DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (41)
Deutsche in der Klissura - Kreis Karasch-Severin

Nachdem man von Orschowa kommend das letzte Dorf der Donauklamm (Klissura), das zum heutigen Kreis Mehedinti gehört, verlässt, erreicht man entlang der Donau weitere rumänische und serbische Dörfer des Kreises Karasch-Severin, in denen bis 1940 Deutsche lebten.

Als erste dieser Siedlungen ist Cozla (ung.: Kozlatelep) anzutreffen, in deren Umgebung Kohle gefördert wird. Hier bekannten sich 1940  46 Personen zur deutschen Volkszugehörigkeit. Wie viele Deutsche dort heute noch leben könnten, war nicht zu ermitteln. Oberhalb von Cozla, auf den Hängen des südlichsten Teils der Almascher Berge befindet sich seit 1827 das böhmische Dorf Weizenried (heute: Gârnic; ung.: Szörénybuzás), das auch Görnik genannt wurde. 1940 ließen sich dort nur 46 Böhmen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Heute bekennt sich kein Dorfbewohner mehr zum Deutschtum, und die gesamte Bevölkerung des Dorfes genießt die Unterstützung Tschechiens bei der Pflege der tschechischen Kultur. Westlich von Weizenried, am Donauufer, befindet sich die Großgemeinde Bersaska (amtlich: Berzasca; ung.: Berszászka). Hier sollen schon 1910  222 Deutsche gelebt haben, die einen Bevölkerungsanteil von über neun Prozent stellten. Zwanzig Jahre später soll aber ihre Zahl auf nur noch die Hälfte gesunken sein. Für das Jahr 1940 wird im zweiten Band der Buchreihe „Das Banat und die Banater Schwaben" die Zahl der Deutschen mit 61 angegeben, während in Regényis und Scherers „Donauschwäbisches Ortsnamenbuch" von 154 deutschen Volkszugehörigen die Rede ist. Nach dem Krieg vollzog sich die totale Auflösung der deutschen Diaspora in der Donauklamm, sei es durch Flucht mit den im Rückzug begriffenen deutschen Heeresverbänden, sei es durch Abwanderungen in die Banater Städte. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich in Bersaska nur noch 8 Personen zum Deutschtum. Die Dorfgemeinschaft bestand damals außer diesen aus 1.373 Rumänen, 178 Tschechen und 60 Sonstigen. Die deutschen und tschechischen Katholiken erhielten 1872 ihre Kirche, die dem Hl. Joachim und der Hl. Anna geweiht wurde. Nur wenig Deutsche (29) gab es 1940 auch in Liubcova (ung.: Alsólupkó), einer Ortschaft mit gemischter Bevölkerung (Rumänen, Serben und Tschechen), die zwischen Bersaska und Alt-Moldowa liegt. Im Januar 1992 gekannten sich dort von den 716 Einwohnern noch immer 7 Personen zum Deutschtum. Die tschechischen und deutschen Katholiken errichteten sich 1932 ein Kirchlein, das dem Hl. Wenzeslaus geweiht wurde. Ebenfalls nur 33 Deutsche wurden vor dem Krieg im serbischen Alt-Moldowa (amtlich: Moldova Veche; ung.: Ómoldova)) gezählt. Von der weiteren Entwicklung ihres Anteils an den Dorfbewohnern ist dem Verfasser dieses Beitrags nichts bekannt.

Neu-Moldowa (amtlich: Moldova Noua; ung.: Újmoldova) soll laut Karl Kraushaar 1718 „entstanden" sein. Wahrscheinlicher ist, dass sich 1718 hier die ersten Deutschen niedergelassen haben. Es gehörte damals wie alle bisher erwähnten Ortschaften zum Banater „Bergdistrikt", das in vier Bergreviere (Bergämter) gegliedert war: Bokschan, Dognatschka, Orawitz und Saska (zu dem auch „Moldowa“ gehörte). 1727 hatte die Wiener Hofkammer im gesamten „Banater Montangebiet" die „Maximilianische Bergordnung" eingeführt, und in Neu-Moldowa soll später ein eigenes Bergamt eingerichtet worden sein. 1728 entstand hier ein Bergwerk, in dem Kupfer, Silber und Blei gefördert wurde. Dies führte zur Ansiedlung von deutschen Bergleuten in und um den Bergort; 1733 kamen Siedler aus Kärnten, Krain, Tirol und der Steiermark hierher. Laut Georg Hromadka sollen 1730 in den vier Bergrevieren etwa 3.000 Berg- und Hüttenarbeiter gearbeitet haben. Ein Teil von ihnen flüchtete aber 1738, als die Türken wieder in das Banater Bergland einfielen. 1740 entstand in der Nähe der Moldowaer Bergwerke die Bufänen-Wohnsiedlung „Bosneag“, das spätere Neu-Moldowa. Die Nachkommen der aus der Kleinen Walachei vor den Türken geflüchteten Walachen nennen sich auch heute noch „bosnegeni“. 1741 wurde in Neu-Moldowa die Existenz einer deutschsprachigen Bergbauschule verzeichnet, die auch von rumänischen und serbischen Schülern besucht war. Als die Türken 1788 wieder in das Banater Bergland eindrangen, erleidete Neu-Moldowa große Schäden. Noch größere Schäden kamen 1848-49 auf das Dorf zu, als die serbischen Bauern den Ort ausraubten und die Kupferhütten zerstörten.

Der Kupferbergbau wurde 1868 in Neu-Moldowa eingestellt, und demzufolge hatte man hier auch keine Deutschen mehr angesiedelt. Mit der Kupferförderung wurde erst in den späten '50-er Jahren wieder begonnen, wofür man eine große Zahl von rumänischen Bergleuten aus allen Teilen des Landes ansiedelte. Anfang der '60-er Jahre befand sich in Neu-Moldowa, das inzwischen zur Stadt erhoben wurde, ein Kupferbergwerk und das dazugehörende Hüttenwerk in vollem Betrieb. Dadurch stieg die Bevölkerung auf das Vielfache der von den Österreichern vorgefundenen Einwohnerzahl. Einige dieser Neubürger zählen zu den heutigen Millionären Rumäniens. Diese bereicherten sich aber nicht in den Berg- und Hüttenwerken, sondern durch den Schwarzhandel mit Treibstoff während des Jugoslawien-Embargos. Heute leben in Neu-Moldowa die meisten Millionäre, wenn man das Verhältnis zur Einwohnerzahl betrachtet. Zugleich herrscht hier, wo man schon immer arm und bescheiden lebte, eine krasse Armut, besonders in den kinderreichen Familien.

1910 lebten in Neu-Moldowa 295 Deutsche, die einen Bevölkerungsanteil von über acht Prozent einnahmen. Zwanzig Jahre später sanken diese Zahlen auf 198 Personen bzw. fast fünf Prozent; sie lebten neben 3.632 Rumänen, 40 Tschechen, 26 Ungarn und 86 Sonstigen. Aber auch 1940 ließen sich noch 161 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Als der Verfasser dieser Zeilen 1958 einige Monate in diesem Dorf beschäftigt war, lebten hier noch immer über 60 Deutsche. Die 1758 in der Dorfmitte errichtete Kirche war damals nur noch sonntags spärlich besucht, sonst war sie meist gesperrt. Einen katholischen Seelsorger gab es in der damaligen politisch angespannten Zeit in der Nähe des feindlichen Tito-Staates auch nicht. Die 1726 gegründete Pfarrei ist 1756 restauriert worden, und 1728 hatte man die Kirchenmatrikelbücher eingeführt. Bei der Volkszählung  vom Januar 1992  bekannten sich von den 4.030 Einwohnern nur noch 22 Personen zum Deutschtum.

Deutsche lebten 1940 auch in einigen westlich von Neu-Moldowa gelegenen serbischen Dörfern, wie in Belobresca (ung.: Fehérdom) und in Basiasch (amtlich: Bazias, ung.: Báziás); es waren 10 bzw. 23 deutsche Seelen. Auch nordwestlich, entlang der „grünen" Landesgrenze, wurden in jenem Jahr in einigen serbischen Dörfern einzelne Deutsche gezählt. So gab es 9 in Socol (ung.: Nérasolymos), 13 in Zlatita (ung.: Néraaranyos), wo es 1845 eine Goldwäscherei gab, und 3 in Langenfeld (amtlich: Câmpia; ung.: Néramezö). Von alle dieser Dörfer konnte nur für Zlatita bestätigt werden, dass dort 1992 keine Deutsche mehr lebten.

Man kann davon ausgehen, dass in diesem Teil des Banater Berglands das deutsche Gemeinschaftsleben schon längst, mit dem österreichischen Bergbau, ausgestorben ist. Aber auch das in den Streusiedlungen des rumänischen Donautals verbliebene Deutschtum ist mit dem Ende des 2. Weltkriegs und in den gleich danach folgenden Jahren für immer beendet. Bei dem Versuch, nähere Daten über diese Ortschaften zu sammeln, musste festgestellt werden, dass viele der hier genannten deutschen Ortsnamen nicht einmal den Ortsverwaltungen mehr bekannt sind.

April 1996                                                                                                             Anton Zollner