DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (93)
 Neusiedel auf der Heide / Uihel

Neusiedel auf der Heide (heute: Uihei; ung.: Újhely), das im Banat eher als Uihel bekannt war, liegt, wie auch die Ortsbenennung ausdrückt, auf der Banater Heide. Das gewesene Schwabendörfchen kann nur über die 3 km lange Gemeindestraße, die Uihel mit dem auf der Landstraße Temeschburg - Groß-Sankt-Nikolaus liegenden Dorf Alexanderhausen verbindet, erreicht werden. In Alexanderhausen befindet sich auch der nächstgelegene Bahnhof „Sandra".

Nach Karl Kraushaar ist Neusiedel auf der Heide 1844 „zum Tabakbau" angesiedelt worden, es entstand durch Binnenwanderungen aus den Nachbarortschaften. Laut Johann Schimmel soll die Siedlung ursprünglich aus 96 Hausplätzen bestanden haben, die Häuser mußten sich die Siedler selbst bauen. Mit dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 erhielt die Ortschaft den amtlichen Namen Újhely. Als dann das Banat an Rumänien angeschlossen wurde, lautete die amtliche Ortsbenennung laut Gheorghe Drinovan „Satu Nou" (Neudorf), Schimmel widerspricht dem aber, indem er behauptet, daß der amtliche Ortsname damals „Uiheiu" hieß.

Eine eigene Pfarrei hatte Neusiedel a. d. Heide nicht, sie war immer eine Filiale der Bogaroscher Pfarrei. Die katholischen Kirche ist erst 1931 fertiggestellt und eingeweiht worden.

1890 hatte Neusiedel a. d. Heide/Uihel 865 Einwohner, die nach Schimmel in 189 Häusern lebten. 1910 lebten hier 658 Deutsche, die einen Bevölkerungsanteil von fast 98 Prozent ausmachten. 1940 hatte man im Schwabendörfchen 608 Deutsche registriert, die einzige rumänische Familie soll damals die des Kuhhüters gewesen sein. 1977 lebten hier nur noch 198 Deutsche, die Zahl der Rumänen betrug damals 384 Personen. Die Volkszählung vom Januar 1992 bestätigte dann nur noch den vollständigen Zerfall der deutschen Dorfgemeinschaft; von den 511 Einwohnern, die das Dorf noch hatte, bekannten sich noch 19 Personen zum Deutschtum. Außer ihnen bestand die Bevölkerung des Dorfes noch aus 490 Rumänen und je einem Ungarn und einem Zigeuner. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Neusiedel auf der Heide sind im Februar 1996 im Heimatdorf nur noch 3 Personen deutscher Volkszugehörigkeit verblieben gewesen.

 Das heutige „Dorf am Rande der Gemeinde", das einst Gemeindesitz war, ist in den Jahren der kommunistischen Herrschaft zu einer leblosen Ortschaft geworden, die durch die erste territorial-administrative Umstrukturierung des Landes ab den '50-er Jahren zur Gemeinde Alexanderhausen gehörte. Durch Ceausescus zweiter territorial-administrativen Umstrukturierung des Landes kamen 1968 sowohl Neusiedel a. d. Heide als auch Alexanderhausen als einfache Dörfer zur Gemeinde Billed. Über das nun „von Gott verlassene" Uihel wurde in der Temeschburger Presse in den letzten 15 Jahren nur zweimal berichtet: am 26. September 1995 in der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien" (ADZ) und am 11. April 1996 in der „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt). Diese vermitteln dem Leser jener Zeit nur noch ein Bild der Verwüstung. Zwar gab es damals im Ort zwei Verdienstmöglichkeiten, aber wie es scheint, wurden diese kaum genutzt. In Neusiedel a. d. Heide/Uihel stand den Dorfbewohnern dreimal mehr Ackerboden pro Person zur Verfügung als im benachbarten Alexanderhausen, aber dieser ist kaum in Anspruch genommen worden. Ein Teil der Bevölkerung arbeitete bei den in der Nähe befindlichen Erdölsonden, aber im Dorf vermehrte sich ständig die Zahl der Sozialhilfeempfänger, für die das Billeder Bürgermeisteramt kein Geld mehr auszahlen konnte. Die einst schmucken Schwabenhäuser waren schon vor drei Jahren so verfallen, daß das Dorf kaum noch wiedererkennbar war.

Die Gemeindestraße, die Neusiedel a.d. Heide/Uihel mit Alexanderhausen verbindet, bestand damals trotz ihrer Länge von nur drei km, nur aus Asphaltresten und Schlaglöchern. Aus diesem Grund ist hier 1994 auch der öffentliche Busverkehr eingestellt worden. Deswegen mußten die Uiheler Schüler ab der 5. Klasse täglich sowohl bei Sonnenschein als auch bei Regen und Schnee bis nach Alexanderhausen zu Fuß in die Schule gehen. Um diese Straße wieder befahrbar zu machen, kauften die Uiheler Dorfbewohner mit ihrem Geld den nötigen Schotter, um die Schlaglöcher aufzufüllen. Da man ihnen aber keine Straßenbaumaschinen zur Verfügung stellte, waren die mit Schaufeln aufgefüllten Löcher bald wieder da.

Neusiedel a.d. Heide/Uihel verfügte vor drei Jahren auch über kein Dorfambulatorium mehr. Die Räumlichkeiten im gewesenen LPG-Gebäude, wo man das Ambulatorium unterbringen wollte, wurden von einer bedürftigen Familie willkürlich besetzt. Während die ADZ aber im September 1995 berichtete, daß die für das Ambulatorium nötigen Räume freigemacht wurden, schrieb die „Renasterea banateana" nur sechs Monate später, daß diese vom gewesenen Billeder Bürgermeister wieder an eine „privilegierte Familie" vermietet wurden. Von einer Kulturtätigkeit kann im heutigen Uihei auch nicht mehr die Rede sein. Das Kulturheim hatte im Herbst 1995 zwar noch einen bezahlten Direktor - in der Person eines Erdölarbeiters - aber zu verwalten hatte er nichts mehr. An das Kino erinnerte nur noch die spezifische Leinwand; die Nebenräumlichkeiten hatte man an zwei kinderreiche Familien vermietet, und eine von ihnen war die des „Direktors". Der Zuschauersaal mit einer Bühne war noch mit einem Schloß versehen, aber ein anderer „Privilegierter" stellte schon den Anspruch darauf, da er schon seit langem eine Bagatellmiete in Höhe von 500 Lei (damals etwa weniger als 20 Pfennige) zahlte. Mit der Auswanderung der Deutschen aus dem Schwabendörfchen hatte sich in Neusiedel a. d. Heide auch die Kulturtätigkeit von selbst aufgelöst.

September 1998                                                                                                 Anton Zollner