DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (125)
Neu-Beschenowa

Das zur Gemeinde Klein-Betschkerek gehörende Dorf Neu-Beschenowa (heute: Dudestii Noi; ung.: Újbessenyö) bestand 1930 mit 2.223 Seelen aus fast 93 Prozent deutscher Bevölkerung. Die ersten deutschen Kolonisten kamen 1748 aus der Mainzer, Trierer und Lothringer Gegend hierher. Die ersten rumänischen Kolonisten kamen erst 1945 ins Dorf, und im selben Jahr begann auch der Rückgang der Zahl der deutschen Bevölkerung. Bei der Volkszählung von 1977 lebten in Neu-Beschenowa nur noch 1.117 Deutsche neben 1.359 Rumänen und 133 Zigeunern. Im März 1990 wurden hier sogar 90 „Neue Banater Zeitung"-Abonnenten gezählt. Nach der Hinrichtung Ceausescus wanderten fast alle Deutsche nach Deutschland aus. Zurückgeblieben sind nur noch einige Personen aus persönlichen Gründen. Eben darum war es überraschend, dass sich bei der Volkszählung von 1992 sogar 92 Personen zum Deutschtum bekannt haben.

Somit kann nun auch Neu-Beschenowa zu den „gewesenen deutschen Dörfern des Banats" gezählt werden. Die Deutschen haben auch hier, wie fast im ganzen rumänischen Banat die Bühne der Geschichte verlassen und sind abgesehen von einigen Ausnahmen ins Mutterland heimgekehrt.

In den letzten Pressemeldungen, die über das gewesene banat-schwäbische Dorf berichten, ist das Dorfleben des Jahres 1995 geschildert. Man erfährt darin über das soziale Verhalten der „Neubürger" und über die Übergriffe der Ortspolizei. Nicolae Chirvasitu aus Neu-Beschenowa erhielt durch das Bodengesetz 5 Hektar vom gewesenen banat-schwäbischen Ackerland. Doch bevor er im vorigen Herbst die Ernte einfuhr, wurde ihm etwa 60 Prozent von seinem Mais von Dieben abgeerntet. In der nächsten Nacht setzte er sich mit seinem Schwiegersohn auf die Lauer. Bald ist dann der Dieb auch erschienen, um seinen PKW wieder mit Mais zu aufzuladen. So entdeckt, bekannte sich Dumitru Savu zu seiner Tat, versprach einen Schadenersatz und ließ als Garantie sein Auto zurück. Bald musste der Beschädigte aber eine Überraschung erleben; der Polizeichef der Gemeinde rief ihn zum Revier, wo er des Autodiebstahls beschuldigt wurde. Der Maisdieb , unterstützt vom Polizeichef, erstattete gegen ihn Anzeige wegen Autoraubes. Dazu sollen sich im Auto Goldschmuck und eine Million Lei befunden haben. Nachdem Chirvasitu sich an die Staatsanwaltschaft wendete, verschwand der Polizeiunteroffizier aus Klein-Betschkerek in Richtung Bukarest. Dorthin fuhr er mit einem gut beladenen Auto, um mit Lebensmittel- und Fleischgaben auf hohe Offiziere Einfluss zu erreichen. Der Fall ist zur Zeit noch nicht abgeschlossen, aber Chirvasitu ist bestimmt der Verlierer; von den 39 Tonnen Mais konnte er nur noch 11 Tonnen einfahren.

Wie es scheint, ist nach der Ausreise der Banater Schwaben aus dem Banat nicht nur das wirtschaftliche Leben zusammengebrochen, sondern auch das soziale Zusammenleben der „Neubürger“ wird in unseren Heimatdörfern immer problematischer.

Juli 1995                                                                                                                  Anton Zollner
 
 

Jubiläumskirche in Not

Neu-Beschenowa (rum.: Besenova Noua; amtlich: Dudestii Noi; ung.: Újbessenyö), in banat-schwäbischer Mundart auch als „Nei-Bschenwa“ bezeichnet, liegt auf der Banater Heide, in Luftlinie etwa 12 km nordwestlich von Temeschburg entfernt. Die Ortschaft ist verkehrsmäßig benachteiligt, da sie abgelegen von den Hauptverkehrsadern, auf der Kommunalstraße Klein-Betschkerek – Sankt-Andres liegt. Über die Strecke Temeschburg – Groß-Sankt-Nikolaus ist sie aber an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Bis zur administrativ-territorialen Umstrukturierung des Landes im Jahre 1968 hatte Neu-Beschenowa den Status einer Gemeinde, seitdem gehört es aber der Gemeinde Klein-Betschkerek an.

Die spätere banat-schwäbische Gemeinde ist schon seit 1333 dokumentarisch belegt, damals befand sie sich auf den päpstlichen Steuerlisten. Laut Karl Kraushaar soll „Neu Bessenova“ schon 1728 mit deutschen Kolonisten besiedelt worden sein. Nach Gheorghe Drinovan ist die Ortschaft im Jahre 1742 von Temeschburg aus verwaltet worden. 1748 ist sie mit Kolonisten aus dem Trierischen erweitert worden, und ein weiterer Ausbau folgte im Jahre 1763. Im Jahre 1749 ist die 1334 gegründete Pfarrei restauriert worden, und zwei Jahre später hatte man hier die Kirchenmatrikelbücher eingeführt. Bis 1749 sind die Eintragungen in den Büchern der Mercydorfer Pfarrei zu finden.

Im Jahre 1890 soll Neu-Beschenowa laut Drinovan 3.134 Einwohner gehabt haben, 1869 zählte man 2.496 Personen. Von 1910 bis 1940 stellten die rund 2.300 Deutschen ständig einen Bevölkerungsanteil von etwa 92 Prozent. Nach dem 2. Weltkrieg sank auch hier die Zahl der Deutschen bis heute. 1977 zählte man unter den 2.658 Einwohnern nur mehr 1.117 Deutsche, der Rest bestand aus 1.359 Rumänen, 133 Zigeunern, 39 Ungarn und 10 Sonstigen. Bei der letzten Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den 2.265 Dorfbewohnern noch 93 Personen zum Deutschtum. Die Zahl der Rumänen ist inzwischen auf 1.837 gestiegen, die der Zigeuner auf 141 und die der Sonstigen auf 136. Die Zahl der Ungarn war auf 31 gesunken. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Neu-Beschenowa sind bis zum Februar 1996 noch 50 Deutsche im Heimatort verblieben.

Über das heutige „Dudestii Noi“ wurde in der Banater Presse der letzten Jahre kaum noch etwas berichtet. In den rumänischen Zeitungen ist das Dorf in den letzten sechs Jahren gar nicht mehr erwähnt worden. Im Sommer 1997 berichtete die „Banater Zeitung“ (BZ – eine Beilage der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“ – ADZ) über das „Casa de la Dudestii Noi“ (Das Haus von Dudestii Noi), das 1992 hier eingerichtete Behindertenheim. Leiterin des Hauses war damals die Rentnerin Ciquita Mischke, die sich schon an vielen Orten der Welt für die Kranken und Behinderten einsetzte. Schwester Ciquita, die von den betreuten Kindern auch liebevoll „Mama Ciquita“ genannt wurde, sorgte, unterstützt von ihren Angestellten (Magdalena Florea, Gabriela Ghita und das Ehepaar Florica und Gigel Danila) dafür, dass sich hier 3- bis 10-jährige schwerbehinderte Kinder, die aus dem Krankenhaus entlassen wurden, zwei Monate lang erholen sollen. Laut BZ-Meldung ist das Pflegeheim in einem „villenähnlichen Haus“ mit Parkanlage eingerichtet. Für ihren selbstlosen Einsatz im Dienste der Armen und Leidenden aus Neu-Beschenowa, aber auch für die Unterstützung des hiesigen Kindergartens und der Schule ist Schwester Ciquita der Titel des Ehrenbürgers der Gemeinde Klein-Betschkerek (zu der das Dorf gehört) verliehen worden.

Im Juli 2000 berichtete die ADZ über das verheerende Unwetter, das nach nur zwei Jahren wieder über das Banat gezogen ist und demzufolge auch über Neu-Beschenowa tobte. Der Sturm beschädigte etwa 300 Häuser, entwurzelte Bäume und vernichtete einen großen Teil der bebauten Felder.

Erst das 250. Kirchenjubiläum, das am 31. August 2001 hier gefeiert wurde, gab den Anlass dazu, dass in der Banater Presse (auch in der rumänischen) wieder aus und über Neu-Beschenowa berichtet wurde. Der Festgottesdienst ist vom Temeschburger Diözesanbischof Msgr. Martin Roos zelebriert worden, seine Konzelebranten waren Prälat Dr. Gegenfurtner aus Regensburg und der Ortspfarrer Bonaventura Dumea, der aber seinen Sitz in Billed hat. Neben den 114 Katholiken aus dem Ort, sind auch viele ehemalige Pfarrkinder aus dem Ausland zum Kirchenfest gekommen. An der Festmesse nahmen auch Vertreter der Heimatortsgemeinschaft aus Deutschland und des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, wie auch Bürgermeister Leonte Marin, teil.

Mit dem Bau der Neu-Beschenowaer Kirche ist 1748 begonnen worden, und nach drei Jahren, 1751, hatte man sie fertiggestellt. 1997 ist die Kirche gründlich repariert worden, aber das Unwetter, das im Sommer 1998 das Dorf heimsuchte, hatte sie wieder sehr beschädigt. Diese Schäden konnten bis heute nicht mehr beseitigt werden. Daneben nagt auch die Feuchtigkeit  an den Kirchenwänden, so dass der Putz ständig bröckelt. Für eine fachgerechte Renovierung wären zur Zeit hohe Geldbeträge nötig, die von den jetzigen Katholiken nicht mehr aufgebracht werden könnten. Deshalb haben die ausgewanderten Neu-Beschenowaer vor Ort sofort eine Spendeaktion eingeleitet. Um dies besser begründen zu können, hatte man vor dem Jubiläumsfest keine Verschönerungsreparaturen durchgeführt, sondern man hat die Kirche einfach mit Blumen geschmückt.  So konnten sich die Gäste besser sich über den Zustand der Heimatkirche vor Ort informieren. Man sollte aber auch nicht für alle Kleinigkeiten Hilfe aus dem Ausland erwarten. Einiges könnte man noch aus eigener Kraft tun, wie es mit der Turmuhr der Fall war. Die seit langem stillstehende Uhr  wurde im Nu vor Ort von einem Besucher aus Deutschland in Gang gesetzt, ohne dass dabei Kosten entstanden wären.

März 2002                                                                                                                 Anton Zollner