DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (82)
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Obad (auch amtlich und ungarisch so) liegt nur einige Kilometer von der Europastraße E-70 entfernt, neben der Landstraße Schebel - Tschakowa. Verwaltungsmäßig war die Ortschaft Gemeindesitz, der zum Stuhlbezirk Tschakowa gehörte. Heute ist Obad ein Dorf, das zur Gemeinde Tschakowa (heute: Ciacova) gehört.

Die Vergangenheit des Dorfes, in dem 1910  387 Deutsche lebten, scheint einigermaßen unbekannt zu sein. Über die Geschichte Obads habe ich außer Luzian Geiers in der „Banater Post" vom 20. September und 5. Oktober 1994 und in der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien" vom 14. Dezember, 4. und 11. Januar 1995 veröffentlichten „Chronik der Mischsiedlung Obad" keine weitere Dokumentation gefunden. Nicht einmal in Josef Schmidts „Bestandsaufnahme der banater Kirchenbücher" ist die Zugehörigkeit der einstmals gut über 300 deutschen Gläubigen erwähnt worden. Es scheint aber so, als ob Obad auch in der rumänischen Geschichtsschreibung einen weißen Fleck darstellen würde. In Gheorghe Drinovans „Mikromonographie des Kreises Temesch" aus dem Jahre 1973 ist die erste dokumentarische Attestierung der Ortschaft nicht verzeichnet, und die Bevölkerungszahl wird mit 915 Personen zum erstenmal für das Jahr 1890 angegeben. 1910 stellten die 387 hier wohnenden Deutschen einen Bevölkerungsanteil von über 39 Prozent. Seitdem sank ihre Zahl ständig bis heute. Im November 1940 wurden laut Dr. Scherer in Obad 229 Deutsche registriert. Diesen Daten wird aber im 2. Band der Buchreihe „Das Banat und die Banater Schwaben" widersprochen, wo die Zahl der Deutschen für diese Zeit mit 375 angegeben wird. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den 522 Dorfbewohnern nur noch 11 Personen zum Deutschtum. Auch Luzian Geier schätzte im Sommer 1994 die Zahl der Deutschen auf nur 10 Rentner. Dagegen sollten nach Angaben der Heimatortsgemeinschaft Obad im Heimatort im Februar 1996  25 (!?) Deutsche verblieben gewesen sein.

Aus rumänischen Geschichtsquellen weiß man, daß es am 11. Juni 1767 in Obad eine rumänisch-orthodoxe Pfarrei gegeben hat, deren Pfarrer Vasile bzw. Mihail Dimitrievici waren. Für das Jahr 1776 wird in den Archiven der Wojwodina aus Karlowitz (Sremski Karlovci) Obad mit 181 Häusern geführt, und als Pfarrer waren damals hier Isac Latcovici und Pavel Petrovici tätig. Aus den Urkunden aus derselben Archiven ist zu entnehmen, daß es am 14. Juli 1777 in Obad keine Schule gab.

 Laut Luzian Geier ist der erste Deutsche, Anton Stasznyi, 1859 in Obad ansässig geworden. Als Gutsverwalter rief er meist deutsche Arbeitskräfte aus Pardan, Heufeld, Mastort, Johannisfeld und Hatzfeld in das rumänische Dorf. Diese hatten aber schon vom Anfang an verschiedene religiöse Konflikte mit der orthodoxen Bevölkerung des Dorfes, aus welchem Grund die deutschen und ungarischen Landarbeiter immer wieder Obad verlassen haben. Nach Geier gab es 1863 im rumänischen Dorf nur 23 Katholiken, die zur Tschakowaer Pfarrei gehörten. Die Banater Schwaben sollen hier erst nach 1868 ansässig geworden sein. Der genannte Autor schätzt, daß der Zuzug der Deutschen nach Obad 1870 als abgeschlossen betrachtet werden kann. Als erste Aufgabe, die sich die Obader Deutschen stellten, war das Einrichten eines Bethauses und einer provisorischen Schule. Eine deutsche Lehrerstelle erhielt das Dorf im Jahre 1869. Eine katholische Kirche konnte erst 1941 aus eigener Kraft erbaut werden.

Aktuelle Berichte über die Bewohner Obads habe ich in der banater Presse in den letzten zehn Jahren nicht gefunden. Es scheint, als wäre das nun wieder zu einem rein rumänischen Dorf gewordene Obad auch von der rumänischen Presse übersehen wird. Dazu könnte auch der Zerfall einer Landgemeinde zu einem bedeutungslosen Dorf beigetragen zu haben. 1968 sind tausende Dörfer Rumäniens zu bedeutungslosen Ortschaften erklärt worden, die keine Existenzberechtigung mehr hatten. Später sollten diese, nach den Wahnsinnsplänen Ceausescus geschleift werden und ihre Bewohner in die zu „agrar-industriellen Zentren" gewordenen Großgemeinden umgesiedelt werden.

März 1998                                                                                                                  Anton Zollner