DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (40)
Deutsche in der „Klissura" - Kreis Mehedinti

Die „Clisura Dunarii", auf deutsch Donauklamm, ist eine der herrlichsten Landschaften, die das Banat zu bieten hat. Sie befindet sich auf dem linken Ufer der „Unteren Donau“. Das Banater Ufer der Donau erstreckt sich von Basiasch, von wo der Strom die natürliche Grenze des heutigen Rumänien zu Serbien bildet, bis nach Orschowa, wo er die „Kleine Walachei" also Oltenien erreicht.

Die ersten Deutschen, die diese Gegend bewohnten, waren noch im Mittelalter (um 1430) die Ritter des Deutschen Ritterordens, die vom ungarischen König Sigismund gerufen wurden, um hier die südöstliche Landesgrenze Ungarns gegen den Einfall der Osmanen zu verteidigen. Die „Teutonen" bildeten damals die Besatzung mittelalterlicher Burgen, wie Orschowa, Swinitza, Petsch, Drenkowa und Sankt-Ladislaus. Der Ritterorden weilte aber nicht lange hier, da sich die Türken schließlich doch als eine Übermacht erwiesen und in Richtung Mitteleuropa vorrückten.

Heute scheint es fast unglaublich, dass auf diesem Gebiet noch vor einigen Jahrzehnten einige tausend „Berglanddeutsche" gelebt haben. Wahrscheinlich war Orschowa die erste Ortschaft, in der nach der Vertreibung der Türken Deutsche angesiedelt wurden. Auch eine katholische Pfarrei ist schon 1718 hier gegründet worden. Sie wurde zwar im Jahre 1737 aufgelöst, aber 21 Jahre später ist sie in Schupanek (amtlich: Jupalnic) wiedergegründet worden. Die erste katholische Kirche ist in Orschowa 1818 errichtet worden. Im Jahre 1827 wurde der Sitz der Pfarrei wieder nach Orschowa verlegt. Die Matrikelbücher führte man erst im Jahre 1758 ein. Zu dieser Pfarrei gehörten damals auch die Gläubigen aus Ada-Kaleh, Dubova (ung.: Dunatölgyes), Frauenwiese (rum.: Ogradena Noua; ung.: Újasszonyrét) und Eibenthal (amtlich auch so, ung.: Tiszafa). 1847 erhielt das ausschließlich von Tschechen bewohnte Eibenthal eine eigene Pfarrei, und 1912 ist die hiesige Kirche dem Hl. Havel geweiht worden.

Graf von Mercy ließ schon nach 1728 Orschowa und Alt-Orschowa als Festung gegen das Osmanenheer ausbauen. 1768 richtete der Gouverneur des Banats hier einen der 12 Distriktsitze ein, was vermutlich die Ansiedlung vieler Deutschen/Österreicher zur Folge hatte. Laut Karl Kraushaar wurden 1791 in Alt-Orschowa „Ungarn, Deutsche, Böhmen und Rumänen" angesiedelt. Im Jahre 1910 lebten in Orschowa 2.015 Deutsche, die einen Bevölkerungsanteil von über 36 Prozent hatten. Von da an sank ihre Zahl ständig, 1940 wurden hier 1.566 Personen deutscher Volkszugehörigkeit registriert. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich in Orschowa von 16.009 Einwohnern nur noch 260 Personen zum Deutschtum. Der Rest der Bevölkerung bestand aus 14.872 Rumänen, 322 Tschechen, 161 Ungarn und 394 Sonstigen, zumeist Zigeuner.

Das eigentliche Orschowa gibt es heute nicht mehr, da es 1971 durch den Bau des Wasserkraftwerks vom „Eisernen Tor" überschwemmt wurde. Bei dieser Gelegenheit wurden alle Bauten der Stadt abgerissen, mit ihnen auch die katholische Kirche. „Neu-Orschowa" wurde auf den Hängen der nahegelegenen Hügeln wieder aufgebaut, und die Bevölkerung musste hier ihre neuen Wohnstätten errichten. Bei dieser Gelegenheit hatte man zwischen 1972 und 1976 in der „Neustadt" auch eine neue katholische Kirche mit einem Glockenturm im „postmodernen" Baustil errichtet. Die finanziellen Mittel hatten der Caritas-Verband und die Deutsche Bischofskonferenz zur Verfügung gestellt. Die Baupläne wurden von dem 1979 verstorbenen Temeschburger Architekten und Hochschullehrer Hans Fackelmann entworfen. Die neue Kirche ist am 26. November 1976 der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“ geweiht worden.

Ab 1823 begann man im Banater Bergland, Dörfer mit Böhmen anzusiedeln. So wurde laut Kraushaar am Fuße des Bergs Alibeg, südöstlich von Neu-Moldowa, das Bergdorf Elisabethfeld mit 100 Häusern angelegt. Später wurde diese Siedlung aufgegeben.  In Alibeg-Neudorf, das sich einst auf dem Gebiet der heutigen Ortschaft Coronini befand,  wurden 43 Hausplätze mit Böhmen besetzt. 1825 hatte man auch in der Nähe von Neu-Moldowa das böhmische Bergdorf Sankt-Helena mit 100 Häusern angesiedelt. Die Böhmen von hier sprachen aber nicht deutsch, sondern tschechisch, und sie pflegen auch heute noch die tschechische Kultur. 1828 soll es im Banat 1.036 böhmische Familien gegeben haben, und 1830 verzeichnete man hier 3.424 Personen böhmischer Herkunft. Diese sollen nach demselben Autor wie folgt im gesamten Banater Bergland verteilt gewesen sein: „Neu-Zsupanek - 43, Frauenwiese - 186, Eibenthal - 356, Weizenried - 469, Schumitza - 123, Ravenszka - 237, Schöntal - 281, Schnellersruhe - 266 und Wolfswiese – 256“. Unklar ist, warum Kraushaar die Deutschböhmen aus den drei im Semenik-Gebirge liegende Bergdörfer nicht dazu aufgelistet hatte. An einer anderen Stelle schrieb er doch, dass auch in Wolfsberg, Weidenthal und Lindenfeld 444, 597 bzw. 166 Böhmen zur gleichen Zeit angesiedelt wurden.

Orschowa (amtlich und ung.: Orsova) sollte aber nicht die einzige Ortschaft an der „Unteren Donau“ bleiben, in der auch Deutsche gelebt haben. Im November 1940 wurden in den Ortschaften, die entlang der Donau stromaufwärts liegen, noch Hunderte von deutsche Einwohner registriert. Sogar auf der türkischen Insel Ada-Kaleh lebten in jenem Jahr 25 Deutsche. Heute liegt die Insel am Boden des Stausees des Wasserkraftwerks „Eisernes Tor". Nördlich von Orschowa lebten damals in Schupanek (amtlich: Jupalnic (ung.: Nagyzsupány) 90 Deutsche. Im ersten Dorf stromaufwärts von Orschowa, Ieselnita (ung.: Dunaorbágy) registrierte man 1940  32 Deutsche. Gleich danach folgten Frauenwiese (amtlich: Ogradena Noua; ung.: Újasszonyrét) mit 160 und Ogradena Veche (ung.: Óasszonyrét) mit 23 deutschen Volkszugehörigen. Das nächste Dorf, in dem 1940  12 Deutsche lebten, war Plavisevita (ung.: Nászadás). All diese Ortschaften mussten bei der Errichtung des Stausees auf den Hängen der Ausläufer des Almascher Gebirges umgesiedelt werden. Laut Aussagen von Kennern dieser Gegend leben in all diesen Dörfern keine Deutschen mehr.

Als ein gewesenes deutsches Dorf könnte Neuwerk (heute: Baia Noua; ung.: Újbánya) betrachtet werden. Hier lebten vor dem 2. Weltkrieg 251 Personen deutscher Volkszugehörigkeit. Besonders aufgefallen sind damals die 440 böhmischen Dorfbewohner aus dem 1827 angesiedelten Eibenthal, die sich im November 1940 als Deutsche (oder Deutschböhmen?) registrieren ließen. Als ein Widerspruch zu diesen Angaben scheint ein Bericht aus der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien" vom 31. Januar 1996 zu sein, da darin Eibenthal neben anderen böhmischen Dörfern, wie Schnellersruhe (heute: Bigar), Weizenried (heute: Gârnic), Sankt Helena (amtlich: Sfânta Elena) und Schumitza (amtlich: Sumita) der „tschechischen Diaspora" zugerechnet werden. Dementsprechend will Tschechien sich mit 50 Prozent am Straßenbau und beim Erhalt der tschechischen Schulen in diesen Ortschaften beteiligen.

Alle oben aufgezählten Ortschaften, in denen 1940 Deutsche lebten, wurden 1968 der Banater Administration entrissen und in die fremde Verwaltung des oltenischen Kreises Mehedinti eingegliedert. Somit befinden sie sich geographisch im Banat, obliegen aber der oltenischen Verwaltung.

April 1996                                                                                                                  Anton Zollner