) sollen 42 Prozent der in Paratz verbliebenen Deutschen im Alter von unter 50 Jahren gewesen sein. Wie aber die „Banater Zeitung" (Beilage der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien" - ADZ) vom 13. Juli 1994 berichtete, besuchten in Schag nur noch 12 Schüler die vier Klassen der Grundschule, aber es wurde nicht präzisiert, ob unter diesen auch Paratzer Schüler waren. Man schreibt in diesem Bericht nur, daß die Paratzer Deutschen von der Banater Stiftung "Banatia" Landwirtschaftsmaschinen erhalten hätten, die von Willi Stöber betreut würden.

Heute ist die einstige Heimat von über 500 Banater Schwaben in der gesamten Umgebung eher durch ihre Mülldeponie bekannt, die in der ADZ vom 9. September 1995 als die „Kloake von Paratz" bezeichnet wird. Die Behauptung, wonach „der Müllablagerungsplatz in Paratz ... ohne jedwelchen Zweifel das Schreckensbild des Banats (bildet)" ist wörtlich und auch sehr ernst zu nehmen, da diese die reinste Wahrheit darstellt. Welchem Temeschburger ist diese Mülldeponie nicht bekannt? Die Rauchwolke, die sich von einer Fläche von etwa 17 Hektar zum Himmel erhebt ist bei Schönwetter schon aus der Ferne zu sehen. Aber bei geschlossenem Himmel oder bei Wind bringt der Rauch die Menschen aus der gesamten Umgebung, besonders aber diejenigen aus Paratz und Schag an die Grenze des Erträglichen. Täglich werden hier etwa 2.000 Tonnen Temeschburger Müll gelagert, ohne einen Entsorgungsplan entwickelt zu haben. Man läßt seit Jahrzehnten den Müll im Freien verbrennen und verunreinigt dadurch die Luft in der ganzen Umgebung. Auf die Rolle der Mülldeponie als Infektionsherd für die verschiedensten Krankheiten soll hier gar nicht eingegangen werden.

Trotz dieser Tatsachen gibt es aber auch Menschen, die auf dieser „Kloake" nicht nur ihr „tägliches Brot" suchen, sondern hier auch in Containern ihr Zuhause haben. Das „Brotsuchen" ist hier aber ein Privileg, für das man der „Müll-Mafia" 100 bis 200 Lei pro Tag zu zahlen hat. Erst dann dürfen auch fremde Zigeuner auf die Suche nach Flaschen, Blechdosen und anderen wiederverwertbaren Abfällen gehen. Die Sammler selbst sind wahrscheinlich die Ärmsten in diesem „Gewerbe", der Nutznießer der gesammelten Abfällen ist der jeweilige „Boß", der einmal im Monat das Sammelgut mit einem LKW abholen läßt.

Seit vielen Jahren befinden sich das Bürgermeisteramt der Gemeinde Schag (der auch das Dorf Paratz angehört) und die Stadtverwaltung Temeschburgs in einem endlosen Papierkrieg.. Der Auslöser der letzten „Kriegshandlung" war aber nicht die Umweltverschmutzung, sondern die Tatsache, daß sich der Temeschburger Müllentsorgungsbetrieb weigerte, die jährliche Miete in Höhe von 12 Millionen Lei (nach dem Stand vom März 1996, als diese etwa 4.500 DM ausmachten) zu zahlen. Um den Streit zu „schlichten", wollte die Präfektur der Kreises Temesch den Boden, auf dem sich die Mülldeponie befindet, aus dem Besitz der Gemeinde Schag in dem der Stadt Temeschburg transferieren. Dieses Vorhaben des Temescher Gouverneurs trieb den damaligen Schager Bürgermeister erst richtig auf die Barrikaden.

Dagegen bemühen sich zur Zeit eine deutsche und eine rumänische Firma, den Verantwortlichen konkrete Vorschläge zu einer zeitgemäßen Müllentsorgung vorzulegen, aber das Temeschburger Bürgermeisteramt schiebt es ständig hinaus, dieses Thema endlich mal ernst auf den Tisch zu legen. Der Grund dafür könnte hauptsächlich der gravierende Notstand in der Stadtkasse sein, aber ein weiteres Zuschauen und Nichtstun würde der Umwelt Schäden anrichten, die wahrscheinlich nie wieder ausgeräumt werden könnten. Die zwei Firmen schlugen vor, die Müllentsorgung durch Verbrennung des Mülls in zwei Öfen, die in der Kleinstadt Detta gebaut werden sollen, durchzuführen. Von wo das nötige Geld geholt werden soll, steht noch in den Sternen. Meines Erachtens kann man nur noch auf die Barmherzigkeit der Weltbank hoffen.

Mai 1998                                                                                                                 Anton Zollner