DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS ( 28 )
L i e b l i n g

Liebling (auch amtlich so) ist 1786 durch die Ansiedlung von deutschen Kolonisten gegründet worden. Karl Kraushaar schrieb, dass die Ansiedlung von 102 deutschen Familien erst 1787 stattgefunden habe. Es waren evangelische Gläubige, die hier ihre neue Heimat aufbauten, und die nicht zuließen, dass ihr Dorf anders als „Liebling" genannt werde. Nicht einmal den Ungarn, die alles was nur möglich war magyarisierten, ist es gelungen, den Ortsnamen „Kedveske" einzuführen.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts, 1910, lebten in Liebling 4.155 Deutsche, die einen Bevölkerungsanteil von 95,5 Prozent
ausmachten und der bis zum 2. Weltkrieg unverändert blieb. 1940 zählte man hier sogar 4.933 Personen deutscher Nationalität. Erst nach dem Kriegsende begann die Rumänisierung der Großgemeinde durch den Verlust der deutschen Bevölkerung und der Besiedlung mit Rumänen. Liebling verlor im letzten Krieg 191 Frontsoldaten und 19 Zivilisten. Während der Flucht sind 12 Personen umgekommen, und 46 mussten ihr Leben in Russland lassen. Viele Lieblinger kamen durch den Krieg nach Deutschland, was dann die Aussiedlung der Banater Schwaben auslöste. So kam es, dass 1977 von 3.098 Dorfbewohnern nur noch 982 Deutsche waren, was einen Bevölkerungsanteil von nur noch 31,7 Prozent bedeutet. Sofort nach der Dezemberereignissen von 1989 gab es eine Massenauswanderung, nach der nur noch der Ortsnamen deutsch geblieben ist. Wenn es im März 1990 noch 63 „Neue Banater Zeitung"-Abonnenten gab, was eine deutsche Einwohnerzahl von etwa 200 bis 250 Personen vermuten lässt, so lebten Ende 1991 nur noch 70 Deutsche hier.

Die Volkszählung vom 7. Januar 1992 lieferte dann auch konkrete Zahlen. Von den 3.028 Einwohnern bekannten sich nur noch 54 Lieblinger zum Deutschtum, was aber, wie die Erfahrung lehrt, nicht bedeutet, dass alle auch Deutsche waren. Weitere 3 Personen bekannten in dem zur Gemeinde gehörenden rumänisch-ungarischen Dorf (Conacul) Iosif zum Deutschtum. Dafür stieg in Liebling im Vergleich zu 1977 die Zahl der Rumänen von 2.028 auf 2.790, die der Ungarn von 33 auf 73 und die der Zigeuner von 51 auf 92.

Einer der wenigen im Heimatdorf verbliebenen Deutschen wurde bei den Kommunalwahlen von 1992 auf der Liste der damaligen Front der Nationalen Rettung (FSN) zum Bürgermeister Lieblings gewählt. Der Grund, der ihn dazu bewegte, blieb unbekannt, aber man wusste schon damals, dass diese Regierungspartei zu den nationalen Minderheiten kein besonders freundliches Verhältnis hat. Soll dieser wieder ein „Aushängeschild" für die „weise Nationalitätenpolitik" der neuen Machthabern gewesen sein?

In den deutschen Zeitungen des Landes ist der letzte Bericht über Liebling am 26. August 1992 in der „Neuen Banater Zeitung" erschienen. Damals wurde über ein ökologisches Verbrechen berichtet. Aus dem 1985 angelegten 26 ha großen Teich, in dem sich 50 bis 60 Tonnen Fische befanden, wurde in der Nacht des 14. August 1992 von einem Unbekannten das Wasser herausgelassen. Dies bedeutete aber nicht nur das Verenden von großen Mengen von Fische, sondern auch eine Bedrohung für eine reiche Vogelwelt der Umgebung (Möwen, Störche, Wildenten, usw.).

Erst im August 1994 wird dann wieder über Liebling berichtet, diesmal aber in den banater rumänischen Zeitungen „Timisoara" und „Agenda". Darin wird die Gründung der rumänisch-italienischen Handelsgesellschaft „BRIST PAN" mit dem Sitz im Haus mit der Nummer 726 bekannt gegeben. Diese Firma soll Back- und Milcherzeugnisse produzieren. Die italienischen Backöfen sollen täglich 3.500 Brote backen. Die Inbetriebnahme einer eigenen Mühle war für einen späteren Termin vorgesehen. In der Käseabteilung sollen Butter und verschiedene Käsesorten erzeugt werden, darunter auch der bekannte „Mozarella". Dafür werden täglich 2.000 Liter Milch verarbeitet. In der dritten Abteilung werden zehn Biskuitsorten, Pizza, Tortenblätter und Grisine fabriziert. All diese Erzeugnisse werden in Liebling und in Temeschburg auf den Markt gebracht. Man kann jetzt leicht annehmen, dass der Herstellerbezeichnung „Liebling" dafür gute Werbung machen wird. Es stellt sich aber doch die Frage: Wird Liebling seinen Namen auch weiter beibehalten können, und wie wird er in diesem Fall in einigen Jahren ausgesprochen? Sollte man aber im Banat bald den neuen Ortsnamen „Draguta" hören, so bedeutet dies noch nicht, dass eine neue Ortschaft auf der banater Landkarte erschienen ist!

Juli 1995                                                                                                                            Anton Zollner
 

PS.: Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Liebling lebten im Februar 1996 im Heimatdorf noch 61 Deutsche.