DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (38)
M o r i t z f e l d

Moritzfeld (heute Maureni; ung.: Móriczföld) gehört heute zum Kreis Karasch-Severin, aber es liegt praktisch noch am Rande der Banater Ebene, und darum gehörte es vorher immer zum Temescher Komitat. Das Dorf wurde 1787 während des
Josephinischen III. Schwabenzuges mit 30 Familien neu angesiedelt. Die Pfarrei ist 1786 gegründet worden, als man auch die Matrikelbücher einführte. Für dieses Jahr wurden nur Sterbefälle, nicht aber auch Taufen und Eheschließungen eingetragen. 1910 lebten schon 2.184 Deutsche in Moritzfeld, was einem Anteil von 88,5 Prozent der Dorfbewohner entsprach. Zwei Jahrzehnte später sank ihre Zahl auf 2.015, aber ihr Bevölkerungsanteil stieg auf 95,5 Prozent. Die Zahl der Deutschen sank im Laufe der Zeit ständig bis heute. Nur im November 1940 hatte man hier wieder um 26 Deutsche mehr, also 2.041 deutsche Volkszugehörige registrieren können. Im Jahre 1977 zählte man im einstigen reinen Schwabendorf nur noch 979 Deutsche bei einer Gesamtbevölkerung von 1.932 Personen, was aber noch immer einen Bevölkerungsanteil von etwa 50 Prozent bedeutete.

Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich aber von den 1.692 Einwohnern des Dorfes nur noch 126 Personen
zum Deutschtum. Den Rest bildeten 1.511 Rumänen, die aus allen Regionen des Landes zugewandert sind, 46 Ungarn und 9
Sonstige. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Moritzfeld lebten im Februar 1996 in Heimatdorf noch 114 Deutsche.
1940 wurden auch im rumänischen Nachbarort Groß-Schemlak (amtlich: Semlacu Mare; ung.: Nagysemlak) 52 Deutsche
registriert. Bei der Volkszählung von Januar 1992 bekannten sich auch hier von den 409 Dorfbewohnern 10 Personen zum
Deutschtum.

Die Moritzfelder katholische Kirche ist 1719 dem Hl. Martin von Tours geweiht worden. Im Jahre 1827 ist das Gotteshaus renoviert worden, und zugleich hatte man den Kirchturm erhöht. Moritzfeld ist auch der Geburtsort des ersten „Schwabenbischofs“ der Temeschburger Diözese, Dr. Augustin Pacha, der hier am 26. November 1870 das Licht der Welt erblickte.

In den letzten 14 Jahren war in der Banater Presse kaum etwas über Moritzfeld nachzulesen, nicht einmal in der „Neuen
Banater Zeitung". Erst im Februar und im März 1995 veröffentlichte die Temeschburger Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) drei kurze Berichte über das, was aus dem einstigen Schwabendorf übrig geblieben ist. So erfährt man, dass es hier nur noch „einzelne Deutsche" gibt. Nur „wenige Personen" besuchen noch die katholische Kirche, die seit zwei Jahren von Barbara Sot betreut wird. Seit 1886 soll es Tradition sein, dass die Kirche immer von einer Frau betreut wird, die zugleich am Strick die Glocken zum Läuten bringt.

Mit den zugewanderten Rumänen gibt es besonders viele Schwierigkeiten. Die wenigsten von ihnen können das
bewirtschaften, was ohne Arbeit und Schweiß zu ihrem Eigentum gemacht wurde. Viele komfortable und mit Parkett belegte
Schwabenhäuser wurden zu schmutzigen Ställen heruntergewirtschaftet.

Dasselbe gilt auch für das zur Gemeinde Moritzfeld gehörende Dorf Sosdea (ung.: Sósd) mit seinem 1908-09 gegründeten
deutschen „Nebenort" Waldau. Hier lebten anfangs 424 Deutsche, die fast ein Viertel der Bewohner Sosdeas ausmachten. Vor dem 2. Weltkrieg blieben nur noch etwa 245 Deutsche im Ort, die einen Bevölkerungsanteil von über 15 Prozent stellten. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft lebte in Waldau im Februar 1996 kein einziger Deutscher mehr. Weitere Daten aus den Nachkriegsjahren sind dem Verfasser dieser Zeilen nicht bekannt.

Bildungsmäßig haben die zugewanderten Rumänen der zwei Ortschaften ein so tiefes kulturelles Niveau, dass sie nicht einmal den Gemeindearzt in Anspruch nehmen wollen. Unter den 2.780 Einwohnern der gesamten Gemeinde gibt es 800 Kinder. Viele dieser Kinder müssen zu Behandlungen von Polizisten in das Ambulatorium gebracht werden, weil die Eltern sich dagegen wehren. Dabei gibt es bei dieser hohen Kinderzahl gar keinen Kinderarzt in der Gemeinde. Für die gesamte ärztliche Betreuung ist seit zwölf Jahren nur Dr. Georgeta Sandici zuständig. Zur Zeit findet sie aber keinen Ausweg mehr aus der sozialen Not, in der sich die zugewanderte Bevölkerung befindet. Als Höhepunkt dieser Misere betrachtet die Ärztin den Fall einer Moritzfelder Frau mit vielen Kleinkindern, von denen drei wegen Verwahrlosung schon gestorben sind. Vor einem Jahr war sie wieder im 6. Monat schwanger, aber zugleich war sie an Syphilis erkrankt. Gleichzeitig hatte ihr Lebensgefährte mit der ältesten, noch minderjährigen Tochter der Frau ein intimes Verhältnis.

Dementsprechend kann man mit Recht behaupten, dass die von den Deutschen verlassenen Dörfer langsam in mittelalterliche Zustände zurückfallen.

April 1996                                                                                                         Anton Zollner