DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (126)
N e u – A r a d

Die einstige deutsche Gemeinde Neu-Arad (rum.: Aradu Nou; ung.: Újarad) ist laut Daniel Schemmel 1948 in die Großstadt Arad eingemeindet worden. In der Zeit der ungarischen Verwaltung gehörte Neu-Arad zum Komitat Temesch. Unter rumänischer Verwaltung war die Gemeinde bis 1925 der Sitz eines Stuhlbezirks (plasa) des Landkreises Temesch-Torontal, danach wurde der Stuhlbezirk dem Landkreis Arad angeschlossen. Auf diese Weise wurde ein Teil des Banats vom Kreisch-Gebiet (Crisana) aus, das nördlich der Marosch (Mures) liegt, verwaltet. Die gewesene Gemeinde liegt am linken Ufer des Marosch-Flusses und ist mit Arad durch zwei Brücken verbunden; es sind die letzten, die das Gewässer auf rumänischem Boden überqueren. Die eine Brücke befindet sich auf der Land- und zugleich Europastraße (DN 69 bzw. E-671) Temeschburg – Arad und verbindet somit das Banat mit dem Kreisch-Gebiet. Die zweite ist die Eisenbahnbrücke, die als Teil einer Hauptverkehrslinie von nationaler Bedeutung ist, aber wegen ihres äußerst schlechten Zustands in die Kritik der Öffentlichkeit gelangte.

Neu-Arad ist schon um 1332-33 in den päpstlichen Zehentlisten als Apachya dokumentarisch belegt worden. In den Jahren 1483-85 ist der Ort als „praedium Apacya“ bezeichnet worden. Im 17. Jahrhundert hat sich die Siedlung durch Entvölkerung aufgelöst. Laut Schemmel soll es noch vor der Ansiedlung der Deutschen an der Stelle der späteren Engelsgasse eine serbische Siedlung gegeben haben, weshalb man die genannte Straße im Volksmund „Raazengass“ (= Raizengasse) bezeichnete. Die Ansiedlungszeit der ersten Deutschen scheint nicht genau bekannt zu sein. Laut Aufzeichnungen in der Chronik der Neu-Arader Pfarrei soll Graf Mercy hier die ersten Deutschen 1720-22 aus Franken und Elsass-Lothringen ansiedeln haben lassen. Schemmel gibt sogar zwei verschiedene Jahre, und zwar 1723 und 1724 als die Zeit der Ansiedlung an, während Luzian Geier das Jahr 1723 als das richtige betrachtet. Karl Kraushaar schreibt, dass die Ansiedlung der Deutschen 1720 stattgefunden hat, und dass 1762 die Ortschaft „ausgebaut“ wurde. Für das Jahr 1766 gibt er eine „Erweiterung“ um 82 Häuser an. Fest steht nur, dass am 25. Juli 1725 die Neu-Arader Pfarrei wiedererrichtet und die Kirchenmatrikelbücher eingeführt wurden. Bis dahin wurden die katholischen Gläubigen seelsorgerisch von den Arader Minoritenpriestern betreut.

1725 ließ Graf Mercy eine katholische Kirche errichten, die aber 1747 niederbrannte. Zwischen 1754 und 56 wurde auf Kosten der Kaiserin Maria Theresia eine zweite Kirche erbaut. Da die Zahl der Katholiken von etwa 800 im Jahre 1738 bis zur Jahrhundertwende auf über 3.000 gestiegen ist, ließ der Grundherr Siegmund Lovász de Eötvenes um 1812 die Kirche abreißen, um eine größere zu errichten. Für die Bauzeit stellte er sein Glashaus als Gotteshaus zur Verfügung, aber gleich nach dem Abriss ist der Grundherr verstorben. Seine Witwe ließ die Kirche weiterbauen, aber es mussten über zehn Jahre vergehen, bis die heutige Kirche am 12. Januar 1823 eingeweiht werden konnte. Während der Kämpfe, die hier im September 1944 stattgefunden haben, ist das Gotteshaus stark beschädigt worden. Da eine Renovierung dringend nötig war, bemühte man sich, die nötigen finanziellen Mitteln anzuschaffen. 1953 stellte das rumänische Kultusministerium dafür ... 1.000 Lei zur Verfügung, aber die Pfarrgemeinde spendete regelmäßig, bis die nötigen 24.000 Lei zusammengekommen waren. Da 1954 die Neu-Arader Pfarrkirche zum historischen Baudenkmal erklärt wurde, konnte 1955 auch die innere Renovierung durchgeführt werden. Eine weitere Renovierung des Sakralbaus ist 1988 (außen) und 1989 (teilweise innen) unternommen worden.

Bis 1841 stieg die Zahl der Deutschen auf 3.900, was einem Bevölkerungsanteil von über 92 Prozent entsprach. Ihre Zahl stieg ständig bis 1940, als diese die 5.948 erreichte, während ihr Anteil an der Bevölkerung  zwischen 84 und 96 Prozent schwankte. Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg sank die Zahl der Deutschen um etwa 1.500 Personen, und die der Rumänen nahm gleichermaßen zu. Eine weitere Entwicklung der ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung konnte nach der Eingemeindung der Ortschaft 1948 in die Großstadt Arad nicht ermittelt werden. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Neu-Arad aus Deutschland, lebten im Februar 1996 noch 120 Deutsche auf dem Gebiet der einstigen deutschen Gemeinde.

Laut Karl Franz Waldner und Daniel Schemmel (gewesene Arader Lehrer) ist es dokumentarisch belegt, dass es in Neu-Arad 1725 eine deutsche Lehrkraft gegeben hat; Anton Nick unterrichtete damals alle Schüler in einem Raum. 1768 erhielt der Oberlehrer Adam Levay einen „Schulgehilfen“. Im Schuljahr 1778-79 wurden noch immer 466 Schüler in einem Unterrichtsraum, in dem nur  60 Platz hatten, unterrichtet. Laut Schemmel ist es anzunehmen, dass um 1823 das erste Schulgebäude aus Ziegeln und mit Schindeln bedeckt an der Ecke Schul- und Kirchengasse errichtet wurde. 1851 erhielt die Schule die dritte und kurz danach die vierte Lehrkraft. Laut Luzian Geier soll es hier ab 1838 eine konfessionelle Volksschule gegeben haben. 1853 richtete man in der Schmelzergasse eine Knabenschule ein. 1884 kam eine Mädchenschule und ein Kindergarten hinzu, in denen die Armen Schulschwestern des „Notre Dame“-Ordens unterrichteten. 1897 ließ Kardinal Lorenz Schlauch diese Schule erweitern. Im Herbst 1923 ist die Knabenschule in eine Bürgerschule (das heißt: die ersten 4 Klassen eines Gymnasiums) umgewandelt worden. Direktorlehrer soll hier laut Dr. Otto Greffner Edmund Neidenbach gewesen sein. Nach demselben Autor wurde man aber verpflichtet, einige Fächer in Rumänisch zu unterrichten. 1940 ist das gesamte deutsche Schulwesen Rumäniens der Deutschen Volksgruppe untergeordnet worden. Das Neu-Arader deutsche Gymnasium ist bei dieser Gelegenheit nach Arad verlegt worden, wo das berühmte „Adam Müller-Guttenbrunn“-Gymnasium gegründet wurde. Nach dem Einmarsch der Roten Armee sind alle deutsche Schulen im Lande verboten worden.

Nach dem Krieg sind die ersten deutschen Schulen erst 1948, im Rahmen der kommunistischen Schulreform zugelassen worden. In Neu-Arad entstand damals eine Grundschule (1. – 4. Klassen), die bald in eine Elementarschule umgewandelt wurde. Diese ist zu einer Pflichtschule, bestehend aus 7 Klassen mit Schulabschluss (4 Grundschul- und 3 Gymnasialklassen) geworden. 1951 gründete man in der zum Stadtteil gewordenen Gemeinde eine deutsche Lehrerbildungsanstalt, die aber nach nur zwei Absolventenserien im Jahre 1956 in ein Lyzeum umgewandelt wurde, in dem es eine deutsche und eine rumänische Abteilung gab. Zeitweise wurde hier auch ausschließlich deutsch unterrichtet. In der Ceausescu-Diktatur funktionierte die Neu-Arader Schule, dem Zeitgeist entsprechend mal als allgemeinbildendes, mal als Industrielyzeum. Nach 1990 wurde die Schule wieder zu einem theoretischen Lyzeum. Am 1. September 1999 erhielt das „Deutsche Gymnasium Arad“ seine ehemalige Benennung „Adam Müller-Guttenbrunn“-Lyzeum wieder. Zur Zeit werden im (wieder) zweisprachigen Lyzeum 1.321 Schüler in 46 Klassen, die in vier verschiedenen Gebäuden untergebracht sind, unterrichtet. In einem dieser Gebäuden ist auch seit 1991 eine banat-schwäbische Heimatstube eingerichtet. In der deutschen Abteilung hat nur noch ein Teil der Lehrkräften und lediglich 10 Prozent der Schüler eine deutsche Abstammung. Die meisten Schüler sind Rumänen, deren Eltern sehr viel daran liegt, dass die Ausbildung ihrer Kinder in deutscher Sprache erfolgt. Zum Schulleiter werden auch vorrangig Rumänen ernannt, wie Costica Dobrin (1991) oder Mario Stoica (2001). Das Lyzeum ist gleich nach der Wende reichlich mit Hilfssendungen aus Deutschland beliefert worden. Das Gymnasium aus Hürth hat sogar die Patenschaft für das Lyzeum übernommen und zur modernen Ausstattung der Schule beigetragen. Da die Qualität des Unterrichts besser ist als in den anderen Schulen Arads, steigt hier die Schülerzahl ständig.

Dieser Trend wird auch vom Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) kräftig unterstützt, da nur auf dieser Weise die deutschen Schulen in Rumänien erhalten werden können. Dazu sind nach der Abwanderung der deutschen Bevölkerung nach Deutschland die deutschen Schulen zu Trägern der deutschen Kultur geworden. Ansonsten betrachtet das DFDR die Zugehörigkeit zum Deutschtum nicht mehr nach dem Kriterium der Abstammung, sondern nach der Beherrschung der deutschen Sprache. Demzufolge ist für das Forum jede Person, die eine deutsche Schule besucht ein ... „Deutscher“! Aber ohne diese „Deutschen“ könnte man in Neu-Arad aus eigenen Kräften auch keine Kirchweihfeste mehr feiern.

Traditionsgemäß finden die Neu-Arader Kirchweihfeste am ersten Sonntag des Monats September statt. Ausgeblieben ist die Kirchweih nur während der Kriege und einige Jahre nach dem letzten Krieg. Seit den ’60-er Jahren, als das größte Fest der Banater Schwaben wieder, aber nur als „Volksfest“ erlaubt wurde, mussten verschiedene Kompromisse mit dem Regime gemacht werden. Nach den Dezemberereignissen von 1989 wollte man die Tradition der „echten“ Kirchweihfeste wieder aufnehmen, aber schon 1990 begann der Massenexodus der Deutschen aus Rumänien ins Mutterland, wodurch die Zahl der Teilnehmer immer magerer wurde. Die Veranstaltung der Kirchweihfeste ist vom Demokratischen Forum der Deutschen in Arad (DFDA) und vom Arbeitskreis (AK) Junger Akademiker Banat-JA aus Rumänien und von jenem aus Deutschland übernommen worden. An eigenen Trachtenträgern hat es hier durch das Engagement der Schüler des deutschen Lyzeums nicht gefehlt. Das erste Kirchweihfest nach der Wende ist 1993 mit 7 Trachtenpaaren veranstaltet worden.

Über den Verlauf der Neu-Arader Kirchweihfeste berichtete jedes Mal die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“ (ADZ) bzw. die „Banater Zeitung“ (BZ). Im September 1996 berichteten beide Blätter wieder, dass beim damaligen Fest 23 Trachtenpaare bei strömendem Regen durch das Stadtviertel marschiert sind. Man behauptete, dass noch mehr Paare dabei gewesen wären, wenn man über genügend Trachten verfügt hätte. Dem Namen nach konnten nicht besonders viele deutsche Jugendliche die Tracht getragen haben: das erste Vortänzerpaar bildeten Monika Dumitrescu mit Christian Sallai, und das zweite bestand aus Christine Dumitrescu mit Holger Schragner. Den Festgottesdienst zelebrierte in der katholischen Kirche der damals 87-jährige Pfarrer Dr. Anton Schulder. Unter den 200 zum Festessen Eingeladenen befanden sich als Ehrengäste der Konsul der Temeschburger Außenstelle der Deutschen Botschaft – Uwe Zorn, der Arader Vizebürgermeister – Valentin Neamt, die Vorsitzende des DFDA – Annamaria Göckel, die Vorsitzenden der AK Banat-JA aus Deutschland und aus Rumänien – Manfred Engelmann bzw. Pompilia Szellner, u.v.a. Zum Ausmarsch und zum „Kerweih“-Ball spielte die slowakische Blaskapelle „Nadlaceanca“ aus Nadlak. Das Festprogramm des Nachmittags wurde von den Volkstanz- und Volksmusikgruppen  aus Groß-Karol, Groß-Sankt-Nikolaus, Reschitz, Ferdinandsberg und Tamasi (Ungarn) dargeboten. Auch das Kirchweihfest des Jahres 1998 fand unterm Regenschirm statt. Michael Szellner, der stellvertretende Vorsitzende des DFDA behauptete sogar, dass dies die 68. Kirchweih des 20. Jahrhunderts gewesen sei, die in Neu-Arad bei Regenwetter stattgefunden hat. Der Leitspruch der Kirchweih „Gut soll es uns gefallen, die Kerwei gehört ja uns allen!“ sollte auf den multinationalen Charakter dieser (banat-schwäbischen!) Kirchweih hinweisen, an der wieder die Vertreter der Slowaken mit ihrer Blaskapelle „Nadlaceanca“, aber auch die der Serben und der Bulgaren teilgenommen haben. Dies kam beim Präsidenten der Union Europäischer Föderalisten, Jo Leinen, besonders gut an (!). Den Festgottesdienst zelebrierten der Neu-Arader Pfarrer Anton Schulter und der Kaplan Robert Dürbach. Zu den Ehrengästen gehörten Jo Leinen, Kurt Seidel von der DJO- Deutsche Jugend in Europa, Manfred Engelmann – Vorsitzender der AK Banat-JA aus Deutschland, Karl König vom Departement für Minderheiten im Kulturministerium, Levente Bognar – Subpräfekt des Kreises Arad, Dan Ivan – Vorsitzender des Arader Kreisrats, Karl Singer – Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat (DFDB), Roland Cucuruz, Vorsitzender des Temeschburger Forums der Deutschen, u. a.

Im September 1999 fand das Kirchweihfest bei schönem sonnigem Wetter statt. Der Kirchweihzug bestand diesmal aus 27 Trachtenpaaren; an seiner Spitze befand sich das Vortänzerpaar Christine Dumitrescu mit Holger Schragner. Den Festgottesdienst zelebrierten die Priester Robert Dürbach und Martin Jäger. Am Nachmittag, während des Kulturprogramms, das im Deutschen Lyzeum stattfand, protestierten die Kirchweihgäste gegen die damals drohende Schließung des Deutschen Generalkonsulats aus Temeschburg. Am Abend wurden die Gäste zum traditionellen Kirchweihball eingeladen. Diese letzte Kirchweih, über die in der in der deutschen Presse Rumäniens berichtet wurde, ist vom AK Banat-JA aus Rumänien und vom Arader Ortsforum der Deutschen veranstaltet worden.

Am ersten Septembersonntag des Jahres 2001 fand das 10. Kirchweihfest nach dem Sturz Ceausescus statt. Veranstaltet wurde es vom Demokratischen Forum der Deutschen in Arad, vom AK Banat-JA aus Deutschland und Rumänien, wie auch von der Neu-Arader katholischen Kirchengemeinde. Gesponsert wurde die Veranstaltung von der rumänischen Regierung durch den Minderheitenrat und durch das Staatssekretariat für Nationale Minderheiten, vom Arader Bürgermeisteramt, vom Arader Funk- und Fernsehen, wie auch von der Firma „Armin-Mayer-Reisen“ und von Roland Haussner. Der Kirchweihzug bestand diesmal aus 24 Neu-Arader Trachtenpaaren. Die Vortänzer waren Christine Madar und Adi Kovacs. Nach dem Festgottesdienst marschierten sie auf den Klängen der Nadlaker Blasmusikkapelle „Nadlaceanca“ durch das Stadtviertel. Nach dem volkstümlichen Kulturprogramm, an dem auch viele Ehrengäste teilgenommen haben (darunter auch Mitglieder des Landesverbands Niedersachsen der „Deutschen Jugend für Europa“ – DJO), folgte am Abend der „Kerweihball“, der bis in die Morgenstunden dauerte. Als eine Besonderheit dieser Kirchweih betrachtete die BZ vom 12.09.2001 die Tatsache, dass einige Jugendliche „Vertreter der serbischen, slowakischen, bulgarischen und ungarischen Minderheit unbedingt als Trachtenpaare mitmachen wollten, um sich für einen Tag als Deutsche fühlen zu dürfen“ (!).

Über das heutige Leben in Neu-Arad berichtet hauptsächlich die rumänische Lokalzeitung „Adevarul“ (Die Wahrheit). In den Ausgaben des Jahres 1999 schilderte das Blatt den Verfall, dem das einstige deutsche Dorf und der heutige Stadtteil ausgesetzt ist. Der einstige Viehmarkt ist zu einer Müllhalde geworden, wo auch Tierkadaver (hauptsächlich Pferde) abgesetzt werden. Wegen des üblen Gestanks, der sich über die ganze Umgebung verbreitet, wird die Umgebung von Menschen so weit wie möglich gemieden. Für die Wiederherstellung der Ordnung auf dem einstigen Markt fühlt sich keiner zuständig. Das Gesundheitsamt sei nicht verantwortlich für die Entsorgung von Tierkadaver. Das Umweltamt konnte sich nicht vorstellen, dass es so einen Zustand auf dem Stadtgebiet geben kann, und darum wollte man die Lage vor Ort länger beobachten. Das Veterinäramt wollte von der ganzen Sache nichts wissen, da für die Entsorgung der Kadaver das Bürgermeisteramt als Betreiber der Müllentsorgung zuständig ist. Der letztere behauptete, dass ein verendetes Pferd schon einmal vom zuständigen Betrieb entsorgt wurde, und dass er von weiteren Kadavern „keine Kenntnis hatte“. Während dieser Erklärungsversuche der Verantwortlichen, verfaulten die Tierkadaver weiter unter der Nase der in der Umgebung wohnenden Bevölkerung.

In einer weiteren Ausgabe berichtete die Zeitung über den äußerst schlechten Zustand der Ortsstraßen, die kaum noch befahrbar waren. Der rumänische Journalist konnte sich nicht erklären, wie dieses einst von Deutschen bewohnten  Stadtviertel in diesen Zustand des totalen Zerfalls kommen konnte. Im gesamten Wohnviertel gab es keine einzige funktionierende Telefonzelle. In der Nähe des Neu-Arader Bahnhofs nutzte man ein Terrain der Stadt als Trödelmarkt, auf dem keine Gesetze oder Vorschriften eingehalten wurden. Da war es auch nur „normal“, dass in Bretterbuden Lebensmittel verkauft wurden, ohne dabei die Grundregeln der Hygiene einzuhalten. Das Bürgermeisteramt verhielt sich so, als ginge ihn der illegale Markt und die Gesundheit der Käufer gar nichts an. Wie sollte dies aber geschehen, wenn in Neu-Arad der Bevölkerung nicht einmal ein Ambulatorium zur Verfügung steht?

Westlich von Neu-Arad befand sich auch die Ortschaft Siegmundhausen (rum.: Murasel; ung.: Zsigmondfalva), die auch nach dem 2. Weltkrieg von Arad eingemeindet wurde. Die Siedlung konnte laut Karl W. Waldner etwa 1740 an einer Marosch-Furt entstanden sein. Die von Dr. Gerhardt Hochstrasser erstellte Hypothese, wonach Siegmundhausen schon 1666 in den Schriften der Ipeker Patriarchie und und Reisebericht des Türken Evliya Celebi dokumentarisch belegt worden sei (siehe BZ vom 22. Mai 1996) kann nicht ohne Skepsis angenommen werden. Eine Siedlung, die man als „Arad, mahala prjeko Morisa (= Arad, Vorort über der Marosch) bezeichnet, muss nicht unbedingt Siegmundhausen sein. Diese Bezeichnung könnte genau so gut auch für das zerfallene und nach 1660 allmählich wiederbevölkerte Apachya (Neu-Arad) zutreffen. Die ersten Bewohner der Siedlung waren möglicherweise Zigeuner, die ihren Ort 1766 „Ciganka“ nannten. Später kamen auch rumänische Familien hinzu. Siegmundhausen ist als Dorf eigentlich erst 1809 mit der Ansiedlung der Deutschen entstanden. Der Grundherr  Siegmund Lovász de Eötvenes siedelte hier Deutsche aus den nahegelegenen deutschen Dörfern des Banats an. Der Grundherr, der nach nur drei Jahren verstorben ist, verlieh seinem Siedlungswerk seinen Namen. Dies war auch die einzige Ortschaft südlich der Marosch, die schon immer dem Komitat Arad angehörte. Eingegliedert ins Banat war das Dorf nur am Anfang der rumänischen Verwaltung und zwar im Neu-Arader Stuhlbezirk des Kreises Temesch-Torontal. Laut Géza Kovách bestand Siegmundhausen 1828 aus 151 mittellosen Feldarbeitern, zwei Knechten und 24 Handwerkern mit ihren Familien. 1880 lebten im Ort 363 Deutsche neben 235 Rumänen, 217 Ungarn und 64 Sonstigen. Bis 1940 stieg ihre Zahl auf 806, als sie einen Bevölkerungsanteil von 45 Prozent stellten. Die katholischen Gläubigen bildeten schon immer eine Filiale der Neu-Arader Pfarrei, und die deutschen Kinder besuchten die deutsche Schule aus Neu-Arad. Seit der Eingemeindung Siegmundhausens (etwa 1948?) in die Großstadt Arad gibt es über diesen Stadtteil keine separaten statistischen Daten.

Juli 2002                                                                                                                                   Anton Zollner